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Chris Dubflow: Delay Construct

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2011 veröffentlichte der Schweizer Chris Dubflow sein Debut-Album „Echostream“ und ich war hin und weg. Damals schwärmte ich vom „repetitiv treibenden, leicht technoiden, elektronischen Dub à la Rhythm & Sound und Rockers HiFi“. Nun legt Chris sein neues Album vor: „Delay Construct“ (Everest) und macht damit genau dort weiter, wo er vor fünf Jahren aufgehört hatte. Der hypnotische, von warmen Synthie-Flächen getragene Minimal-Groove, könnte locker aus fünf Jahre alten Sessions stammen. Und genau damit habe ich nun – trotz aller Sympathie für seine Musik – Probleme. Vielleicht habe ich in der Zwischenzeit auch nur zu viel von diesem Minimal-Dub-Techno gehört, aber irgendwie ist bei mir die Faszination für diesen Stil auf der Strecke geblieben. Ich habe mich offenbar satt gehört an dem Synthie-Allover-Gewaber und hätte mir von Chris Dubflow eigentlich den nächsten Evolutionsschritt dieser speziellen Dub-Spezies gewünscht. Mal sehen, wohin ihn der Flow des Dub beim nächsten Mal treiben wird.

Rating 3 Stars

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Alien Dread Meets Rhythm Foundation: Everchanging Dub

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Hier haben wir mal ein Dub-Album mit Geschichte. Und zwar wurden die Rhythm Tracks schon 1988/89 aufgenommen und von Gussie P. in seinem Londoner A-Class-Studio zu Dubs verarbeitet. 2000 erschien dann das Album „Everchanging Dub“, das sich auch heute noch erwerben lässt. Aber die Story geht weiter: Die alten Aufnahmen wurden jüngst wieder ausgegraben und Alien Dread überlassen, der sie in seinem nietnagelneuem AD-Studio „fully re-mixed“ und auf dem Album Alien Dread Meets Rhythm Foundation: „Everchanging Dub“ (ACL 2000) wiederveröffentlicht hat. Dummerweise finde ich keine Quelle, um mir das Original anzuhören, aber mich dünkt, dass der Remix ziemlich nah am Original sein muss, denn was mir hier zu Ohren kommt, klingt ziemlich nach dem zeittypischen Sound der späten 1980er. Soll heißen: computerised, perkussiv, metallisch (Mad Prof. lässt grüßen), uptempo und eher leicht statt heavy. Für meinem Geschmack nicht unbedingt ideales Dub-Material und rückblickend kann ich gut verstehen, dass Dub in den späten 1980ern einen schweren Stand hatte. Nett ist, dass hier so manche Studio One-Bassline ans Ohr dringt und Erinnerungen weckt. Mit „Organic“ auf der Bassline von „Dub Organiser“ gibt’s hier einen ganz frühen Steppers-Track zu hören, der einen Blick in die Zukunft wagte, denn just im Entstehungsjahr dieser Aufnahme, machten sich UK-Dub-Pioniere wie Alpha & Omega, Zion Train oder The Diciples mit einem neuen Sound auf den Weg, der den Dub für immer verändern sollte. Everchanging Dub eben.

