Hier habe ich ein ambivalentes Dub-Album aufgetan: „Sexy Jamaicans“ (Candy Beats) von den Detroit Boys. Welch bescheuerter Titel und auch der Artist-Name ist für einen Dub-Act reichlich abwegig. In scharfem Kontrast dazu: Die Musik. Von den Dub-Alben, die aktuell in meiner Playlist rotieren, klicke ich am häufigsten auf „Sexy Jamaicans“ – und das bestimmt nicht wegen des Covers (welches das Niveau von Name und Titel locker hält). Nein, ich muss gestehen: trotz meiner Voreingenommenheit, gefällt mir der hier präsentierte Dub ganz außerordentlich. Schon bei den ersten Takten kann man hören, dass die Detroit Boys nicht aus der Reggae-Szene kommen. Unüberhörbar liegt hier eine Techno-, Pop- und House-Sozialisierung zu Grunde – und das Label Candy Beats scheint tatsächlich diesem Kontext zu entstammen (die Infos im Web sind spärlich). Jedenfalls bringt der unorthodoxe Umgang der Detroit Boys mit Dub einen verdammt frischen und knackigen Dub-Sound hervor. Sauber, präzise, druckvoll – aber auch warm und organisch, durchsetzt von schönen Bläser-Parts und geerdet in soliden Basslines. Entweder sind die Detroit Boys echte Naturtalente, oder sie haben heimlich geübt. Äußerst angenehm steuern sie uns durch unterschiedliche Stimmungen, vom eher melancholischen „England is too Cold for Me“ zum freudig-beschwingten „Key & Locks“ und intonieren dabei hübsche, kleine Melodien von echter Ohrwurmqualität. Also: gebt den Jungs eine Chance – und don’t judge a dub-album by it’s cover.
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