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Five Star Reggae Review

Marcel-Philipp: Morning Sessions, Vol. 1 & 2

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Dub ist tendenziell eine eher dunkle Musik. Magisch, mystisch, metaphysisch – tief und schwer. Doch wie wäre es mal mit der kompletten Antithese zu unserem Lieblings-Sound: Eine fröhliche, beschwingte, optimistische Musik, die zu einem sonnigen Sommermorgen auf dem Land passt? Hier ist sie: Marcel-Philipp: „Morning Sessions Vol. 1“ und „Morning Sessions Vol. 2“ (Ashera Records). Der junge Multiinstrumentalist aus Baden-Württemberg präsentiert uns hier 24 auf zwei Alben verteilte, so ungemein beschwingte Instrumentals, dass es eine pure Freude ist. Wer beim Hören der „Morning Sessions“ nicht die Sonne aufgehen spürt, muss unverbesserlicher Misanthrop sein. Sein Sound erinnert mich an jene Studio One-Aufnahmen, bei denen Jackie Mittoo in die Tasten griff und der Groove nur so strömte. Auch bei Marcel-Philipp spielt die Orgel eine Hauptrolle – direkt nach der Melodica, jenem Instrument, das untrennbar mit dem Namen Augustus Pablo verknüpft ist. Die ihrem Klang innenwohnende Einfachheit und kindliche Unschuld passen kongenial zu den schlichten und dadurch nur umso schöneren Melodien, die Marcel-Philipp ihr entlockt. Auch das Arrangement der meist an frühen Reggae erinnernden Uptempo-Beats der Instrumentals zeichnet sich durch Einfachheit aus. Wer will, könnte das für naiv und unterkomplex halten. Ich hingegen neige dazu, an dieser durch und durch optimistischen Musik einfach Spaß zu haben.

Rating 5 Stars

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United Nations of Dub Weekender

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In knapp einem Monat ist es wieder so weit: Der United Nations of Dub-Weekender lädt zum Tanz. Meiner bescheidenen Meinung nach dürfte dieses dreitägige Event an der Küste von Wales als das Mekka des Dubs gelten. Hier ist der Ort, an dem die führenden UK-Roots- und Dub-Soundsystems aufspielen und die wichtigsten Protagonisten der Szene sich versammeln. Wer Dub in seiner authentischen Form, also als ein aus meterhohen Boxentürmen sich entladendes, grollendes Bass-Gewitter  erleben möchte, ist hier goldrichtig. Tagsüber an den schönen Küsten von Wales spazieren gehen, wunderschöne britische Gärten und Burgen anschauen und nachts dann in ein Meer aus Bass abtauchen – klingt das nicht verlockend? Ich werde auf jeden Fall wieder dort sein.

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Congo Natty: Jungle Revolution in Dub

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Der Mann, der früher Rebel MC war, mit „Street Tuff“ einen massiven Ska-Pop-Hit hatte, sich danach dem Jungle verschrieb, in der Versenkung verschwand und erst 2003 unter dem Namen Congo Natty wieder auftauchte, veröffentlichte 2013 mit „Jungle Revolution“ ein viel beachtetes neues Jungle/Drum & Bass-Album. Nun, zwei Jahre später, erscheint der Remix dieses Albums: „Jungle Revolution in Dub“ (Big Dada). Was die Sache für uns interessant macht: Unter den Remixern befinden sich eine ganze Menge namhafter Dub-Produzenten, wie z. B. Dubkasm, Adrian Sherwood, Young Warrior, Joe Ariwa, Mungos Hi-Fi, Vibronic und Conscious Sounds. Daher verwundert es auch nicht, dass, obwohl „Jungle Revolution“ mit Reggae nicht allzu viel zu tun hatte, „Jungle Revolution in Dub“ ein – sagen wir mal: progressives – Dub-Album mit signifikantem Reggae-Anteil geworden ist. Das Label beschreibt es als „a kind of echo chamber of styles and sounds“ und trifft es damit ziemlich gut. Reggae, Dub, Jungle, UK-Bass Music – alles findet hier zueinander. Doch statt sich zu einem organischen Ganzen zu verbinden und sich dem kontinuierlichen Groove des Dub anzuschmiegen, stehen die Elemente allzu oft unvermittelt nebeneinander. Beats, Styles, Samples, Vocals wechseln oft schon nach wenigen Takten – aus Sicht des Dub-Puristen lässt sich hier durchaus von „Überproduktion“ sprechen. Doch es gibt auch einige herausragende Tracks, in denen der Geist von Dub zu spüren ist, wie z. B. beim „Rebel“-Remix von Joe Ariwa, sowie bei King Yoofs und Conscious Sounds Versionen von „Micro Chip“. Absolut verrückt ist Mungos Hi-Fi-Beitrag: Ein Remix in Form einer gewaltigen Bass-Lawine. An ihrem Track zeigt sich, was bei einem guten Dub letztendlich wirklich zählt: die strickte Konzentration auf eine starke Idee. Denn der Geist des Dub besteht in Reduktion, nicht in Konfusion.