Rating 3 Stars

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Five Star Review

Natural Numbers: In Dub

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Mit den „Signs & Wonders“ des in L. A. ansässigen Dub Clubs, entstanden unter der Regie von Club-Veranstalter, Old-School-Reggae-Fanatiker und Hobby-Produzent Tom Chasteen, bin ich vor zwei Jahren gar nicht warm geworden. Sie boten sehr schön reproduzierten Rub-A-Dub-Sound, blieben dabei aber so nah am Original, dass sich unweigerlich die Frage stellte: Warum eine Kopie, wenn man das Original schon hat? Nun präsentiert Chasteen sein neues Album „In Dub“ (Stones Throw) unter ebenfalls neuem Artist-Namen: Natural Numbers. Das macht schon deutlich, dass er hier einen anderen Weg einschlägt. Natürlich bleibt er der alten Schule treu, aber was die natürlichen Nummern hier zu Gehör bringen, ist weit davon entfernt, lediglich eine Kopie des jamaikanischen Originals sein zu wollen. Nein, hier ging Chasteen ambitionierter ans Werk und hat zehn Tracks produziert, die eigenständig und einzigartig sind. In einem wunderbar entspannten, warmen Sound perlen hier vor musikalischen Einfällen, Atmosphäre und beschwingten Melodien nur so strotzende Dubs aus den Lautsprechern. Da hat Mr. Dub Club ein richtig schönes Album abgeliefert, das dem klassischen, jamaikanischen Dub huldigt, ohne ihn zu klonen. Aufgenommen wurde das Album 2013 mit einer echten Los Angeles-„All Stars“-Studioband um den Bassisten Fully Fullwood. Von ihnen stammt dieser schöne, klassische, handgespielte, warme Reggae-Sound, den Chasteen dann mittels Live-Mix in – tja, wie soll ich es ausdrücken – schlicht grandiose Dubs verwandelt hat. Garniert mit Vocal-Einsprengseln, die den Eindruck vermitteln, als existierten Song-Originale (was vielleicht sogar der Fall ist – wer weiß?), begleitet von so manchem Gitarren-Solo, das direkt einem Western entsprungen sein könnte und kontrastiert von charmanten Orgel-Parts, wie sie Mr. Mittoo nicht schöner hätte abliefern können. In meinen Ohren die perfekte Fusion aus Old-Style und modernem Dub-Verständnis. In einem Interview sagt Tom Chasteen: „I’ve realized that I’m not Jamaican and I never will be.“ Vielleicht war das die entscheidende Erkenntnis, die zu diesem schönen, neuen Album geführt hat.

Rating 5 Stars

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Five Star Review

Detroit Boys: Sexy Jamaicans

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Hier habe ich ein ambivalentes Dub-Album aufgetan: „Sexy Jamaicans“ (Candy Beats) von den Detroit Boys. Welch bescheuerter Titel und auch der Artist-Name ist für einen Dub-Act reichlich abwegig. In scharfem Kontrast dazu: Die Musik. Von den Dub-Alben, die aktuell in meiner Playlist rotieren, klicke ich am häufigsten auf „Sexy Jamaicans“ – und das bestimmt nicht wegen des Covers (welches das Niveau von Name und Titel locker hält). Nein, ich muss gestehen: trotz meiner Voreingenommenheit, gefällt mir der hier präsentierte Dub ganz außerordentlich. Schon bei den ersten Takten kann man hören, dass die Detroit Boys nicht aus der Reggae-Szene kommen. Unüberhörbar liegt hier eine Techno-, Pop- und House-Sozialisierung zu Grunde – und das Label Candy Beats scheint tatsächlich diesem Kontext zu entstammen (die Infos im Web sind spärlich). Jedenfalls bringt der unorthodoxe Umgang der Detroit Boys mit Dub einen verdammt frischen und knackigen Dub-Sound hervor. Sauber, präzise, druckvoll – aber auch warm und organisch, durchsetzt von schönen Bläser-Parts und geerdet in soliden Basslines. Entweder sind die Detroit Boys echte Naturtalente, oder sie haben heimlich geübt. Äußerst angenehm steuern sie uns durch unterschiedliche Stimmungen, vom eher melancholischen „England is too Cold for Me“ zum freudig-beschwingten „Key & Locks“ und intonieren dabei hübsche, kleine Melodien von echter Ohrwurmqualität. Also: gebt den Jungs eine Chance – und don’t judge a dub-album by it’s cover.

