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Interview

Interview mit Thomas Blanchot (Mato)

Dein Name: Thomas „Mato“ Blanchot
Du lebst in: Paris, Frankreich
Dein aktuelles Album: Scary Dub

Wie lautet deine persönliche Definition von Dub?

Ich würde sagen Dub ist Klangkunst. Es ist ein einzigartiger Stil, der die totale Kontrolle des Tracks beansprucht – sowohl was die Komposition (durch Edits) als auch den Mix (durch Effekte) betrifft. Was wir heute als Remix kennen, hat seinen Ursprung vor langer Zeit im Dub. Voraussetzung dafür war eine neue Art von Künstler: Der Dub-Mixer. Tatsächlich habe die Beatles den Weg dafür geebnet, als sie ihre Tontechniker feuerten und selbst die Kontrolle über die Aufnahmetechnik übernahmen. Das Studio selbst – also Equipment samt Tontechniker – ist zweifellos ein vollwertiges Bandmitglied, wenn Musik aufgenommen wird. Die Tonspuren werden dann zu grenzenlos formbaren Material; ähnlich dem improvisierenden Stil im Jazz. Letztlich geht‘s darum jeden Moment, jede Note bzw. Melodie zu veredeln.

„Unterschiedlichste Musikstile als Reggae-Dub zu adaptieren – das ist mein Markenzeichen.“

Braucht Dub eine Referenz, etwa einen Vokal-Counterpart oder kann er als Selbstzweck für sich allein im Studio entstehen? 

Am Beginn stand die durch den Mix bearbeitete Version eines Titels. Das sind die Wurzeln von Dub, der mit anwachsendem Repertoire zum eigenen Stil avancierte. Produzenten wie Mad Professor oder Jah Shaka haben hingegen haben eigene Dub-Tracks aufgenommen und nicht auf bereits existierendes Material zurückgegriffen. Ich sehe meine Produktionen irgendwo dazwischen; ich suche nach bekannten Titeln, die sich gut adaptieren lassen und produziere sie neu – nur um sie dann dubben zu können. Ich brauche also unbedingt eine Referenz zu meiner Arbeit und sehe Dub als Counterpart zu etwas bereits Existierendem. Meine Referenzen find sich allerdings nicht im Reggae; dass ist das Besondere an meiner Arbeit.

Natürlich kann man alles dubben – einige Stile sind dafür besser geeignet als andere. Ein hypnotischer, melodischer Reggae-Bass kann den Hörer für Stunden in Trance fallen lassen, während ein harmonisch-unterstützender Pop-Bass diese Tragkraft nicht besitzt. Ein melodischer Bass, der rhythmische Skank und die Platzierung von Drum-Fills sind jedoch unbestrittene Elemente eines gelungenen Dub-Rezepts.

„Ich sehe Dub als Counterpart zu etwas bereits Existierendem.“

Gibt es Grundvoraussetzung bei der Dub-Produktion?

Kenntnis und ein Gefühl für die Kultur ist immer ein guter Beginn – das Wissen, welche Techniken es gibt und in welchen Aufnahmen sie bisher benutzt wurden, bereichert ungemein und bietet Orientierung. Ich habe Stunden um Stunden Dub gehört bis mir die Ohren geblutet haben. Der weitere Weg eines Dub-Novizen ist zu lernen und zu versuchen, die Klassiker des Genres zu reproduzieren. Wenn man das alles verdaut und durch hat, dann „ist“ man Dub, dann kann man sich in dieser Kunst ausdrücken. Wer den Klang beherrscht, kann eine Geschichte ohne Worte erzählen.

Wie sieht der Entstehungsprozess eines typischen Dub-Tracks von Mato aus?

Unterschiedlichste Musikstile als Reggae-Dub zu adaptieren- das ist meine künstlerische Identität, mein Markenzeichen. Und es ist ein gutes Mittel, die Musikrichtung Dub Menschen vorzustellen, die einen völlig anderen musikalischen Horizont haben. Durch bekannte Melodien erwecke ich nicht nur Gefühle und Erinnerungen, sondern auch Neugier. Das ist meine Art, Musik universell und mein Publikum divers zu halten; ich und meine Produktionen lassen sich nicht von einer einzelnen Community vereinnahmen.

Die Melodie ist das Um & Auf meiner Dub-Adaptionen. Ich benötige eine faszinierende Melodie, die ich durch Tempo und Arrangement fein-tune. Die Rhythmik muss natürlich fließen: Ob Steppers, Rockers, One Drop – wenn’s nicht passt, wird’s wieder geändert. Wichtig ist, die Aufnahme nicht zu verwässern; es muss eine Adaption bleiben – keinesfalls eine komplette Umwandlung.

