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Dub

De Soto: Silverado Days

Viele werden sich am Kopf kratzen und feststellen: “De Soto sagt mir bislang nix”. Die Senior Allstars dagegen sollten allen Leser*innen des Dubblog relativ bekannt sein. Markus Dassmann (Bass, Gitarre, Keyboard/Orgel, Melodica, Perkussion), der Spiritus Rector der Senior Allstars und Martin Musch (Schlagzeug) haben sich bereits vor einiger Zeit unter dem Label Ancient Mountain Records zusammengetan und einige interessante Sachen veröffentlicht. Mit “Silverado Days” (De Soto/Echo Beach Lifefidelity) veröffentlicht nun Markus Dassmann unter Mithilfe von Martin Musch sein erstes Soloalbum. Darauf bekommen wir die Musik geboten, die Markus mit den Senior Allstars seit vielen Jahren zum Besten gibt: Instrumentals mit klassischen jamaikanischen Klängen, Rocksteady und gelegentlichen – hier leider recht sparsam gesetzten – Dub-Elementen. Was einige stören dürfte, ist der relativ häufige Einsatz der Melodica, die doch stellenweise etwas zu gleichförmig klingt. Vielleicht könnte Herr Dassmann mal darüber nachdenken, ob statt dessen der Einsatz eines Akkordeons oder Bandoneons mal eine reizvolle Alternative wäre. Die elf Songs, die allesamt Originalkompositionen des musikalischen Meisters und Komponisten Dassmann sind, entwickeln sich auf der Basis von schönen eingängigen Riddims. Irgendwie klingt das Ganze wie ein Album, das auch bereits in den 1970ern hätte erscheinen können – allerdings mit deutlich satterem Klang. Die Tracks sind analog eingespielt, haben einen angenehmen, warmen Sound und kommen ganz selbstverständlich daher. “Silverado Days” ist wieder so ein Album mit richtig entschleunigten Tunes, die sich angenehm unaufdringlich in die Gehörgänge schleichen. Qualität setzt sich immer durch.

Bewertung: 4 von 5.
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Dub

Tara Putra: Obvious Dubious

Hey, da ist mir in den unendlichen Weiten des WWW wieder ein Projekt über den Weg gelaufen oder noch besser zu Ohren gekommen, das genau meine Kragenweite ist und seit Tagen in Endlosschleife läuft. Wenn ein Werk schon den treffenden Titel „Obvious Dubious“ (Self Released) trägt, werde ich im wahrsten Sinne hellhörig. „Obvious Dubious“ von Tara Putra ist die dubwise Fortsetzung der schon vor einigen Jahren veröffentlichten Alben „In Dubland“ (2012) und „Driven by Dub“ (2015). Marcus Straczkowski aus Nürnberg, das Mastermind hinter dem Pseudonym Tara Putra (Hindi: Tara = Stern; Putra = Sohn), ist seit Anfang der 90er Jahre in Sachen Trip Hop, Drum & Bass, Ambient sowie psychedelic Trance unterwegs. Nachdem er sich fast ein Jahr mächtig ins Zeug gelegt hat, präsentierte er Ende 2019 „stolz und glücklich“ sein neues Dub-Album. Der erste Track „Cowboys Smoking Giants“ beginnt mit einem Donnerhall und der Durchsage: „Die Türen schließen, es geht los“ und schon startet der Dub-Train in wahrlich berauschende Regionen. Auch hier sind wieder jede Menge musikalische Anleihen zu hören. Von Mariachi Trompeten, Sitar Klängen, spanischer Folklore, butterweichen Gitarrensoli, mäandernden Synthie-Soundscapes bis psychedelischer Musik ist alles traumwandlerisch mit dem Dub-Gefüge verwoben. Mit seinem warmen, repetitiven Dub-Stil ist „Obvious Dubious“ zum jetzigen Zeitpunkt (Corona-Krise) genau das Richtige, um sich fallen zu lassen. Die organischen Soundstrukturen, benthischen Basslines und die „slowed down Riddims“ mit schönen, teilweise auch ungewöhnlichen Dub-Effekten, an denen wirklich nicht gespart wurde, laden zu dieser bewusstseinserweiternden Reise ein. Der letzte Track “Shutdown Sequence” erinnert mich sehr stark an die guten Zeiten von Massiv Attack. Mit einer gutturalen Gesangssequenz bringt uns der Dub-Train in das hier und jetzt zurück und rollt gemächlich aus. Music for headphones!

Liebe Dubblog-Gemeinde, bleibt zu Hause, vor allem auch gesund, lauscht lieber geiler Dub-Mukke und bitte haltet in unser aller Sinne die Kurve flach!

