Bereits im Herbst 2022 wurde mit „Augustus Pablo and Rockers All Stars: Lightning and Thunder“ eine fantastische Sammlung größtenteils bisher unveröffentlichten Materials aus den Archiven der Pablos veröffentlicht. Zweieinhalb Jahre später fördert Augustus Pablos Sohn Addis für das französische Label Only Roots erneut einige Schätze aus den Archiven von Rockers International ans Tageslicht. Der Titel der Vinyl-LP „Augustus Pablo: King Tubbys Meets Rockers At 5 Cardiff Crescent, Washington Garden, Kingston“ verweist unmissverständlich auf die Adresse des legendären Black Ark Studios. Das neue Album ist wieder eine Fundgrube größtenteils unveröffentlichter Stücke. Die dreizehn zeitlosen Riddims der Rockers All Stars sollen demnach alle im Black Ark Studio von Lee „Scratch” Perry aufgenommen und bei King Tubbys abgemischt worden sein. In Goethes Klassiker höre ich Dr. Faust sagen: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.” Mir geht es genauso, denn ich höre den typischen Black-Ark-Sound kaum. Bei „Tide Rope Dub” hingegen ist Scratchs Handwerk definitiv wahrnehmbar. Trotzdem liefert das Album Dub-Versionen von Perlen wie „Keep a Good Dub” (Immortals: „Why Keep a Good Man Down”), „North Street Dub” (Hugh Mundell: „Run Revolution a Come”), „Home of Dub” (Immortals: „A House Is Not a Home”) und „Stop Them Jah” feat. Jacob Miller (Riddim: „Who Say Jah No Dread”). Von besonderem Interesse sind außerdem zwei alternative Versionen von Pablos „Unfinished Melody”. Einige Tracks der LP erschienen, wenn überhaupt, erstmals vor Jahrzehnten auf extrem raren, verkratzten 10-Inch-Veröffentlichungen.
Bei dieser Zusammenstellung handelt es sich also nicht um eine bloße Wiederveröffentlichung, sondern um äußerst seltene Aufnahmen, die nun einem größeren Publikum zugänglich gemacht wurden. Bezeichnend finde ich, dass auf dem Cover ein sehr junger Augustus Pablo mit seinem Markenzeichen, der Melodica, zu sehen ist. Allerdings ist die Melodica auf keinem der Tracks dieser Veröffentlichung zu hören.
Nachtrag am 25.07.2025:
Mein letzter Satz ist schlichtweg falsch! Nach erneutem, intensivem Anhören muss ich meine Aussage revidieren, denn die Melodica ist im „Home of Dub” eindeutig wahrzunehmen – wenn auch nur kurz.