Rating 3 Stars

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Capital Letters: Wolverhampton in Dub

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Im März letzten Jahres veröffentlichen die UK-Reggae Veteranen Capital Letters mit „Wolverhampton“ ihr erstes neues Album seit 25 Jahren. Hier nun kommt die Dub-Version: „Wolverhampton in Dub“ (Sugar Shack). Ein richtig schönes, entspanntes, qualitätsvolles Dub-Album, das mit UK-Steppers so viel zu tun hat, wie Michelangelo Buonarroti mit Jackson Pollock. Sanft fließen die Dubs dahin, oft Reworkings bekannter Riddims, manchmal hart an der Grenze zum Lovers-Rock, aber nie kitschig oder langweilig. Der gepflegte Dub älterer Herren, die schon so viel Reggae gehört und selbst gemacht haben, um sich nichts mehr beweisen müssen. Ein souveräner Sound, der keine Angst vor einfacher Schönheit hat. Passt perfekt in den Sonntagnachmittag.

Rating 4 Stars

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Russ D: Calabash Dub Vol. 2

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Frenchie, das Maximum Sound-Mastermind, hat ein kleines Neben-Hobby: Das Label „Calabash“, auf dem er in Zusammenarbeit mit Russ D. – wir kennen ihn noch als eine Hälfte der UK-Pioniere The Disciples – heavy duty UK-Roots und -Dub produziert. Die bisher entstanden Singles wurden auf inzwischen zwei Alben zusammen gefasst: „Calabash Selection Vol. 1“ und „Calabash Selection Vol. 2“. Zu beiden gibt es auch je ein Dub-Counterpart, von denen uns hier und jetzt das im November erschienene „Calabash Dub Vol. 2“ (Maximum Sound) interessiert. Das ist nämlich ausnehmend gut geworden. Warum? Wahrscheinlich, weil Russ D. immer noch weiß, wie die Vibes eines UK-Soundsystems entzündet werden. Immerhin war er mal Hausproduzent von Jah Shaka und somit einer der Geburtshelfer des UK-Dub. Seine Clabash-Prouktionen zeigen, dass er keineswegs in der Vergangenheit stehen geblieben ist, sondern weiß, wie moderner Steppers zu klingen hat, wie Dub bis zum bersten mit Energie aufzuladen ist und wie die unbändige Kraft von Drum und Bass zu entfesseln sind – ohne dabei in geistloses Gestampfe zu verfallen. Okay, es gibt ein, zwei Stellen, wo der Sound ein wenig antiquiert klingt und wer dazu neigt, Dub mit den Ohren statt mit dem Bauch zu hören, mag sich gelegentlich einen höheren Grad an Komplexität wünschen. Doch wer Spaß daran hat, Dub laut zu genießen und die Vibes nicht nur zu hören sondern zu spüren, kann sich hier von grollenden Basslines und messerscharfen Beats ins Dub-Nirwana davon tragen lassen. Auch sehr schön: Russ D. hat drei bekannte Maximum Sound-Riddims nachgebaut, so dass wir Tarrus Rileys „Chant Rastafari“, Lucianos „Perilous Times“ und Yami Bolos „Jah is the Fire“ als gewaltige Dub-Versions hören können.

Rating 4 Stars

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Weeding Dub: Still Looking For

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Das letzte Album von Weeding Dub, war meine Sache nicht. Inzwischen sind zwei Jahre vergangen und der Dub-Produzent aus dem französischen Lille hatte Zeit seine Skills zu verbessern. Nun liegt sein neues Opus vor: „Still Looking For“ (Wise & Dubwise) und ich muss sagen: Wow, der Bursche nimmt keine Gefangenen! Nannte er zuletzt noch Mad Professor als Einfluss, so dürfte er jetzt eher Kanka, Vibronics oder Iration Steppas nennen. Entsprechend simple sind seine Beats gebaut – doch in der Einfachheit liegt die Kraft. Der erste Track beginnt als Wolf im Schafspelz mit einem klassischen Cello-Quartett, das unversehens in eine Drum und Bass-Orgie mündet, die Streicher zum Lead-Instrument werden lässt und mich ganz enorm an die frühere Aufnahme der Twinkle Brothers, „Inna Higher Heights“ erinnert. Es folgen fünf hart gesottene Vocal-Tracks und dann sechs amtliche Steppers-Dubs, die zeigen, wo der Hammer hängt. Eigentlich machen solche Dubs erst im Sound-System so richtig Spaß, doch wer – wie ich natürlich – ordentlich große Boxen sein Eigen nennt und zusätzlich – wie ich – noch einen Subwoofer befeuert, der kann sich auch in den eigenen vier Wänden von den brachialen Weeding-Beats betören lassen, sofern die Statik und der Nachbar mitspielen.

