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L.A.B.: In Dub

Spätestens seit Fat Freddie’s Drop wissen wir, dass Reggae in Neuseeland GROSS ist. Angeblich war ein Bob Marley-Konzert im Jahr 1979 der Katalysator für diese Entwicklung. Zudem sei die Rastafari-Kultur speziell unter den Maori recht verbreitet – und Marihuana wird in Down Under ja bekanntlich auch sehr großzügig konsumiert. Wie dem auch sei: Reggae ist in NZ charttauglich. Interessanter Weise handelt sich dabei aber keineswegs um Reggae nach jamaikanischen Vorbild, sondern vielmehr um einen ganz speziellen, typischen NZ-Reggae-Sound aus. Er ist schwer exakt zu analysieren, aber eines ist offensichtlich: Er ist unfassbar relaxed. So sehr relaxed, dass er auf der Insel teils als „BBQ-Reggae“ verspottet wird (wir würden von „Fahrstuhlmusik sprechen“).
Mit L.A.B. gibt es nun einen neuen Star am Himmel der Südhalbkugel. Eine Band, deren Ursprung im Reggae liegt, die aber – ganz ähnlich wie Fat Freddie’s Drop – inzwischen eher den Pop-Markt bedient. Es existieren im Oeuvre von insgesamt fünf Alben aber genügend Reggae-Songs, um das wachsame Auge unseres Hamburger Dub-Labels Echo Beach auf sich zu ziehen. Dieses entschied kurzerhand: Lass uns die besten Songs in Dubs verwandeln, Paolo! Gemeint ist Paolo Baldini, der hier einen schönen Auftragsjob ausführte. Das Ergebnis heißt nun „L.A.B. in Dub“ (Echo Beach). Zum Glück sind die Tracks origineller als der Titel. Auch, wenn Paolo am liebsten Steppers produziert, so ist ihm hier ein ausgesprochen schönes, sanftes und harmonisches Werk geglückt. Perfekter Sound (der Sound der Originale ist ja bereits über jeden Zweifel erhaben) und vor allem grandiose Mixes! Hier findet das klassische Dub-Prinzip in Reinform Anwendung und demonstriert sein ganzes Potential.

Bewertung: 4 von 5.

6 Antworten auf „L.A.B.: In Dub“

Ja, is schon schade, das man mit Lenor und anderem WeichspülerKram einfach besser Geld verdienen kann, als mit knackigem, magischem Dub. Paolo Baldini macht hier ein paar schöne DubEffekte und somit ist das Album auch ganz nett ;-)
Ganz nett wollen sie ja wohl heutezutage auch alle sein. Blos nix falsches oder politisch unkorrektes von sich geben, damit es auch ja schön massentauglich bleibt.
Als ich in der Rezension Fat Freddys Drop gelesen habe, wollte ich sofort „wegschalten“. Habe den Hype um deren schlaffe Dubs nie verstanden. Ja und jetzt machen sie sogar offiziell Radio-Musik. Wie soll ich da gut drauf kommen ?
Nein ! Auch die Black Seeds fand ich im ersten Moment ganz toll aber das ging ruckzuck in die ( für meinen Geschmack, wohlgemerkt ) ganz falsche Richtung.
Wenn ich auch auf PopMusic stehen würde ( tue ich ja manchmal doch ) wäre ich aber bestimmt nicht hier im DubBlog gelandet.
Und somit muss ich mal wieder eine meiner Lieblingsweisheiten von Adrian Sherwood zitieren :
„At first you need a good riddim, before you can make a good Dub“
Ich finde es zwar auch überzogen, eine weiße happy hour gute laune spaßreggaeband von der bühne zu pfeifen aber wenn das hier allgemein so weiter geht, bringe ich in Zukunft auch ein paar Glasflaschen mit, zu solchen Veranstaltungen. Man muss unterscheiden, zwischen Musikern, die Reggae, für ihre pseudo gute laune mucke missbrauchen und Musikern, wie z.B. Marcus Gad und seine Band, die sich noch ganz an die Vorbilder halten.
Und somit finde ich „LAB In Dub“ ganz nett aber mehr geht da bei mir nicht. Ich bevorzuge „BLACK DUB“ !
Bedeutet „immatrielles WeltKulturErbe“, das sich da jeder dran bedienen darf oder wie muss ich das verstehen ?
Kann sein, das ich jetzt etwas zu zickig war aber :

