Dub Revolution, Mai 2005

Fenin

Grounded

Shitkatapult/Kompakt/Alive

Dub ist in vielen Styles zu Hause. Nach seiner Wiederauferstehung als Steppers-Variante in den 90er Jahren, hat das Dub-Virus viele Mutationen durchgemacht und die unterschiedlichsten Musikstile der Reihe nach infiziert. Besonders gut gefällt mir in letzter Zeit eine typisch deutsche Variante, die sich in Minimal-Techno und –House-Stücken einnistet, deren ohnehin sehr anfälligen Shuffle-Rhythmen einige Offbeats hinzuaddiert und gelegentlich die Echo-Kammer einschaltet. Einer der Meister dieser Techno-affilierten Dubs ist Lars Fenin. Inspiriert von Adrian Sherwood und Audio Active (aber auch Burning Spear)-Konzerten wandte er sich Mitte der 90er Jahre dem Reggae zu. Sein Umzug von Hamburg nach Berlin platzierte ihn mitten in die Hauptstadt elektronischer Musik, was nicht ohne Folgen blieb. Und so begann Fenin 1999 mit der Produktion warm groovender, deutlich technoid angehauchter Dub-Tunes. In den Jahren danach sind eine ganze Reihe 12“ und EPs auf Labels wie Meteosound, Hör Zu und Shitkatapult erschienen – doch sein Debut-Album blieb er bis jetzt schuldig. Hier ist es nun: „Grounded“ (Shitkatapult/Kompakt/Alive). Es spannt das ganze Spektrum seiner Kunst auf, vom Techno-Hardliner „Konstrukt“ über Kompakt-kompatibles wie „Stony Road“ bis hin zu Reggae-Songs reinsten Wassers, wie „No C.I.A.“ oder „Thrill“. Das alles passt wunderbar zusammen und es findet sich nicht ein schwaches Stück darunter. Feinsinnig vertrackte und doch dynamisch fließende Rhythms prägen jeden einzelnen Tune. Damit bietet Fenin genau das, wofür ich Dub liebe: Musik, die dem aufmerksam-analytischen Zuhören standhält und zugleich eine starke emotionale und körperliche Wirkung hat. In Fenins Dub-Verständnis steckt daher eine Menge Potential – was im Übrigen auch für andere Protagonisten dieser Szene gleichermaßen gilt (z. B. für das Label Meteosound). Und das meine ich natürlich keineswegs nur in Hinsicht auf Dub und Reggae, sondern vor allem in Hinsicht auf die elektronische Musik Made in Germany.

In das gleiche Spannungsfeld zwischen Reggae und Techno gehört auch das neue Werk des Kanadiers Deadbeat (aka Scott Monteith): „New World Observer“ (~scape/Indigo). Allerdings treten hier die Offbeats und die repetitiven Minimal-Beats etwas hinter die breit angelegte Ambient-Atmosphäre zurück. Dabei sind die Rhythmen nicht weniger elegant konstruiert als bei Fenin, es ist lediglich die Dynamik, die hier weitgehend der Fläche Platz macht und den Stücken damit zum Teil den Groove nimmt. Scape-typisch sind bei Deadbeats Stücken nicht nur die Beats vertrackt, sondern der ganze Track. Das bietet der künstlerischen Ausdrucksmöglichkeit natürlich mehr Raum, und so erstaunt es nicht, dass der Pressetext „New World Observer“ eine politische Aussage unterstellt – die sich bei einem Dub-Album naturgemäß nur über die Betitelung (z. B. „Abu Ghraib“ oder „Texas Tea“) und ggf. Vocal-Samples ausdrücken lässt. Die Frage, die sich hier aufdrängt, ist ja, ob sich die Symbolkraft von Reggae (und damit Dub) als Widerstandsmusik so einfach vereinnahmen lässt. Ich bin mir da nicht sicher, weil Dub auf einem sehr formalistischen Verständnis von Musik beruht. Dub ist entstanden, indem einem Musikstück am Mischpult die Text-Aussage entzogen und durch eine rein ästhetische Neuinterpretation ersetzt wurde. Zeitgenössischer Dub entsteht bekanntlich sogar gänzlich ohne vorhergehende Vocal-Version. Dub ist abstrakte Musik, größtenteils besitzt er nicht einmal eine erinnerbare, und somit „figurative“ Melodie. Und genau hierhin passt der Klang-Kosmos von Deadbeat: in die große Abstraktion synthetischer Beats und komplexer Komposition.

