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Interview

16 Fragen an: iLLBiLLY HiTEC

Euer Name: iLLBiLLY HiTEC
Ihr lebt in: Berlin
Titel eures letzten Album: Reggaetronics (Echo Beach)

Was ist eure Definition von Dub?
Für mich gibt es da irgendwie keine Definition. Dub ist grenzenlos, kann mit so ziemlich allen Musikrichtungen verschmelzen, und bietet einfach sehr viele Möglichkeiten, sich auszutoben. Das macht die Musik für uns so interessant.

Was unterscheidet einen guten von einem schlechten Dub?
Handwerklich sollte es stimmen, der Rest ist Geschmacksache.

Wie würdet ihr euren Dub-Stil beschreiben?
Wir haben ja generell viele Vocals in unseren Produktionen und setzen Effekte daher eher sparsam ein. Insgesamt ist unser Stil bis auf die Ausflüge in die Elektronik daher auch recht reggaelastig.

Wie sieht der Entstehungsprozess eines typischen Dub-Tracks von euch aus?
Das machen wir frei aus dem Bauch raus. Bis zum Endergebnis dauert es zwar meist recht lang, aber die erste Aufhänger kommt spontan. Higher Calling haben wir z. B. Ablauf, Melodie und Gesang sehr schnell fertig gehabt – das Finetuning hat dann aber echt noch ne Weile gedauert.

Wann seid ihr mit einem von euch produzierten Dub zufrieden?
Nie. Das ist doch immer so, oder? Wir kommen eher an einen Punkt mit jedem Song, wo man sich fragt ob es noch besser oder eher schlechter wird, wenn man weitermacht.

Wer ist der aktuell interessanteste Dub-Artist?
Aus Deutschland ist Aldubb sicher ganz vorne mit dabei. Live haben mich persönlich Kaly Live Dub aus Lyon sehr geflasht. Wir haben mit denen einmal in Bukarest gespielt – sehr gute Musiker und fette Performance.

Was hört ihr außer Dub?
Thomas kommt aus dem Hip Hop, Longfingah ist ein rightiger Reggae-Head. Ich komme eigentlich mehr aus dem Rock. Dass Dub und ähnliche Klänge unser musikalischer Mittelpunkt geworden sind, liegt wohl an der Breite der Möglichkeiten des Genres.

In welcher Form kauft ihr eure Musik: Vinyl, CD, Download, Abo? Warum?
Je nach Produktion bei mir persönlich sehr unterschiedlich. Aber Thomas hat fast nur Vinyl.

Gelingt es euch, mit Musik euren Lebensunterhalt zu bestreiten?
Es ist sehr knapp.

Mit welchem Artist würdet ihr gerne einmal zusammen arbeiten?
Da gibt es einige. Muss man mal abwarten, was sich da sowohl an den Vocals sowie an am Mischpult noch tut.

Was ist eure besondere Stärke?
Obwohl wir nur zu dritt auftreten, schaffen wir durch Longfingahs Gesang und die live Drums das Erlebnis eines Konzerts. Ausserdem ist unser Programm durch die verschieden Stile auch sehr abwechslungsreich. So können wir auf ganz unterschiedlichen Events spielen und Leute aus allen Ecken erreichen.

Was macht euch an eurem Job am meisten Spaß?
Die Tourneen und die daraus resultierenden Freundschaften machen uns sehr viel Spass und geben uns auch Energie und Ideen, das Projekt weiter zu entwickeln. Reisen lohnt sich immer!

Wovor graust es euch im Studio?
Bevor wir die Songs fertig produzieren, nehmen wir sie schon mit auf Tour. Dabei gewöhnt man sich an den fetten live Sound der Drums, die große PA und das vibrieren der Bühne. Im Studio klingt dann erstmal alles vergleichsweise trocken. Da erschreck ich mich jedes Mal.

