Viele jamaikanische Musiker kamen vom Jazz oder Soul zum Reggae, das vergessen heute viele Leute und gleichzeitig sind und waren es sehr versierte Musiker, die häufig in der Alpha School ihre Ausbildung begannen. Was liegt da näher als The Juks, eine in London ansässige Rocksteady-/Reggae-Band, die bereits 2020 mit ihrem ersten Album „Way Back“ meine Wege kreuzte und in Erinnerung blieb? The Juks sind eigentlich nur Toby Kinder an Organ/Wurlitzer und der Multiinstrumentalist und Produzent Lenny Bignell an Guitars/Wurlitzer/Bass/Melodica und Drums, die Jazz-Klassiker aus dem Blue Note Katalog mit der Energie von frühem Reggae- und Dub verbinden. Dabei bewegt sich ihre Musik zwischen warmen, harmonisch interessanten Klangwelten und einem stets treibenden Groove, der von Bass und Schlagzeug geprägt ist. Auf ihrem aktuellen Release „The Juks: Blue Note Special“ entstehen dabei aus den Originalen vielschichtige Konstellationen und Instrumentals, die die Jazz-Klassiker neu und höchst erfrischend interpretieren. Von frühen Arbeiten wie dem ersten Album „Way Back“ bis zu den Veröffentlichungen wie „The Phantom“, dem Opener des aktuellen Albums, ist ein klarer Schwerpunkt festzustellen, der sich in musikalischer Neugier und einem handwerklich präzisen Sound präsentiert. So bauen The Juks einen Stil, der gleichzeitig Kopf und Hüfte anspricht, authentisch in der Reggae-Tradition verhaftet bleibt und dennoch offen für Jazz-Feinheiten und psychedelische Anleihen ist.
Auf „Blue Note Special“ unterziehen The Juks ein Jahrzehnt aus dem Blue-Note-Katalog, einer Neuinterpretation mit Reggae- und Dub-Einflüssen. Die Sammlung vereint die sieben 7-Zoll-Singles aus ihrer Reihe „Blue Note Breakbeats in Reggae“ sowie drei weitere herausragende Titel. Die zehn Tracks sind eine kleine Entdeckungsreise durch das legendäre Jazz-Label, das 1939 von den deutsch-jüdischen Emigranten Alfred Lion und Max Margulis in den USA gegründet wurde. Woher die Inspirationen kommen, ist nicht zu überhören. Der frühe Reggae der Pioneers ist ebenso zu hören wie Anleihen an Ernest Ranglin, Jackie Mittoo, Count Ossie, Light of Saba und Augustus Pablo, die eine Brücke zwischen den zwei musikalisch reichhaltigen Traditionen schlagen.
Lenny Bignell und Toby Kinder interpretieren viele der größten Jazzstücke, die jemals beim Label Blue Note erschienen sind, völlig neu, wobei sie dem gewohnten Kurs des Instrumental-Covers treu bleiben. Exemplarisch habe ich mir den Ronnie Foster Titel „Mystic Brew“ aus dem Jahr 1972 ausgesucht. Ein Jazz-Funk-Klassiker, dessen Melodie langsam zum Reggae aufgebaut wird, der mit sattem Bass, treibendem Rhythmus und psychedelischen Gitarrenklängen durchzogen ist.
Auch bei “Brother Soul” von Lou Donaldson gefällt mir die Gitarre, die mit der Flöte korrespondiert.
Für mich wieder mal ein wunderbares Album, mit schönen, sanften Melodien, sich daraus erhebenden Wah-Wah-Effekten, improvisierten Orgelpassagen und einem jazzigen Hauch kosmischer Keyboard-Verspieltheit.
Allen möchte ich noch zusätzlich die oben erwähnten Singles ans Herz legen, denn da sind auch die Dubs zu hören.

Eine Antwort auf „The Juks: Blue Note Special“
Als es noch keinen Reggae gab, hätte ich für „Brother Soul“ von
Lou Donaldson eventuell auch „ein Ohr“ übrig gehabt. Ich habe mir das Original von Lou D. auch mal angehört und kann dem gut folgen, ohne auch nur den geringsten Anteil von Extase zu empfinden. Aber hier gehts ja nicht um Extase, sondern um entspanntes Musikhören und das kann man sowohl bei den Originalen als auch bei den „Blue Note Specials“ wunderbar genießen. Und bei „Way Back“ ebenso. Bei „Mystic Blue“ von Ronnie Foster gehe ich allerdings vor langer Weile ein. Deshalb habe ich keine weiteren Originale mehr abgecheckt, was vielleicht ein Fehler war aber auch aus Fehlern können ja sehr gute Effekte entstehen. Die „Blue Note Specials“ überzeugen mich nicht wegen abgefahrener Spezialeffekte sondern wegen der wirklich souveränen Spielweise der Musiker. Auch ich finde schöne Melodien und auch die
„jazzige Keyboard – Verspieltheit“ mit einem Hauch von kosmischer Magie nimmt mich mit und erzeugt Upliftment sowie innere Freude. Ganz besonders smart nistet sich die „Ernest Ranglin Gitarre“ in meinen auditorischen Kortex, in mein limbisches System und nicht zuletzt in meinen Hippocampus ein, wo all meine Erinnerungen an ganz feine Gitarrenspielchen, von eben besagtem Ernest Ranglin, für alle Zeit „eingebrannt“ sind. Hin und wieder „zimbelt“ es ein wenig aber das hat mich bis jetzt noch nicht so gestört. Kann man vernachlässigen – denke ich.
Wo war ich stehengeblieben ? Ach ja ! Ein Vergleich zwischen original Version von „Brother Soul“ und der Interpretation von The Juks. Die fehlende Extase bei der original Jazz – Soul – oder „call it as you like“- Version wird von den Juks durch eine sehr muntere, vor Rhythmuseuphorie sprudelnde Energie ersetzt und in eine fantastische Reggae – bzw. Rocksteady – Version verwandelt.
And that´s why I do not hear the Jazz, I only listen ReggaeMusic !!! … lemmi