Evolution of Dub – Vol. 7

Evolution of Dub Vol. 7

Nach ca. 3,5 Jahren hat die Evolution of Dub – so wie Greensleeves sie sieht – Vol. 7 (Greensleeves) und damit ihr Ende erreicht (laut eines Blog-Eintrags des Plattenlabels). Wie schon beim Start 2009 abzusehen war, hatten die Damen und Herren der Archive gar nicht vor, eine wirkliche Evolution des Genres darzustellen. Statt dessen begnügten sie sich, Dub-Alben aus dem Back-Katalog als CD neu zu veröffentlichen – mit schönem Reprints der Original-Cover und mehr oder weniger ausführlichen Linernotes. Doch die bisher 28 ausgewählten Alben folgten weder einer Chronologie, noch waren sie besonders wichtige Meilensteine in der Entwicklung des Dub. Meist widmete sich eine Box einem oder zwei Produzenten und überspannte einige Jahre. Nach Joe Gibbs & Errol Thompson, Niney, natürlich Bunny Lee, Linval Thompson, Ossie Hibbert, Lloyd Coxsone und Prince Jammy, bildet Winston Edwards nun den Abschluss. Die Aufzählung dieser Namen macht jedem halbwegs mit der jamaikanischen Musikgeschichte vertrauten Leser klar, dass die Evolution à la Greensleeves die 1970er Jahre kaum verlassen hat. Für Freunde der alten Schule des Dub wahrscheinlich eine Offenbarung, ist die groß angelegte Serie in meinen Augen eine verpasste Chance. Eine Chance allerdings, die wahrscheinlich nie wirklich existiert hat. Denn eingedenk der Tatsache, dass Dub very, very, very special interest ist, hätte sich der Aufwand einer akribisch zusammen gestellten und gut kommentierten Geschichte des Dub wohl nie über Verkaufserlöse refinanzieren lassen. Daher lasst uns Greensleeves für diese tolle CD-Box-Serie ehrerbietig danken. – Und dann lasst uns schauen, was die Evolution Of Dub, Vol. 7 zu bieten hat:

Natty Locks Dub

Vier Produktionen von Winston Edwards, die drei ersten aufgenommen in Jamaika, obwohl Edwards seit 1974 in England lebte. Dort betrieb er sein Fay Music-Label und veröffentlichte im selben Jahr sein erstes Dub-Album „Natty Locks Dub“ mit Aufnahmen, die Teils in Perrys neuem Black Ark-Studio, teils bei Joe Gibbs entstanden und in Tubbys Studio gemixt wurden. Zurück in England kamen noch ein paar Bläser-Soli darüber und fertig war das Album. Allerdings war ihm wenig Erfolgh beschieden, was sich aus heutiger Sicht leicht nachvollziehen lässt, da die Tracks allzu seicht und stereotyp klingen.

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„King Tubby Meets The Upsetter At The Grass Root Of Dub“ von 1975 ist da schon von anderem Kaliber. Aufgenommen im Studio von Joe Gibbs, wurden die Dubs der A-Seite von King Tubby und die der B-Seite von Lee Perry gemixt. Beide Seiten sind – vor allem im Kontrast zum Vorgängeralbum – sehr gut gelungen. Fast alle Rhythms waren neue Kompositionen, die Instrumentierung, die oft von Vin Gordons Posaune angeführt wird, ist schön abwechslungsreich und nicht zuletzt überzeugen auch die Dub-Mixes. Im Rahmen einer Evolution des Dub liegt die eigentliche Bedeutung dieses Albums aber in dessen Vermarktung. Denn während frühere, in geringen Stückzahlen importierte Dub-Alben in England aufgrund ihrer horrenden Preise nur wenig Käufer fanden, war „King Tubby Meets The Upsetter At The Grass Root Of Dub“ nicht nur ein richtiger, ordentlicher UK-Release zu einem normalen Album-Preis, sondern Edwards bewarb das Album zudem mit einer weit verbreiteten Anzeigenserie. Das Ergebnis könnte als positives Beispiel in einem Marketing-Handbuch der Zeit Aufnahme finden: Das Album verkaufte sich blendend, wurde Kult unter den Anhängern jamaikanischer Musik und bewirkte vor allem eines: Das Konzept von Dub wurde einem großen Publikum bekannt gemacht.

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„King Tubby Surrounded By The Dreads At The National Arena“ erschien ein Jahr später, 1976, und stammte ganz aus der Dromilly Avenue. Neben reinen Dubs, gibt es auch einige Vocal-Cuts zu hören, was die original Linernotes damit begründen, das Album versuche einen Live-Auftritt King Tubbys in der National Arena Kingstons nachzuempfinden. Doch obwohl auch das neue Album zum Erfolg wurde, schloss Edwards 1977 sein Label und kümmerte sich statt dessen um Joe Gibbs Londoner Dependance.

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Drei Jahre später, als Dub bereits im Begriff war, sich aus der Gunst der Hörer zu verabschieden, veröffentlichte Winstone Edwards sein viertes und vorletztes Dub-Album: „Dub Conference“. Doch dieses Mal war es eine rein britische Produktion, aufgenommen und gemixt vom zentralen Protagonisten des UK-Reggae jener Zeit: Dennis Bovell (aka Blackbeard). Der Unterschied zu den drei jamaikanischen Alben in der Box ist gewaltig. Die drei Jahre zeitlicher Abstand zu den Vorgängern dürfte dabei weniger entscheidend sein als die generell bessere Ausstattung der britischen Tonstudios. Der Sound auf „Dub Conference“ ist ungleich komplexer, der Dub Mix um längen experimentierfreudiger, während die Gesamtanmutung beseelter und „wärmer“ ist. Die „Dub Conference“ ist ein würdiger Abschluss der „Evolution Of Dub“-Serie, denn genau hier erfolgte die Übergabe des Staffelstabes des Dub von Jamaika an England. Was dann folgte, ist ein anderes Kapitel im Buch der Evolution.

Meine Wertung:

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