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Roommate: Decades In Dub

Mir altem Deadhead hat es Kalifornien und ganz besonders die Bay Area schon immer angetan. Genau dort im Wohnzimmer der Grateful Dead sind Musik und legendäre Konzerte entstanden, die Deadhead- und Hippie-Herzen immer noch höher schlagen lassen. Nicht nur bei Ganja ist seit etlichen Jahren mit den Cali-Strains eine „Kalifornisierung“ zu beobachten. Inzwischen sind es auch kalifornische Reggae-Bands wie Chuck Foster, Groundation, Arise Roots, The Expanders und zig mehr, die mich mit ihrem nach allen Seiten offenen, typisch locker relaxten, gitarrenlastigen Sound ebenso begeistern. Umso verwunderlicher, dass Roommate bisher eher unbeachtet an mir vorbei gesegelt ist.

Die musikalische Karriere Roommates (Justin McCauley) begann im Alter von 11 Jahren, als er seine erste Gitarrenstunde bekam. Inzwischen hat er seine Fähigkeiten durch die Verschmelzung von organischen und elektronischen Klängen zu seinem unverwechselbaren Stil verfeinert und zu seiner ganz eigenen Handschrift weiterentwickelt. Sein erstes Soloalbum („Dubfunk Vol. 1“) veröffentlichte er 2003 in Eigenregie, das sehr gut ankam und schnell in „Underground-Kreisen“ musikalische Bekanntheit erlangte. Als Dubstep von England kommend erstmals die Straßen der USA eroberte, fand er am neuen Musikstil schnell Gefallen und produzierte gemeinsam mit seinem Freund No Thing einige Meilensteine elektronischer Musik. Roommates Bekanntheitsgrad wuchs nach einer Reihe qualitativ hochwertiger Veröffentlichungen. Was folgte, waren zahlreiche Tourneen mit weltweiten Auftritten, bei denen er mit Intensität und ungebrochener Leidenschaft auftrat. Durch die Erfolge beflügelt, gründete McCauley zwei Musiklabels: „King Dubbist“ und „Avocaudio“, zwei weitere zukunftsweisende, musikalische Projekte, die mit Fokus auf erstklassige Vibes und herausragende Produktionen ein breites Spektrum von Dubstep über Trip-Hop und Jungle bis hin zu Reggae abdecken. Sie vereinen und repräsentieren exemplarisch Roommates musikalisches Spektrum sowie seinen Hang zu musikalischer Frische.

Vergangenes Wochenende bin ich schließlich in das äußerst produktive und abwechslungsreiche Klanguniversum von Justin McCauley aka Roommate eingetaucht. Mit seinem neuen Album „Roommate – Decades in Dub“ (Avocaudio) hat er letztlich auch meinen Geschmack getroffen. Roommate hat sich 12 Tracks seines riesigen Repertoires aus der Zeit von 2016 bis 2025 vorgenommen, um einiges tiefer gelegt, zerlegt und rekonstruiert, um sie mit fantasievollen Klängen zu bereichern. Eine Mischung aus Echos und Hall gepaart mit dem typisch psychedelischen West Coast Sound. Satte Basslines erstrecken sich in Dimensionen, wo sich Melodien im Tape-Delay Nebelschleier auflösen, während vertraute Motive in dubartigen Halluzinationen verschwinden. Das im Original fast sechs Minuten lange „Mezcal“ wurde als „Mezcal Dub“ auf weniger als vier Minuten zurechtgestutzt. Hier finde ich, wird Roommates Studioarbeit am eindrucksvollsten demonstriert. Roommate zeigt sein Dubverständnis durch seine ihm ureigene West Coast Perspektive: Einer Mischung aus Experimentierfreude, Intuition, Fantasie und klanglicher Vielfalt ohne Grenzen. Das Resultat ist dicht, überraschend und enthüllt verborgene Pfade, Versionen und neue Klangwelten des Originalmaterials.