BLACK MUSIC AND BLACK DUB MATTERS !!! ……………………. lemmi

Nun, Weichspüler oder nicht, Lemmi, ich meine zu wissen, was du meinst und bin doch dezidiert anderer Meinung.
Das Album ist mir auch zu geschliffen, ohne Ecken und Kanten und hat definitiv wenig Magik, Consciousness oder Mystik zu bieten (der Tune No Roots Dub bringt das fast etwas ins Wanken, ist aber der einzige, der positiv auffällt und viel weiter bin ich dann gar nicht gekommen)… ob das Geld bringt, wage ich zu bezweifeln… schlicht, es gefällt mir nicht wirklich, ist zwar Dub im weitesten Sinne des Genres, aber eben ohne den gewissen „Biss“ (und der ist schwierig in Worte zu fassen).
Hingegen kann ich einiges, was mir hier fehlt bei den Fat Freddys (zumindest auf den ersten beiden Alben) erkennen und schätze sie eigentlich sehr… speziell liebe ich den Gesang von Joe Dukie (den ich sonst generell gerne weg habe, deshalb wohl die Vorliebe für die Dub -Versionen).
Aber ehrlich, dass du jetzt mit „immateriellem WeltKulturErbe“ kommst, und „sich daran bedienen und Blablabla“ überrascht mich und finde ich so nicht kongruent, gar abgehoben und entrückt… (soll kein „Angriff“ sein, ist einfach meine Meinung! Voller Respekt und volle Wertschätzung).
Ja, meiner Ansicht nach darf man (sogar soll man) sich bedienen, man darf sich inspirieren lassen und kreativ oder respektvoll und im Geiste zumindest ähnlich weiterspinnen und -entwickeln (solange es nicht billiges Kopieren ist)… ich finde, man muss sogar und das macht den eigentlichen Reiz jeglicher Kultur aus, dass sie schlicht grenzen- und gesetzlos ist, zutiefst anarchisch, unberechenbar und ohne Etikett!
Schliesslich wütet Babylon System global und allüberall und beschränkt sich nicht auf eine Insel oder ein einziges Land.
Ich wage sogar zu behaupten, dass sich die ganze Ska-, Reggae-, Dub- und Rastafari-Kultur seit ihren und insbesondere in ihren Ursprüngen jederzeit und immerfort an anderen Musikrichtungen und Philosophien bedient hat, respektive sich inspirieren liess, gewisse Dinge adaptierte oder übernahm und bewusst eine Opposition dazu Einnahm und nur aus Isolation heraus niemals zu dieser wunderbaren Musik geworden wäre, die ich so liebe und in meinem zutiefst europäischen Inneren voll fühle. Wieso soll das nicht richtig sein? Wir sind alle Homo sapiens und es ist doch egal, welche Musik wir aus welchem Grund machen oder hören, was wir glauben, welche Augen- oder Hautfarbe jemand hat…
Diese ganzen Diskussionen finde ich so beengend, heuchlerisch und falsch. Macht, was ihr fühlt und macht es mit maximaler Leidernschaft!
So kann ich sogar für den „Lenor-Weichspülersound“ (was für eine herrliche Wortkreation, danke) einen gewissen Respekt aufbringen… mögen tue ich es deswegen nicht.
Widersprüchlicherweise denke ich auch immer mal wieder: „Muss das sein? Hätten die nicht besser irgend etwas anderes machen können? Ehrlich?“ Aber ich brauche es mir ja nicht anzuhören, wenn ich es nicht mag… gesagt getan, „L.A.B. in Dub“ fliegt aus meinem Player und es wird „Happiness“ von der Lone Ark Riddim Force eingelegt, gefolgt von „Submergence“ von Kingston Echo… einer Single mit Version und einem Dub-Album, welche ich eben gerade fühle… deep, magisch, es passt einfach…

High Philipp !