Kurz erwähnt sei hier ein weiteres Crossover-Album, das sich aber noch viel konsequenter zwischen die Stühle setzt als Fenin oder Deadbeat: „Sports“ (Stadler & Waldorf/Alive) von den beiden Dänen Rasmus Möbius und Anders Christophersen aka Melk. Sie haben ihr Album aufgeteilt in Dub- und Hip Hop-Stücke, die einander abwechseln. Das passt erstaunlich gut zusammen, weil auch die Dubs von deutlichen Breakbeats geprägt sind – ohne dass sie dadurch ihre Wärme verlieren. 

Mein heimlicher Favorit ist eine Platte aus Polen, über die ich kaum etwas herausfinden konnte, da sowohl das Booklet als auch die Website ausschließlich auf Polnisch verfasst wurden. Wie gut, dass Musik eine universale Sprache ist, denn was es zu hören gibt, lässt sich leicht beschreiben: Bhangra, Quawwala, Drum ‚n’ Bass, Arabesque und Asian Underground vereint unter dem allumfassenden Prinzip von Dub. Der Titel des Albums lautet daher auch folgerichtig „Masala“ (Home Appliance/Import) – der Name einer indischen Gewürzmischung. Einer ziemlich scharfen Gewürzmischung zudem, was deutlich macht, dass wir es hier nicht mit sphärischen Sitar-Klängen zu tun haben, sondern mit einem hochenergetischen Mix exotischer Dance-Beats, wobei der Reggae-Offbeat das Chaos stets mit ruhiger Hand ordnet. Der Vergleich zu Asian Dub Foundation drängt sich auf, wobei ADF aggressiver zur Sache gehen und sich zugunsten von Dub und Drum ‚n’ Bass weiter von den originalen Ethno-Sounds entfernen. Das Masala Soundsystem hingegen hat seine Stücke in Afghanistan, Irak, Pakistan und Polen aufgenommen und legt daher viel mehr Wert auf die authentische Musik dieser Kulturen. Diese wird dann auch keineswegs eklektizistisch untergesamplet und als bloßes Klang-Zitat vereinnahmt, sondern sie trägt die Stücke wesentlich und gibt jedem seine unverwechselbare Identität. Sehr faszinierend! (Zu beziehen ist das Album bei Irie Records in Münster).

Wer sich für Worldmusic interessiert, der kommt an dem World Music Network-Label von Phil Stanton nicht vorbei. Vor allem die „Rough Guide“-Serie hat einen hohen Bekanntheitsgrad. Nachdem vor einigen Jahren bereits der „Rough Guide To Reggae“ erschienen ist, liegt jetzt, ganz frisch, der „Rough Guide To Dub“ (World Music Network) vor. Beide Sampler wurden von Reggae-Historiker und Blood & Fire-Mitbetreiber Steve Barrow zusammengestellt. Allerdings hat dieser sich beim Guide zum Dub mit nur einer Ausnahme auf Titel aus dem Blood & Fire-Katalog beschränkt, was auch erklärt, warum der Guide nicht über die 1970er Jahre hinaus kommt. Allein 10 der 20 Tracks wurden von King Tubby gemischt. Den Rest teilen sich Prince Jammy, Errol Thompson, Lee Perry und Joe Joe Hookim. Damit wären die wichtigsten jamaikanischen Meister – mit Ausnahme von Scientist – alle versammelt, der jamaikanische Dub also aufs vortrefflichste repräsentiert und ein ästhetisch sehr befriedigendes Album geschaffen. Doch was nützt ein Guide, wenn er auf halbem Wege schlappt macht?

