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Five Star Review Zweite Meinung

Dubsouls in Session

Passen Dub und Jazz eigentlich zusammen? Ersterer eine super-strukturierte Musik mit eher sanftem Flow, letzterer oft frei flotierendes Chaos und planlose Improvisation. (So weit die Klischees). Aber es gibt ja einige wunderschöne Beispiele, wie beides gut zusammen gehen kann: Angefangen bei Ernest Ranglin über meinen Liebling „Dub på Svenska“, hin zu „Nordub“ von Nils Petter Molvær und zuletzt den „Natural Hights“ des Guiding Star Orchetras. Nun haben wir ein weiteres Paradebeispiel dafür, dass Dub und Jazz füreinander bestimmt sind: „Dubsouls in Session“ (Youth Sounds) von den Dubsouls. Hinter diesem charmanten Namen verbirgt sich ein Septett, geführt von dem britischen Jazzgitarristen Andrew Murphy. Es spielt ungemein entspannten Reggae im lockeren Retro-Style, smooth & easy mit Orgel, Blechbläsern, erstaunlich maximalem Bass und minimalem Dub-Mixing. Der perfekte steady Hintergrund für die hübschen, frei fließenden Jazz-Soli von Murphy & Co. So ein einfaches Rezept! Eigentlich nichts Besonderes – und doch bin ich total hooked. Der Flow ist einfach umwerfend und die Jazz-Gitarrenklänge betörend. Ich kann nur sagen: Dub & Jazz gehören zusammen wie Butter und Brot. Und überhaupt: Ist Dub-Mixing nicht sowieso irgendwie freie Jazz-Improvisation?

Bewertung: 5 von 5.
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Five Star Review

Mute Beat: In Dub

Guter, gerne auch „schräger“ Dub geht bei mir (fast) immer. Heute präsentiere ich einen längst verschollenen Klassiker. Eine 1985 erstmals veröffentlichte Musik-Cassette von Mute Beat, Japans erster Dub-Band, die (leider) nur von 1982 bis 1989 existierte. Das Erstlingswerk „Mute Beat: In Dub“ (ROIR; Reachout International Records) wurde im Laufe der Jahre unter den unterschiedlichsten Titeln veröffentlicht: Tra Special Mute Beat (1985); Japanese Dub (1986); No. 0 Virgin Dub (1990) und In Dub (1996). Auf „In Dub“ bekommen wir eine Vielzahl von verschiedensten Ingredienzen zu hören, die schon auf das sehr breite musikalische Spektrum der Band hindeuten. Der Sound ist sowohl von traditioneller japanischer Musik, als auch Dub-Einflüssen, Reggae, Funk und elektronischer Musik, gemischt mit Jazz und dem Klang einer marschierenden Blaskapelle stark geprägt. Mute Beat schufen damals einen Klangkosmos, den so noch wenige zuvor gehört hatten und bewegte sich damit am Rande aller bestehenden Musikgenres. Bereits die ersten beiden Titel des Albums: „Metro“ und „Fiolina“, eine melancholische, reggaeeske Jazz-Nummer, zeigen die Musikalität und Virtuosität der Band. „Mix Up“, der einzige Track mit Vocals, ist dem Reggae noch am nächsten und verweist eindeutig auf den jamaikanischen Einfluss. Bei „Downtown“ sind dann schon wieder der funky Groove und die unverwechselbaren Drum-Patterns eines Roland TR-808 im wahrsten Sinne tonangebend. Diese sechs Japaner passen bis heute in keine Schublade und setzen sich zwischen alle Stühle. Das live entstandene und recht dumpf, wie ein Audience Mitschnitt klingende „Break A Road“, hört sich zu Beginn des Tracks dann eher wie eine ziemlich abstrakte Interpretation von Horace Andys „Money Money“ an. Der unangefochtene Höhepunkt dieses einzigartigen Albums ist für mich zweifellos „Dub No. 5“. Mute Beats eigenwillige aber äußerst hörenswerte Interpretation des alten Dave Brubeck Klassikers „Take Five“.
Obwohl auch wegen der fetten Bass-Lines und Drums, die Musik tief im authentischen Reggae/Dub verwurzelt ist, sprudelt dank des Posaunisten und der glasklaren, an Miles Davis erinnernden Trompete von Kazufumi Kodama, dem Kopf der Band, immer wieder Jazz an die Oberfläche. „Mute Beat: In Dub“ ist ein unglaublich beeindruckendes Album, das immer noch die Aufmerksamkeit auf sich zieht, die es bereits vor vielen Jahren verdient gehabt hätte.
Übrigens, auf dem gesamten Album gibt es keine einzige Gitarre zu hören. Außergewöhnlich!

