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Augustus Pablo Presents: Rockers International

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Hier haben wir das Reissue eines Reissues: „Augustus Pablo Presents Rockers International“ (VP). Das Doppelalbum besteht aus 28 Tracks, die es zuvor in Form zweier Releases gab: Vol. 1, unter dem Titel „Rockers International“ erstmals 1980 in Jamaika veröffentlicht und dann 1991 wieder von Greensleeves, sowie Vol. 2, eine Kompilation, die Greensleevs im Folgejahr 1992 unter dem Titel „Rockers International 2“ nachschob. Beide Alben präsentieren essenzielle Pablo-Produktionen der 1970er Jahre und dürften bei jedem Reggae-Sammler wahrscheinlich längst im Regal stehen. Ersteres hat seinen Schwerpunkt bei den Vocal-Produktionen des 1980er-Originals, die Greensleeves beim Rerelease um vier Instrumental-Cuts von „El Rockers“ ergänzte. Letzteres bietet neben fantastischen Vocal-Tracks, wie z. B. Junior Delgados „Away With You Fussing and Fighting“ oder Jacob Millers „Each One Teach One“ acht Instrumentals und Dubs, die zweifellos zu dem Besten gehören, was Pablo produziert und die King Tubby-Crew je gemixt hat. Also insgesamt das richtige Material, um uns Dubheads in Verzückung zu versetzen – zumal die Produktionen hier in einer bisher ungehörten Qualität erklingen. Alle 28 Tracks wurden nämlich von Kevin Metcalfe superb remastert: crisp, dynamisch und wunderbar differenziert. Eine besondere Erwähnung verdient zudem die Vinyl-Ausgabe des Doppelalbums, deren Matrizen logischerweise neu geschnitten wurden und die von atemberaubender Sound-Qualität ist. Wer’s pragmatischer mag: „Rockers International“ ist auch im Stream verfügbar und klingt auch hier klasse. Die perfekte Gelegenheit, um sich von dem inzwischen rund 40 Jahre alten Sound des begnadeten Produzenten und Melodikaspielers erneut faszinieren und beglücken zu lassen.

Rating 4 Stars

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Meine Dub-Top Ten 2015

  1. Aldubb: A Timescale of Creation – Symphony No. 1 in Dub minor
  2. Zion Train: Land of the Blind
  3. Blundetto: World of Dub
  4. Vibration Lab: Brass Plant EP
  5. Mad Professor and the Robotics featuring Lee Scratch Perry: Black Ark Classics in Dub
  6. International Observer: Touched
  7. Detroit Boys: Sexy Jamaicans
  8. Imhotep: Kheper Dub
  9. Umberto Echo: The Name of the Dub
  10. Dubvisionist: DV IV
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Mafia & Fluxy: Introducing the Pharmacist

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Mit einem Dub-Album von Mafia & Fluxy hatte ich jetzt nicht gerechnet. Doch hier ist es: „Introducing the Pharmacist“ (Mafia & Fluxy). Es enthält moderne, handgespielte Dubs, die aber ganz im Stil des jamaikanischen Old School-Dub produziert und gemischt sind und so manch klassischen Riddim, wie z. B. Johnny Clarkes „Declaration of Rights“ oder Johnny Osbournes „Truth and Rights“ zitieren. Ganz in der Tradition eines Scientist, oder Peter Chemist scheint auch der Pharmacist zu stehen, der hier offenbar für den Mix verantwortlich zeichnet. Drei Toningeneure waren an der Entstehung des Albums beteiligt: Calvin „So So“ Francis, Gussie P. und Carlton McLeod. Ob sie sich das Pseudonym teilen? Der Mixing-Style der einzelnen Tracks unterscheidet sich nämlich durchaus voneinander. Vor allem die minimalistischeren Dubs würde ich ohne Zögern Gussie P. zuschreiben. Diese sind es auch, die mich aufgrund ihrer meditativen Kraft besonders faszinieren. Hier findet Dub ganz zu sich selbst. Wie überhaupt das ganze Album so klingt, als wollten die beiden britischen Multiinstrumentalisten, Studiomusiker und Produzenten beim europäischen Dub-Hype in Zukunft ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Nur zu! Ich bin ganz Ohr.

