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Five Star Review

Horace Andy: Midnight Scorchers

Adrian Sherwood.

…und fertig! Manchmal braucht’s tatsächlich nur zwei Worte und eine aussagekräftige Rezension hat sich quasi selbst geschrieben – zumindest für die gut informierte dubblog.de-Gemeinde. Über Herrn Sherwood, sein On-U Sound-Label und das von ihm produzierte Oeuvre – von Creation Rebel, New Age Steppers über African Headcharge, Singers & Players bis hin zum Dub Syndicate; zu Lee Perry, Bim Sherman und vielen anderen – braucht man wohl keine großen Worte mehr zu verlieren. It’s On-U Sound, man!

Doyen Sherwood selbst hat in seiner mehr als 30-jährigen Produzenten-Geschichte niemals an Relevanz eingebüßt – gut, manchmal hat er sich in etwas obskurere Gefielde begeben (etwa seine Zusammenarbeit mit Pinch), aber allein seine Produktionen mit dem Dub Syndicate und/oder Lee Perry zeigten wie sehr er am Puls der Zeit und darüber hinaus arbeitet. Wer erinnert sich nicht an Perry’s epochalen „Rainford„-Release und seinem nicht minder zu wertenden Counterpart „Heavy Rain„?

Jetzt haben wir wieder ein feines Doppel-Pack vor uns: Das bereits vor wenigen Monaten erschienene Horace Andy-Album „Midnight Rocker“ und sein eben herausgekommener Counterpart „Midnight Scorchers„. Ersteres überrascht durch einen für Sherwood-Verhältnisse recht klassischen Sound mit einem Horace Andy in Bestform; zweiteres mit, nun ja, Neuinterpretationen. So ein richtiges Sherwood-Treatment geht weit über Dub-Grenzen hinaus, kehrt das Innerste nach außen, läßt im Vocal-Mix Verschüttetes glänzen, fügt Instrumente und Vocals (Daddy Freddy, Lone Ranger) hinzu, blendet im Gegenzug Spuren aus und fettet das Gesamte soundmäßig dem Original gegenüber gewaltig auf. Alles Gründe, warum mir der Begriff „Dub Album“ zu wenig weit greift und ich das umfassendere „Counterpart“ für angebrachter halte.

Letztlich nur noch die Hard Facts: „Midnight Scorchers“ enthält sieben alternative Versionen von „Midnight Rocker“-Tracks plus drei neue Stücke, allesamt versehen mit dem tonnenschweren On-U Sound-Gütesiegel. Adrian Sherwood eben… und fertig!

Bewertung: 5 von 5.

5 Antworten auf „Horace Andy: Midnight Scorchers“

Nun, die Benennung ist mir da eigentlich egal, aber es ist eben nicht ein klassisches „Midnight Rockers in Dub“ und das bringt mal etwas frischen Wind in die Dubsegel… und auch ich liebe wie gtk vieles, was Adrian Sherwood produziert hat sehr, habe aber auch einige Alben von ihm, die mich weniger ansprechen.
Nichtsdestotrotz ist er für mich ein unumstrittener musikalischer Sumo-Ringer und Innovator und ich höre mir jeden Release von ihm genauer an.
Das Album Midnight Scorchers hat für mich den richtig deepen Bass, den ich an der Dub-Musik generell so mag und die Mixes und psychedelischen Effekte überzeugen mich durchwegs.
Mein einziger klitzekleiner Kritikpunkt: für meinen Geschmack hat es etwas zu viele Vocals drin… Dub überzeugt mich eben gerade wegen der (oft) gänzlich fehlenden oder sehr sehr spärlich eingesetzten Vocal(samples).
Aber Stücke wie ein „Sleepy’s Night Cap“ kommen genial rüber, haben eben diese mystische Aura und Deepness, die man nicht auf Knopfdruck erzeugen kann und da stört nicht mal mehr die Melodica, die mit einem Cello ein wunderschönes Frage-und Antwort-Spiel zum besten gibt… mein bisheriges Highlight des Albums. Ich muss noch anfügen, dass mich die Melodica nicht generell stört, aber sie ist schon ein typisches Dub-Klische und wird (leider) immer wieder einmal (zu) exzessiv eingesetzt (hier jedoch überhaupt nicht, sie spielt nur in drei von zehn Stücken eine Rolle).
Im Gegensatz zu Midnight Rockers, das es bei mir nicht in die persönliche Heavy-Rotation geschafft hat, gelingt das dem Counterpart Midnight Scorchers spielerisch leicht.
Wenn ich die Credits anschaue, kommen wieder viele „alte“ Bekannte vor, allen voran Gaudi (alle möglichen Tasten), Doug Wimbish (Bass auf zwei Titeln) und Skip McDonalds (Lead Guitars), wovon vor allem letztere beide schon sehr lange Weggefährten von Sherwood sind. Und
Von solchen Alben dürfen gerne mehr kommen…

Hach, hier is ja das komplette Verwöhnprogramm.