Rating 4 Stars

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Five Star Review

Mad Professor and the Robotics featuring Lee Scratch Perry: Black Ark Classics in Dub

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Bei Alben, in deren Titel der Name Lee Perrys auftaucht, bin ich reflexhaft skeptisch. Zu oft schon wurde ich Opfer einer hemmungslosen „Perryploitation“. Doch da Mad Professor eigentlich ein seriöser Typ ist und er zudem clever genug war, neben „Perry“ auch „Black Ark“ in den Titel zu schreiben, klickte ich neugierig hinein, in das neue Album „Mad Professor and the Robotics featuring Lee Scratch Perry: Black Ark Classics in Dub“ (Ariwa). Und siehe da, der verrückte Professor hat tatsächlich mal wieder eine verrückte Idee in die Tat umgesetzt und ein kleines, feines Konzept-Meisterwerk vollbracht: Lee Perry-Klassiker (allerdings nicht nur aus der Black Ark-Ära) nachproduziert und sie zu großartigen, modernen Dubs und Instrumentals verarbeitet. Gelegentlich steuert Perry ein paar Vocals bei, was aber klar geht. Meistens hören wir pure Dubs, virtuos instrumentiert und arrangiert, druckvoll eingespielt und natürlich akademisch-raffiniert vom Professor gemixt. Und obwohl hier alles so schön modern klingt, ist es dem Professor und seinen begnadeten Robotics gelungen, den Vibe der alten Originalaufnahmen herauf zu beschwören. Hätte Lee Perry seine Black Ark nicht zerstört und würde heute noch produzieren – die Chancen stünden nicht schlecht, dass seine Aufnahmen sich genau so anhören würden. Hier sind sie alle, die lieben Klassiker: „Party Time“, „Soul Fire“, „Groovy Situation“, „Roast Fish and Cornbread“, „Zion Blood“ und viele andere mehr. Ich kann das Album gar nicht hoch genug loben. Zu dumm, dass Mad Professor in den letzten Jahren auch so viel mittelmäßige Musik produziert und veröffentlicht hat. Womöglich kostet diese Praxis dem „Black Ark Classics In Dub“-Album jetzt die Aufmerksamkeit, die es verdient hätte, um als neuer Dub-Klassiker in die Geschichte des Genres einzugehen.

Rating 5 Stars

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Five Star Review

Dub Spencer & Trance Hill: Physical Echoes

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Und da reiten sie wieder: Dub Spencer und Trance Hill! Ihr neues Album trägt den schönen Titel „Physical Echoes“ (Echo Beach), der gewiss auf die geradezu physische Hörerfahrung anspielt, die ihre gewaltigen Bassfrequenzen stets ermöglichen. Typisch für die vier Schweizer ist ihr minimalistischer, handgespielter Dub-Sound, der nicht selten psychedelisch, trance-hafte Züge annimmt. Ihr neustes Werk baut auch auf diesem soliden Fundament, doch scheint die hierauf errichtete Sound-Architektur einen kleinen Evolutionssprung zu vollziehen. Der raue, rockige Charme ihrer früheren Alben weicht hier einem stärker elektronisch geprägten Klang. Die ganze Anmutung wirkt dichter, intensiver und noch „dubbiger“. Im Kontrast dazu gibt es aber auch geradezu beschwingte, melodiöse Dubs, wie „Polar“ oder „Wanna Ride“ und mit „Hyperactive Echo“ sogar so etwas wie Dub-Funk. Es ist also gar nicht so einfach, das Album auf den Punkt zu bringen. Mir scheint, dass die Jungs hier die Tür zu etwas neuem aufstoßen, ohne schon komplett hindurch gegangen zu sein. Und mir scheint auch, dass das, was da kommt, verdammt gut sein wird – denn „Physical Echoes“ zählt für mich schon zu den spannendsten Alben des Dub-Quartetts.