Rating 4 Stars

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TVS: Deep Steppaz Dub

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Dass der Dubvisionist auch anders kann, stellt er mit dem Album „Deep Steppaz Dub“ (Time Tools Recordings) klar. Hier geht es nicht länger um virtuos ausgetüftelte, analoge Dub-Sounds, sondern schlicht um fette digitale Beats und abgrundtiefe Basslines. Ich muss sagen: Ich stehe drauf. Zumal das, was Felix Wolter uns hier auftischt, entgegen eigener Aussage, gerade kein „Steppas“ im klassischen Brutalo-Sinne ist. Wenn ein Feingeist wie er „Steppas“ produziert, dann ist es viel mehr als stupides Four to the Floor. Dann ist es trotz digitaler Produktion Reggae im besten Sinne: clever komponiert, raffiniert arrangiert – das allerdings mit einer Extraportion Energie. Acht der hier versammelten zehn Dubs stammen aus den Jahren zwischen 2004 und 2008, die für das Album allerdings neu remixed wurden. Der furiose erste Track „Steppaz Dream“ sowie „Hard Times“ sind hingegen neue Produktionen. Mir hat es jedoch ganz besonders „Roots Stepper“ angetan – eine schöne Reminiszenz an den (von Felix Wolter verehrten) Mad Professor und dessen legendären Dub „Kunta Kinte“.

Rating 4 Stars

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Dubvisionist: DV IV

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Der Dubvisionist aus Hannover ist der wahre Künstler unter den hiesigen Dub-Mixern und -Produzenten. Ein alter Meister, der alle Finessen des Handwerks kennt und mal mit kühnem Schwung die große Komposition auf die Leinwand wirft, ein anderes Mal wie Godefridus Schalcken mit feinem Pinsel kleinste Details ausarbeitet. Er ist Frickler, Tüfter, und großer Sound-Künstler zugleich. Und wie bei einem alten Meister nicht anders zu erwarten, ist seine Kunst fein, subtil und tiefgründig. Folgerichtig trägt sein neues Werk auch den bescheidenen, sachlichen Titel „DV IV“ (Perkussion & Elektronik) und huldigt dem zeitlosen, organischen Sound handgespielter Musik. Hier ist fast alles analog: „echtes“ Schlagzeug, „echte“ Mikrophone und „echte“ Bandmaschinen. Erst wenn all diese natürlichen Zutaten für einen seiner warmen, reichhaltigen Dubs vorliegen, bringt der Visionist den Computer ins Spiel und kombiniert sie zu einem komplexen, fein abgestimmten und absolut zeitgemäßen Dub-Meisterwerk, das in dieser Qualität allein mit den alten jamaikanischen Methoden dann doch nicht möglich gewesen wäre. Die meisten dieser Tracks entstanden in Zusammenarbeit mit Markus Dassmann von den Senior Allstars. Die beiden spielten Drums, Percussions, Bass, Gitarre und Keyboards selbst ein. Bei einigen Tracks lieferte Marco Baresi von der Far East Band noch ein paar Drumtakes dazu. Zwei weitere faszinierende Tracks im Stile eines frühen Lee Perry entstanden in Zusammenarbeit mit Blunt Command. Was im klassischen Dub-Style beginnt, nähert sich gegen Ende des Albums zunehmend einer anderen Seite unseres Visionisten: den Sphären entspannten Downtempos, gipfelnd im letzten Track „Highway to Heaven“, der das Werk sanft ausklingen lässt.