Bewertung: 5 von 5.
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Five Star Review

The Dub Chronicles: The Take Over

Wo wir gerade vom Jazz reden: Die kanadischen Brüder Craig und Jonathan Rattos – ein Schlagzeug/Piano-Duo – spielen unter dem Namen The Dub Chronicles auch wunderbar jazzigen Reggae. Nun liegt ihr neues Album „The Take Over“ (VPAL) vor. Es ist viel näher am klassischen Dub als am Jazz gebaut, atmet den Jazz-Vibe aber dennoch mit jeder Note. Kein Wunder, denn die Brüder sind ausgebildete Jazz-Profis, die ihr Herz an instrumentalen Reggae verloren haben. „Two soldiers creating the soundscapes of an entire army“ – wie sie sich selbst beschreiben, denn fast jedes Instrument auf „The Take Over“ wurde von ihnen selbst eingespielt. Well done, meine Herren. Und kaum zu glauben, dass der Bass angeblich aus einem Keyboard stammt. Mir gefällt der lockere, offene und doch ziemlich druckvolle Sound und die Jazz-Vibes mag ich sowieso. Für mich ein Highlight in der dunklen Jahreszeit.

Bewertung: 5 von 5.
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Five Star Review

Natural Numbers: Field Reality Dub

Nach langem Überlegen habe ich mir das zweite Album der Natural NumbersField Reality Dub“ (Stones Throw) vorgenommen. Es handelt sich dabei um ein Projekt von Tom Chasteen, einem amerikanischen Musikclub-Besitzer, Reggae-Produzenten und (Hobby)Mixing-Engineer aus Los Angeles. Das bereits 2015 erschienene Album der Natural Numbers (Natürliche Zahlen) wurde größtenteils im klassischen Reggae Vintage-Stil abgemischt. King Tubbys Einfluss offenbart sich besonders auf der ersten Seite des Albums. Beim zweiten Teil dieses zehnteiligen Sets betritt Tom Chasteen jedoch unüberhörbar Neuland. In einer Pressemitteilung des Labels beschreibt er diesen Umstand, als „das Eindringen eines neuen Lichts“. Die klassischen Riddims sind für amerikanische Verhältnisse richtig heavy ausgefallen und wurden von einer Band mit Musikern von Wilco und Mazzy Star sowie dem legendären jamaikanischen Bassisten George „Fully“ Fullwood von Soul Syndicate eingespielt. Zu den Vokalgästen des Werks gehören Lone Ranger, Ranking Joe, Tony Tuff, Edi Fitzroy sowie Trinity, dessen Stimme ich gefühlt schon ewige Zeiten nicht mehr auf einem aktuellen Album gehört habe. Keine Angst, es ist ein Dub-Album, die Vocals blitzen nur gelegentlich aus den Aufnahmen hervor.

Das Album lässt sich tatsächlich in zwei Teile unterteilen. Die ersten fünf Tracks sind im Rub-A-Dub-Style mit ein paar unerwarteten akustischen Momenten gehalten. So hört man im melodischen und leicht ätherischen „Rastaman“ ein paar schöne Orgelpassagen und eine leicht düstere Gitarre. Was mich jedoch viel mehr begeistert, ist die für den Reggae/Dub untypische Slide-Gitarre bei „National Version“. Die letzten fünf Tracks sind wesentlich experimenteller und psychedelischer mit ungewöhnlich viel Gitarren im Mix ausgefallen. So klingt „Dub of Shadows“ beinahe wie eine Dub-Version von Led Zeppelin. Bei „Seven Times Rise“ und besonders „Stars No Moon“ klingen die Percussions und quietschenden Gitarren so, als hätten Adrian M. Sherwood und sein Kumpel Bonjo I von African Headcharge (in Form des „neuen Lichts“?) dem Aufnahmestudio einen Besuch abgestattet. Mit „Dawn Observation“, dem letzten Titel des Albums, verlässt Tom Chasteen endgültig das klassische, vertraute Dub-Terrain und wendet sich avantgardistischeren Klängen zu. Hier erinnert mich der Sound immer wieder an die Soundexperimente des „Krautrockers“ Manuel Göttsching und seiner Band Ash Ra Tempel.