Eine Rezension, die mir aus dem Herzen spricht, dazu einen Kommentar, der all das berücksichtigt, was ich in meinem „kurzen“ Kommentar vergessen habe zu erwähnen ( wollte halt noch was für euch übrig lassen ;-) ) und als I-Tüpfelchen der erste Kommentar aus weiblicher Hand, hier im DubBlog, wenn ich den Namen „Caren“ in diesem Zusammenhang richtig deute. Das ist hier wirklich ertwas sehr besonderes, zumal wir hier ja niemanden zu etwas zwingen. Sowas wie ne Quote
gibt es hier zum Glück nicht. Hier ist alles freiwillig. Caren you are welcome ;-)
Mir ging es jedenfalls beim Einsatz der Melodica exact genauso, wie Philipp. Nicht nur, das sie hier in der richtigen Dosierung zum Einsatz kommt, nein, sie spielt ( für meinen Geschmack ) auch eine schöne Melodie, die nicht so „trocken“ und banal erscheint, wie so viele andere. Und das sie zudem einen coolen Dialog mit einem Cello eingeht, finde ich auch wieder mal entzückend und weil wir hier bei On .U Sound sind, bleibt es nicht dabei, sondern eine sehr souverän gespielte Guitarre gesellt sich auch noch dazu. Ich weiß es noch nicht auswendig, bei welchem DubTune das ist aber sogar das Saxophon spielt hier ohne den geringsten Versuch, mir auf die Nerven zu gehen.
So und jetzt noch mal was aus meinem Nähkästchen, was mir schon fast etwas peinlich ist. Ich schaffe es nur deshalb, darüber zu „sprechen“ weil es „Midnight Rockers“ auch bei Philipp nicht in die Heavy Rotation geschafft hat. Ich habe das Album bei dem MusikLaden meines Vertrauens im 45 sec. „SoundCheckModus“
nur schnell durchgeskippt und ( ja, ich wage es kaum auszuformulieren ) stehen gelassen !!! Ich hatte keinen Bock auf eine weitere Horace Andy Scheibe im Moment. Ich mag ihn sehr aber leider nicht immer. Und ich war im Schnelldurchlauf nicht in der Lage, zu erkennen, was für ein Juwel ich da gerade durchgewunken habe. GTK liefert die Erklärung für mich. „Überraschenderweise hat das Album für Sherwood-Verhältnisse einen recht klassischen Sound“. Ja, mit der „Klassik“ habe ich es nunmal nicht so ;-) …… wahrscheinlich hat es mich desahlb nicht so geflasht. All das hat mich aber nicht daran gehindert, das Album „Midnight Rockers“ inzwischen noch nach-zu-bestellen.

„Prisoners of the earth, come out “ A man´s place on earth can´t be decided by the police“ …………………… lemmi

„Überraschenderweise hat das Album für Sherwood-Verhältnisse einen recht klassischen Sound“.
Ja lemmi, der Sound rührt meines Erachtens auch daher, dass Mr. Sherwood einige der alten Recken aus den legendären Creation Rebel und Dub Syndicate Zeiten wieder ins Studio gebracht hat. Was habe ich mich gefreut, George Oban, Doctor Pablo („North of the River Thamse“) und Crucial Tony wiederzuhören! Das Album klingt stellenweise wie ein Creation Rebel Album – klassisch eben. Sherwood ist seit Ende der 70er Der englische Soundwizard, der schon immer am weitesten über den Tellerrand geschaut hat und niemals Berührungsängste zeigte. Niemand ist dermaßen experimentierfreudig wie er. Auch deshalb sind einige seiner Arbeiten recht sperrig, jedoch niemals uninteressant. Bevor ich alter ON .U Sound Addict noch weiter ins Schwärmen komme, mache ich es kurz:
Beide Alben sind schlicht der Hammer und „Midnight Scorchers“ mein Dub-Album des Jahres 2022 – bisher.

Yo RasVorbei !

Ich glaube aber, hier liegt ein kleines Missverständnis vor. Eventuell bin ich es wider selbst, der hier was falsch verstanden hat. Ich verstehe den „klassischen Sound“ eher so, das es eben nicht so viele bis keine und wenn dann nur sehr versteckte Effekte und andere SoundSpielereien gibt. Dazu muss ich „Midnight Rockers“ aber noch wesentlich intensiver hören als bisher. Wahrscheinlich fallen mir dann doch noch mehr On .U Sound – typische Gimmiks auf. Das mir die Spielweise und die Riddims nicht gleich aufgefallen sind, zeugt davon, das ich eine sehr schlechte Tagesform gehabt haben muss, denn normalerweise erkenne ich Tunes von On .U Sound innerhalb einer halben Sekunde …. Naja, zumindest haut es mich nach einer halben Sekunde schon um und später erkenne ich dann, warum es mich sofort so geflasht hat. Ich kapiers echt nicht, warum mir das hier diesmal nicht aufgefallen ist. Muss dringend mal wieder n´ Test machen. Eventuell habe ich „long covid“ und meine Wahrnehmung ist eingeschränkt ;-) …….

So long ……………. lemmi

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