Aus dem Hause Echo Beach kommt der Sampler „King Size Dub 11“ (Echo Beach/Indigo). Seit nunmehr zehn Jahren dokumentiert Herr Beverungen mit seiner King Size Dub-Serie (der erste Sampler erschien 1995) die „Logical Dubgression“ und wie gewohnt sind hier wieder feinste Dub-Leckerbissen zwischen Reggae, Soul, Pop, Dancehall, World, Trip Hop und Dope Beats versammelt. Wer – wie ich – eifriger Sammler der Artist-Alben von Echo Beach ist, wird rund ein Drittel der Stücke (Noiseshaper, Kalahari Surfers, Dubblestandart u.a.) schon kennen. Doch gerade auch unter dem neuen Material finden sich einige äußerst interessante Dubs. Da ist zum Beispiel Math Doly, ein Singer und Songwriter von der Elfenbeinküste, dessen Griot-Gesang hier von Produzent Simon Grab in ein meditatives Dub-Stück verwandelt wurde. Da wäre auch Alpendub zu nennen, ein Dub-Mixer aus Kanada, der es liebt, Dubs auf Grundlage deutscher Alpenmusik zu mixen. Und schließlich noch Salz aus Köln erwähnt, mit einem Dub-House Remix der Label-Hymne „Echo Beach“ von Martha & The Muffins.

Eines der Stück auf King Size Dub 11 stammt von dem Album „Dub Guerilla“ (Rent a Dog/Soulfood) von Dub Guerilla, aka Tom Bennecke, dem langjährigen Gitarristen von Bands wie Space Guerilla und Jazzkantine. Klar, dass es hier um Jazz gehen muss. Und wenn es um Reggae und Jazz geht, dann ist Ska nicht fern – ebensowenig wie die Bläser. Und in der Tat stehen bei Dub Guerilla die drei Posaunisten Nils Wogram (führender Jazz Posaunist), Uwe Granitza (Phil Collins, Tom Jones) und natürlich Dr. Ring Ding im Zentrum des Geschehens. Doch die Platte wäre falsch in meiner Kolumne, wenn die drei Herren nur Ska-Stücke mit ihren Bläsersätzen garnieren würden. Was dieses Projekt so ungewöhnlich macht, sind die wahrlich außergewöhnlichen Dub-Stücke. Bereits das erste Stück, „The Curse“, empfängt den Hörer als Reinkarnation eines King Tubby Dub-Mix im Stile klassischer Flying-Cymbal Bunny Lee-Produktionen. „Dub ist für mich die ideale Ausdrucksform“, sagt Bennecke, „es ist alles drin, was ich liebe: druckvolle Riddims, naive Melodik und auch Platz für spacig-jazzige Abfahrten“, und beschreibt den Klangkosmos des Albums damit ganz treffend – abgesehen vielleicht von druckvollen Rhythms (die Jazzer der Post-Swing-Ära im Übrigen noch nie wirklich hingekriegt haben). Neben den auf Drumloops basierenden Stücken, gibt es auch echte, handgespielte Bandtracks, die das Album durch den Sound einer großen Rhythmusgruppe bereichern.

Wer sich heute für Dub engagiert, sei es als Musiker/Produzent oder Labelbetreiber, der tut dies aus purem Idealismus, denn Geld lässt sich damit kaum verdienen. Ralf Wunderlich ist beides, Musiker und Labelbetreiber, Dub Aficionado von ganzem Herzen und bedingungsloser Idealist. Von seiner Heimatstadt Berlin aus betreibt er die Dub-Info-Website www.dubflash.com sowie das gleichnamige Label, auf dem 12“s in Kleinstauflagen und neuerdings auch Alben in CD-Form erscheinen. Während er dort bisher nur die Dub-Werke befreundeter Sound-Frickler und Dub-Musiker vorstellte, ist er nun unter dem Namen Dub Rogue mit einem eigenen Album, namens „Dreams Of A Lost Soul“ (Dubflash), am Start. Wunderlich hat es komplett am heimischen PC produziert, „without any professional skills“, wie er entschuldigend schreibt, und gänzlich ohne Budget. Ein wenig mehr Selbstbewusstsein darf er sich gönnen, denn es ist ein sehr schönes, ruhig-meditatives Dub-Werk geworden, das voller guter Ideen und schöner Melodien steckt. Angelegt als Konzeptalbum, liefert es den Soundtrack zu einem Traum, in dem es um eine gestohlene Melodie geht und um die Frage: „Was ist Wirklichkeit?“. Ein interessantes Konzept, denn diese Thematik im Hinterkopf verändert tatsächlich die Wahrnehmung der Musik. Unweigerlich entstehen beim Hören Bilder im Kopf, die sich in einer Assoziationskette zu einer Geschichte verbinden. Warum sind da nicht schon andere Dub-Producer drauf gekommen?