Wenn ihr nicht gerade an Dubs schraubt, was macht ihr dann am liebsten?
Die Musik lässt uns momentan kaum Zeit für andere Dinge.  Thomas hat aber eine große Leidenschaft für Walkmans, Ghettoblaster und Sneaker. Aber Kochen steht bei mir ganz oben. Gutes Essen fetzt!

Welche Musik-Website steuerst ihr am liebsten an?
Soundcloud.

Wie sehr ihr die Zukunft von Dub?
In Deutschland ist die Szene momentan ja recht überschaubar, aber trotzdem gut aufgestellt. Ich denke da gibt es noch Potenzial. Einige Artist werden den Dub sicher bald weiter nach vorne bringen.

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iLLBiLLy HiTEC: Reggaetronics

Wer erinnert sich noch an die Asian Dub Foundation? Beim Hören des Debutalbums „Reggaetronics“ (Echo Beach) des Berliner Trios iLLBiLLy HiTEC werden bei mir jedenfalls spontan Erinnerungen wach an ihren schnellen, aggressiven Dub-Sound mit Gesang – oder besser gesagt: Rap. Die iLLBiLLYs machen, so viel wird klar, keine Gefangenen. Gleich vom ersten Track an versprüht das Album pure Energie. Das geht zwar auf Kosten von Groove und Bass-Vibes, bietet dafür aber einen Blick über den Dub/Reggae-Tellerrand hinaus in Richtung Elektronik, Dubstep, Breakbeat und Hip Hop. Irgendwie hört man dem Studioalbum an, dass die Band vor allem live ein Erlebnis ist – was vielleicht auch an dem analogen Sound des Schlagzeugs liegt; und an der Vocal-Begleitung: Die meisten Tracks featuren Longfingah der seine Lyrics rasend schnell über die Beats prügelt. Hier ist alles High Energy – mit nonchalanter Punk-Attitüde. Wer mal die Ohren freigeblasen braucht, sollte sie den iLLBiLLYs schenken.

Hörprobe bei iTunes

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Mind’s Eye Dub: Uhuru

Uhuru

Dubkey ist eines meiner Lieblings-Dub-Netlabels. Eigentlich ist jedes dort zum kostenlosen Download bereit stehende Album wert, in die persönliche iTunes-Bibliothek aufgenommen zu werden. Hier veröffentlichen wahre Dub-Idealisten, die gar nicht erst auf die Idee kommen, ihre Musik kommerziell zu vertreiben. Ihnen geht es schlicht darum, ihre guten Vibes mit so vielen Dubheads wie möglich zu teilen. Eine löbliche Einstellung, die vor allem dann an Wert gewinnt, wenn sich die hier verschenkte Musik mit Veröffentlichungen aus dem normalen Verkauf hinsichtlich ihrer Qualität messen lassen kann. Für das jüngste Album des Netlabels trifft das jedenfalls zu: „Uhuru“ (Dubkey) vom maltesischen Multiinstrumentalisten Mind‘s Eye Dub ist eine solide Produktion. Gute, originale Rhythms, nette Melodien und vor allem schönes Melodiakaspiel machen seine Musik aus. Das einzige Problem besteht darin, dass den Dubs ein paar Ecken und Kanten fehlen. Vor allem der Sound könnte definierter sein, der Mix mutiger und das Arrangement abwechslungsreicher. Kompositorisch stimmt aber eigentlich alles. Nur gelingt es Mind‘s Eye Dub nicht, die kompositorischen Qualitäten kraftvoll genug umzusetzen. Dadurch wirkt das Album etwas zu seicht und eintönig. Aber statt hier viel Theorie zu lesen, rate ich jedem: selbst anhören http://dubkey.com/dubkey012.html

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Alien Dread In Dub With Martin Campbell & The Hi-Tech Roots Dynamics Vol. 1-3

