Wer ist JonQuan? Ich hatte noch nie von ihm gehört, und dann haut der Mann dieses Album raus: „JonQuan & Associates“ (Easy Star) – eines der schönsten Reggae- und Dub-Alben der gesamten Corona-Pandemie.
JonQuans Liebe zur Musik Jamaikas begann mit dem Sammeln von Schallplatten. Dann wurde er vom Sammler zum DJ und dann sogar zum Musiker und Komponist. Sein neues Album entstand während des Lockdowns, wie er erklärt: „Ich wurde durch die Pandemie dazu inspiriert, meine eigenen Riddims zu kreieren, um die Langeweile zu killen und die Leiden zu heilen, die damit verbunden sind, eingesperrt zu sein statt auf einer Bühne stehen zu können. Als ich endlich ins Studio kam und meine kreative Energie freisetzen konnte, wurde es für mich einfacher, mit dem Mist umzugehen.“ Sobald JonQuan die Riddims für ein Albums fertig hatte, engagierte er Musiker und Sänger aus und jenseits des Reggae, um das Album fertigzustellen. Victor Rice mischte die Tracks schließlich in seinem Studio in São Paulo, Brasilien – womit wir nun langsam zum Thema kommen, denn uns interessieren hier vor allem die Dub-Versions – und diese wurden natürlich von Victor Rice geschaffen. Eigentlich bin ich der Meinung, dass ein guter Dub keineswegs ein Vocal-Original braucht. Belege für diese These gibt es zuhauf. Aber bei diesem Album muss erwähnt werden, dass die Songs, die die erste Hälfte des Albums ausmachen, einfach grandios sind. Ein reines Dub-Album wäre nur halb so viel wert. Die Songs lassen die wunderschöne Atmosphäre klassischen Rocksteadys und Early Reggaes wieder lebendig werden. Hier schwelgt man in schönsten soulful Reggae-Vibes. Diese intensive Atmosphäre tritt bei den Dub-Versions naturgemäß etwas in den Hintergrund. Dafür kommt der reiche, analoge, ja „atmende“ Sound der Produktionen voll zum tragen. Der authentische Klang echter Instrumente ist erfrischend und die Kunst der Musiker beeindruckend. Logisch, dass auch der Mix von Mr. Rice absolut klassisch gehalten ist. Tubby & Co hätten ähnlich geklungen. Dabei verharren JonQuan und Victor Rice keineswegs im epigonenhaften Reproduzieren alter Riddims und Sounds. Sie stehen zwar auf den Schultern der großen Reggae-Artists und -Musiker vergangener Jahrzehnte, aber dort, in großer (qualitativer) Höhe, entwickeln sie vollständig neue und ungehörte Songs und Kompositionen.



















