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Addis Pablo: Melodies from the House of Levi

Wofür steht Addis Pablo – der Sohn von Augusts Pablo? Richtig: Melodica! Womit wir wieder beim Thema wären. Vor einigen Wochen bereits erschien sein Album „Melodies from the House of Levi“ (Jahsolidrock) und es knüpft nahtlos an dessen Vorgänger an. Ach Jahre nach „In My Father’s House“ geht es wieder um ein Haus, wieder wird das Album von einem schönen Cover-Artwork von Abbayahudah geschmückt, wieder wurde es im Tuff Gong Studio aufgenommen und wieder spielt Addis Pablo Melodica – und wieder ist es ein invertiertes Showcase-Album. „Invertiert“? In der Tat! Das Label Jahsolidrock aus Amsterdam hatte hier eine clevere Idee: In dem Wissen, dass niemand ein Album mit ununterbrochenem Melodicaspiel überleben würde, beschloss Produzent Marc Baronner, auf jeden Malodica-Track die originale Vocal-Version folgen zu lassen – also in „invertierter“ Reihenfolge. Das erlaubt es, Addis Pablo zum Titelhelden zu erheben und trotzdem die besten Tracks des Back-Katalogs wieder zu verwerten. Gutes Marketing, aber auch in ästhetischer Hinsicht eine gute Entscheidung, denn das Album profitiert enorm von dieser Durchmischung. Pablo verblasst neben den Originalen zwar ein wenig, aber das Gesamtwerk ist extrem unterhaltsam.

Bewertung: 4 von 5.
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SAAND: In Dub Vol. 3

Michael Sandler ist ein in Los Angeles lebender House-Produzent, der gelegentlich Dub-Alben veröffentlicht. Soeben ist „In Dub Vol. 3“ (Tierra Sounds) erschienen. Ich finde die Produktionen genrefremder Musiker meist recht spannend, da diese oft aus dem bekannten Kanon (dank Nichtkenntnis) ausbrechen und folglich oft unkonventionelle Musik hervor bringen. Bei SAAND könnte dies auch der Fall sein, obwohl seine Dubs nicht wirklich originell sind. Aber fluffig sind sie und machen gute Laune. Fünf Tracks auf einer EP zum schnellen Verzehr zwischendurch, ein Snack für den kleinen Dub-Hunger.

Bewertung: 3.5 von 5.
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Arky Starch: Bass It Up

Das erste, was mir an „Bass It Up“ (Roar Like a Bass), dem neuen Album von Arky Starch aufgefallen ist, war sein tighter Sound. Der Bassist aus Belgien scheint herausragende Mastering-Skills zu besitzen! Respekt. Doch dann sah ich, dass genau diesen Part niemand anderes verantwortet als Mr. Dubmatix. Doch der Super Dubber aus Toronto vergolden hier nur, was ohnehin schon ordentliche Substanz hat. Arky Starch hat ihm elf solide Dubs geliefert. Schön melodiöse Kompositionen, abwechslungsreich mit Samples angereichert, arrangiert und gemixt, alles sehr uplifting und gut gelaunt. Gut so.

Bewertung: 4 von 5.
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El Michels Affair meets Liam Bailey: Ekundayo Inversions (Instrumentals)

Es gibt Alben mit langer Vorgeschichte. „El Michels Affair meets Liam Bailey – Ekundayo Inversions (Instrumentals)“ (Big Crown Records) ist ein solches. Der Soul-Musiker Liam Bailey veröffentlichte Ende 2020 sein Debütalbum Ekundayo auf Big Crown Records. Im Sommer 2021 schnappte sich ein anderer Artist des Labels, El Michels Affair, die Bänder und produzierte mit „Ekundayo Inversions“ eine spannende Dub-Version des Albums. Nun folgt Kapitel 3: Die Ekundayo Inversions (Instrumentals). Es handelt sich also um die dritte Ausgabe der „Ekundayo“-Tracks, denn Grundlage sind sowohl Instrumentalversionen vom Ekundayo-Album, als auch vom Ekundayo Inversions-Album, jetzt allerdings als Instrumentalversionen. Vergleicht man alle drei Inkarnationen, so fällt auf, dass sich diese gar nicht so wesentlich voneinander unterscheiden. Das Original bleibt stets tonangebend – was aber alles andere als negativ ist, denn die Ekundayo-Produktionen sind einfach großartig. Kleine, innovative Meisterwerke im Niemandsland zwischen Retro-Geschrammel und Experiment, zwischen Reggae und Soul, zwischen Aha und Oh! Ich kann sie jedenfalls andauernd wieder mit viel Genuss hören. Solche Sounds blasen mir die Ohren frei, wenn sich dort zu viel Bass-Gewaber angesammelt hat. Und während im Reggae die Instrumentals meist die langweiligste Version sind, könnte sie in diesem Fall sogar die aufregendste sein.