MARTIN CAMPBELL & THE HI TECH ROOTS DYNAMICS

„These Albums feature ryhthm tracks from the Channel One (Uk) vaults, produced by Martin Campbell“, steht auf der Rückseite der Albumserie „Alien Dread In Dub With Martin Campbell & The Hi-Tech Roots Dynamics Vol. 1-3“ (Reggaeretro). Ein knapper Satz, der mich nachhaltig in Verwirrung stürzte. „Channel One UK“? Und wer ist eigentlich Martin Campbell? Eine Internet-Recherche später, kann ich mir nun zusammen reimen, dass Mr. Campbell, 1955 in Deutschland geboren und in Jamaika aufgewachsen, mit JoJjo Hookim befreundet ist und von diesem die Erlaubnis erhielt, in England ein Studio mit dem Namen „Channel One UK“ zu eröffnen, (das außerdem mit dem gleichen Equipment wie das Channel One Studio in Jamaika ausgestattet ist). In diesem Studio produziert Campbell schon seit etlichen Jahren Roots-Rhythms, die gelegentlich auch das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Wer die Rhtyhms einspielt? Keine Ahnung. Verwendet er womöglich Aufnahmen, die Hookim ihm überließ? Keine Ahnung. Aber wie dem auch sei, Campbells Sound ist dem des originalen Channel One Studios ausgesprochen ähnlich. Auch die Beschränkung auf den Stil der frühen 80er Jahre passt perfekt, denn wie die Rhythms der Roots Radics, sind auch Campbells Tracks fast in Slow Motion gespielt, minimalistisch arrangiert und von einem dominanten Bass beseelt. Diese Rhtyhms hat sich nun Andrew Passey, aka Alien Dread in seinem südenglischen Phat Dubz-Studio vorgeknöpft und durch die Echo-Kammer gejagt. Das Ergebnis ist „zu konventionell“ – wie mich ein Kollege wissen ließ. Da kann ich ihm in der Sache nicht widersprechen, wohl aber im Geschmacksurteil. Denn mir gefällt der konventionelle Sound ganz gut. Es ist schlicht idealtypischer Dub. An ihm ließe sich in einem Lehrbuch bestens das ganze Genre erklären. Da braucht es keine abgefahrenen Ideen. Hier hat ein Sound seine perfekte Verwirklichung gefunden. Er ist wie eine gute Pizza Margherita: langweilig aber köstlich.
Hörprobe Vol. 1
Hörprobe Vol. 2
Hörprobe Vol. 3

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Evolution of Dub – Vol. 7

Evolution of Dub Vol. 7

Nach ca. 3,5 Jahren hat die Evolution of Dub – so wie Greensleeves sie sieht – Vol. 7 (Greensleeves) und damit ihr Ende erreicht (laut eines Blog-Eintrags des Plattenlabels). Wie schon beim Start 2009 abzusehen war, hatten die Damen und Herren der Archive gar nicht vor, eine wirkliche Evolution des Genres darzustellen. Statt dessen begnügten sie sich, Dub-Alben aus dem Back-Katalog als CD neu zu veröffentlichen – mit schönem Reprints der Original-Cover und mehr oder weniger ausführlichen Linernotes. Doch die bisher 28 ausgewählten Alben folgten weder einer Chronologie, noch waren sie besonders wichtige Meilensteine in der Entwicklung des Dub. Meist widmete sich eine Box einem oder zwei Produzenten und überspannte einige Jahre. Nach Joe Gibbs & Errol Thompson, Niney, natürlich Bunny Lee, Linval Thompson, Ossie Hibbert, Lloyd Coxsone und Prince Jammy, bildet Winston Edwards nun den Abschluss. Die Aufzählung dieser Namen macht jedem halbwegs mit der jamaikanischen Musikgeschichte vertrauten Leser klar, dass die Evolution à la Greensleeves die 1970er Jahre kaum verlassen hat. Für Freunde der alten Schule des Dub wahrscheinlich eine Offenbarung, ist die groß angelegte Serie in meinen Augen eine verpasste Chance. Eine Chance allerdings, die wahrscheinlich nie wirklich existiert hat. Denn eingedenk der Tatsache, dass Dub very, very, very special interest ist, hätte sich der Aufwand einer akribisch zusammen gestellten und gut kommentierten Geschichte des Dub wohl nie über Verkaufserlöse refinanzieren lassen. Daher lasst uns Greensleeves für diese tolle CD-Box-Serie ehrerbietig danken. – Und dann lasst uns schauen, was die Evolution Of Dub, Vol. 7 zu bieten hat:

Natty Locks Dub

Vier Produktionen von Winston Edwards, die drei ersten aufgenommen in Jamaika, obwohl Edwards seit 1974 in England lebte. Dort betrieb er sein Fay Music-Label und veröffentlichte im selben Jahr sein erstes Dub-Album „Natty Locks Dub“ mit Aufnahmen, die Teils in Perrys neuem Black Ark-Studio, teils bei Joe Gibbs entstanden und in Tubbys Studio gemixt wurden. Zurück in England kamen noch ein paar Bläser-Soli darüber und fertig war das Album. Allerdings war ihm wenig Erfolgh beschieden, was sich aus heutiger Sicht leicht nachvollziehen lässt, da die Tracks allzu seicht und stereotyp klingen.

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„King Tubby Meets The Upsetter At The Grass Root Of Dub“ von 1975 ist da schon von anderem Kaliber. Aufgenommen im Studio von Joe Gibbs, wurden die Dubs der A-Seite von King Tubby und die der B-Seite von Lee Perry gemixt. Beide Seiten sind – vor allem im Kontrast zum Vorgängeralbum – sehr gut gelungen. Fast alle Rhythms waren neue Kompositionen, die Instrumentierung, die oft von Vin Gordons Posaune angeführt wird, ist schön abwechslungsreich und nicht zuletzt überzeugen auch die Dub-Mixes. Im Rahmen einer Evolution des Dub liegt die eigentliche Bedeutung dieses Albums aber in dessen Vermarktung. Denn während frühere, in geringen Stückzahlen importierte Dub-Alben in England aufgrund ihrer horrenden Preise nur wenig Käufer fanden, war „King Tubby Meets The Upsetter At The Grass Root Of Dub“ nicht nur ein richtiger, ordentlicher UK-Release zu einem normalen Album-Preis, sondern Edwards bewarb das Album zudem mit einer weit verbreiteten Anzeigenserie. Das Ergebnis könnte als positives Beispiel in einem Marketing-Handbuch der Zeit Aufnahme finden: Das Album verkaufte sich blendend, wurde Kult unter den Anhängern jamaikanischer Musik und bewirkte vor allem eines: Das Konzept von Dub wurde einem großen Publikum bekannt gemacht.

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„King Tubby Surrounded By The Dreads At The National Arena“ erschien ein Jahr später, 1976, und stammte ganz aus der Dromilly Avenue. Neben reinen Dubs, gibt es auch einige Vocal-Cuts zu hören, was die original Linernotes damit begründen, das Album versuche einen Live-Auftritt King Tubbys in der National Arena Kingstons nachzuempfinden. Doch obwohl auch das neue Album zum Erfolg wurde, schloss Edwards 1977 sein Label und kümmerte sich statt dessen um Joe Gibbs Londoner Dependance.

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Drei Jahre später, als Dub bereits im Begriff war, sich aus der Gunst der Hörer zu verabschieden, veröffentlichte Winstone Edwards sein viertes und vorletztes Dub-Album: „Dub Conference“. Doch dieses Mal war es eine rein britische Produktion, aufgenommen und gemixt vom zentralen Protagonisten des UK-Reggae jener Zeit: Dennis Bovell (aka Blackbeard). Der Unterschied zu den drei jamaikanischen Alben in der Box ist gewaltig. Die drei Jahre zeitlicher Abstand zu den Vorgängern dürfte dabei weniger entscheidend sein als die generell bessere Ausstattung der britischen Tonstudios. Der Sound auf „Dub Conference“ ist ungleich komplexer, der Dub Mix um längen experimentierfreudiger, während die Gesamtanmutung beseelter und „wärmer“ ist. Die „Dub Conference“ ist ein würdiger Abschluss der „Evolution Of Dub“-Serie, denn genau hier erfolgte die Übergabe des Staffelstabes des Dub von Jamaika an England. Was dann folgte, ist ein anderes Kapitel im Buch der Evolution.