Da komme ich hier in meiner montag-morgen-laune zur Arbeit und muss dann auch noch lesen, das du nicht meiner Meinung bist !
Was erlaube ?! ….. ;-)
Nein, im Grunde ist es doch genau das, was so eine KommentarFunktion ausmacht. Wenn alle immer nur schreiben ( wenn sie denn überhaupt etwas schreiben ), „gefällt mir“, dann reichen ja auch zwei Buttens – einer mit „Thumbs Up“ und einer mit „Thumbs down“ – vollkommen aus.
Ich weiß es ehrlich gesagt im Moment noch gar nicht so genau, ob ich das nicht eventuell sogar etwas zu eng sehe. Es geht mir dabei auch nicht darum, es rational und neutral zu betrachten oder zu bewerten. Ich versuche lediglich immer wieder aufs neue, meine Gefühle bzw. meine Wahrnehmung zu beschreiben. Und wenn ich ehrlich bin, bevorzuge ich es auch, ja ich genieße es sogar, meine Begeisterung für Reggae und Dub in abgehobener und entrückter Weise zu präsentieren. Diese Musik ist für mich abgehoben und entrückt und genau das trägt für mich auch maßgeblich mit zu ihrer Magie bei. Ich muss dabei um Empathie bitten, denn mich hats erwischt. Ich habe ReggaeMylitis im Endstadium und bin für rationale Diskussionen nicht mehr geeignet. War ich noch nie, glaube ich.
Wohlgemerkt sind auch meine nun folgenden Ausführungen aus der Sicht eines Reggae-und Dub Enthusiasten geschrieben und wahrscheinlich auch nur ( wenn überhaupt ) für solche wirklich kongruent bzw. nachvollziehbar.
Mag schon sein, das Reggae und Rastafari auch von irgendwoher inspiriert oder gar beeinflußt worden sind. Ohne die massive 400 Jahre andauernde abgrundtief, unmenschliche, Versklavung der überwiegend schwarzen Bevölkerung aus Afrika, durch die weißen sadisten, hätte es die Rastafari-Bewegung so vielleicht nie gegeben. Auch Reggae soll ja durch verschiedene afroamerikanische und natürlich auch durch karibische Einflüsse geprägt sein. Nun, ich bin sogar geneigt, das zu akzeptieren aber im Unterschied zu den vielen weißen ReggaeBands haben die Jamaikaner jegliche Musik von der sie inspiriert waren eben verb(ä)ssert und nicht verwässert ;-) ……. Wohlgemerkt ist auch das die Sichtweise eines infizierten
ReggaeFans ohne den Wunsch auf irgendeine Form der Genesung. Dagegen helfen keine Pillen und schon gar keine Impfung. Und das finde ich auch immer noch gut so ;-) Allein sämtliche Versionen der Beatels sind durch die „Neuinterpretation“ der Jamaikaner im warsten Sinne des Wortes abgehoben und schweben über allen Horizonten. ( Mir ist dabei vollkommen egal, wie die auf dem boden der tatsachen gebliebenen beatlefans das sehen ….. ). Ich finde die ReggaeVersions der Jamaikaner so viel besser, das ich der Überzeugung bin, das das die eigentlichen Originale sind.
Das mit dem „immateriellen Weltkultursupermarkt“ und der damit einhergehenden Selbstbedienung aller nachfolgenden Kunst-und Kulturschaffenden ist eventuell zum jetzigen Zeitpunkt noch etwas übertrieben von mir und ich muss bzw. ich werde da sicherlich noch öfter einen inneren Konflikt mit mir austragen. Alle anderen, die da wahrscheinlich eine höhere Leidensfähigkeit ( Toleranz ) haben als ich, kann ich wie schon erwähnt, nur um Empathie für einen ReggaeNerd mit dem Hang zum „Fanatikum“ ( „….. tired of isms and skisms“ ) bitten.