Rating 4 Stars

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Five Star Review

Umberto Echo: The Name of the Dub

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In schöner Regelmäßigkeit legt der Münchner Dub Wizard Umberto Echo alle zwei Jahre ein neues Dub-Album vor. „The Name of the Dub“ (Echo Beach) ist sein neues Werk betitelt und das Cover zeigt ihn mit Bassbox und Mischpult inmitten von unzähligen, zu hohen Stapeln aufgetürmten Büchern. Unter ihnen so gewichtige Werke wie „Roots of Dub“, „Dub Alamanac“, „Battle of Dub“ und „Dub for Dubbies“. Auch, wenn man nicht William von Baskerville heißt, ist das Rätsel ist schnell gelöst. Umberto Echo spielt hier auf „The Name of the Rose“ seines Namensvetters Umberto Eco an. Wir erinnern uns: In dem Buch geht es um das „zweite Buch der Poetik“ des Aristoteles, in dem – nach der Tragödie im ersten Teil – die Komödie behandelt wird. Ein Buch, dessen Seiten der finstere Mönch und Hüter der Klosterbibliothek, Jorge von Burgos, vergiftet hat, weil er die in diesem Buch vertretene, positive Einstellung zur Freude und zum Lachen für zu gefährlich hielt. Niemand sollte es lesen und diesen Akt des Frevels überleben. Doch jetzt kommt Umberto Echo, tritt Mönch Jorge kräftig in den Hintern und spielt uns 17 verbotene Tracks aus dem Buch der Freude und des Lachens vor. Statt uns auf die transzendente Dimension von Dub einzuschwören (wie es Aldubb mit seinem letzten Album so vortrefflich getan hat), oder uns gar auf eine vermeintlich einzig wahre Schule des Dub verpflichten zu wollen, greift Umberto Echo einfach beherzt in die Regler und verbreitet puren Spaß. Mixt munter die Genres – wie wir es ja von ihm gewohnt sind – und knallt uns Bass, Melodien und gut gelaunte Produktionen um die Ohren, dass es eine Freude ist. Dazu greift er erneut auf Produktionen befreundeter Musiker zurück und konzentriert sich voll und ganz auf den Dub-Mix. Minimalismus und Dekonstruktion sind seine Sache nicht. Fast alle Dubs sind lebensprall und reich an Melodien, Sounds und Dub-Effekten. Da passt es gut ins Bild, dass einige der Dubs auf populären Tunes von z. B. Dubmatix, Sara Lugo, den Senior Allstars, Jahcoustics oder Jamaram basieren, deren Original-Vocal-Versionen noch im Ohr nachklingen, wenn Mr. Echo sich daran macht, seine verspielten Dub-Versions anzustimmen. Schöner Nebeneffekt: Das Ganze ist ein richtig netter Showcase europäischer Reggae-Produktionen. Lange Schreibe, kurzer Sinn: Schieden sich an Echos „Elevator Dubs“ noch die Geister, so werden hier, im Namen des Dub, alle ihren Spaß haben.

Rating 5 Stars

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Dub Syndicate: Dub is All I Got

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Dub kann ja bekanntermaßen – dank seiner Konzentration auf Drum & Bass – eine gewisse Nähe zum Minimalismus nicht leugnen. Nimmt man nun einen solchen minimalistischen Dub, lässt ihn 13 (!) mal remixen und packt dann alle Remixe plus dem Original auf ein Album – dann erhält man zweifellos das Manifest des Minimalismus schlechthin. Oder aber wahre Concept Art. Vor allem aber erhält man ein Lehrstück in Sachen „Dub“, denn wie sonst ließen sich die Möglichkeiten von Dub so perfekt demonstrieren? Dub-Mutation in Vitro, gewissermaßen. Es ist natürlich unser Hamburger Lieblingslabel Echo Beach, dem wir diese Lektion zu verdanken haben. 14 Mixe von Style Scotts „Dub is All I Got“ (Echo Beach) – ursprünglich auf Dub Syndicates „Hard Food“-Album zu finden –  Back to Back und von einigen der spannendsten Dub-Mixern der Gegenwart: Dubblestandart, Dubvisionist, Aldubb, Umberto Echo, Victor Rice, Brain Damage, Robo Bass HiFi, Sensi Dub, Fenin u.a. Ein Kräftemessen der Superlative – nicht umsonst trägt das Album den Untertitel „Remix Clash“. Würde mich mal interessieren, wer hier Sieger in der Gunst des Dub-Publikums würde. Ich bin ja sehr von Sensi Dubs Steppers-Variante angetan und von Fenins Elektro-Minimal-Remix – lasse aber gern mit mir reden.