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Interview

20 Fragen an: Umberto Echo

Dein Name: Umberto Echo
Du lebst in: München
Titel deines letzten Albums: Elevator Dubs, 15. März 2013 Enja Records

Was ist deine Definition von Dub?
Instrumental Musik auf Reggae basierend mit ein wenig Gesang und teilweise extremen Effekten, nicht unbedingt Echo aber oft und gerne, manchmal Solos.

Was unterscheidet einen guten von einem schlechten Dub?
Ein schlechter Dub wird schnell langweilig weil er vorhersehbar ist. Einen guten kann man immer wieder hören.

Wie würdest du deinen Dub-Stil beschreiben?
Eklektisch maximalistisch.

Wie sieht der Entstehungsprozess eines typischen Dub-Tracks von dir aus?
Im Idealfall hab ich schon vorher eine Idee die ich dann auch umsetzten kann. Manchmal lande ich auch ganz wo anders, was nicht unbedingt schlecht sein muss.
Ich mach die Session auf, mische den Tune damit alle Elemente gut klingen und fange dann an einzelne Elemente rein und raus zu nehmen und zu verfremden. Da bin ich dann ein paar Stunden in meiner Welt. Wenn ich da ein gutes Gefühl mit der Basis habe, mach ich eine Pause und hör mir das ganze mit etwas Distanz an.
Dann geht’s ans Finetuning. Ich gehe über einzelne Passagen und verfeinere die Übergänge und nehme überflüssige Parts raus. Evtl. spiele ich selbst ein paar spuren ein und oder lade einen befreundeten Musiker ein damit er mir ein bisschen was dazu spielt. Wen ich dann mit allem, was so passiert, zufrieden bin, wird noch mal eine Runde nur am Klang gefeilt.

Wann bist du mit einem von dir produzierten Dubs zufrieden?
Wenn ich ihn mir mehrmals hintereinander anhören kann ohne das ich etwas verändern möchte und ihn bei jedem hören interessant finde.

Was sind deine persönlichen Dub-Top 5-Alben?
Aswad: New Chapter in Dub
Mad Professor vs. Le Scratch Perry: Dub Take The Voodoo out of Reggae
Scientist: Dub From The Ghetto
Earl 16: The Fittest Dub Versions
Umberto Echo: Dub Train

Wer ist für dich der größte Dub-Artist aller Zeiten?
Lee Perry, über den hab ich mich schon so oft gefreut. Der ist nicht unbedingt der Beste aber der Coolste.

Und wer der aktuell interessanteste Dub-Artist?
Umberto Echo

Was ist für dich die musikalisch interessanteste Dekade? Warum?
70er. Warmer Sound, echte Vibes, echte Musiker, Aufbruchstimmung.

Was hörst du außer Dub?
Jazz, HipHop, Soul, Funk, Afrobeat, Elktronische Musik, High End Pop, Klassik, früher viel Punk, Hardcore, Rock.

Was ist dein aktuelles Lieblingsalbum?
Antun Opic „You Can Spare A Dime“

In welcher Form kaufst du deine Musik: Vinyl, CD, Download, Abo? Warum?
CDs. Ich bin so aufgewachsen, hab mich noch nicht umgestellt. Preis Leistung (Sound) stimmt insbesondere bei älteren Alben.

Gelingt es dir, mit Musik deinen Lebensunterhalt zu bestreiten?
Ich produziere viel Musik für andere Leute in diversen Genres und lebe ausschliesslich davon. Mit meiner eigenen Musik verdiene ich kaum Geld.

Mit welchem Artist würdest du gerne einmal zusammen arbeiten?
Alle die noch kommen werden

Was ist deine besondere Stärke?
Gutes Gehör, Spass an der Sache,Musikalität.

Was macht dir an deinem Job am meisten Spaß?
Meine eigenen Alben zu produzieren und alle Entscheidungen alleine treffen zu können.