„Die Melodie ist das Um & Auf meiner Dub-Adaptionen.“

Auf meinen Aufnahmen wird alles live eingespielt und keine Samples verwendet. Ich selbst spiele Keyboards, Drums/Percussions und Bass; je nach Bedarf kommen noch andere Musiker dazu. Gelegen kommt, dass ich mir im Laufe der Zeit eine breite Palette an Sounds und verschiedensten Instrumenten zulegen konnte – etwa Percussions, Vintage-Synths, SynDrums und dergleichen.

Der beste Teil meiner Arbeit ist aber der Mix: Von der alten Schule kommenden, habe mit unterschiedlichen Boards und Techniken gearbeitet. Seit 15 Jahren verwende ich nur mehr Pro Tools; es erlaubt mir die Mixes solange wie notwendig zu überarbeiten. Ich verwende auch viele alte Gerätschaften wie den Roland Space Echo RE-201, verschiedene Spring Reverbs (Federhall), Vintage Phasers, selbst Zusammengebasteltes usw.

Mato-Produktionen haben einen typischen, „cleanen“ Sound, der mich an Produktionen der frühen 1980er erinnert – ist das beabsichtigt?

Ich bin ein großer Fan der 70’s und 80’s Sounds, will sie aber nicht nachahmen – ich versuche lediglich die Tonspuren meinem eigenem Hörempfinden anzupassen. Ich bin jedenfalls ein großer Fan des Channel One-Sounds – das ist mein persönlicher Meilenstein, den es zu erreichen gilt. Dieser Sound profitiert noch von der Glut der 1970er, hat allerdings bereits einen klareren, präziseren Klang. Noch eine kleine Dosis „2.0“ dazu und fertig ist der Mato-Sound.

Die Drums auf Deinen Aufnahmen haben einen ganz eigenen, unverkennbaren Klang – weich, aber mit einem heavy Punch. Lass‘ mich raten: Du spielst die Drums selbst. 

Richtig! Ich habe mit 13 Jahren zu spielen begonnen, weil mein Bruder einen Drummer für seine Band gebraucht hat. Nach einiger Erfahrung habe ich eine Reggae Band gegründet – oder besser gesagt: ein Orchester mit Bläsersatz und allem Drum & Dran. Das war mir nicht nur in der Musik eine wichtige Lektion: Die anderen zu hören, sich untereinander wahrzunehmen.

Nach der Schule habe ich begonnen, Schlagzeug zu studieren – zuerst in Frankreich, dann weiter in den USA, wo ich die Los Angeles Music Academy 1998 abgeschlossen habe. Ich bin also an erste Stelle Drummer, der seine Riddims einspielt. Ich adjustiere und stimme meine Trommeln präzise um den Sound zu erreichen, den ich mir vorstelle. Das ist wahrscheinlich die zeitintensivste Arbeit in meinen Produktionen, aber Ursprung meiner eigenen Klang-Identität. Die Drums müssen immer präsent und präzise sein; holprig dürfen sie nur sein, wenn ich Hip-Hop mache (ich bin ein großer Fan von Dr. Dre). Das Geheimnis ist also gelüftet: Hinter einem Album des Dub Mix-Produzenten Mato steckt tatsächlich das Album eines Drummers!

In Deinen Produktionen gibt’s nicht den extra-heavy Bass, den man sich vom Dub erwartet. Er scheint eher zurückhaltend, möglicherweise um sich an europäische Hörgewohnheiten anzupassen. Wie wichtig ist Dir Sound generell?

Wie bei jeder Musikrichtung gibt es im Dub unterschiedliche Möglichkeiten und niemals nur einen Weg, um zum Ziel zu kommen. Selbst wenn ich alle Mittel nutze, kann ich immer noch meinen eigenen Stil einbringen. Als Drummer liebe ich kraftvolle Bässe – es gibt nichts Effektiveres in meiner Musik als den Sub-Bass denn ich verwende. Aber im Gegensatz zu anderen Stilen, in denen der Bass in den Vordergrund gemixt wird, bevorzuge ich die herkömmliche, ausgewogenen Abmischung. Ich würde das nicht als Europa-bezogen sehen … mein Publikum findet sich in aller Welt.

Deine geniale Version von Daft Punk’s „Homework“ hat mich damals umgehauen und ich schätze auch die darauffolgenden Alben sehr. Woher kommt Deine Inspiration, wie wählst Du die Themen für Deine Konzeptalben aus?

Danke für die netten Worte. Wie gesagt – im Grunde genommen bin ich Schlagzeuger, und als Instrumentalist ist es schwer, in der internationalen Musikszene Fuß zu fassen – selbst wenn man viele unterschiedliche Stile beherrscht. Ich bin in der glücklichen Lage, alles was ich mag in meine Musik reinpacken zu können: Die Drums sind mein Superstar; Melodien werden mit Echos, Sound-Gimmicks, Delays und vielen anderen Effekten komplettiert – herrlich!