Was sonst auf Dubflash zu hören ist, hat Wunderlich nun auf dem Sampler „Dub Royal – Best Of Dub Flash“ (Dubflash) versammelt. Hier herrschen heavy Steppers-Beats vor, gelegentlich mit Gesang garniert. Typischer UK-Dub-Mid 90ies-Sound. Auch hier stecken einige schöne Ideen drin, allerdings wird es wohl keinen Innovationspreis bekommen. Auch dürften Arrangement und Instrumentierung der einzelnen Tracks gerne etwas einfallsreicher sein. 

Kommen wir nun zu einem Werk, dass wohl oder übel in diese Kolumne gehört: „The Dub Tribute To U2“ (www.vitaminrecords.com/Import) von WideAwake. Mag sein, dass ich schon immer ein Verachter von Rockmusik gewesen bin, mag aber vielleicht auch sein, dass man die U2-Originale kennen muss, um dieses Album genießen zu können. Mir jedenfalls gelingt es nicht einmal ansatzweise. OK, was die Produzenten da gemacht haben, ist zweifellos Dub, soll heißen: hier gibt es eine Menge Soundeffekte, viele (zu viele!) Breaks, Hall und Echo und was sonst noch dazu gehört. Doch dummerweise wurden die Basslines vergessen. Oder gehört es zum Rock-Tribute, dass sich der Bass nicht hören lässt? Dass statt des Basses vor allem Gitarren zum Einsatz kommen, macht die Angelegenheit nur noch schlimmer. Bleibt festzuhalten: druckvolle Rhythms, die Conditio sine qua non eines jeden ordentlichen Dubs, gibt es nicht! Ich will aber nicht leugnen, dass sich die Produzenten redlich Mühe geben und viele gut gemeinte Ideen in ihren Arrangements unterbringen. Doch wenn die Bas(s)is nicht stimmt, dann kann man den Rest auch vergessen. Übrigens ist ein Besuch der Website von Vitaminrecords ganz erhellend, denn das Label hat sich komplett auf Tribute-Alben spezialisiert. Hier gibt es Tribute zu Nine Inch Nails, Marilyn Manson, Rammstein oder Bon Jovi. Allerdings sind das keine Dub-Remixe, sondern meist klassisch orchestrierte Neuinterpretationen, die zum Teil richtig spannend sind (MP3 können probegehört werden). So interpretiert ein klassisches String-Quartet zum Beispiel die Musik von Sonic Youth im Minimal-Style eines Steve Reich oder Philipp Glass. Das gleiche Quartett hat sich auch eine Barock-Neuinterpretation von AC/DC vorgenommen!?

Dass Polen ein Land mit reger Dub-Szene ist, ließ sich schon aufgrund der zwei Poland-Dub-Sampler erahnen, die ich in der letzten Ausgabe besprochen habe. Nun sind ein paar respektable Solo-Alben „herrübergekommen“, allen voran Activator mit „Mario Dziurex Remixy“ (www.independent.pl/Import). Zu hören gibt es hier Dub-Remixe einiger Tracks von Zion Train, Rootsman, Nucleus Roots, Maka B und verschiedener polnischer Acts. Das ist ziemlich gut gelungen. Der Maka B-Remix strotzt vor Energie und tendiert schon in Richtung Techno-Dub. Andere Stücke klingen nicht weniger progressiv und bestechen zusätzlich mit wunderbar eingängigen Melodien und abwechslungsreicher Instrumentierung. Das macht richtig Spaß zu hören. Wer das Album über Import beziehen möchte, sollte mal hier nachfragen: www.irie-records.de.

Als nächstes kommt 12rael (keine Ahnung wie man das spricht) mit seinem schlicht betitelten Album „In Dub“ (www.wmoichoczach.com.pl/Import). Er bietet uns grundsoliden Steppers-Dub mit akzeptablem Inspirationsgrad. Viel Mühe hat der Artist mit dem unaussprechlichen Namen in seine Mixe investiert. Seine Basslines rollen und die Drumloops sind teilweise, wie auf „Freedomic Dub“, schon ein wenig außergewöhnlich. Aber ehrlich gesagt, fällt mir jetzt trotzdem kein richtiges Argument dafür ein, warum man in den Import aus Polen investieren sollte.