Unterm Strich ist „Field Reality Dub“ ein höchst inspirierter, kurzweiliger und richtig spannender Dub-Ausflug.

Bewertung: 5 von 5.
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Five Star Review

Dub Spencer & Trance Hill Featuring Umberto Echo: Live in Leipzig

Als die vier Schweizer letztes Jahr ihr „Christmas in Dub“-Album vorlegten, war klar, dass Dub Spencer & Trance Hill verrückt geworden sind. Nun schicken sie mit „Live in Leipzig“ (Echo Beach) ein Live-Dub-Album nach. Aber Dub in Live geht doch gar nicht! Crazy! Allerdings: da gibt es bekanntlich jenen Münchner Mixing Desk-Wizzard namens Umberto Echo. Während des Auftritts in Leipzig, nahm er das komplette Album vom Live-Mischpult auf. Ohne weitere Bearbeitung wurde es jetzt veröffentlicht. Was soll ich sagen: Es geht! Das Live-Album ist richtig, richtig gut geworden. Ich habe den Verdacht, dass nicht selten ein im Studio entstandenes Dub-Album tot-perfektioniert wird. Es wird dann so lange herum gefrickelt, arrangiert und gemixt, bis dabei die Seele der Musik auf der Strecke bleibt. Bei „Live in Leipzig“ ist das Gegenteil der Fall. Die Bühnen-Energie der Dubs ist geradezu physisch spürbar. Rau, direkt und kraftvoll – Dub Spencer & Trance Hill waren mit ihrem Psychedelic-Dub nie authentischer. Absolut verblüffend ist zudem die Soundqualität der Aufnahme: sauber, crisp und der Bass tonnenschwer. Wäre da nicht der Applaus des Publikums, man könnte fast vergessen, dass es sich um eine Live-Aufnahme handelt. Übrigens gibt’s keineswegs nur verstümmelte Weihnachtslieder zu hören. Sechs der neun Tracks stammen von älteren Alben der Dub-Cowboys.

Bewertung: 5 von 5.
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Five Star Review

Senior All Stars: Related

Hey, die Senior All Stars haben ihr Album „Elated“ gedubbt! Merkwürdig, ich dachte eigentlich, das wäre schon ein Dub-Album gewesen. So kann man sich irren. Doch was mir vor drei Jahren gut gefiel, kann jetzt nicht schlecht sein. Und so ist es auch: „Related“ (V.O.R.) – wie es clever betitelt wurde – ist super. Sogar noch besser, als das Original, denn ich liebe Hall und Echo – und vor allem Bass. Und dann wäre da auch noch der Mix. Ich wage mal zu behaupten: Mehr holt selbst Mad Professor aus einem Mischpult nicht heraus. Ich rede hier nicht von spektakulären Overdubs oder Remixes, sondern vom guten, alten Dub-Handwerk: Regler rauf und runter, Spuren an und aus, Effekte rein und raus. Gar nicht so einfach, mit so basalen Mitteln noch viel zu reißen. Den Allstars ist es jedenfalls gelungen. Selten habe ich so kontrastreiche, spannende Mixes gehört, wie auf „Related“.

PS: Das Album gibt es tatsächlich (zunächst?) nur auf Vinyl.

