Kategorien
Review

Pablo RasteR: Art of Dub

CS2818471-02A-BIG

Wir wissen: Dub is big in Italy! Wie um das noch einmal mit Nachdruck zu unterstreichen, präsentiert uns der Italiener Pablo RasteR – laut seiner Website ein erfahrener Dub-Produzent (den ich allerdings bisher nicht kannte) – sein Debut-Album: „The Art of Dub“ (Elastica). Ein starkes Album mit einem recht programmatischen Titel, den Signor RasteR aber durchaus einzulösen weiß. Denn er kennt sie, die verschiedenen Spielweisen des Dub, von sanft und melodisch bis hin zu brutal und kompromisslos. Mir gefällt ersteres etwas besser, vor allem das titelgebende Stück „The Art of Dub“ hat es mir angetan. Über einen soliden Rhythm spielt hier Sandro Paradisi ein wunderbar beschwingtes Akkordeon, das so perfekt zur Musik passt, dass ich mich frage, warum es nicht viel häufiger auf Dub-Produktionen zu hören ist. Es wäre doch mal eine Maßnahme, die altbekannte Melodika gegen ein Akkordeon einzutauschen, oder? Wie dem auch sei, dieser Akkordeon-Dub steht ganz oben auf meiner persönlichen Playlist. Aber auch das harte Zeug von RasteR ist nicht zu verachten. Seien es der klassische Rockers-Drumbeat auf „An lè Bolè“, die böse, tiefschwarze Bassline von „Barumba“, oder die Violine über den heavy Steppers-Beats auf „Battle of Megiddo“ – RasteR weiß sogar seine Steppers-Tunes interessant zu gestalten. Dabei helfen ihm in fünf Fällen zudem Gastvokalisten, von denen Dan I der wohl bekannteste sein dürfte. Leider, leider gibt es auch ein paar sehr stereotype und wenig inspirierte Steppers-Tunes, insbesondere im zweiten Teil des Albums, die RasteR sich hätte sparen können. Aber vielleicht will er ja einen möglichst großen Fußabdruck in der Sound-System-Szene hinterlassen. Wenn diese Ambitionen erst mal befriedigt sind, dann wird RasteR noch ein ganz Großer. Ich freue mich schon auf sein nächstes Projekt.

Rating 4 Stars

Kategorien
Review

Skatsisters: Kolumbus

Bildschirmfoto 2015-07-30 um 23.56.20

Zu Jazz gehört der Live-Sound irgendwie dazu. Deshalb funktioniert auch das Jazz beeinflusste Dub-Konzept der Senior Allstars so gut. Hier haben wir eine Band, die es ähnlich angeht: Skatsisters. Auch sie setzt auf Live-Dub mit viel Jazz-Appeal. Das besondere hier ist aber zudem, dass sie auch noch eine gehörige Portion Ska mit ins Spiel bringen. Klingt auf dem Papier kompliziert und wenig Dub-like, kommt auf ihrer EP „Kolumbus“ aber ausgesprochen spannend rüber und ist für ein aufgeschlossenes Dub-Publikum definitiv einen Versuch wert. Die EP enthält vier richtig schöne Tracks und zwei Remixe des Triphop Produzenten Duos PH-Wert, die allerdings mit Dub nicht mehr allzu viel zu tun haben.