Rating 5 Stars

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Revolutionaries: Musical Dub Attack

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Und noch ein Reissue: „Musical Dub Attack“ (DKR) der Revolutionaries. Hier von einem Reissue zu sprechen, ist allerdings schon recht gewagt, denn das Original ist 1976 bei Virgin-Records lediglich als White-Label in Minimalauflage erschienen. Aber erzählen wir die Geschichte der Reihe nach: „Musical Dub Attack“ ist tatsächlich die Dub-Version von I Roys „Musical Shark Attack“ aus dem gleichen Jahr – nur, dass es eigentlich umgekehrt war: Das Dub-Album existierte schon, als Virgin Records im Channel One-Studio nach einem neuen I Roy-Album fragte. Also Toastete I Roy über das Dub-Material und beides ging dann zusammen nach England: Ein Dub-Album und ein I Roy-Album. Letzteres erhielt von Virgin eine amtliche Veröffentlichung, während das arme Dub-Gegenstück nur als häßliche Testpressung mit weißem Label heraus gebracht wurde. Doch das Entlein wurde zum Schwan, denn verrückte Dub-Sammler schlagen sich seitdem um die wenigen Exemplare und preisen seine Qualität und Schönheit in höchsten Tönen. Deeper Knowledge Records aus Brooklyn betätigte sich nun als Spielverderber und wiederveröffentlichten das sagenhafte Dub-Album jetzt nonchalant als ordinäre Vinyl- und CD-Ausgabe. Tja, so kann’s gehen. Jetzt muss sich zeigen, ob die hier versammelten Dub-Attacken auch ohne den Status des raren Sammlerobjektes überzeugen und bestehen können. Zu hören gibt’s den klassischen, Mid-70er Channel One-Sound mit Sly Dunbars virtuosen Rockers-Trommelwirbeln – direkt vom Original-Band gemastert – und so manchen, aus der Rocksteady-Ära bekannten Riddim. Der Mix lässt sich am treffendsten mit „routiniert“ beschreiben. Meine Einschätzung: schönes Album. Kult? Eher nicht.

Rating 3 Stars

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Five Star Review

Blundetto: World of Dub

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Es gibt Dub-Alben, die fallen einfach so vom Himmel. Ohne Ankündigung, ohne vorherige große Erwartungen, ohne dass jemand auf sie gewartet hätte. Plötzlich sind sie da und wollen von mir angeklickt werden. „World of Dub“ (Heavenly Sweetness) von Blundetto ist so ein Album. Weder sein unscheinbarer Titel, noch das simple einfarbige Cover ließ mich im entferntesten vermuten, welch unglaubliche Dub-Schatz sich hier verbirgt. Blundetto war mir zwar entfernt ein Begriff. Sein Debut-Album „Bad Bad Things“ von 2010 hatte ich mal durchgehört, aber ohne dass es einen bleibenden Eindruck bei mir hinterließ. Zwei Alben später hatte ich den Pariser Musiker, der seine Tunes in einer kleinen Zweizimmerwohnung in der Nähe des Gare du Nord zwischen einer gigantischen Vinyl-Plattensammlung, alten Aufnahmegeräten, exotischen Instrumenten und übervollen Aschenbechern aufzunehmen pflegt, schon wieder vergessen. Zu unrecht, wie sich jetzt zeigt, denn seine schrägen, souligen Reggae-Produktionen, wie sie auf dem Vocal-Album „World Of“ zu hören sind, klingen durchaus spannend. Trotzdem sind sie kein Vergleich zu dem, was Max Guiget alias Blundetto nun auf der Dub-Version dieses Albums gezaubert hat. „World of Dub“ ist eine Klasse für sich. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wozu Dub – wenn sein Konzept richtig verstanden und konsequent umgesetzt wird – im Stande ist. Aus den souligen, manchmal etwas sperrigen Stücken des Originals sind hier gewaltige Bass-Wunder geworden, vollständig dekonstruiert und neu Interpretiert. Das Ergebnis ist ein merkwürdig widersprüchlicher Sound: einerseits absolut reduziert, fast schon minimalistisch, andererseits jedoch voller „analoger“ Atmosphäre und schräger Ideen, die manchmal an Adrian Sherwoods Frühwerk denken lassen. Manchmal aber auch an Lee Perrys Drum-Machine-Experimente oder daran, wie Bob Marleys Song „Work“ auch hätte klingen können: dunkel, geheimnisvoll und magisch. Oft sind es ja die Genre-Aussenseiter, die so spannende Sachen produzieren, weil sie sich einfach nicht um Regeln und Konventionen scheren. Blundetto ist so ein Typ und in seiner verrückten World of Dub können wir eine neue Spezies von Dub entdecken, die uns noch lange faszinieren wird.

Rating 5 Stars