„Die Drums sind mein Superstar.“

Ich suche nach ansprechenden Konzepten, die mir die Umsetzung meiner musikalischen Vorstellungen erlauben. Angefangen habe ich mit zwei Alben mit Reggae-Covers klassischer französischer Chansons (Anm.: „Il est cinq heures, Kingston s’eveille 1 und 2“), denen die entsprechenden Dub-Alben folgten (Anm.: „Il est cinq heures in Dub 01 und 02“). Dann produzierte ich vier Reggae-Hip-Hop-Remix Alben, die mich international bekannt gemacht haben. Schlussendlich habe ich mit der Serie von Konzept-Alben begonnen, die ich seither laufend ausbaue. Glücklicherweise fehlt’s nicht an Inspiration – die Arbeit am nächsten Album hat schon längst begonnen. 

Üblicherweise starte ich mit einer Konzept-Idee – wobei es wichtig ist, dass die in Frage kommende Titel starke Melodien haben, ins Reggae-Rhythmus-Gefüge überführbar und … ja, auch spirituell akzeptabel sind. So entstehen durch simple Soundgimmicks Titel wie „Close Encounters of the Third Kind Dub“ oder elaborierte, komplex arrangierte Stücke wie „Enter the Dragon Dub“ (Anm.: beide vom „Hollywoo Dub“-Album). 

„Mein Heiliger Gral ist das ‚Classical Dub‘-Album.“

Den aktuelle „Scary Dub“-Release kann man durchaus als Sequel zu „Hollywoo Dub“ sehen, obwohl es ursprünglich nicht so geplant war. Mein „Heiliger Gral“ ist allerdings das „Classical Dub“-Album – es hat mich unendlich viel Zeit und Energie gekostet, klassische Musik als Dub zu adaptieren.

Beim „Homework“-Album hat mich übrigens der Manager von Daft Punk kontaktiert und ein Vorab-Exemplar verlangt. Ich war sehr nervös und habe ein „no way“ als Antwort erwartet – Daft Punk hatten den Ruf knallhart zu sein, wenn es um ihre Musik ging. Letztlich haben sie aber nur gefragt, ob Sie das Album auf einer Party spielen dürften – das Teil war damit genehmigt!

Die Tracks von „Scary Dub“ wirken auf mich wie kurze Comic-Strips mit all den Horror-Soundeffekten. Stimmst Du mir zu oder siehst Du die Tracks in einem anderen Licht?

Ich stimme absolut zu. Wie in der dubblog.de-Review sehr gut erklärt ist, bin ich Konzeptkünstler. Meine Konzept-Alben laden zu einer Reise mit unvorhergesehen Ereignissen ein; sozusagen ein akustisches Abenteuer innerhalb eines vorgegebenen Rahmens, das in seiner Form aber eindeutig neu ist. 

Wenn das Konzept ist, Filmmusik von Horror-Klassikern als Dubs zu adaptieren, dann bietet die Leichtigkeit von Humor natürlich einen interessanten Blickwinkel dafür. Sind nicht Angst und Fröhlichkeit zwei unkontrollierbare Zwillingsemotionen? Es ist allerdings wichtig, die Musik selbst nicht zu verunglimpfen – ich habe da großen Respekt vor. 

In meiner „Dub Top 5“ finden sich übrigens zwei Alben, die zu meinen Inspirationsquellen gehören und sehr gut zu meiner eigenen Arbeit passen – Mikey Dread’s „African Anthem“ und „Scientist Rids The World Of The Evil Curse Of The Vampires“. Ohne jeden Zweifel haben mich die von Henry „Junjo“ Laws produzierten Scientist-Konzeptalben immer schon zutiefst beeindruckt!

Die Reviews von »Scary Dub« auf dubblog.de haben gutes Feedback bekommen – abgesehen von der Kritik, dass manche Deiner Dubs zu kurz geraten sind und mit Fade-outs enden – oder sind gerade diese nur +/- 3 Minuten langen Tracks Teil Deines Erfolgs? 

Ich bin old-school unterwegs – selbst wenn ich gegensätzliche Musikrichtungen verbinde, möchte ich die klassischen Stilmittel beibehalten. Meine Geschichten sind kurz, aber gehaltvoll – auch, um die Aufmerksamkeit des Hörers nicht zu verlieren. Wir neigen ja z.B. dazu, gedanklich abzuschweifen, wenn jemand zu viel bzw. zu lange redet. Insofern: Ja, das kurze Pop-Format ist wohl Teil meines Rezepts. Letztlich geht es immer um die Story – die man so arrangieren kann, dass sie mit einem Ausrufezeichen oder mit Auslassungspunkten enden. Diese Fade-outs interpretiere ich als einen Traum, der sich verflüchtigt und verschwindet. 