Rating 4 Stars

Kategorien
Review

Brain Damage Meets Vibronics: Empire Soldiers – Live

CS2797829-02A-BIG

Mr. Vibronics hat neben „Return of Vibronics“ zur Zeit noch ein Eisen im Dub-Feuer: Brain Damage Meets Vibronics, „Empire Soldiers – Live“ (Jarring Effects). Es handelt sich um ein im Dub eher ungewöhnliches Projekt: den Live-Mitschnitt eines „Konzertes“. Dub als Studiomusik hat auf einer Live-Bühne eigentlich wenig zu bieten (außer bei den Senior Allstars), zumal das „Konzert“ meist aus dem Abspielen von Soundfiles besteht, die zwar live gemischt werden, was aber für das Publikum ab der zweiten Reihe ohnehin nicht zu sehen ist. Also hat sich die Sound System-Praxis durchgesetzt: Konserven spielen, ein wenig den Sound manipulieren und etwas Live-Toasting hinzufügen. Was daran so toll ist? Die Lautstärke, die gemeinschaftliche Atmosphäre und nicht zuletzt: der gewaltige Bass. Doch was bleibt davon erhalten, wenn ein Live-Mitschnitt auf der heimischen Anlage in Nachbar-kompatibler Lautstärke abgespielt wird? Nichts. Daher verwundert es auch nicht, dass „Empire Soldiers – Live“ ein recht enttäuschendes Album geworden ist, das auch soundtechnisch nicht überzeugen kann. Daher rate ich zum Studio-Original von 2013, mit sauberem Sound, ordentlich Bass-Wumms und klaren Vocals von Brain Damage.

Rating 2 Stars

Kategorien
Five Star Review

Brother Culture: All a We

CS2809277-02A-BIG

Nick Manasseh ist auch einer meiner großen Dub-Heroen. Schon in den 1990ern war ich hin und weg von seinen hoch innovativen und schlicht wunderschönen Dub-Produktionen. Man erinnere sich z. B. an das grandiose „Dub The Millennium“ oder an seine Produktion für die Brasilianer Cool Hipnoise, deren Album „Showcase & More“ 2003 auf Echo Beach erschienen war und das ich gefühlt mindestens 200 mal gehört habe. Wer nicht so weit zurück denken mag, sollte sich einfach auf dem Label „Roots Garden“ umhören, um in Nicks fantastische Welt des Roots & Dub einzutauchen. Seine neuste Produktion ist das Showcase-Album „All a We“ (Roots Garden) für Brother Culture. Während der DJ-Veteran aus Brixton hier sechs schöne Old-School-Style-Toasts zum besten gibt, wollen wir unser Ohr lieber mal den darunter liegenden Produktionen – und insbesondere den sechs Dub-Versionen – leihen. Tja, und was es da zu hören gibt, ist einfach mal wieder wahnsinnig gut. Wie macht der Mann das nur? Seit 30 Jahren produziert er Reggae und Dub – und zwar stets an vorderster Front des Genres. Seit „Dub The Millenium“ 1993 von Acid Jazz lizensiert wurde, hat Nick seine Pole-Position inne. Wie keinem anderen Dub-Produzenten ist es ihm gelungen, am Puls der Zeit zu bleiben, sich selbst und die Musik stets zu erneuern und voraus zu denken, statt irgendwo in der Vergangenheit stehen zu bleiben (wie z. B. Mad Professor), sich zu wiederholen (z. B. Deadzone), oder sich in scheininnovative Kopfgeburten (z. B. Adrian Sherwood) zu flüchten. Dabei klingen die Produktionen von Nick selten spektakulär, sind niemals selbstgefällig oder aufmerksamkeitsheischend. Ganz im Gegenteil kommen sie eher unauffällig und selbstverständlich daher. Oft ist man schon mitten im Song, bevor einem dieser durch heftiges eigenes Kopfnicken überhaupt erst richtig bewusst wird. Statt mit großer Geste „Hier, hier!“ zu rufen, schleichen sich Nicks Produktionen in den Körper und versetzen ihn in Bewegung. Der Groove hat genau die richtige Körpertemperatur. Man versinkt in ihm, wie in wohl temperiertem Badewasser. Der Sound ist klar und kraftvoll, die Kompositionen perfekt strukturiert und arrangiert. „All a We“ ist deshalb aus meiner Sicht eines der besten Alben des laufenden Jahres.