Bewertung: 4 von 5.

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Dub

Sumac Dub: Norska

Der Multiinstrumentalist und klassisch ausgebildete Geiger Tom Dorne aka Sumac Dub hat gestern ein neues (kostenloses) Album “Norska” (ODGProd.com) veröffentlicht. Das sehr ansprechende Cover erinnert mich unwillkürlich an die Ents aus dem “Herr der Ringe”. Vergangenen Dezember hat Sumac Dub noch die EP “Jam Session Vol. 1” veröffentlicht, um das Warten auf das neue, fünfte Album zu verkürzen. Zwei Jahre hat sich der passionierte Weltreisende für “Norska” Zeit gelassen. Mit seiner Musik findet Sumac Dub immer wieder einen Weg, interessante akustische Welten zu erschaffen, die er frei und ohne Grenzen erkundet. Aus seinen vielen Reisen durch Asien und den Nahen Osten schöpft er hörbar die meisten Inspirationen. Bisher sind all seine Alben gespickt mit vielen ethnisch-musikalischen Einflüssen. Daneben ist Sumac Dub aber auch stark von der aktuellen Electro-Dub-Szene Frankreichs beeinflusst. Bei “Le Chant de Sirli” (Der Gesang der Lerche) unterstützt ihn Art-X mit weichen, pabloesken Melodica-Passagen. Aber auch auf “Norska” bekommen wir gelegentlich einen, wenn auch, moderateren “Steppers” geboten. Was bei all seinen Werken extrem positiv zu Buche schlägt, ist der Einsatz vieler exotischer Instrumente, die so im Dub recht selten bis überhaupt nicht zum Einsatz kommen. Sumac Dub hat auch hier wieder ein mystisches Gesamtwerk kreiert, in dem Harmonie und Kraft brillant im Einklang sind. Tom Dorne aka Sumac Dub bewegt sich mit seinem einzigartigen Dub-Verständnis in (s)einer eigenen Liga. Das Warten hat sich mehr als gelohnt.

Bewertung: 4 von 5.
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Dub

The Ullulators: Dub Royale – Chapter One

The Ullulators sind eine Band aus Bath (GB), die bereits seit Ende der 1980er existiert. Eigentlich sind sie eine Indie-Rockband mit einem Hang zum Reggae, die es im Laufe der Jahre zu Kultstatus gebracht hat. Die Liaison von Punk aber auch Indie-Rock mit Reggae/Dub reicht schon bis in die Zeit der frühen 80er zurück, als Bands wie z. B. The Clash in Zusammenarbeit mit Mikey Dread ihr epochales Triple-Album “Sandinista” veröffentlichten. Vor knapp einem Jahr haben The UllulatorsDub Royale Chapter One” (The Ullulators self-released) veröffentlicht, an dem sie über zwei Jahre “geschraubt” und jede Menge Arbeit reingesteckt haben. Der Kopf der Band, Gavin Griffiths, hatte die Intention für dieses Projekt ein Album zu kreieren, das die Stimmung und den Sound des 70er-80er Roots-Dub-Reggae verkörpert. Die vorliegenden 16 Tracks bieten ein breites musikalisches Spektrum, das von Roots-Dub bis Worldmusik sämtliche Ingredienzen aufweist. Alle Aufnahmen wurden von Gavin Griffiths gemischt und gemastert. Griffiths hat so weit es ging auf analoge Studiotechnik und klassisches Equipment zurückgegriffen. Ich finde, die Arbeit und der Aufwand haben sich gelohnt, denn es ist ein schönes Potpourri verschiedenster Musikstile – immer unter dem Aspekt Dub – zusammengekommen. Bei dem Endprodukt kann man auf jeden Fall leicht heraushören, dass das musikalische Ausgangsmaterial der Ullulators doch bedeutend rockiger war, als das sonst der Fall ist. Insgesamt gesehen bekommen wir hier die Entwicklung einer kultigen Indie-Band im Dub-Riddim offenbart und wenn wir Mr. Griffiths glauben dürfen, ist das lediglich “der erste Streich und der zweite folgt sogleich”.

Bewertung: 4 von 5.