„Das kurze Pop-Format ist wohl Teil meines Rezepts.“

Was bringt die Zukunft für Mato? Gibt es ein Konzept für das nächste Album, möchtest Du schon etwas dazu sagen?

Das neue Projekt wird ein Soul/Jazz/Funk-Tribute, das mir sehr am Herzen liegt. Letzten Herbst habe ich eine erste Single daraus veröffentlicht – eine Dub-Adaption von Herbie Hancock’s „Maiden Voyage“ und eine neue Version von „Also sprach Zarathustra“, die von Jazzpianisten Eumir Deodato inspiriert ist. Als nächstes kommen 45er von Kool & the Gang, Bill Withers und sicherlich noch mehr Singles bevor das Album veröffentlicht wird. Bleibt dran, das wird großartig!

Wird es einmal ein Mato-Album geben, das statt Dub-Adaptionen selbstgeschriebenes Original-Material enthält?

Ja, und das Projekt ist bereits fertig: Eine EP mit 4 Tracks, die ich alle selbst komponiert habe. Es ist ein Mix aus meinen Lieblings-Stilrichtungen: Reggae/Dub-Jazz/Soul/Funk und Disco. Und diesmal sind die Tracks mindestens 5 bis 6 Minuten lang und für den Einsatz in Clubs gedacht. Auf „Scary Dub“ gibt es übrigens schon drei von mir geschriebene Titel um das Album zu komplettieren. Es gibt ja leider keine sofort wiederkennbaren Melodien für Dracula, Frankenstein oder die Mumie – also habe ich selbst welche geschrieben.

Wenn Zeit und Geld keine Rolle spielen würden – welches Projekt würdest Du gerne realisieren?

Tatsächlich musste ich immer mit dem arbeiten, was gerade zur Verfügung stand. Meinen ersten Dub habe ich auf einem 4 Track-Tape aufgenommen; mit einem Mikrophon für die Drums, einem Roland Synthesizer und einem Delay-Pedal für die Gitarren. Heute habe ich ein gut ausgestattetes Studio, aber die musikalische Idee ist immer noch mehr wert als das ganze Equipment.

„Die musikalische Idee ist immer noch mehr wert als das ganze Studio-Equipment.“

Ich bin jetzt in der glücklichen Lage, dass ich machen kann was ich liebe und arbeite auch mit einem Label zusammen, das mich in all meinen Entscheidungen unterstützt. Das gestattet mir, meine Musik mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen – was schon ein Projekt für sich ist.

Das „Classical Dub“-Album hat mich gelehrt, dass es Zeit und Erfahrung braucht, um klassische Musik mit einem gewissen Flow als Dub umzusetzen; deshalb plane ich ein Opern-Dub Projekt – eigentlich mehr eine musikalische Komödie, die ich eines Tages verwirklichen möchte. Auch dazu benötigt es mehr Inspiration als finanzielle Möglichkeiten; es soll ja „nur“ ein Album werden und keine Live-Show. Das wird ein anspruchsvolles Projekt. Mal sehen wie es sich entwickelt.

Wie siehst Du das Aufleben von Dub und Roots Reggae, dass seit einiger Zeit in Europa stattfindet? Es gibt viele europäische Produktionen, die mitunter authentischer klingen als der aktuelle jamaikanische Output.

Es ist großartig! Musik von einer kleinen Insel infiziert die ganze Welt und gegen Reggaemylitis braucht’s noch nicht mal Impfungen!

Spaß beiseite, Jamaica ist ein sehr armes Land und Gewalt ist auf der Insel allgegenwärtig. Aktuelle Produktionen sind Ausdruck dieser Gegenwart und die jamaikanische Regierung fördert nun mal kein Roots & Culture – ganz im Gegenteil. Gott-sei-Dank gibt es weltweit viele Botschafter, die Roots & Culture am Leben erhalten: Reggae-Musiker, -Sänger, -Produzenten, -Sound Systems, -Labels und -Tontechniker finden sich überall – und sie setzen Zeichen. Es ist halt wie bei jeder Schöpfung: Letztlich entrinnt sie dem Schöpfer und macht sich selbständig.

Wen hältst du für den größten Dub-Künstler aller Zeiten?