Rating 5 Stars

Kategorien
Review

Dubblestandart: King Size Dub Special

Layout 1

Von Echo Beach kommt eine geballte Ladung Dubblestandart: „King Size Dub Special“ (Echo Beach) – eine Doppel-CD mit 29 Tracks. Wahrlich King Size! Dabei handelt es sich allerdings nicht um neues Material der Wiener (darauf müssen wir bis Oktober warten), sondern um einen bunten Mix aus Dubblestandart-Klassikern, unveröffentlichtem Material und Remixes: „A colorful journey that ranges from lover’s reggae, dub poetry to dubstep and trap“, wie das Presseinfo schreibt. Und das stimmt tatsächlich. Die erste CD ist ein stilistisches Remix-Feuerwerk, das zeigt, was im Zeichen des Dub alles möglich ist. Bei der zweiten CD handelt es sich allerdings um ein Rerelease der EP „Holding You Close – Chapter 2“ mit 15 Remixes des gleichnamigen Dubblestandart-Marcia Griffith-Songs. Auch hier geht’s quer Beet, wobei Marcias Lyrics ein stark vereinheitlichendes und somit mäßigendes Element sind. Beide CDs zusammen ergeben ein über dreistündiges Paket virtuoser Dub-Music, die weit über den Tellerrad des Genres hinaus blickt. Typisch Echo Beach.

Rating 4 Stars

Kategorien
Review

Mad Professor meets Prince Fatty: In the Clone Theory

a3935269366_10

Es ist die Zeit der generationsübergreifenden Dub-Konferenzen. Hatten wir zuletzt einen Dub-Gipfel in Jamaika: King Jammy meets Alborosie, so folgt nun das UK-Counterpart: „Mad Professor meets Prince Fatty in the Clone Theory“ (Evergreen Records). Originator und moderner Epigone treffen sich hier zum Schlagabtausch: Fünf Tracks steuert der Prof. bei, fünf der Prince. Und dann wäre da noch eine dritte Person, die einst im Ariwa-Studio an den Drums saß, heute aber als Deejay mit Prince Fatty tourt und vor wenigen Monaten ein Album bei ihm veröffentlicht hat: Horseman. Seine Rolle bei diesem Projekt bleibt allerdings ungeklärt – spielt er vielleicht die Drums auf allen Tracks? Das Cover zeigt ihn als Opfer der beiden verrückten Wissenschaftler, bei dem Versuch, die Clone-Theorie in die Tat umzusetzen. Das musikalische Ergebnis dieses Versuchs ist jedenfalls geglückt. Die Archivware des Profs harmoniert erstaunlich gut mit den eklektizistischen Fatty-Produktionen. Zusammen ergeben sie ein richtig angenehmes, wunderbar beseeltes Old School-Dub-Album, das ganz auf fancy Gimmicks, auf Basslawinen und digitale Spielereien verzichtet und uns schlicht und ergreifend nur eines bietet: Dub – pur, simpel, handgespielt und handgemixt. Okay, ich muss zugeben, dass mich andere Fatty-Produktionen mehr geflasht haben, und ich den Professor früher generell besser fand. Aber andererseits sind hier zwei meiner großen Dub-Helden am Werk und ich werde den Teufel tun, das nicht ausgesprochen gut zu finden.