Bewertung: 5 von 5.
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Khruangbin: Hasta el cielo

Hier haben wir mal wieder eine schöne Bestätigung meiner alten These, dass Dub auch ohne Reggae funktionieren kann: „Hasta el cielo“ (Night Time Stories) heißt das Dub-Reworking des 2018 erschienenen Albums Con Todo El Mundo des texanische Trio Khruangbin. Dieses Trio um die Sängerin Laura Lee hat mit Reggae nix am Hut, sondern spielt – jetzt kommt’s – Thai-Funk! What? Thai-Funk ist die thailändische Adaption von afro-amerikanischem Funk. Khruangbin imitieren also das Imitat – und erreichen damit auf Spotify über 20.000 Streams. Weird! Dieses populäre Thai-Imitat ist nun durch den Dub-Wolf gedreht worden von einem bisher ziemlich unbekannten Dub-Kollektiv aus Texas: Brilliantes Del Vuelo. Das Dub-Werk haben sie ganz im Geiste ihres und der Bands Meister vollbracht: Overton „Scientist“ Brown – und so kommen wir schließlich auf vertrautes Terrain. Dessen alten Channel One-Alben haben nämlich nicht nur Sängerin Laura Lee als Übungsvorlage zum Erlernen des Bassspiels gedient, sondern die Band überhaupt erst auf den Geschmack von Dub gebracht. Ihm und seinem Stil huldigt „Hasta el cielo“ mit jedem Echo. So ist aus einer – zugegeben – schon ziemlich spannenden Vorlage ein sehr spaciges, vertracktes, anspruchsvolles und zugleich hypnotisierendes Dub-Werk entstanden, das in Bass und Hall schwelgt, dem Funk-Groove aber vollständig treu bleibt. Statt sie mit Effekten zuzuschütten, hat Brilliantes Del Vuelo die Originale in ihre Einzelteile zerlegt, alles nicht absolut Notwendige entsorgt und den Rest dann zu minimalen Tunes mit maximalem Space neu zusammen gefügt. Khruanbin-Gitarrist Mark Speer bringt das Wesen des Dub in einem treffenden Satz auf den Punkt: „Dub ist wie die Röntgen-Aufnahme eines Albums.“ Stimmt, der Mann hat verstanden, worum es geht: Um Reduktion und Transparenz. Hall und Echo dienen nur dazu, zusätzlichen leeren Raum zu erzeugen, um die Instrumente darin noch isolierter wirken zu lassen. Hier zählt jeder Schlag auf die Snarre, jede gezupfte Bass-Note und – vor allem – jede Pause zwischen den Tönen. Und zur Krönung des Ganzen hat Scientist himself sog

Bewertung: 5 von 5.
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Five Star Review

Various Artists: Ras Asana

Kennt jemand von euch das I Yahn I Arkestra aus Philadelphia, Pennsylvania? Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass sich dieses Projekt bisher unter meinem Radar bewegte. Das vorliegende, vor 2 Jahren erschienene, Album „Ras Asana“ (I Yahn I Arkestra) ist eine Kollaboration der Gründungsmitglieder des I Yahn I Arkestras (Ras Jah D, Kaseaopia) zusammen mit Chuck Treece, Radha Gopinath Das Marinelli, Timi Tanzania (Dub Warriors) und HR (Bad Brains). Diese sieben Space-Dubs spiegeln die Verschmelzung der spirituellen Welten von Dub und den sieben Chakren des Yogas wider. Ich neige sogar eher dazu, sie als „High Consciousness Music“ zu bezeichnen, oder eine Art von „Heavy Dub“, der ganz stark von den Altmeistern King Tubby, Count Ossies Nyahbinghi Sessions und Ras Michael beeinflusst wird. Diese geniale Musik atmet aber auch den Geist des legendären Sun Ra, erweckt gleichzeitig Assoziationen, die unweigerlich an die Psychodelik der alten Pink Floyd, das jazzige Mahavishnu Orchestra, die fantastischen Jam-Sessions von The Grateful Dead und die Radikalität der Bad Brains denken lassen. Der Raum ist erfüllt von unendlich vielen, verschiedensten, indischen Perkussions, Keyboards unterschiedlichster Art, spacigen Soundscapes und mystischen, gleichzeitig hypnotischen Free Form-Gesängen. Man hat unweigerlich das Gefühl, sich in einem indischen Tempel zu befinden, wo die bunten Farben, die Gerüche, der Weihrauch, die Stimmung und die zarten Klänge der Glöckchen die Sinne fluten. Insgesamt eine unglaublich spannende Reise für Dub-Reggae-Astronauten in neue akustische Territorien.
Chuck Foster beschrieb diese Musik sehr treffend: „Heavyweight Groundation Music for the Masses.“ Ich kann nur raten, begebt euch schnellstens auf Entdeckungsreise in die weiten, unbekannten Welten des Dubs!