Es gibt heute so viele talentierte Künstler und jeder davon hat seine eigenen Helden – für mich sind es die Altvorderen, die Erfinder des Dub: Scientist ist wahrscheinlich mein Sound-Vorbild, aber King Tubby ist der Schöpfer der Dub-Kunst wie wir sie heute kennen. Paul „Groucho“ Smykle ist mein dritter Dub-Hero – man braucht die Credits gar nicht erst zu lesen, wenn man seine atemberaubenden Dub Mixes hört. Sie sind von den ersten Takten an sofort wiedererkennbar. Was für eine Kunst, was für ein Können, was für eine Raffinesse! Ewig schade, dass Groucho diesen Weg nicht weiter gegangen ist.

Und wer ist aktuell der interessanteste Dub-Artist?

Es gibt jetzt eine Reihe von Bands in Europa, die Dub auch live performen – mit Videos, Lichtchoreographie usw. Sie haben damit einen sehr modernen Stil entwickelt, der mit aktuellen Mainstream-Musikdarbietung mithalten kann. 

Was sind deine persönlichen Top 5 Dub-Alben?

Die Auswahl ist mir sehr schwer gefallen – die Liste meiner Top-Dub Alben ist sehr lang. Hier ein Versuch, die wichtigsten fünf zu nennen:

Scientist – Scientist Rids The World Of The Evil Curse Of The Vampires 
Black Uhuru – The Dub Factor
Mickey Dread – African Anthem
Sly & Robbie – A Dub Experience
King Tubby & The Aggrovators – King Tubby’s „Controls“

Anmerkung der Redaktion: Um des Sprachflusses willen haben wir in diesem Interview auf Gendern verzichtet.

16 Antworten auf „Interview mit Thomas Blanchot (Mato)“

Super schönes und ausführliches Interview mit vielen Hintergrundinformationen zur Produktion von Dub. Ich hatte Mato ganz anders eingeschätzt. Wäre noch interessant zu wissen gewesen, ob es ihm in Frankreich gelingt, seinen Lebensunterhalt mit Dub zu verdienen. Wenn man so viel Aufwand und Mühe in die Musik investiert, dann muss sich das auch auszahlen. In Deutschland wäre das nach meiner Einschätzung unmöglich. Aber Reggae ist in Frankreich ja viel populärer als bei uns.

Und dann wäre da noch die Sache mit dem Bass! Für Dub nach meinem Geschmack ist er absolut unverzichtbar. Dass Mato darauf verzichtet, den Bass maximal aufzudrehen, empfinde ich als Manko – weshalb sein Album in meiner Rezi auch nicht so gut weg gekommen ist, wie in deiner, gtkriz. Aber interessant zu lesen, dass das auf einer bewussten Entscheidung vom Mato basiert.

Wirklich tolles Interview. Danke an Mato und an gtkriz.

Interviews lese ich ja auch immer wieder gern. Daher sage ich hier auch mal herzlichen Dank MATO und GTKRIZ !!!
Ich meine das jetzt nicht als Kritik ( man muss ja nicht immer gleich wegen jeder Kleinigkeit meckern ) aber die Frage ob Mato von seinen Produktionen leben kann, hatte ich auch sozusagen „auf der Zunge“. Überhaupt wäre es interressant zu wissen, wie sich die ( angeblich ) stärkere Popularität von Reggae und Dub in Frankreich für alle Künstler diese Genres
auswirkt, bzw. auszahlt. Aber das müssen ja nicht unbedingt Mato und gtkriz für alle klären.
Ansonsten wären mir jetzt auch keine weiteren Fragen eingefallen, die man in so einem Interwiew besprechen könnte. Ich finde es auch immer sehr aufschlussreich, welche „Definition“ von Dub die eigentlichen Macher dieser Musik haben. „DUB IST KLANGKUNST“ !!! Hat bisher auch noch keiner so klar formuliert und trägt meiner Meinung nach sehr zum Fundament der Definition von DubMusic bei. Die „Sache“ mit dem Bass sehe ich anscheinend auch etwas anders als René. Keine Frage, ich bin BassAdict bzw, BassLineFetischist. Aber bei mir muss der Bass auch nicht unbedingt maximal aufgerissen – vielleicht sogar überrissen – werden. Die Aufnahmen aus den 70ern, 80ern und 90ern hatten nahezu alle noch nicht diesen Basswumms, den es heute gibt, bzw. geben kann. Da war mein BassRegler grundsätzlich auf dreiviertel bis fast volle Pulle eingestellt. Bei den neueren Aufnahmen reicht oft ein viertel und im gesamten Gebäude raubt der SubBass allen Musikantenstadelkuckern ( „Sunday Churge Goers“ ) den letzten Funken ihrer friedlichen Gesinnung. Letztenendes fasziniert mich auch ein tief blubbernder Subbass aber bei mir ist es die BASSLINE (!) die mich packt und nicht meine „flatternde Hose“.
Blubbernder Bass und mystische oder eben knackige Bassline, sind dann natürlich immer noch die Krönung.