Bewertung: 4.5 von 5.
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Addis Records Meets Umberto Echo: Riddimwise

Addis Records haben nichts mit Addis Pablo zu tun. Und deshalb auch nicht mit Dub. Vielmehr ist Addis Records ein alt gedientes Reggae-Label aus Genf, das inzwischen auf eine dreißigjährige Geschichte blickt. Beeindruckend – obwohl die Release-Liste angesichts dessen erstaunlich kurz ist. Aber egal, denn uns interessiert aktuell nur eine neue Veröffentlichung: Addis Records Meets Umberto Echo: „Riddimwise“ (Addis) – und das ist ein Dub-Album (oder wenigstens ein Instrumentalalbum). Die Rhythms sind vollständig digital – was sie auch nicht zu kaschieren versuchen. Allesamt klassische Reggae-Beats, zu denen auch Vocal-Versions existieren, die anderswo auf dem Label zu finden sind. Umberto Echo hat hier nicht als Remixer die Finger im Spiel, sondern ist Co-Produzent. Das erklärt vielleicht auch den crispen und satten Sound. Sehr harmonisch und hoch dynamisch. Gefällt mir gut. Ich könnte dem Album lediglich vorwerfen, dass es keinen erkennbaren Spannungsbogen und keine Ecken und Kanten hat. Also, dass genau das fehlt, worauf es bei guten Dub-Mixes eigentlich ankommt. Das liegt aber gewiss daran, dass „Riddimwise“ sich ehr als Versions-Compilation, statt als Dub-Album versteht.

Bewertung: 3.5 von 5.
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Mysticwood: The Mystic Way of Dub

Ein Album mit einem guten Cover hat bei mir auf jeden Fall schon mal einen dicken Pluspunkt. Denn ein gutes Cover ist Kennzeichen der Wertschätzung der Musik. Wer sich als Musiker nicht um gutes Coverdesign bemüht, scheint der Meinung zu sein, dass die eigene Musik dessen nicht wert ist. Natürlich kennen wir alle Gegenbeispiele aus der jamaikanischen Musikgeschichte. Aber wenn wir an die wirklich großen Werke denken, die die Trends und Moden überstanden haben, dann sind es meist Alben mit gutem Artwork. Ob „The Mystic Way of Dub“ von Mysticwood ein großes Werk wird, sei dahin gestellt, aber das Cover jedenfalls erfüllt die Voraussetzung. Und ich muss sagen: Die Musik gefällt mir auch. Sehr sogar. Hier klingt alles so, als sei der gute, alte 70er-Dub-Sound niemals vom Weg abgekommen und konsequent in die Jetztzeit weiterentwickelt worden. Das klassische Dub-Prinzip, reloaded. Soll heißen: volle Arrangements, schöne Basslines, klassische Dub-Techniken und Produktion auf analogem Equipment – jetzt aber mit voller Dynamik, super sauberem Bass-Sound und mit einem Schuss Steppers. Es handelt sich um eine schweizer Qualitätsproduktion von Charlie Mystic, 22 Jahre alt, Multiinstrumentalist und Dub-Fanatic aus Genf, dessen Studio in unmittelbarer Nachbarschaft von O.B.F. liegt. „The Mystic Way of Dub“ ist sein Debüt – bei dem es sich im Übrigen um ein Album mit acht Tracks, aber nur vier Rhythms handelt, denn jedes Stück gibt es gleich zwei mal zu hören: ein mal als dubbiges Instrumental und ein mal als ausgewachsener Dub. Das Presseinfo kommentiert treffend: „Strictly instrumental and dubwise, no compromise, no vocals, because there’s no need!“

Bewertung: 4 von 5.
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Muflon Dub Sound System: Moc

Blick nach Polen. Auch dort wird guter Dub produziert – wenn auch meist unter dem Radar. Da gibt es zum Beispiel Muflon Man, ein Tüftler und Produzent, der schon seit beinahe 20 Jahren Reggae und Dub komponiert. 2005 war er auf der damals tonangebenden Sampler-Serie „Roots of Dub Funk“ zu hören. Inzwischen ist er als Muflon Dub Sound System bei Dubophonic gelandet und hat dort mit „Moc“ (Dubophonic) ein schönes Showcase-Album veröffentlicht, das aus fünf Riddims besteht, die es jeweils in zwei Versionen zu hören gibt. Dennoch ist „Showcase“ hier eine etwas übertriebene Bezeichnung, denn auch die Vocal-Versionen sind ziemlich nah an Dub gebaut. Der – meist weibliche – Gesang erklingt eher sporadisch und schafft es kaum, sich gegen das Backing durchzusetzen. Nichtsdestotrotz erklingt hier manch schöne Melodie in Form christlich inspirierter polnisch gesungener Lyrics. Alles sehr entspannt, harmonisch, warm und uplifting mit pulsierenden Basslines, klassischen Dub-Effekten und einer maximal sauberen Produktion.