Bewertung: 5 von 5.
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Lee Perry: Heavy Rain

Da isset endlich – lange von mir herbei gesehnt: „Rainford in Dub“. Sorry: „Heavy Rain“ (On-U-Sound) heißt es natürlich. Endlich die Adrian Sherwood-Kompositionen ohne Lee Perrys „Gesang“, dafür aber mit gelegentlichem Posaunenspiel Vin Gordons sowie mit progressivem, „abstraktem“ Dub-Mixing des On-U-Gotts. Und? Löst das Dub-Album ein, was ich mir gewünscht hatte? Ich muss gestehen, anfangs stand mir eine kognitive Verzerrung im Weg: die Erwartungshaltung. Sie war einfach zu hoch. „Heavy Rain“ hat mich deshalb keineswegs spontan überzeugt. Im Gegenteil: Das Album wirkte unzugänglich und schwach. Komplexe Arrangements, radikales, teils disruptives Mixing und recht zurückhaltender Bass verhindern, dass sich das Album mal so eben im Hintergrund weghören lässt. Doch genau das macht eigentlich seine Stärke aus. Adrian Sherwood hat sich noch nie um Mainstream und leichte Konsumierbarkeit geschert. Er war immer auf der Suche nach herausfordernden Sounds, verstörenden Kompositionen und generell an akustischen Experimenten jeglicher Art interessiert. Deshalb sind er und Lee Perry (eigentlich) auch ein kongeniales Paar. Und deshalb entfaltet „Heavy Rain“ seine volle Wirkung auch erst dann, wenn man sich bewusst zuhörend und analysierend, aber ohne Erwartungen und Vorbehalte in das musikalische Chaos fallen lässt und ganz Ohr wird. Dann offenbaren sich plötzlich Struktur und Ordnung und zuvor verstörende Sounds verwandeln sich in ein Feuerwerk aus unerhörten Ideen und überraschenden Entdeckungen.

Die Spitze des Eisberges bildet übrigens gleich der erste Track des Albums: „Here Come the Warm Dreads“, den – der Titel lässt es vermuten – Brian Eno gemixt hat. Offenbar war er von Perrys legendärem Werk „Revolution Dub“ inspiriert und schaltet auf dem Track munter die Stereokanäle ab und an – und stiftet auch sonst viel Disruption. Ist mir etwas zu gewollt, aber marketingtechnisch ist eine Zusammenarbeit von Sherwood, Perry und Eno zweifellos ein genialer Coup. Meine persönlichen Highlights sind hingegen die beiden exklusiven, neuen Tracks „Dreams Come True“ und „Above and Beyond“. Okay, ehrlich gesagt sind die beiden „klassischer“ und die Beats klarer und reduzierter. Sind die anderen Titel vielleicht doch zu verkopft? Ich würde mal sagen: Die Mischung macht’s. Die beiden Stücke ins Zentrum des Albums zu stellen und damit für eine Verschnaufpause zu sorgen, war jedenfalls eine gute Idee. Also: Lange Schreibe, kurzer Sinn: Rainford in Dub ist tatsächlich ganz unerwartet doch so gut, wie erwartet.

Bewertung: 5 von 5.
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Five Star Review

J. Robinson (WhoDemSound): More Than Music LP

Ich bin ja bekannt dafür, Soundsystem-Dub und Steppers zu mögen. Oh mein Gott! Wie kann er nur! Aber ich stehe dazu. Ich liebe den hypnotischen Bass-Sound, die minimalistischen Beats und die pochende Monotonie der Bassdrum. Deshalb macht mich auch das neue Album „More Than Music LP“ von J. Robinson (WhoDemSound) momentan recht glücklich. Deep Meditation in einem warmen Bett aus Bass, Bass und Bass. Natürlich aus dem UK, der Wiege des Steppers. J. Robinson bietet hier fünf, meist instrumentale, dubbige Tracks, die dann jeweils von einem echten Dub gefolgt werden. Die Instrumentierung klingt original nach 90er Dub, schön synthetisch und tausendfach gehört. So soll es sein ;-). Mr. Robinson beherrscht den Minimalismus.

Bewertung: 5 von 5.