Rating 5 Stars

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Beam Up: Innerstand

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Von Beam Up, aka Brian May, hörte ich zuletzt 2010, als er sein Album „Terra Sonica“ veröffentlichte, das mich aber nicht wirklich überzeugen konnte. Nun folgt sein nächstes Werk: „Innerstand“ (BBE Records) und ich muss sagen: „Wow“! Das ist ein richtig gutes Album, angesiedelt zwischen Minimal-Elektronik und Dub, wobei letzterer zum Glück den Beat vorgibt. Insgesamt ein entspannter, reduzierter Sound, der trotz seiner stilistischen Nähe zum Minimal ziemlich handgespielt klingt und damit sogar manchmal ganz, ganz leicht an Jazz denken lässt. Es ist zweifellos Dub, der aber wegen seines dezenten Live-Sounds gar nicht typisch nach Dub klingt. Form und Inhalt passen nicht so richtig übereinander – und genau das macht „Innerstand“ verdammt spannend. Wenn sich dann noch genrefremde Sounds wie House, Funk oder indische Musik ins Geschehen mischen, ist das Ohrenkino perfekt. Acht der dreizehn Tracks sind zudem mit Gesang gewürzt. Mit von der Partie sind hier Terrence Alfonso Bowry, ein in Großbritannien geborener Kanadier, der sich vor allem in der Jazz- und Blues-Szene Shanghais einen Namen gemacht hat, (so behauptet es die Presseinfo), Jornick Joelick, Rastaman aus Französisch Guyana, sowie Katya Tasheva, polyglotte Sängerin, die auch schon mit Brian Mays Freunden Rotfront aufgetreten ist und sich quer durch die Pop-, Drum ’n’ Bass- und Weltmusikszene gesungen hat. Ganz großartig ist außerdem Daisuke Ichihara, der das Stück „Icchieban“ mit einem wunderbar dubigen Trompetensolo begleitet – fantastisch! Ganz klar ein Album, um das Soundsystems einen großen Bogen machen werden, entspannte Heim-Hörer allerdings werden es lieben. Allein schon die kunstvoll ausgetüftelten Arrangements machen es zur perfekten Kopfhörer-Unterhaltung.

Rating 4 Stars

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Five Star Review

Zion Train: Land of the Blind

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Neil Perch ist einer der wenigen, unermüdlichen Sound System-Betreiber und Produzenten, die Ende der 1980er Jahre den UK-Dub aus der Taufe hoben und heute noch aktiv sind. Unter dem Motto „Dubwise – No Compromise“ hat er den Aufstieg des UK-Dub und dessen Niedergang erlebt, hat mit seinem Projekt Zion Train an der Spitze der Bewegung gestanden, einen Major-Deal in der Tasche und die Geschicke des Dub in der Hand gehabt. Ein wahrer Veteran und Dub-Aktivist, der nun mit „Land of the Blind“ (Universal Egg) sein vierzehntes Zion-Train-Album vorlegt. Just another Zion Train-album? Keineswegs! Auch wenn man es nach dreizehn Vorgängern nicht für möglich hält: Ich finde, es ist eines der Besten. Und das liegt nicht daran, dass sich Zion Train neu erfunden hätte. Im Gegenteil! Was ich früher als halsstarrig kritisierte, würdige ich heute als stolzen, ehrwürdigen Stil: Der Sound von Zion Train ist eine Marke. An ihm sind Jahrzehnte flüchtiger musikalischer Moden und Genres spurlos vorüber gegangen. Er steht wie ein Fels in der Basswellen-Brandung. Nein, was das neue Zion-Train-Album so einzigartig macht, sind die 25 Jahre musikalische Erfahrung, die in ihm stecken. Neil Perch hat einfach ein untrügliches Gespür für starke Melodien, unwiderstehliche Grooves und perfekte Arrangements entwickelt, das hier, im „Land of the Blind“, zur vollen Entfaltung gelangt. Mit nahezu traumwandlerischer Sicherheit platziert er einen Hit nach dem anderen – wenn es so etwas wie „Hits“ in der Welt des Dub denn gäbe. Jeder einzelne der hier versammelten dreizehn Tracks, ist ein starkes Statement, einzigartig und unverwechselbar. Sei es durch ein spannungsvolles Arrangement, durch eine wunderschöne, melancholische Bläser-Phrase, durch einen unwiderstehlichen Rhythmus, durch eine geniale Bassmelodie oder durch den melodiösen Song eines der geschickt in der Playlist platzierten Gastvokalisten. Insbesondere Jazzmin Tutums strenge Dub-Poetry bietet einen reizvollen Kontrast zum treibenden Marsch der Beats. Hier hat Neil alles richtig gemacht und ein Album vorgelegt, das es mit neuen, hippen Dub-Produktionen locker aufnehmen kann – und zwar, in dem es fancy Effekten und dröhnenden Bassgewittern etwas ganz einfaches entgegensetzt: Style. Zion Train-Style! Habe ich schon erwähnt, dass mir das Album gut gefällt?