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Dub

Rezin Tooth: Rezin Tooth

Zu meiner Freude gibt es momentan faszinierende Dub-Projekte en masse. Vor einigen Wochen bin ich auf ein Seitenprojekt der Polyrhythmics, einer achtköpfigen Funk- und Worldbeat-Gruppe aus Seattle aufmerksam geworden. Das Mastermind und Keyboarder der Gruppe Nathan Spicer hat zusammen mit dem Bassisten Jason Gray ein Dub-Album abgemischt und mit dem Titel Rezin Tooth: “Rezin Tooth” (Wax Thematique) unter die Dubheads gebracht. Ursprünglich waren laut Herrn Spicer die Dubs aus Spaß an der Freude entstanden und eine Veröffentlichung des Albums war nie vorgesehen. Erfreulicherweise hat man sich doch eines Besseren besonnen und das Dub-Experiment nun doch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wer die zwei Herren hinter dem Mischpult inspirierte, ist nicht zu überhören. Die üblichen Verdächtigen: King Tubby, Lee Perry, Scientist und die großen Sound-Engineers des frühen jamaikanischen Dub, sind zweifelsfrei die Vorbilder und lieferten die dubbigen Blaupausen. Der Bass wummert, die Drums sorgen für einen gesunden Heartbeat und klingen stellenweise knochentrocken, die Orgel liefert einen warmen, relaxten Sound und das “Gebläse” blitzt gelegentlich widerhallend durch die “Dub-Wolken”. Nathan Spicer und Jason Gray scheinen an ihrem Projekt richtigen Spaß gehabt zu haben, denn bei jedem Titel loten sie das Potenzial des Dubbings von neuem aus. Dass die musikalischen Vorlagen der Dubs ursprünglich Tracks mit Funk- und Afrobeatrhythmen gewesen sein sollen, ist bei diesem Endprodukt kaum vorstellbar. Vive la différence!

Randnotiz: Sieben der insgesamt acht Tracks haben eine exakte Länge von 4:20 Minuten. Ob das einen tieferen Sinn hat, hat sich mir bisher leider nicht erschlossen.

Bewertung: 4 von 5.

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Dub Five Star

Christos DC: Tessera Dub

Es gibt sie tatsächlich noch, die Dub-Alben, denen ein originäres Vokal-Pendant vorausgeht. Die Rede ist von “Tessera Dub” (Honest Music), das Dub-Album eines Christos DC, einem amerikanischen Multiinstrumentalisten mit griechischen Wurzeln. Sowohl für die Gesangsparts des Vocal-Albums “Tessera” als auch für die Dub-Mixes hat Christos DC jede Menge illustre Gäste geladen und das Tolle daran ist, alle haben einen fantastischen Beitrag abgeliefert. Von den insgesamt 12 Tracks des 2017er Albums, wurden fünf Laurent “Tippy I” Alfred fürs Mixing überlassen. Er macht – wie immer (z. B. Dub Chronicles, Akae Beka) – seine Sache perfekt und liefert abgespeckte Tracks mit sattem Bass und Drums. Der relaxte “What Is Happening Dub” überzeugt mit den ätherischen Vokal-Fragmenten eines Akae Beka (Vaughn Benjamin) und den über den satten Riddims schwebenden Effekten. Insgesamt gefallen mir alle Dubs, die unter der Obhut von Tippy I entstanden sind. Aber auch alle anderen Sound-Engineers, wie z. B. Mad Professor (GB), Jah Servant (CDN), Dub Architect (USA), Paolo Baldini (I), Mr. B (CH) begeistern mit gutem Handwerk und liefern allesamt packende, sehr relaxte Dubs – für einige möglicherweise zu relaxt. Paolo Baldini (Ex-Africa Unite) wurde “Boots & Tie” zur Bearbeitung übertragen. Der Riddim aus dem Jahr 1980 stammt unüberhörbar von Sly & Robbie. Paolo Baldini mischt daraus den “Boots & Tie Dub”, als wäre er schon immer Teil der Taxi-Gang. Der crispe Mix erinnert tatsächlich an die frühen Arbeiten eines Scientist. Bei “Desperate Dub”, einem Nina Simone Original, zeigt der in Kanada ansässige Jah Servant (Mark Giles) sein Können.

Christos DCs “Tessera Dub” begeistert mich auf allen Ebenen. Ein brillantes Werk, das unterschiedlichste Dubs aus den verschiedensten Regionen der Erde repräsentiert und dennoch als in sich geschlossenes Gesamtwerk erstrahlt. Meine Hochachtung geht an alle, die an diesem Projekt beteiligt waren und ein solch abwechslungsreiches Album auf die Beine gestellt haben.

Bewertung: 5 von 5.