Rating 4 Stars

Kategorien
Review

Vibronics: Return of Vibronics

The-Return-Of-Vibronics-Cover

Steve Vibronic zählt zu den Urgesteinen der UK-Dub-Scene. Seit ihrem Aufstieg in den 1990er Jahren, ist er einer ihrer produktivsten Akteure – und vor allem einer, der heute noch am Ball ist. Dabei ist er sich und dem Steppers-Style treu geblieben, hat sich aber zugleich weiterentwickelt und seinen Sound stets angepasst und modernisiert. Sieben Jahre nach dem letzten Vibronics-Solo-Album unter eigenem Namen, feiert der Soundman aus Leicester mit „The Return of Vibronics“ (Scoops Records/Jarring Effects) nun sein Comeback – obwohl er eigentlich gar nicht lange genug Weg vom Fenster war, um von einer Wiederkehr reden zu müssen. Erst 2010 erschien sein Album „French Connection“, das in Kooperation mit französischen Artists entstanden war, und 2014 gab’s dann mit „Empire Soldiers“ ein Kolaborationsalbum mit Brain Damage. Steve ist also keineswegs eingerostet – was er mit seinem „Return“ auch eindrücklich unter Beweis stellt. Allerdings zählt er auch nicht zu den Feinmotorikern des Genres – so dass etwas Flugrost kein Problem wäre. Im Gegenteil: Der Name „Vibronics“ steht für harten, kompromisslosen Steppers, so wie ihn Soundsystems lieben. Entsprechend brachial ist Steves Return: Stoisch stampfen seine Drum-Beats durch Bassgewitter, die Hosenbeine flattern und Schädel vibrieren lassen. Die Energie seiner Dubs ist atemberaubend. Vor allem in der ersten Hälfte seines Albums gelingt es ihm, die rohe Gewalt seiner Drum & Bass-Arrangements in reizvollen Kontrast zu gesungenen Melodien zu setzen. So steuern z. B. die großartige Soom T aber auch Macka B, Madu Messenger oder Michael Prophet ein paar Lyrics bei. Vor allem Letzterer liefert mit „Searching for Jah“ einen richtigen Hit-Tune ab. Die rein instrumentalen Dubs der zweiten Albumhälfte könnten allerdings – nachdem sich der Bass-Überwältigungseffekt etwas verbraucht hat – durchaus noch etwas Esprit vertragen. Brutale Bass-Gewalt gepaart mit Witz und Klugheit – das wär doch mal was!

Rating 4 Stars

Kategorien
Review

Serendubity-Festival

serendubity

Reggae-Festivals haben wir in Deutschland inzwischen reichlich. Früher, als das Summer Jam noch auf der winzigen Loreley-Freilichtbühne statt fand, hätte ich niemals vermutet, das ein Reggae-Event so unglaublich wachsen könnte. Irgendwie hatte ich damals Reggae noch für Special Interest gehalten. Inzwischen ist mir bewusst: Im Sommer, open air, ist Reggae Mainstream! Ein Schicksal, das Dub wohl niemals ereilen wird. Obwohl … Ein erstes, amtliches Dub-Festival gibt es hierzulande schon: das Serendubity-Festival. Dieses Jahr findet es vom 24. bis 26. Juli, nördlich von Berlin, auf einem alten Militärflughafen, inmitten alter Düsenjets und grasbewachsener Hangar statt. Musikalisch schlägt das Festival den Bogen von klassischem Reggae-Dub, über Roots und Ska hin zu Dubstep, Jungle, Trap etc. Ich finde, das klingt nach einem interessanten Konzept. Aus dem Line-Up sind mir allerdings nur vereinzelt Namen bekannt (vor allem natürlich die Senior Allstars), was wahrscheinlich daran liegt, dass der Schwerpunkt bei deutschen und französischen Acts liegt, während die Veteranen aus dem UK erst mal zu hause bleiben müssen. Ich würde das Festival liebend gerne besuchen, muss aber leider wegen Urlaubs verreisen ;-). Am besten ihr geht mal hin und berichtet mir!