Rating 5 Stars

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Alborosie Meets King Jammy: Dub of Thrones

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Wenn es darum geht, der Reggae-Historie zu huldigen und den Sound der 1970er Jahre wiederauferstehen zu lassen, dann steht Alborosie stets in der ersten Reihe. Schließlich hat er sein Studio mit dem ganzen alten, analogen Equipment vollgestopft – Sammler und Fetischist, der er ist. Um die Prunkstücke seiner Sammlung gelegentlich mal so richtig auszuspielen, bringt er alle paar Jahre ein richtig schönes Retro-Dub-Album heraus. Man erinnere sich an „Dub Clash“, soundtechnisch eine perfekte Kopie der Revolutionaries. Vier Jahre später dann: „Dub the System“ über weite Strecken im Stile der Roots Radics gehalten. Nun landet er einen ganz besonderen Coup: Alborosie Meets King Jammy: „Dub of Thrones“ (Greensleeves). Wer denkt da nicht gleich an den „Big Showdown“ zwischen Prince Jammy und Scientist, der vor nunmehr 36 (!) Jahren statt fand. Alborosie liebt den Sound dieser Zeit und daher liegt es nahe zu vermuten, dass er den alleinigen noch amtierenden Master of Dub, King Jammy, zu einem Schlagabtausch überredete. Souverän und altmeisterlich mischte der King seine sechs Tracks in seinem Waterhouse-Studio. Als Grundlage bediente er sich offensichtlich einiger alter Rhythms aus seinem Oeuvre, wobei er neben handgespielten Oldies auch vor digitalen Produktionen nicht zurück schreckte. Da der Londoner Master-Meister Kevin Metcalfe seine Finger im Spiel hatte, ist es aber gar nicht so leicht zu bestimmen, wie alt die Aufnahmen wirklich sind. Sie klingen so frisch und crisp, als hätten sie gerade erst das Licht der Welt erblickt. Albos Tracks klingen dagegen uralt – aber wir wissen bei dem Burschen ja genau, dass die historische Patina nur Fake ist. Trotzdem: es ist immer wieder verblüffend, wie perfekt er den historischen Reggae-Sound zu reproduzieren im Stande ist. Doch was sich hier so schön analytisch auseinander dröseln lässt, klingt im Zusammenspiel (Jammys und Albos Tracks sind im Wechsel auf dem Album angeordnet) absolut homogen und authentisch. Bei einer „Blindverkostung“ würden gewiss selbst eingefleischte Dub-Heads auf ein Rerelease von Dubs der 70er und 80er Jahren tippen. Dabei wäre blind gar nicht nötig, denn das grandios-abgefahrene Cover stammt von Tony McDermott – also jenem Illustrator, der auch schon die alten Greensleeves-Alben von Jammy und Scientist gestaltet hatte. Bleibt die Frage, ob angesichts der unzähligen Revolutionaries- und Roots Radics-Dub-Alben, die Welt tatsächlich nach einem neuen Werk im alten Stil verlangt. Ich glaube: nein, das braucht kein Mensch. Aber jetzt, wo die Platte schon vorliegt, könnten wir doch eigentlich unseren Spaß damit haben, oder?