Rating 4 Stars

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Five Star Review

Singers & Players: War of Words

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Wer sich gelegentlich in den Musik Online-Stores und bei den Streaming-Diensten umschaut, wird feststellen, dass zur Zeit der komplette ON-U-Sound-Back-Katalog online gestellt wird. Was liegt da näher, als einem der legendärsten Alben des Labels, „War of Words“ (On-U Sound), eine stolze analoge Vinyl-Reissue zu spendieren? Das Original erschien 1981 auf dem amerikanischen Label 99 Records und erst ein Jahr später auf On-U-Sound in Großbritannien. Es war das Debut der „Singers & Players“, eines virtuellen und niemals klar definierten Kollektivs verschiedener Reggae-Musiker, Deejays und Singer. Produzent Adrian Sherwood trieb damals die Vision um, mit 15 bis 20 Musikern in wechselnden Formationen den On-U-Sound-Kosmos und seine sehr spezielle Vorstellung von Post-Punk Roots und experimentellem Dub entstehen zu lassen. Im Zentrum dieses historischen Albums steht die sanfte Stimme von Bim Sherman, die auf fünf der sieben Tracks gefeatured wird. In scharfem Kontrast dazu steht Prince Far Is raues Organ, das vor allem auf dem Track „Quanté Jubila“ im Duett mit Crucial Tony zu hören ist. Dazwischen (und in den Extended Versions) sind Dubs eingestreut, die – hört man sie heute mit Blick auf die nachfolgenden rund 35 Jahre Dub-Historie – immer noch unglaublich innovativ klingen. Doch es sind weniger die einzelnen Stücke, die den besonderen Reiz des Albums ausmachen als vielmehr ihre Kombination – zumal die hier versammelten vier Extended Versions auch in sich schon eine Kombination aus Vocal- Deejay- und Dub-Version sind. Durch diese Zusammenstellung, den eigenwillig-räumlichen Dub-Syndicate-Sound und den durchgehenden markanten Dub-Mix aller Tracks, erhält das Album starken Konzept-Charakter – der seinerseits einen faszinierenden Flow zur Folge hat, in dem man sich als Hörer unweigerlich verliert. Einige wiederentdeckte, bisher unveröffentlichte Tracks aus den „War of Words“-Sessions erblicken zudem auf der EP „War of Version“ erstmals das Licht der Öffentlichkeit.

Rating 5 Stars

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Suns of Dub: Far East Dub

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Da ist es nun endlich, das Debut-Album der Hoffnungsträger für Dub made in Jamaika: „Far East Dub“ (Rockers International) von den Suns of Dub. Ein clever gewählter Titel, denn die Assoziation an Augustus Pablo ist zwingend. Und wer, wenn nicht Pablos Sohn, Addis, darf diesen marketingtechnischen Clou landen? Er, sein Kumpel Ras Jammy aus Trinidad und dessen Kumpel Jah Bami, sind die Sonnen des Dub. Auf ihren Schultern lastet die Hoffnung aller Dubheads weltweit, dass Jamaika endlich, endlich, endlich zum Dub zurückfinden möge. Dass neue, innovative, ungehörte Dub-Sounds vom Geburtsort des Genres herüber schallen und uns in Verzückung versetzen könnten. So groß ist die Hoffnung, dass Addis und Ras Jammy sich bereits das Riddim-Cover mit Lee Perry teilen durften – ohne auch nur eine einzige amtliche Veröffentlichung im Sack zu haben. Das wird jetzt schlagartig anders, das erste Album steht in den Startlöchern (VÖ Anfang November im Gedenken an die Krönung Heile Selassies) und die Erwartungen sind hoch. Doch wer die vielen Laptop-Produktionen der beiden jamaikanischen Dubheads von Soundcloud kennt, ihr Meandern zwischen traditionellem Rockers-Sound, elektronischer Tanzmusik, Trap und Dubstep im Ohr hat, wird von dem Album – na sagen wir mal: überrascht sein. Es handelt sich nämlich um ganz klassische Aufnahmen einer amerikanischen Studioband mit dem Namen The Dub Assassins. Addis Pablo hatte bereits für Produzent P-Dub (DubLife Muzik) einige Backings der Band mit seinem Melodikaspiel verziert, als die Idee entstand, daraus ein Suns of Dub-Album zu machen. Von insgesamt 12 in Amerika aufgenommenen Tracks wählte Ras Jammy vier aus und strickte daraus einen Super-Showcase: Zuerst die Melodica-Version von Addis, dann die Vocal-Version von Jah Bami und zuletzt eine Dub-Version. „Wir wollen mit dem Album den traditionellen, originalen Dub-Sound wieder zum Leben erwecken.“ erklärt Ras Jammy, „Unser nächstes Album könnte eine elektronische Produktion sein und komplett anders klingen.“ Die Weigerung sich festlegen zu wollen, ist auch der Tatsache geschuldet, dass die drei Jungs mit Ausnahme ihrer Laptops über keine weiteren Produktionsmöglichkeiten verfügen und somit – wie in diesem Fall – auf das Material anderer Produzenten angewiesen sind. Was sie für „Far East Dub“ daraus gemacht haben, gefällt mir ziemlich gut. Es ist ein überaus entspanntes Album geworden, der Sound ist absolut klassisch, Addis Melodikaspiel eher atmosphärisch als melodiebildend, die Dubs sind à la Tubby gemischt und Jah Bamis weiche Soul-Stimme geht runter wie Öl. Da gibt’s nix zu meckern. Aber – ehrlich gesagt – auch nichts zum ausflippen. Alles im Rahmen, könnte man sagen, sich fragend am Kopf kratzen – um sich schließlich genüsslich zurückzulehnen und ein wenig Old-School-Dub zu genießen.