Nun aber noch etwas zur Anmerkung der Redaktion (!) ……………….. „gäääähndern“. Anfänglich hat sich das so schleichend angefühlt und es hat mich noch gar nicht so genervt. Inzwischen wird aber zu der völlig inakzeptablen „schreibweise“ bzw, „schreibweisin“ auch noch so völlig ( man muss es einfach so nennen ) geisteskrank gesprochen, das man die Frauen,
die so sprechen und das für „korrekt“ halten einfach mal zur Seite nehmen muss um ihnen mal klar zu machen, das das niemals zu einer Akzeptanz führen wird und der ganze Feminismus damit lächerlich gemacht wird. Damit geht der Feminismus voll nach hinten los, weil man Frauenin die soin sprechenin einfachin nichtin fürin vollin nehmin kannin.

You knowin´ what I meanin´ ? …………………………… lemmi

hmmm… ich hätte mir nie gedacht, dass die Frage, ob ein Tontechniker/Mixer oder Produzent seinen Lebensunterhalt mit Dub bestreiten kann, von Interesse ist. Ich hab sie gar nicht erst gestellt, weil die Antwort imo auf der Hand liegt: Nein. Zumindest ist mir niemand bekannt, der Dub erfolgreich zu seinem Beruf gemacht hat und davon leben kann. Korrigiert mich bitte wenn ich falsch liege. Mir fällt niemand ein, der nicht zusätzlich andere Aufgaben übernimmt – Tontechnik für andere (non-Dub-)Produktionen, Live-Tontechnik, DJ-Sets, der lukrative Music-Academy-Circuit oder gar ein ganz anderer Brotberuf. Das gilt imo von King Tubby über Scientist bis hin zu Adrian Sherwood, Mad Professor oder Umberto Echo. Nochmal: Korrigiert mich bitte wenn ich falsch liege.

„Klangkunst“ ist meine Übersetzung von „the art of sound“. Klingt im Englischen 100% cooler :-)

Auch ich bin großer Bass-Fan – insbesondere wenn es ein kurzer, einprägsamer, sich hypnotischer wiederholender Basslauf in Moll ist. Diese frühen Aufnahmen, die lemmi erwähnt, klingen imo heute anders als damals, geschweige denn so wie eine JA-Pressung oder das Abspielen über ein Soundsystem. Es hat sich ja auch die Technik geändert bzw. weiterentwickelt und die Hörgewohnheiten unterliegen wie alles andere auch einem hmmm… „Wertewandel“ (in spontaner Ermangelung eines besseren Wortes).

Zum Gendern: Mir macht das nichts aus, ich bin es beruflich gewohnt. Ursprünglich war ich auch nicht sonderlich begeistert, seit aber der Stern * auch alles zwischen dem binären Mann / Frau-System inkludiert, finde ich es angebracht. Natürlich ist ein Text wie das Interview mit Mato gegendert mehr als holprig zu lesen (ich hab’s probiert) und ja, die englische Sprache hat das wesentlich eleganter gelöst.

jooo… mankind, humanity… nobody’s perfect :-)

Solang’s nicht in mehrlei Hinsicht ausartet wie bei uns, wo die Gattin vom Zahnarzt im Kaffeehaus mit „Frau Doktor“ angesprochen wird… *eyeroll*

Liebe Menschen und Menschinnen !

Haben wir denn echt keine anderen Sorgen und Sorginnen ?

Liebe Grüßinnen ……………….. lemminnen

uhhhh lemmi. … wenn schon dann richtig:

Liebe Mensch*innen !
Haben wir denn echt keine anderen Sorg*innen ?
Liebe Grüß*innen ……………….. lemmi*innen

Ich denke als Frau oder non-Binär* wäre mir das Gendern nicht egal. Ja, es ist tricky – vor allem im Umgang mit Non-Binär*, weil da neue Worte zu verwenden sind, z.B. „Hen ist auf Mittagspause gegangen“. Aber auch das hat man nach einiger Zeit drauf, weil man im Alltag sowieso immer wieder damit konfrontiert wird. Und irgendwie hebt’s das Selbstwertverständnis aller.

So interessant ich das Thema finde… hier geht’s eigentlich um’s Mato-Interview… just sayin‘ :-)

Du hast vollkommen Recht gtkriz ! Es ist ziemlich „off-topic“ !

Auf meiner Tastatur haben sie dieses „Sternchen“ in weiser Vorraussicht gleich „weggelassen“. Da hätte ich inzwischen sowieso schon einen Nagel reingekloppt.