Rating 4 Stars

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Marter & Yony: Rhythm Matter

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Marter & Yony (Masateru Yamauchi und Yoshino Kabayashi) sind ein japanisches Dub-Duo, das hier sein erstes Album vorlegt: „Rhythm Matter“ (M.O.D. Technologies). Aufgenommen in Brooklyn und Nagano auf Audiocassette. Ja, richtig gelesen: die beiden Sound-Nerds wollten den „einzigartigen, rauen und doch warmen, analogen Klang“, der diesen Schmalspurbändern angeblich zueigen war. Klingt nach Basic Channel-Philosophie, und so hört sich die Musik manchmal auch ein wenig an. Allerdings ist von Minimal-Techno keine Spur. Die Dubs sind viel klassischer und stehen dem Jazz oft näher, als elektronischer Musik. Wie von den Beiden intendiert, klingt alles sehr analog und handgespielt und viel weniger differenziert und dynamisch, als man es von modernen Dub-Produktionen gewohnt ist. Veröffentlich wurde das Album auf M.O.D. Technologies, dem Label von Bill Laswell, das das Erbe des legendären AXIOM-Labels fortschreibt und heute Heimat eigenwilliger Sound-Experimente ist. Da sind die beiden Japaner mit ihren eigenwilligen Ideen perfekt aufgehoben.

Rating 3 Stars

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Five Star Review

Imhotep: Kheper Dub

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In der Dub-Szene tummeln sich eine ganze Menge obskurer Gestalten. Sound-Nerds, die ihre Nächte vor dem Laptop oder im Studio verbringen, an ihrer Musik schrauben aus reinem Vergnügen am eigenen Tun, ohne die geringste wirtschaftliche Perspektive. Diese Typen sind mir die liebsten. Denn unter ihnen lassen sich immer wieder tolle Entdeckungen machen. Wie jetzt z. B. bei Imhotep. Der ägyptische Pharao heißt eigentlich Pascal Perez, stammt aus Algier und hat heute in Marseille ein Studio, in dem er vor allem elektronische Musik produziert. 2012 erschien sein Album „Kheper“, das stilistisch irgendwo zwischen Elektro, TripHop und Dub changiert. Nun hat er eine Dub-Version daraus destilliert: „Kheper Dub“ (Imhotep), die – anders als das Ausgangsmaterial – zu hundert Prozent im Reggae-Dub angesiedelt ist. Kraftvolle Beats, dunkle Atmosphäre und – was es besonders reizvoll macht – allerlei Einflüsse von arabischer Musik. Wie gut arabische Musik und Dub zusammen gehen können, hat uns ja bereits The Spy From Cairo gezeigt. Imhotep geht jedoch nicht so weit wie er. Der Pharao „würzt“ seine Dubs eher mit arabischen Zutaten, als dass er sie auf kompletten arabischen Melodien und Arrangements aufbaut. Aber genau dieser sensible Einsatz macht den Reiz der Kheper Dubs aus. Es ist genau die richtige Dosis von Exotik und Geheimnis, die seiner Musik diese intensive und magische Atmosphäre verleiht.

Rating 5 Stars

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Lendublikation: Dub it Ont!

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Letztens habe ich mir mal den kompletten Katalog von Lendublikation angehört und war ziemlich begeistert von Qualität und Ideenreichtum seiner Produktionen – und nicht zuletzt auch von deren Quantität. Unter zwei Alben pro Jahr scheint es der Italiener (über den im Web so gut wie keine Informationen aufzutreiben sind) nicht zu machen. Nun liegt schon wieder ein neues Werk von ihm vor: „Dub it Ont!“ (Lendublikation) und es ist noch etwas verrückter als seine vorherigen Alben. Eigentlich lässt sich sein Stil gar nicht klassifizieren. Es ist einfach moderner, verspielter und oft auch experimenteller Dub mit soliden Basslines, netten kleinen Melodien und immer wieder überraschenden Mixen. Auf „Dub it Ont!“ treibt er das Spiel (der Titel mag ein Hinweis darauf sein), noch etwas weiter. Er jongliert hier gekonnt mit Kontrasten und Disharmonien, lässt Dubstep-Einflüsse zu, vergnügt sich an unzähligen musikalischen Zitaten und Samples und hat zudem viel Spaß an unvorhersehbaren Stilbrüchen. Ist das jetzt pubertärer Quatsch oder ein modernes „Dub Revolution“? Angesichts seines durchaus beachtlichen Gesamtoeuvres, tendiere ich zu letzterem. Lendublikation hat einfach die nächste Stufe seiner ganz persönlichen Dub-Evolution gestartet. Ich bin gespannt, wie es (in Kürze) weitergeht.

Rating 4 Stars