
Mit aktuellen Aufnahmen so zu klingen, als seien sie vor 40 Jahren aufgenommen worden, ist offenbar ein großer Sport in der Roots- und Dub-Community. Wahrscheinlich verklären die inzwischen grauhaarigen Produzenten jenes Gefühl der Erleuchtung, das sie in den 1970ern ergriffen hat, als sie im zarten Teenager-Alter die Welt des Roots-Reggae entdeckten. Natürlich gelingt es niemals, dieses einzigartige Gefühl zu reproduzieren – anders als den Sound jener Zeit. Das klappt inzwischen erstaunlich gut. Ein weiterer Anwärter auf einen der ersten Plätze auf der Retro-Sound-Bestenliste ist Lightman, aka Timi Valo aus Helsinki, der mir schon 2004 mit seinem Album „Spring Time“ über den Weg gelaufen ist. Damals war ich begeistert von der melancholischen Poesie seiner Kompositionen. Nun legt die Lichtgestalt ihr (erst) drittes Album „Roots“ (Helmi Levyt) vor – und zieht mich auch damit wieder in ihren Bann. Eigentlich brauche ich keinen Retro-Sound, aber Lightmans Kunst ist wirklich faszinierend perfekt. Wäre da nur der schrammelige Sound und Lightmans souliges Orgelspiel – man würde wohl auf ein verschollenes Jackie Mittoo-Album tippen. Aber natürlich kann auch der Finne nicht aus seiner Haut und baut selbstredend moderne Beat-Strukturen, die einfach satter grooven, als die Originale aus der geborgten Zeit. Aber da ist mehr als Sound: Superschön komponierte Instrumentals, die in jedem Sound-Design eine gute Figur machen würden. Die positive „skandinavische Melancholie“ seines ersten Albums scheint jedoch nur noch in einem einzigen Track durch, der auch zugleich mein Favorit ist: „Roiboos Dub“. Hört selbst und lasst euch verzaubern.