Ok, ich glaube ich habs rübergebracht, was ich von dem genderwahnsinn halte. Es brodelt halt schon länger in mir und du hast mir mit der „Anmekung der Redaktion“ sicherlich ungewollt
die Steivorlage gegeben. Noch viel schlimmer als die „Sternchenschreibweise“ finde ich, wenn man es auch noch so ausspricht und dabei nicht merkt, wie lächerlich das klingt. Das geht schon in Richtung verbale Belästigung ( wenn ich auch mal was dazu sagen darf ).

Und für alle Frauen zum Trost : Es heißt DIE Erde, Die Sonne, DIE Milchstraße, DIE Liebe und vieles mehr. Warum also die Sprache „vergewaltigen“, damit es hier und da ein kleines bischen mehr PlaceboGerechtigkeit gibt. Und damit nicht alle denken, ich wäre der große „Frauenversteher“, sage ich hier gern dazu.

JA, ich bin FÜR GLEICHEN LOHN BEI GLEICHER ARBEIT !!!

In diesem Sinne …………………………….. lemmi

Sprache verändert Denken. Deshalb ist das Gendern aus meiner Sicht sinnvoll. Allerdings – das mal ein Kommentar vom Designer – stört das Sternchen das Schriftbild massiv. Deshalb verwende ich lieber den Doppelpunkt (Dubmixer:in).

Der Doppelpunkt macht sich sehr gut/schön. Wir verwenden den * weil es die von den Non-Binären akzeptierte, aber auch offizielle Schreibweise in Österreich ist – sozusagen von Amts wegen. Wie wird das bei Euch gehandhabt, also die offizielle Schreibweise – welches Zeichen steht in Deutschland für „Divers“?

Soooo off-topic.

Meine Meinung dazu:
Im Deutschen gibt es drei Genera: Maskulinum, Femininum und Neutrum.
Deswegen sagen wir der Hamster, die Ratte oder das Ferkel – unabhängig davon, welches Geschlecht das Tier tatsächlich hat. Auch in Bezug auf Gegenstände wird ein Geschlecht verwendet: Der Bildschirm, die Schallplatte oder das Messer. Wer eine geschlechterneutrale Sprache also konsequent verwenden möchte, müsste demnach auch das Hamster, das Ratte, das Bildschirm und das Schallplatte schreiben. Das wiederum ist grammatikalisch falsch, weil die deutsche Sprache nun mal mehr als einen Genus hat.
Fakt ist: Auch die deutsche Sprache war und ist natürlich immer noch kein starres Konstrukt, das sich nicht stetig weiterentwickelt oder ändert. Allerdings finde ich, dass momentan hauptsächlich die Leute uns vorgeben auf welche Art und Weise wir unsere Sprache zu verwenden haben, die die größte politische Macht innehaben. Die Einführung einer geschlechtsneutralen Sprache, wie sie gerade durchgeführt wird, erfolgt einfach nicht organisch. Sie gleicht eher einer gewaltsamen sprachlichen Änderung, die unseren natürlichen Sprachfluss behindert.

Die Diskussion über geschlechterneutrale Sprache finde ich wichtig! Auch, weil sie einen Wandel in unserer Gesellschaft widerspiegelt. Allerdings ist eine unüberlegte und überhastete Sprachreform nicht das probate Mittel, um zu mehr Emanzipation und Gleichberechtigung zu führen. Das Resultat ist eher, dass wir orthographische Fehler und ungenaue Angaben als richtig ansehen. Solange es keine einheitliche und konsequente Form für eine gender-neutrale Sprache in Deutschland gibt, sollten wir keine halbfertigen Alternativen verwenden, denn dieser Zustand würde zu noch mehr Verwirrung und Vernachlässigung von Minderheiten führen. Das generelle Problem wird somit nur verlagert. Ich bin völlig d’accord, dass wir weiter über die Ungleichheiten in unserer Gesellschaft sprechen müssen und alle Menschen sollten in Texten angemessen repräsentiert werden, nicht nur Frauen und Männer.
Mein Resumée: Solange sich keine verbindliche Schreibweise etabliert hat (MixerInnen, Mixer_Innen, Mixer:innen oder Mixer*innen), werde ich einen Teufel tun, zu gendern.

Well said, Ras Vorbei. Ich sehe das ähnlich, frage mich aber immer wie das wohl bei den Adressat*innen ankommt, speziell bei Frauen und allen menschlichen Schattierungen bis hin zum Mann, der sich ja auch mit diesem formalen Ausdruck des gesellschaftlichen Wandels auseinandersetzen muss. Die Jungen werden sich wohl ganz leicht tun (oder das als selbstverständlich erachten), die Älteren hingegen schwer. Danke für Deinen Input!