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Dub

Stefanosis meets Samson Benji: Brass Echo Chamber

Die zyprischen Dubophonic Records haben gerade ein Instrumental-Album wiederveröffentlicht, das bereits in den frühen 2000ern von den mittlerweile nicht mehr existierenden Springline Records heraus gebracht werden sollte: Stefanosis meets Samson Benji: “Brass Echo Chamber“. Die Online-Veröffentlichung war bereits damals gescheitert und so ist das Album in Vergessenheit geraten. Viele Jahre haben die verschollenen Originalaufnahmen auf einer CD ein Schattendasein gefristet, bis sie nun wiederentdeckt wurden. Der Amerikaner Stefanosis aka Steve Steppa hatte einst im Alleingang sämtliche Instrumente für diese Low-Fi-Produktion eingespielt. Anschließend bekam Samson Benji – ein Musiker aus Freiburg i. Br. – die Aufnahmen, um die Saxofonpassagen darüberzulegen. Das Gesamtpaket ging dann an Gibsy Rhodes aus Korsika, der Mann hinter Springline Records. Nach Zugabe einiger Effekte und schöner Samples, masterte er das Ganze zum endgültigen Album. Nun hat sich Stefanosis der wieder gefundenen Musikdateien angenommen, sie gründlich überarbeitet und einige Audiopegel mithilfe moderner Technologie angehoben. Fast zwanzig Jahre nach der eigentlichen Veröffentlichung erstrahlt die “Brass Echo Chamber” aufpoliert und gereinigt in neuem Licht.

Trotzdem kann mich das nur 25 minütige Album nicht so recht überzeugen. Es hat einen Schwachpunkt, den fast alle “Saxofon-Reggae-Alben” haben: Es klingt ein wenig zu brav, zu bieder. Die Kürze des Albums hat hier sogar etwas Positives, sie macht das Opus in einem Rutsch hörbar, ohne dass Langeweile aufkommt. Gleich beim ersten Titel “Brass Down Babiwrong”, ein Remake des Traditionals “Rastaman Chant”, bekommen wir in typischer Bunny Lee/King Tubby Manier die Flying Cymbals auf die Ohren. Der klassische Tubby Sound zieht sich wie ein roter Faden durch (fast) alle Aufnahmen. Ein Dub-Feuerwerk oder wenigstens ein paar spannende, dubbige Sound-Effekte bekommen wir hier aber nicht so recht geboten. Die sieben Tracks klingen eher wie “ausgegrabene”, leicht angestaubte Bunny Lee/King Tubby meets Tommy McCook Aufnahmen. Für mich ist “Brass Echo Chamber” immerhin ein grundsolides, unspektakuläres Album mit einigen sehr interessanten Passagen, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Bewertung: 3 von 5.
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Dub

Elite Beat: Selected Rhythms

Gleich vorweg, mit Reggae-Beats hat dieses Album nichts am Hut, mit Dub jedoch sehr wohl. Meine Empfehlung heute sind Elite Beat mit ihrem aktuellen Album aus 2019 “Selected Rhythms” (Research Records). Elite Beat ist ein Musikerkollektiv aus Portland, USA, das sich auf eine berauschende Mischung aus Ethio(pian) Jazz, afrikanische Rhythmen, Mali-Blues, Tuareg-Gitarrenmusik und Black Ark Psychedelia spezialisiert hat. Mit ihren kraftvollen melodischen Basslines und percussiongetriebenen Polyrhythmen kreieren sie ekstatische Kompositionen mit magischen Hornpassagen und spannender Juju-Gitarre, die die Sinne beleben. Der Fokus liegt dabei sehr stark auf live eingespielten Tracks, Dub-Effekten und dem Einsatz des Tonstudios als zusätzliches Instrument, was de facto den Dub-Gedanken ausmacht. Die Herangehensweise der Musiker ist so entspannt wie diese Musik, die wieder so richtig in keine Schublade passt. Die Musiker-Clique trifft sich einmal die Woche, um abzuhängen, sich auszutauschen, Musik zu machen und ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Die Bandmaschine läuft, es wird locker gejamt und ordentlich Dub-Elemente (in Echtzeit) beigemischt. Dabei können eigentlich nur solche geile, entspannte Tracks entstehen. Auf “Selected Rhythms” sind nun acht der besten Werke von Elite Beat versammelt. Eine wohltuende Abwechslung.