Wovor graust es dir im Studio?
Schlecht vorbereitete Musiker mit verstimmten Instrumenten.

Wenn du gerade nicht an Dubs schraubst, was machst du dann am liebsten?
Gute Musik aufnehmen und mischen.

Welche Musik-Website steuerst du am liebsten an?
Mach ich eher selten, suche eher nach bestimmten Personen(Musikern) die mich interessieren, da landet man immer wo anders.

Wie siehst du die Zukunft von Dub?
Positiv! Dubstep wird weiter versinken in den Spielarten des Mainstream und neue Leute werden die alten Dub-Konzepte in ungeahnter Weise uminterpretieren.

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Reggae

David Rodigan bei der BBC

Rodigan

Meine Reggae-Sozialisierung habe ich zu großen Teilen einem Mann zu verdanken: David Rodigan. Er schickte in den 1980ern seine zweistündige Radioshow „Rodigans Rockers“ via BFBS in die Wohnzimmer hiesiger Reggae-Fans. Danach war er lange Zeit bei Kiss FM im Programm, das aber in Deutschland nicht empfangen werden konnte. Nachdem Kiss seine Reggae-Sendung auf immer unattraktivere Sendeplätze verschoben hatte (zum Schluss war  es Sonntagnacht um 0 Uhr), kündigte Rodigan und heuerte bei der BBC an. Heute lief seine neue Sendung zum ersten Mal. Hier in Deutschland lässt sie sich via Internet verfolgen – und sollte man sie verpassen, so kann man sie auf der BBC-Seite nachholen. Da werden Erinnerungen wach. Welcome Back!
Rodigan auf BBC 1Xtra

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Review

The Breadwinners: Dubs Unlimited

The Breadwinners

Wir sind versessen auf Neues. Nirgendwo sonst wird Innovation so hoch geschätzt wie bei uns, im westlichen Babylon-System (und die Jamaikaner machen da bekanntlich keine Ausnahme). Anders als z. B. in Japan, wo es als hohe Kunst gilt, ein Handwerk perfekt zu beherrschen und jene gepriesen werden, die beispielsweise ein Samurai-Schwert in absoluter Perfektion schmieden oder ein klassisches Gericht in höchster Vollendung zubereiten können, spielt handwerkliche Qualität bei uns eine ganz und gar untergeordnete Rolle. Als wahrer Künstler gilt nur, wer etwas (wenn auch nur vermeintlich) Innovatives leistet – unabhängig von seiner handwerklichen Fähigkeit. Hauptsache die Idee ist neu. Diese Haltung führt dazu, dass manch Schönes gering geachtet wird. Sie führt andererseits aber auch dazu, dass wir nicht beim bereits Erreichten verharren, sondern uns auf der Suche nach Neuem vom Fleck bewegen und spannende Möglichkeiten entdecken. Aber der Drang nach Innovation und die Freude an Bewährtem müssen sich ja nicht ausschließen. Mich kann beides begeistern: Das Album eines Experimentierers, der die Grenzen des Genres sprengt – auch auf Kosten der Schönheit. Aber auch: Das Werk eines Traditionalisten (oder besser: Postmodernisten), der in seiner Musik versucht, dem Ideal des Sounds einer ganz bestimmten Epoche möglichst nahe zu kommen. Prince Fatty habe ich dank seiner meisterhaften Beherrschung dieser Kunst hier schon des öfteren gefeiert. Nun bekommt er Gesellschaft von einem Landsmann, der zwar (noch) nicht so produktiv ist wie Fatty, dafür aber genau so gut: Alan Redfern aka The Breadwinners. Der Künstlername lässt eine ganze Band vermuten – und genau das ist Redfern auch. Eine One-Man-Band, denn er spielt nicht nur Schlagzeug, Bass, Keyboards, Gitarre, Perkussion und Harfe (!), sondern komponiert auch seine Musik, nimmt sie auf und mixt sie außerdem noch zu grandiosen Dubs. In den letzten fünf Jahren hat der 34-jährige hunderte Tracks aufgenommen. 15 davon sind nun auf seinem Debut-Album zu hören: „Dubs Unlimited“ (King Spinna Records) – und diese 15 Tracks sind der perfekte Sound, um auch das neue Jahr 2013 mit dem Vibe der 1970er zu infizieren. Denn was Mr. Breadwinners hier mit seinen 15 kurzen und bescheidenen Tracks veranstaltet, ist nichts weniger als eine veritable Renaissance von Lee Perrys Black Ark-Sound sowie die Reinkarnation der late 70ies Roots Radics. Warum man sich das anhören sollte, obwohl der Schrank voll steht mit originalen Perry-Aufnahmen und unzähligen Roots-Radics-Alben? Aus dem gleichen Grund, weshalb man sich einen Tarrantino-Film anschaut: Es macht einfach Spaß, den postmodernen Zitaten nachzuspüren, den „alten“ Sound in einer von Kevin Metcalfe perfekt gemasterten Qualität zu genießen und zudem noch ausgesprochen schönen Kompositionen und Arrangements zu lauschen.
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Reggae