Website des Serendubity-Festivals
Facebook-Event

Kategorien
Five Star Review

The Senior Allstars: Dub from Jamdown – Darker than Blue

ziontrainletak

Ein schlichtes, einfaches, unkompliziertes Album ist von den Senior-Allstars nicht zu erwarten. Ohne Konzept läuft bei ihnen nämlich gar nichts. Das fängt schon damit an, dass die Band Dub statt Reggae mit Gesang spielt – auch live. Ein Instrumentalalbum von Dub-Produzenten remixen zu lassen, die Dubs dann live als Album wieder einzuspielen, um sie schließlich mit Gesang zu versehen und erneut remixen zu lassen, klingt nach einem komplizierten Konzept, oder? Genau das steckt hinter den Alben „In Dub“, „What Next?“ und „Verbalized and Dubbed“. Im Vergleich dazu wirkt das Konzept hinter dem neuen Album „Dub from Jamdown – Darker than Blue“ (Echo Beach) auf den ersten Blick fast simpel: 2001 erschien auf Blood & Fire der von Steve Barrow und Mark Ainley zusammengestellte Sampler, „Darker than Blue: Soul from Jamdown 1973 – 1980“ mit Reggae-Reworkings von US-Soul Klassikern. Von diesem Sampler waren Markus Dassmann, Arne Piri, Gudze und Thomas Hoppe so angetan, dass sie beschlossen, die Stücke instrumental neu einzuspielen und ein neues Dub-Album der Senior Allstars daraus zu zaubern: „ Dub from Jamdown – Darker than Blue“ (Echo Beach). Oder einfacher ausgedrückt: Die Senior Allstars spielen die Stücke von Reggae-Artists nach, welche die Stücke von Soul-Artists nachgespielt haben. Alles klar? Es sind also Songs in der dritten Inkarnation. Na, wenn das mal nicht doch ein typisches Senior-Allstar-Konzept ist! Doch jedes Konzept ist nur so gut wie das, was hinten raus kommt – wie schon unser Bundeskanzler A. D. wusste. Tja, und das ist mal wieder der gute, alte, handgespielte, puristische, entspannte und leicht jazzige Sound der Allstars. Extrem präzise, reduced to the max, zugleich aber menschlich warm, organisch und stets leicht melancholisch – die Jungs haben ihren Stil gefunden. Und offenbar auch das richtige Material, um ihn einzusetzen: Songs wie „Baltimore“, „Aint no Sunshine“ oder „Why Can’t We Live Together“ klingen in ihrer Umsetzung einfach grandios.

Rating 5 Stars

Kategorien
Five Star Review

Vibration Lab: Brass Plant EP

a1780332265_10

Im Dub gibt es zwei große Sub-Genres: 1. Der historische, jamaikanische Dub, basierend auf klassischen, handgespielten Reggae-Backings. Bei ihm steht der Mix im Vordergrund. 2. Der UK-Steppers-Dub, basierend auf digitalen Rhythms mit starker Betonung der Bassline sowie der four to the flour-Bassdrum. Hier steht das Bass-Erlebnis im Vordergrund. Eigentlich sind beide Stile inzwischen historisch und es stellt sich immer wieder die Frage nach dem Sound eines zeitgemäßen Dubs, der nicht Klischees bedient, sondern konzeptuell und ästhetisch auf der Höhe der Zeit ist und im Reigen moderner populärer Musik mitspielen kann. Darauf gibt es viele mögliche Antworten. Doch eine Antwort erscheint mir derzeit am überzeugendsten: die „Brass Plant EP“ (Reggae Roast) des Vibration Lab. Hinter diesem Namen stecken zwei Sound-Tüftler aus Bristol und London, die von sich behaupten, „Future Reggae“ zu produzieren. Mit einem Bein stehen sie im Reggae-Dub, mit dem anderen in aktueller, digitaler Bass-Music. Mit ihrer neuen EP ist ihnen ein großer Wurf gelungen. Ich bin der Meinung, dass es ihnen endlich geglückt ist, ihre Idee vom „Future Reggae“ in die Tat umzusetzen – obwohl es sich hier, streng genommen, um „Future Dub“ handelt. Im Zentrum ihrer Musik pocht das Herz des Dub, dunkel, stetig, energisch. Es treibt einen Strom an Bass durch den Organismus. Einen Tsunami an Bass, der an Fenstern und Türen rüttelt. Stoisch und repetitiv drängt er gegen Trommelfell, Bauch und Brust. Doch dann sind da noch die Reggae-fremden Sound-Elemente, die eher aus den Sphären elektronischer Club-Music stammen, sich aber kongenial in das Reggae-Fundament einfügen. Sie formen sich zu kleinen Melodien, teils winzigen Phrasen, die endlos wiederholt werden und sich schließlich zu einem komplexen, polyrhythmischen Ganzen von unglaublicher meditativer Kraft fügen. Präzise, druckvoll, dynamisch und wahnsinnig schön. Müsste ich jemandem erklären, was moderner Dub ist – ich würde diese EP vorspielen – in der Hoffnung, meine Zuhörer spontan zu missionieren und in das Lager der Dub-Enthusiasten zu locken. Als nächstes haben die beiden Vibration Lab-Jungs ein Album mit Linval Thompson in der Planung. Darauf bin ich mehr als gespannt.

Rating 5 Stars