Zum jetzigen Zeitpunkt, kann ich nur sagen, das ich mich über all jene wundere, denen das vollkommen egal zu sein scheint, das ReggaeBands
fast nur noch aus whiteboys bestehen. Wo sind sie hin, die „entrückten“ und „abgehobenen“ ReggaeBands. Wie kommt es, das Dub Spencer und Trance Hill hier auf Tournee gehen und Creation Rebel keine sau kennt.
Horace Andy müsste hier meiner Meinung nach mit der knackigen On .U Sound Besetzung auf Tour gehen. Und wenn das nur mit Subventionen möglich ist, dann brauchen wir dafür eben einen KulturFonds für „abgehobene“ Musik. Tim Bendsko und Konsorten spielen ja genug geld ein, da sie ja von der Quote ( ihr hört jetzt gefälligst mehr deutsche musik ) schon genug unterstützt wurden und werden.
Ja ok, ich merks ja gerade schon wieder selbst. Ich werde schon wieder komisch. Was kann der Tim dazu, das er deutscher ist und mich fast zu Tode langweilt. „Schwerenötermusik“ ohne Upliftment …………………
Ganz davon ab, würde ich mich sehr freuen, wenn Dub Spencer and Trance Hill hier mal in G-Town ein Konzert geben würden. Das ist auch so ein Punkt, den ich hier mal zum Besten geben möchte, auch wenn es einen Teil meiner Seele entblöst. Früher war nämlich doch alles besser. Hier in Göttingen ( zur Auffrischung : „Gött“ bedeutet auf türkisch „Arsch“ waraus ich schließe, das Göttingen sowas wie der UrArsch der Welt sein könnte ).
Bevor es die Quote gab, waren die Kulturfreaks zumindest auch hier in Göttingen noch bereit, richtig abgehobene Musik in my HomeTown zu präsentieren. Jetzt kommt noch nicht mal mehr Tim Bendsko …………
Ich bin also „nur“ verbittert, das meine Zeit schon zu Ende sein soll.
Ich hätte gern noch mehr Bands und Artists aus Jamaika und Afrika hier in d-land erlebt. Muss nicht nur Reggae sein aber abgehoben und entrückt ist für mich ganz ganz wichtig. Ich möchte aber die Originale und nicht eine deutsche Kombo, die versucht, afrikanische Musik zu interpretieren.

Ich geh „so long“ ins Tor ……………..lemmi

immerhin in diesem Punkt bin ich gleich „krank“ wie du… Reggaemyllitis bis in die tiefste Tiefe der Knochen… geniessen wir doch einfach den Offbeat und die Delays… wenn ich’s fühle und es mich anspricht, ist mir ziemlich egal, wer die Instrumente gespielt und an den Reglern gedreht hat. Dann geh‘ ich ab…
In diesem Sinne noch einen schön entspannten Sonntag…

„wenn ich’s fühle und es mich anspricht, ist mir ziemlich egal, wer die Instrumente gespielt und an den Reglern gedreht hat. Dann geh‘ ich ab…“

Genau so, isses bei mir auch !

Ich versuche nur immer – auch für mich selbst zu erklären, wenn es mal nicht so ist. Dabei schieße ich wohl öfter mal über das „Ziel“ hinaus und verfalle in eine Art Polemik.
Polemik ist aber gar nicht so schlecht, für den einfachen Bürger, sich gehör zu verschaffen. Das habe ich heute morgen mal so aufgeschnappt. Gefält mir aber auch darüber muss ich wohl noch öfter mal nachdenken.

Greetings ……………… lemmi

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