Dreadsquad: The Riddim Machine Versions

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Mittlerweile entsteht nahezu überall in Europa vorzüglicher Reggae: Frankreich, England, Italien, Deutschland: alles große Reggae-Nationen. Neudings gehört auch Polen dazu. Den Verdienst daran trägt allein ein Produzent aus Lodz: Marek Bogdanski a.k.a. Dreadsquad! Seit 2001 hat er einige wunderbare, vor Energie sprühende Rhythms zusammengeschraubt, die musikalisch irgendwo zwischen Ska, Early Reggae und Dancehall angesiedelt sind. Im Laufe der Zeit wurden sie von einer Vielzahl europäischer und jamaikanischer Artists gevoiced (Ward 21, Tenor Fly, Top Cat, General Levy, U Brown, Milion Stylez, Lady Chann, Tipa Irie, Jah Mason, Perfect, Dr Ring Ding) und in Form von wenigen Solo-Alben und vielen Singles (die allerdings zu One-Rhythm-Samplern kompiliert wurden) veröffentlicht. Letztes Jahr erschien mit „The Riddim Machine“ ein Best Of Dreadsquad, das bei mir lange Zeit in Dauerrotation lief. Nun, ein Jahr später, erscheint – nein, leider nicht das dazu passende Dub-Album, sondern „nur“ ein Version-Album, mit den weitgehend ungemixten Rhythms. Es trägt den passenden Titel „The Riddim Machine Versions“ (Superfly Studio Poland) – und, was soll ich sagen: I’m loving it! Grandiose Instrumentals, bei denen es nicht verwundert, dass sie die oben genannten Artists zu hervorragenden Songs inspirierten. Neben Original-Kompositionen gibt es dort auch klasse Reworkings von Riddims wie Sleng Teng oder Stalag zu hören. Das macht Spaß! Jetzt warte ich nur noch auf das Dub-Album – oder wahlweise auf neues Material. Hauptsache Nachschub aus dem Osten.
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Reggae

Studio One Ironsides

Studio One Ironsides

Ich liebe die Musik aus Coxsones Studio One. Doch leider, leider habe ich meine nette, gar nicht so kleine Studio One-Kollektion im Laufe meiner nunmehr über dreißigjährigen Leidenschaft für Reggae so of gehört, dass mich die Songs – auch wenn sie noch so fantastisch sind – nicht mehr so richtig reizen. Doch nun hat das Souljazz-Label, dass sich in den letzten Jahren ja sehr um die Aufarbeitung des Studio One-Katalogs verdient gemacht hat, ein Album heraus gebracht, dessen Reiz ich vollkommen erlegen bin: „Studio One Ironsites“. Obwohl das Album auch einige der großen Studio One-Klassiker enthält, mischt es diese so geschickt mit rarem, nahezu ungehörtem Material, dass es für mich geradezu einer Neuentdeckung des guten alten Studio Ones gleichkommt.
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