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Da Grynch: Release The Hounds

Nachdem in den letzten Jahren scheinbar sämtliche UK-Reggae-Labels die Pforten schlossen (oder weiterhin auf Minimalniveau vor sich hin dümpeln), wandte sich der Londoner Produzent Curtis Lynch selbstbewusst gegen den Trend, gründete das Label Necessary Mayhem und avancierte (mangels Konkurrenz) schnell zum ersten Reggae-Produktionshaus am Platz. Sein Ruhm gründete er auf einige wenige Rhythms, die er mittels einer Hand voll Alben und Sampler sowie einigen EPs auf die Reggae-Community los ließ. Das Erfolgsrezept: Obwohl die von Lynch produzierten Stücke (mit UK- und Yard-Artists wie Million Styles, Brinsley Forde, Tarrus Riley, Jah Mali, Maxi Priest, Etana u.a) durchweg One-Drop-Reggae sind, klingen sie dennoch irgendwie nach Dancehall. Eine clevere Formel, mit der er es allen Recht machen kann. Schon seit längerem hatte ich mir gewünscht, diesen Hybrid einmal als puren Dub zu hören, um zu prüfen, was von dem Dancehall-Sound ohne Vocals übrig bliebe. Diesen Wunsch hat Lynch nun erfüllt und unter seinem Pseudonym Da Grynch mit „Release The Hounds“ (Necessary Mayhem) ein reines Dub-Album veröffentlicht. Es ist, wie ich es mir schon gedacht hatte: Die Dancehall-Nähe ist hier kaum mehr zu hören und dennoch ist der Sound meilenweit entfernt vom typischen UK-Dub/Steppers und all dem, was in dessen Nachfolge das Genre Dub zur Zeit ausmacht. Meine Ohren können sich nicht entscheiden, ob sie nun Referenzen an aktuelle jamaikanische Dub-Produzenten, wie z. B. Don Corleon, oder aber an Londons Dub-Veteran Mad Professor heraushören sollen. Wahrscheinlich ist es eine virtuose Mischung aus beidem, was Lynch hier zu seinem eigenen, frisch und modern klingenden (und irgendwie perfekt in die Musikszene Londons passenden) Sound zusammengefügt hat. Vielleicht wächst hier ja ein zartes Dub-Pflänzchen heran, das in der Lage wäre, dem von Dubstep vollständig in den Schatten gestellten Genre im UK wieder zu neuer Blüte zu verhelfen.

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