Sorry an Mato für diese „offtoppigkeiten“ und sorry an euch alle hier, das ich da wegen meiner ganz einfach gestrickten Sichtweise nur noch zu einer ganz simplen Frage fähig bin.

Warum kann es denn den zwei-oder mehrgeschlechtlichen Menschen nicht vollkommen egal sein, ob es der die oder das Bus(s) heist ? Wenn sie eh beide oder mehr Geschlechter in sich tragen, können sie sich doch sowohl bei der einen als auch bei der anderen Anrede wiederfinden ?! Vielleicht entspricht auch das nicht eurem intellektuellen Anspruch aber ich spreche es aus. Damit gehts ja dann weiter :
Mir ist im Grunde völlig egal, ob bei Gelegenheit eine weiblich aussehende Person – ein weiblich aussehender Mensch – in High Heels neben mir an der Latrine steht und es ganz ungehemmt laufen lässt. Wo ist das Problem ? Sollte es umgekehrt sein, und die Latrine würde nicht alles aufnehmen können, geht der Mensch ( sollte man hier jetzt nicht auch die Menschin schreiben ? ) eben bei den Frauen pinkeln. Sehe ich auch kein Problem. Ok, jetzt stehe ich auf dem Schlauch. Ich kenne jetzt keine andere Form der Körperöffnung, die es erforderlich machen würde, noch zusätzliche Toiletten zu erfinden. Man und Frau auf der selben Toilette. Das ist doch wahre Toleranz oder nicht ? Dann müssten die Frauen aufm Festival auch nicht so lange in der Schlange stehen oder sich stickum bei den Männern erleichtern.
Ich glaube, dieses gäääähndern haben sich leute ausgedacht, die sonst nix zu tun haben und sich irgendwie wichtig machen wollen. Ich habe da ganz speziell eine gewisse Steuerflüchtlingin in Verdacht.

Ihr wisst wo ihr mich findet ……………….. ( lemmi ) ……….. ich stehe wieder zwischen den zwei Pfosten mit der Querlatte oben drüber und im Optimalfall ist auch noch ein Netz dabei ……

Willkommen bei genderblog.de!

Es geht um die, die sich weder in der männlichen noch in der weiblichen Identität wiederfinden, lemmi. Diese * oder _ oder : sind ein Versuche der sprachlichen Inklusion. Und es ist leider Realität, dass es noch nicht gar so viele Menschen gibt, die das so offen und locker wie Du sehen.

Ich würde mich als Mann allerdings nicht trauen, ein Damen-WC zu benutzen – zu groß die Gefahr, geteert und gefedert und Perverser genannt zu werden. Umgekehrt kommt das durchaus schon mal vor, aber Mann ist da nicht so :-)

Mein Ansatz setzt aber voraus, das diejenigen, die sich als „weder noch“ fühlen sich eben auch als „sowohl als auch“ fühlen könnten. Wenn das nicht so ist, dann fehlt es mir wirklich an der nötigen Empathie. Dann gehe ich wieder ins Tor.
Der Mensch kann sich das Universum nicht erklären, weil er immer vom absoluten
Nichts ausgeht. Wenn Energie aber weder erzeugt noch verloren gehen kann, dann kann man nicht vom Nichts ausgehen, da Energie ja schon immer vorhanden gewesen sein muss.
Ich halte nicht so viel von Theorien aber MEINE gefallen mir immer ausgezeichnet ;-)
Und um den Kreis wieder zu schleißen, würde es mich freuen, wenn die „Neutrinos“
( ich hoffe mal, ich sehe das nicht zu locker und man stellt mich wieder in die Ecke, wegen meinem „Versuch“ es sprachlich zu inkludieren oder zu inklusionieren ) es schaffen könnten, die ganze Sache eben auch mal von der ursprünglichen Seite aus zu betrachten. Und meine Theorie kommt halt zu dem Schluss, das sie Beides sind und nicht Nichts.

( Hab heute wieder inna Kabadose übernachtet ) …………………. lemmi

„Es geht um die, die sich weder in der männlichen noch in der weiblichen Identität wiederfinden…“
Am vergangenen Donnerstag gab es zufällig in Kontraste (TV) einen Beitrag zum Thema „gendern“ und den Auswirkungen auf die deutsche Sprache. Laut diesem Beitrag sind es in Deutschland gerade einmal circa 1600 Individuen, die nicht wissen, ob sie Männlein oder Weiblein sind. Circa 1600 Menschen in Relation zu ca. 83 Mio. Gesamtbevölkerung. Unter diesem Aspekt finde ich es fast besser, ich formuliere meine Ressentiments bezüglich der (Ver)Änderungen der deutschen Sprache erst gar nicht aus.

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