Bewertung: 3.5 von 5.
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King Size Dub 25

Sie lebt noch, die vielleicht älteste Dub-Compilation-Serie der Welt: „King Size Dub“ von Echo Beach. 1994 erschien „King Size Dub 1“ – damals auf der Höhe des Dub-Hypes in Zusammenarbeit mit dem Musikmagazin Spex veröffentlicht. Doch während Spex und Hype inzwischen das Zeitliche segnete, ist Echo Beach dem Thema Dub treu geblieben und zum wichtigsten Label dieses Genres (zumindest) im deutschsprachigen Raum aufgestiegen. Nun veröffentlicht Echo Beach „King Size Dub 25“. Jubiläum! Herzlichen Glückwunsch. Die 25. Ausgabe feiert das Label selbst selbst und richtet den Blick nach innen, auf die eigenen Artists, die sich hier zum Teil gegenseitig remixen. Deshalb findet sich auf Vol. 25 das Who is Who der Echo-Beach-Weggefährten, wie Dub Spencer & Trance Hill, Dubvisionist, Dubblestandart, Dubmatix, Seeed und viele andere. Schön auch zu hören, wie vielfältig das auf Echo Beach beheimatete Spektrum von Dub-Artists und deren Musik ist und wie doch alles harmonisch bestens zusammen passt. Wirklich eine epochale Serie, die hier einen runden Geburtstag feiert. Hoffen wir darauf, dass wir irgendwann King Size Dub 50 hören werden.

Bewertung: 4 von 5.
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Ras I Mothep: Reconciliation

Dank der „City Squad“-Sampler wissen wir, dass in nahezu jedem französischen Kaff mindestens ein fulminantes Sound System residiert. Deshalb wunderte ich mich gar nicht, als ich auf das beeindruckende Album „Reconciliation“ (Subsquad) von Ras I Mothep stieß – das Werk eines Sound Systems aus Aix-en-Provence, einem geschichtsträchtigen Städtchen kleiner als Herne. Immerhin sind rund ein Drittel der Einwohner von Aix Studierende, (was vielleicht hilft zur erklären, warum Herne kein Sound System hat). Egal. „Reconciliation“ ist hier jedenfalls eine Empfehlung wert. Schon der Track nach dem Intro hat es in sich. Er beginnt verhalten, geradezu schüchtern. Eine Nanosekunde bevor man glaubt, hier passiere nichts mehr, setzt dann eine dermaßen fette Bassline ein, dass eine Nanosekunde später bereits unzweideutig klar ist, dass es sich hier um ein großes Album handelt. Ich weiß auch nicht, warum mich manche Steppers-Produktionen so flashen. Obwohl ich doch so ein feingeistiger Kunst-Connoisseur bin. Vielleicht bin ich ja schizophren, aber „Reconciliation“ holt mich wirklich ab. Ich liebe die Dynamik, den brutalen Kick, die simplen – meist orientalisch anmutenden – Melodien, den super deepen Bass und ich fahre voll ab auf die virtuosen Percussions. Was soll ich machen? Wenn ich der Musik (wie jetzt) aufmerksam zuhöre, dann merke ich, dass da nicht viel Kunstvolles dran ist, dass sich meine Freude an dem Album nicht im geringsten intellektuell rechtfertigen lässt. Aber ich stehe dazu! „Reconciliation“ kicks ass!

Bewertung: 4 von 5.
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New Blade Runners of Dub

Hier haben wir es mit einer viel versprechenden Zusammenarbeit zwischen Paul Zasky und Jed Smith zu tun. Die Namen sagen euch nix? Paul Zasky ist Mastermind von Dubblestandart. Er lebt in Wien und Los Angeles. In letzterer Stadt hat er offenbar Jed Smith kennen gelernt, der seit 1999 als Filmmusiker und -komponist tätig ist. Von ihm stammt die Musik u. a. der Filme Alita: Battle Angel, Terminator: Redemtion, Deadpool und Knives Out. Die beiden haben nun das Album „New Blade Runners of Dub“ (Echo Beach) veröffentlicht – obwohl gerade Blade Runner nicht auf Smith’ Liste steht. Okay, ihr habt es schon vermutet, oder? Die Blade Runners liefern uns keinen Dub! Statt dessen hören wir unklassifizierbare Kompositionen, die mal nach Ambient, mal nach Industrial, immer jedoch nach Filmscores klingen. Ein interessantes Hörerlebnis, komplex und vielschichtig – eine akustische Reise durch Raum und Zeit. Etwas düster und gelegentlich auch etwas verkopft. Wer mit der Erwartungshaltung „Dub“ auf das Album trifft, wird unweigerlich enttäuscht sein, obwohl die Musik keineswegs schlecht ist. Ich bin aber gespannt, wie es Echo Beach gelingen wird, das Werk außerhalb der Dub-Community zu vermarkten.

Bewertung: 3.5 von 5.