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Five Star Review

Bost & Bim: Warrior Brass

Und schon wieder ein unfassbar gutes Reggae-Instrumentalalbum: Bost & Bim: „Warrior Brass“ (Bombist). Ich muss ja gestehen, dass ich sehr auf gute Instrumentals abfahre, denn wie Dub erfüllen sie ein wesentliches Kriterium: keinen Text. Seien wir ehrlich: Text ist im Reggae ziemlich überbewertet. Die Zeiten der Rebel Music und ihrer sozialkritischen Texte scheint seit Jahrzehnten vorbei zu sein. Längst müssen wir uns mit verbalen Ergüssen zu Themen wie Religion, Herb oder Sex zufrieden geben oder uns gar homophoben oder gewaltverherrlichenden Philippiken aussetzen. Mich ärgert das – oder langweilt mich zumindest. Wie schön ist es da doch, sich ganz purer Musik hinzugeben. Musik, die ganz sie selbst sein kann, die nicht im Dienste einer Textbotschaft steht und zum „Backing“ degradiert wird. Deshalb liebe ich auch diese latent arrogante Tradition im Dub, eine Gesangsstimme bereits nach wenigen Worten einfach im Echo verhallen zu lassen …

Doch ich mag gute Reggae-Instrumentals nicht nur wegen dessen was fehlt, sondern auch wegen dessen, was sie mehr haben – und ich muss gestehen, dass das nicht in gleichem Maße für Dub gilt – nämlich den vollen, satten Sound einer komplett besetzten Reggae-Kapelle. Höre ich z. B. das Stück „Tommy’s Mood“, dann drückt da nicht nur der Bass aus den Subwoofern, sondern eine ganze Wall of Sound kommt auf mich zugerollt. Ein üppig reiches, harmonisches und wohlig warmes Klangbild, garniert mit ebenso sanften wie kraftvollen Blechbläser-Sätzen. Perfekt durcharrangiert, superb eingespielt und satt produziert – Reggae mit Bläser-Sektion ist stets eine Wonne.

Bost & Bim sind übrigens als Reggae-Produzenten eine durchaus beachtenswerte Nummer – was ich gar nicht so auf dem Schirm hatte. So haben die beiden Franzosen bereits erfolgreiche Tunes für Morgan Heritage, Chronixx oder Winston McAnuff produziert. Matthieu Bost ist zudem ein begnadeter Saxophonist, was er hier auf „Warrior Brass“ eindrucksvoll unter Beweis stellt. Komplettiert wird die klassische Brass-Section durch Trompete (Manuel Faivre) und Posaune (Marc Delhaye). Neben den drei Hauptperonen sind weitere hervorragende Musiker am Werk, wie z. B. Ticklah, Horseman oder Mista Savona. Es gibt übrigens nicht nur Bläsersolos zu hören, auch andere Instrumente kommen zum Zuge und übernehmen den Lead. Daher erinnert „Warrior Brass“ immer auch ein wenig an ein Jazz-Album – eine Assoziation, die nicht zuletzt auch von der Cover-Gestaltung stark getriggert wird. Tatsächlich aber ist es aber eher eine Hommage an klassische jamaikanische Instrumentalmusik, mit vielen charmanten Zitaten (z. B. Lee Perry), kleinen Exkursionen zu Nyabinghi und Calypso und zwei Tommy McCook und Cedric Brooks gewidmeten Titeln.

Bewertung: 5 von 5.

7 Antworten auf „Bost & Bim: Warrior Brass“

Schönes Album, gut abgemischt. Wenn ich mir etwas hätte wünschen können, dann wär’s etwas weniger Sax-Layering und etwas mehr Posaune.
Es ist schon erstaunlich, dass jetzt wieder vermehrt exzellente Instrumental-Alben erscheinen und sich offenbar klassisch ausgebildete Musiker dem Genre zuwenden… Reggae/Dub kann von diesem Qualitäts-Schub nur profitieren, meine ich. Damit möchte ich das innovative Potential anderer Künstler nicht implizit klein reden… die (Weiter-)Entwicklung ist essentiell.

