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Dubblestandart: Woman in Dub

Woman in Dub

Warum sind Frauen im Reggae eigentlich so dermaßen unterrepräsentiert? Ganz anders als etwa beim Pop, gehören Business und Bühne des Reggae den Männern. Dabei gibt es doch eigentlich nichts Schöneres, als eine helle, klare Frauenstimme über einem kraftvollen Reggae-Beat, oder? Wer sich in das Werk von Marcia Griffith oder Etana vertieft, wird zwangsläufig zu diesem Schluss kommen. Und trotzdem sind Female Artists absolute Mangelware. Genau deshalb besitzt der Titel des neuen Dubblestandart-Albums „Woman in Dub“ einen hohen Aufmerksamkeitswert. In Dub? Wer hier Instrumentalmusik erwartet, liegt natürlich völlig falsch. Würde ja auch irgendwie keinen Sinn ergeben. Die Österreicher nehmen es mit dem Dub im Titel jedenfalls nicht ganz so eng und präsentieren nonchalant 12 Tracks mit weiblichen Vocals im Vorder- und männlichem Dub im Hintergrund. 12 Tracks: 10 Frauen, wobei es dem bedauernswerten Frauenmangel des Reggae geschuldet ist, dass nur drei von ihnen unserem Lieblingsgenre entstammen: Marcia Griffith, Jazzmin Tutum und Ari Up. Die anderen neun Damen widmen ihre Stimmen normalerweise Pop-, Soul- oder House-Tunes. Daher wundert es nicht, dass der Sound der „Woman in Dub“ trotz dubbiger Reggae-Beats eher soulful anmutet und mancher Song offensichtliches Club-Crossover-Potential in sich birgt. „With Music We Communicate“ ist so ein Kandidat. Ein ruhiger, teils mit akustischer Gitarre angereicherter Reggae-Rhythmus begleitet hier Coshivas ungemein sanften, souligen Gesang. Ein melodiöser, schlicht wunderschöner Song. „Broken English“ mit Kira Nathaniel ist auch absolut Pop-tauglich. Ihr herber, kühler Gesang in Kombination mit Dubblestandarts treibendem Beat erinnert stark an die legendäre Zusammenarbeit von Grace Jones und Sly & Robbie. Chezere, die schon mit Jamiroquai und Bob Sinclair zusammen gearbeitet hat, liefert mit „Another Life“ hingegen einen lupenreinen Reggae-Song. Melodie, Rhythmus, Sound – ein großartiger Song. Gleiches gilt für „Holding You Close“ von der umwerfenden Marcia Griffith – ein Song, dem Dubblestandart zuletzt zwei EPs mit insgesamt 22 (!) Versionen gewidmet hat. Doch so schön die einzelnen Stücke auch sind, so harmonisch sie zusammen passen und so sehr es sich lohnt, für die weibliche Stimme im Reggae eine Lanze zu brechen, so wenig überzeugt das Konzept „Woman in Dub“ als Album. Es drängt sich unweigerlich der Eindruck auf, es statt mit einem Dubblestandart-Album mit einem Themen-Sampler zu tun zu haben. Auch die Tatsache, dass die drei einzigen echten Dubs als Bonus-Tracks etwas lieblos am Ende des Albums hängen, statt geschickt platziert im Flow der Tracks mitzuspielen, verstärkt den Sampler-Eindruck. Irgendwie fehlen eine überzeugende Dramaturgie, reizvolle Kontraste – und schlicht etwas Abwechslung. Die Summe ist mehr als ihre Teile – das trifft hier nicht zu. Die Teile jedoch sind klasse!

My verdict: Nice, soulful songs. But the record sounds more like a sampler than an album.
My rating: 7 (out of 10)
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