Sehr interessant ist das neue Werk eines weiteren Artist mit unaussprechlichem Namen: Wszystkie Wschody Slonca. Das Album ist etwas einfacher betitelt: „Luv Etno Logic Dub“ (www.independent.pl/Import). Statt stoischer Steppers-Beats werden hier komplexe Arrangements mit Breaks, Samples und manch folkloristisch inspirierter Harmonie serviert. Dabei finden sich immer kleine Ohrwurmmelodien, die wie ein roter Faden durch den jeweiligen Track führen. Gelegentlich muss man allerdings auch ein Gitarrensolo über sich ergehen lassen oder jemandem beim polnisch reden zuhören. Überhaupt ist hier eine gewisse Nähe zu raueren Adrian Sherwood-Produktionen zu erkennen. Das geht zwar auf Kosten warmer Bass-Vibes, dafür bekommt man Kopf Futter – und zwar scharfe Zwiebeln, wie sie auf dem Cover abgebildet sind.

Soweit die Polen-Selektion. Kommen wir nun zu ein paar eher obskuren Produktionen. Zunächst wäre da Justin DeHart aus Sacramento von der amerikanischen Westküste, der unter dem Namen Doctor Echo seit den frühen 90er Jahren Dub produziert. Die auf seinem Album „Steady Ups vs. Doctor Echo: Dub Desaster“ (www.doctorecho.com/Import) präsentierten Stücke wurden in den Jahren zwischen 1995 und 2000 live eingespielt und nun zu Dubs gemischt. Das klingt nicht sonderlich aufregend und ist es auch nicht. Leider hatten die Steady Ups keinen Plan davon, wie man groovende Rhythms einspielt. Und da kann sich der Doctor bei seinem Mix noch so anstrengen, gute Dubs klingen anders.

King Earthquake legt mit seinem Album „Earthquake Dub-Plates“ (King Earthquake/Import) schon anderes vor. Knallharte Steppers-Beats im reinsten UK-Dub-Style lassen die Fensterscheiben rasseln (womit der König der Erdbeben wohl seinem Namen gerecht zu werden versucht). Doch abgesehen davon, dass der King dem Mid-90ies-Sound nicht das Geringste hinzuzufügen hat, produzierte er für seine Dubplates die langweiligsten Basslines, die ich jemals gehört habe.

Die I-Sticals aus Frankreich sind mit ihrer selbst gebrannten CD „Verse-Ital“ (www.irie-records) geringfügig besser. Allerdings ist der zum Glück nur sporadisch einsetzende Gesang so schlecht, dass er alle gut gemeinten Dubs mit sich in die Tiefe reißt – auf dass sie in Frieden ruhen.

Nach den Verrissen zum Abschluss jetzt noch ein richtig schönes Revival-Album: Dub Roots (Wackies/Indigo) von Prince Douglas. Ursprünglich in den frühen 80ern erschienen, gehörte das Album zu den ultrararen Wackies-Sammlerstücken (das kürzlich in einer Internetauktion für über 200 Dollar verkauft wurde). Mag sein, dass sich der Käufer über den Rerelease richtig ärgern wird, alle übrigen Liebhaber guter Reggae-Musik werden sich zweifellos sehr freuen, denn Dub Roots ist eines der schönsten Dub-Alben des Labels. Auch wenn es mixtechnisch eher zurückhaltend ist, so sind die Rhythms schlichtweg atemberaubend. In angenehm entspanntem Tempo rollen die melodiösen Basslines durch wunderbar „warme“ Wackies-Tunes voller Atmosphäre. Angeblich sind die Stücke Kopien von Rhythms, die Sly und Robbie aus Jamaika mitgebracht hatten. Einer der schönsten Tunes, „March Down Babylon“ ist jedenfalls definitiv eine Kopie von Steel Pulse’ „Handsworth Revolution“, mit Bullwackie himself am Mikrophon.

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