2 Antworten auf „Roommate: Decades In Dub“

Ja, „über Geschmack lässt sich streiten“ aber nicht über den Guten.
Ich habe ja schon „unter dem Radar“ von „Decades in Dub“ geschwärmt und Roomate in meine „Liga der außergewöhnlichen Gentleman of Dub“ aufgenommen. Mit Chuck Foster, Groundation, Arise Roots und The Expanders werden fast schon alle amerikanischen Bands aufgezählt, die ich ebenfalls mit in mein großes Herz geschlossen habe. Wenn auch nicht mit jedem Album. Besonders Groundation ist bei mir in die Beliebigkeit abgerutscht. Ich bin ja nicht der einzige, der Harrison Stafford anstrengend findet. Sehr oft hat die Band oder auch mal ein „demoliertes Gehirn“ diese Anstrengung in eine Art Spiel mit Leichtigkeit und Freude verwandelt, so dass der Groove mich über den Gesang hinweggetragen hat. Seit nunmahr – gefühlt – Zehn Jahren höre ich, wenn überhaupt nur noch in diese „alten Sachen“ von Groundation rein. Aber darum geht es ja hier eigentlich gar nicht. Um Chuck Foster geht es auch nicht aber es sind vor allem seine DubProduktionen, die mich auch immer wieder durch die von Ras Vorbei exakt auf den Punkt gebrachte Spielweise begeistern.
„nach allen Seiten offen, typisch locker relaxt, gitarrenlastiger Sound“, wo auch besonders die DubAtmosphäre so schön nach frischem Sauerstoff schmeckt, den man heutezutage wahrscheinlich nur noch weit vor der kalifornischen Küste, irgendwo im Pazifik findet. Das klingt immer so schön nach „Tag der offenen Tür“ für alle Liebhaber von dick aufgetragenem Dublametta, was besonders den GitarrenSound so erklingen lässt, als ob er von Engeln gespielt wird. Mir gefällt die
„West Coast Perspektive“ ! „Eine Mischung aus Experimentierfreude, Intuition, Fantasie und klanglicher Vielfalt ohne Grenzen.“ Ich zitiere das einfach nur, weil ich es nicht besser beschreiben kann. All das, gepaart mit dem sphärischen, sowie lockeren und relaxten gitarrenlastigen Sound wird für mich im „Afterlife Dub“ suzusagen zusammengefasst. Hier finde ich alles, was meine Seele glücklich macht und eine schöne Ganzkörper-
gänsehaut will sich nicht vermeiden lassen. Das ganze Album ist klasse aber solche HighLights machen jedes gute Album zu einem sehr guten für mich. Leider habe ich weder etwas zu „Dubfunk Vol.1“ noch zu dem von
René, vor „vielen“ Jahren, rezensierten Album „Dub Transmissions“ gefunden. Mag ja sein, dass „wer suchet der findet“ oder so ähnlich aber ich bin kein „Suchender“ mehr, da ich glaube schon alles gefunden zu haben, was für mich wichtig ist. Außerdem fand ich weder am Muschelsuchen am Strand jemals etwas Gutes oder Schönes, noch hatte ich Lust, auf ner Wiese nach magic mushrooms zu suchen. Ich habe lediglich beim Leeren des Glases geholfen aber auch das nur ganz „gelegentlich im privaten Bereich“ ;-)

Nicht jedes gute DubAlbum bekommt im DubBlog eine Rezension. Umso schöner, dass „Decades In Dub“ mit einer Rezension geadelt wurde.
Es ist halt Fachkräftemangel und so muss man sich auf das Wesentlichste
konzentreieren. Und guter Dub ist nunmal sehr „wesentlich“ ;-)

So long ……………… lemmi

Unerwartet. Dachte, der Kollege „hätte fertig“. Hab diverse Dubstep-Maxis von ihm um 2010, die alle ganz nice waren, und auf dem Auto-USB-stick zwei überdurchschnittliche Mixe mit eigenem Gedöns. Mal schauen, ob ich hier mal irgendwo „drüberstolpere“ ;)

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