In der Tat ein sehr schöners Album für all jene, die auf ReggaeInstrumentals richtig gut abfahren. Ich finde die Riddims und ganz besonders „Words Of My Mouthpiece“ aber auch „Tommys Mood“ ganz große Klasse. Und „Chillin at 57“ meine ich von der „Bring Back The Amazing Dub Monster Back To Live“ zu kennen. Allerdings mit weniger Saxophon und viel mehr Dub. Von daher ist hier für mich keine Bereicherung ( Europäer denken ja immer in erster Linie an ihre Bereicherung ) in hörbarer Nähe.
Überhaupt kann ich es kurz machen. So gern ich mir die Instrumentals auch zunächst anhören kann, so weiß ich doch inzwischen ganz genau, das mich vor allem das Saxophon spätestens nach dem zwieten Umlauf so sehr nervt, das ich nicht in den Genuss der Riddims kommen werde. Genaugenommen hat mich das Saxophongelaiere bzw. „Saxophongelayere“
jetzt schon so genervt, das ich hier keine GoodVibes kommentieren kann. Für mich wirkt zu viel Gebläse genauso abturnend, wie eine verbale Hasstirade von Capleton oder „Zissla“, die von Worten nur so wimmelt und eine feine Melodie komplett außen vor lässt. Weniger ist mehr. „Cool and Calm“ is meine Lieblingsdevise. Auch oder gerade weil es mir selbst oft so schwer
fällt, Cool zu bleiben.
Auch dieses Album profitiert immer noch am meisten von den alten original Riddims aus Jamaica ! Und ja, der Sound ist wirklich sehr wohltuend. Umso schlimmer reißt mich – vor allem – das Saxophon aus diesem schönen Bauchgefühl heraus und verursacht einen Klos im Hals und leider auch ein wenig Zorn inna me Brain.
Sogar bei „Cedrics Mood“ – wo das Saxophon größtenteils in einer etwas humaneren Frequenz spielt, komme ich nicht ganz ohne Murren durch.

Also sagt doch gern nochmal bescheid, wenns das Album inna DubVersion mit ganz vereinzelten Saxophon-Erscheinungen gibt, die lediglich durch einen Großteil der DubEffektMaschinerie so weit aufgeblasen wurden, das man sie überhaupt wahrnimmt. Im Ernst oder lieber doch nicht so ganz ernst gemeint würde ich sagen, diese Blasmusik ist „alte Leute Musik“. Gehe zwar selbst stramm auf die 60 zu aber in meinem Kopf is immer noch der jugendliche Wahnsinn dominant und von mir aus darf das auch immer so bleiben. Saxophon ist mir zu Kopflastig und geht mir zu wenig in den Bauch, drückt dafür aber viel zu schnell auf die Blase ….. Das kann in meinem Alter dann auch schon mal in die Hose gehen.

„Ja was machst du denn für Sachen, kannst doch nicht in die Hose machen“ ……………………………… lemmi

„Ich finde die Riddims und ganz besonders „Words Of My Mouthpiece“ aber auch „Tommys Mood“ ganz große Klasse.“

Hi lemmi,

„Word of my Mouth“ ist ein alter Lee Scratch Perry Klassiker aus der Blütezeit der Black Ark. Scratch hat davon zig Versionen angefertigt: Hier ein paar Beispiele:
a: The Gatherers – Words of my mouth; b: The Upsetters – Words of my Mouth Dub; c: Augustus Pablo – Meditation Dub; d: Jah Lion – Wisdom; e: Prince Django – Hot Tip; f: Lee Perry – The Lion. Bei solch einem fantastischen Ausgangsmaterial kann auch Matthieu Bost nicht daneben liegen.

„Und „Chillin at 57“ meine ich von der „Bring Back The Amazing Dub Monster Back To Live“ zu kennen.“

Lemmi, dein Gehör ist schlichtweg fabelhaft, denn du hast wieder recht. „Chillin at 57“ heißt auf besagtem Album: „Baby Monster Bubblin'“

„Bei solch einem fantastischen Ausgangsmaterial kann auch Matthieu Bost nicht daneben liegen.“

Ob er daneben liegt, würde ich mir letztendes gar nicht zutrauen, beurteilen zu können
Ras Vorbei. Mein Problem liegt schlicht in der Dominanz der Töne eines Saxophons.
Oder überhaupt auf der Dominanz eines Instrumentes. Ich mag Gebläse nur als Begleitung oder auch mal als Erkennungsmerkmal bzw. Hookline für ein Instrumental bzw. Riddim. Ausnahmen gibt es natürlich immer. So ist zum Beispiel „Warrior Charge“ von ASWAD ein Evergreen inna High Grade Style oder auch dieser Mega Blockbuster Tune von Mikey Dread „Roots and Culture“ !!! Das fühlt sich für mich nicht im Geringsten aufdringlich an und gibt mir Kraft.

Wollte dir jetzt nicht unbedingt widersprechen, sondern eher zeigen, das ich mir deinen
Kommentar auch zu Herzen genommen habe.

Greetings inna fine Dub Style ………………….. lemmi

„… und gibt mir Kraft“

Sehr, sehr geiles Statement, lemmi… Nagel 100% auf den Kopf getroffen.
Musik heilt Körper und Seele und lädt die Batterien wieder auf!

Ich weiß ja, wie du es gemeint hast gtkriz ;-)

Würde – um Klarheiten zu beseitigen – nur noch hinzufügen wollen, das es natürlich die für jeden individuell richtige Musik sein muss, damit sie positive Energie freisetzt. Eine Sendung Fernsehgarten erzeugt so viele Kriechströme, das man das Ende keinesfalls erleben kann, da sämtliche Akkus bis auf den letzten „Strömeling“ leergesaugt werden.
Aber letztenendes hat ja auch Bob gesungen,

„One good Thing about Music is, when It hits you feel no pain.“

Bislang stand für mich immer vollkommen außer Frage, das es sich dabei einzig und allein nur um ReggaeMusic handeln könnte.

;-) ………………………….. lemmi

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