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Bost & Bim: Instrumental Reggae Riddims

Vor fünf Jahren hatte ich mich dazu bekannt, dass ich auf gute Reggae-Instrumentals abfahre – aus demselben Grund, aus dem ich Dub liebe: die Abwesenheit von Text. Anlass war damals „Warrior Brass“ von Bost & Bim. Nun liegt das nächste Instrumentalalbum der beiden Franzosen vor, und ich kann mein Bekenntnis nur wiederholen.

„Instrumental Reggae Riddims“ (The Bombist) versammelt sechzehn Titel auf achtundfünfzig Minuten. Der Titel klingt nach Gebrauchsware, nach einer Sammlung von Backings für Sänger – was es wahrscheinlich auch ist. Aber genau darin liegt ja der Reiz. Wo eine Stimme war, ist jetzt Musik – und die hat hier deutlich mehr zu sagen als die meisten Texte, die man ihr sonst überstülpt.

Der Sound ist sauber und professionell produziert, die Arrangements sind großartig, mit hohem Blechbläser-Anteil. Alles klingt handgespielt, kraftvoll und energetisch. Die stilistische Spanne reicht von Heavy Roots bis zu Pop-Reggae, ohne dass das Album auseinanderfiele. Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie moderner Roots-Reggae klingen kann.

Bost & Bim sind, das sei für alle wiederholt, die sie noch nicht auf dem Schirm haben, keine Gelegenheitsproduzenten. Matthieu Bost, Saxophonist, und Jérémie „Bim“ Dessus, Gitarrist, begannen Anfang der neunziger Jahre als Musiker in verschiedenen Bands und tourten mit jamaikanischen und europäischen Artists. Seit 1999 produzieren sie, zunächst mit One-Riddim-Compilations für Special Delivery Music, später über ihr eigenes Label The Bombist. Bekannt wurden sie mit der „Yankees A Yard“-Serie, auf der sie Acapellas aus HipHop und R&B über eigene Reggae-Riddims legten, und mit „Jamaican Boy“ – einer Early-Reggae-Fassung von Estelles „American Boy“, die 2009 im Berliner Olympiastadion nach Usain Bolts Sieg über hundert Meter lief. 2016 gewannen sie den Grammy für Morgan Heritages „Strictly Roots“, zwei Jahre später waren sie für Chronixx‘ „Chronology“ und noch einmal für Morgan Heritage nominiert.

Eines muss man dazu allerdings sagen. Jérémie Dessus starb am 1. Juni 2016 an Lungenkrebs, mit Anfang vierzig. Der Name Bost & Bim wird seither weitergeführt, und ich weiß nicht, wie viel von dieser Musik aus welcher Zeit stammt und wer die Gitarren spielt, die hier zu hören sind. Es steht nirgends. Vielleicht muss man das auch nicht wissen. Was ankommt, klingt wie das Werk von Leuten, die ihre Instrumente beherrschen und wissen, wofür sie sie einsetzen.

Was mir an dieser Platte am besten gefällt: Sie muss niemandem etwas beweisen. Kein Konzept, kein Manifest, keine Ankündigung eines neuen Kapitels. Sechzehn Riddims, gut gespielt, gut aufgenommen, gut abgemischt. Das reicht völlig.

Bewertung: 4.5 von 5.

Eine Antwort auf „Bost & Bim: Instrumental Reggae Riddims“

Ja, beweisen muß so ein Album niemandem etwas.
Auf der anderen Seite hat so ein 16-Track-Album aber auch das alles, was es im Nu ins Audio-Abseits führt – zumindest bei mir: Gefällige Riddims und Arrangements, satte Produktion etc pp. Nichts, wo sich auch nur irgendjemand dran reiben könnte. Es ist und bleibt Reggae/Dub, den man so im Hintergrund laufen lassen kann .. und von dem so gut wie nichts im Gedächtnis verbleibt.
Es ist natürlich schwer zu sagen, ob hier der Zeitgeist direkt dran nagt oder ob man das tatsächlich so weichgespült haben möchte: Ich persönlich vermisse den Willen, auch mal anzuecken oder was zu wagen, was man nicht unbedingt von einem Dub-Album erwartet. Es ist wie ein Disney-Film, wo nur die Guten mitspielen.
Daher : 5.0/10.

Im Gegenzug dazu das mittlerweile 3.Album des KI-Projektes „Panic Dub System“ namens „End Of The World“. Selbstverständlich ist auch das nicht gerade ein Leuchtturm des innovativen Sounds, wir hatten das alles schon mal, insbesondere im On-U-Umfeld; dafür changiert das Angebot von einer Art dubbigen Punk-Rock bis hin zum spröden TripHop-Funk sowie Industrial-Dub. Für Puristen ist das natürlich eher nichts.
Von der reinen Musik her ist dies Album sicherlich spannender und abwechslungsreicher, aber vom letzten Schluß immer noch reichlich weit entfernt, da geht bestimmt noch mehr.
7.8/10

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