Bewertung: 4 von 5.
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Dub Five Star

Youtie & Macca Dread: Nomad Skank

Wenn wir im Reggae von Trompete sprechen, fallen uns spontan zwei, drei Namen ein: Johnny “Dizzy” Moore, Bobby Ellis und David Madden. Seit dem ersten Album “Silver Wind” von Juliette Bourdeix aka Youtie aus 2018, können wir die Liste um eine Interpretin erweitern. Youtie begann mit 6 Jahren das Trompetenspiel und startete mit 17 Jahren das Studium der klassischen Trompete am Pariser Konservatorium, wo sie heute selbst als Professorin arbeitet und das Trompetenspiel lehrt. Bei Ibrahim Maalouf, einem französisch-libanesischen Jazz Trompeter und Komponisten absolvierte sie außerdem eine Jazz- und Improvisationsausbildung. Im Sommer 2019 erschien nun Youtie & Macca Dread “Nomad Skank” (Youtie Records), ein Instrumental-Dub-Album mit vielen Inspirationsquellen: Reggae, Rocksteady, Ska, Jazz, Balkan, orientalische, jüdische (Klezmer), spanisch-andalusische und klassische Musik. Sowohl Youtie mit ihrer Trompete und zahlreichen, melodischen Arrangements, als auch Dubmaster Macca Dread mit seinem Mix, wissen hier zu beeindrucken. Auf den 16 Tracks des Albums sind die orientalischen Einflüsse auf Tracks, wie “Oriental Skank” oder “Monkey Temple” mit wunderschönem Flötenspiel, sehr schön zu hören. Aber auch der klassische Roots-Reggae wie bei “Double Rainbow”, “The Wild Horn” und “Irie Land” kommt keineswegs zu kurz. Andalusisch-spanisch klingt es bei “Al-Andalus”, Swing-jazzig bei “Swing City”, kubanisch bei “Jaruco” und asiatisch bei “Pagoda”. Kurz, eine bunte Mischung verschiedenster musikalischer Stilrichtungen, die jedoch allesamt vom Reggae und Dub inspiriert und geerdet sind. Eine exzellente musikalische Weltreise im Reggaebeat wie aus einem Guss.
Das Album ist extrem gut arrangiert und keine einzige Sekunde langweilig. Mir bereiten vor allem die orientalischen Themen richtig Spaß und machen gute Laune. Youtie mit ihrem berühmten orientalischen Trompeter und Lehrmeister Ibrahim Maalouf zu vergleichen, fällt mir hier nicht allzu schwer. Dennoch trägt “Nomad Skank” die ganz persönliche Handschrift von Youtie & Macca Dread.

Auf dem Album sind übrigens auch die beiden Schwestern von Youtie, Jalaya (Alice Bourdeix) an der Flöte und Clara (Bourdeix) an der Geige vereint. Die Riddims hat Macca Dread in seinem Studio im Alleingang angefertigt. “Nomad Skank” ist ein fast übersehenes Glanzlicht am Reggaehimmel und spiegelt einen kulturellen Mix, der den wahren Reichtum der Menschheit ausmacht.

PS: Yout(h)ie wird mal mit, mal ohne “h” geschrieben. Sie selbst sagt, das “h” auf dem Cover sei falsch!

Bewertung: 5 von 5.
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Dub

Dubsalon: Selected Dub Cuts

Der Untergrund schläft nie. Viele Dubmaster erfinden zu meiner Freude das Genre immer wieder neu. So auch Emiliano Gomez aka Dubsalon, ein Produzent und Soundengineer aus Cordoba, Argentinien. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in Europa, bevorzugt London, wo er das Handwerk des Toningenieurs erlernte. Die 2019 erschienene Workshow “Selected Dub Cuts” (Dubmission Records) bringt einen repräsentativen Überblick seines Oeuvres und umspannt seine Schaffensperiode von 2009 – 2019. Die ganz frühen Aufnahmen aus 2009 sind noch unter dem Namen Raroyloco erschienen. Das vorliegende, knapp zwei Stunden (23 Tracks) lange Album, begeistert mich seit Tagen. Wir hören den Sound Jamaikas in alter Dub-Tradition, sowie ein breites Spektrum verschiedener Stile, Tempi und Vocal-Hooks. Im Grunde ist das Album eher im Psydub oder Ambient-Dub zu verorten, einer Fusion der elektronischen Musik, die ihre Wurzeln tief in psychedelischer Trance, Ambient- und Dub-Musik hat.
Der Dub-Liebhaber bekommt auch auf dem Album alles geboten, was sein Herz begehrt. Dazu gehören satte, melodische Basslines, tiefe Reggae-Roots, reichlich Echo, Reverb, Delay sowie gelegentliche Gesangs-Fragmente. Was mir persönlich ganz besonders am Psydub gefällt, sind die sehr stark von der indischen Musik beeinflussten Sound-Elemente. Wenn eine Sitar und Tablas erklingen, bin ich hin und weg. Summa summarum kann ich dem ersten Track des Albums nur beipflichten, this workshow is “properly rolled”.

Bewertung: 4 von 5.