Rating 4 Stars

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Five Star Review

Aldubb: A Timescale of Creation – Symphony No. 1 in Dub minor

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Oha, was ist das denn? Da mokiere ich mich an dieser Stelle stets über einfallslose Steppers-Klischees (obwohl diese ja von Zeit zu Zeit und am richtigen Ort auch gerade recht sein können) und fordere mehr Experiment, mehr Überraschung, mehr Freidenkertum – und dann das! Ein Album, das diese Forderung absolut ernst nimmt. Das mit allem bricht, was typischerweise Dub ausmacht. Das Konventionen radikal hinterfragt, sich um Genre und Stil nicht schert, beherzt musikalische Grenzen überschreitet und überhaupt alles anders macht, als man es erwarten würde. Oder anders ausgedrückt: Das neue Werk von Aldubb ist entweder ein geniales Konzeptalbum oder verkopfter Murks. „A Timescale of Creation – Symphony No. 1 in Dub minor“ (Feingeist Records), lautet der komplette Titel und demonstriert den verrückt hohen Anspruch des Albums. Eine Reise durch Raum und Zeit des Universums, vom Urknall, den Sekundenfragmenten danach, über unsere aktuelle Existenz bis in eine ungewisse, aber optimistisch erscheinende Zukunft – in Dub, versteht sich. Die 13 Tracks des Albums fließen nahtlos ineinander, ergeben ein einziges 42 Minuten langes Stück, eine Dub-Symphonie aus subsonischen Bassfrequenzen, donnerndem Wobble-Bass, elektronischen Sound-Wolken, klassisch-symphonischen Streichern, fein dosierten Klarinetten- und Posaunenklängen und – man glaubt es kaum – ganz normalen Reggae-Beats. Creation Rebels „Starship Africa“ trifft auf Hey-O-Hansen, trifft auf Matthias Arfmann, trifft auf Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“. So etwas kann verdammt leicht in die Hose gehen. Zwar würde die Kritik positiv darüber zu schreiben, denn Kunst hat gegenüber profaner Unterhaltung immer einen Bonus. Aber nicht selten wäre das hochgelobte Werk tatsächlich langweilig. Es gehörte zwar in eine gepflegt-anspruchsvolle Sammlung, würde aber eigentlich nie freiwillig aufgelegt. Wie anders ist es hier! Aldubbs Exkursion durch die obskure Geschichte unseres Universums und in unsere noch viel obskurere Zukunft, ist mit jedem Takt unterhaltsam, packend und einfach unglaublich schön. Das Verhältnis zwischen neuen, verstörenden (dafür aber um so spannenderen) Reizen auf der einen Seite und soliden, wohlvertrauten Beats und Harmonien auf der anderen, stimmt exakt. Es ist unmöglich, sich der Faszination dieser akustischen Reise zu entziehen. Und wer beim Hören nicht zumindest eine Ahnung davon bekommt, was Dub, über das bekannte Konzept hinaus, noch alles mehr sein kann, muss entweder taub oder borniert sein. Aldubb stößt hier eine Tür zu einer neuen Dimension von Dub auf. Gehen wir hindurch!

Rating 5 Stars