Es ist fast ein Fluch, über aktuellen Dub zu schreiben. Wie beneide ich all jene Musikjournalisten, die sich mit bekannten Hip-Hop- oder Pop-Artists befassen dürfen! Artists also, die ein umfangreiches Oeuvre vorweisen, zu denen es zahllose Interviews, Feuilleton-Artikel oder sogar handfeste Skandale gibt – kurz: über die es eine Menge zu erzählen gibt. Ich hingegen durchforste spärliche Bandcamp-Biografien oder stolpere über lieblos gepflegte Instagram-Accounts. Das Konzept „Website“ mit umfassender Discographie und detaillierter Künstlerbiografie? Offenbar ein Relikt vergangener Zeiten. Bleibt also nur die Musik. Doch seien wir ehrlich: So groß die experimentellen Freiräume im Dub auch sind, neunzig Prozent der Produktionen unterscheiden sich nur in Nuancen voneinander. Ich sitze dann vor meinem Mac und frage mich: Was kann ich noch über diese Musik schreiben, das ich nicht schon tausendmal gesagt habe? Und während ich grüble, schweifen meine Gedanken ab – in (selbst-)kritische Reflexionen wie diese hier, die letztlich auch nirgendwohin führen. Tragisch. Warum dieser Exkurs? Weil „Under My Voodoo“ (Mr. Woodwicker Records) von Mr. Woodwicker wieder so ein Fall ist. Bei Bandcamp erfahre ich nur „Udine, Italy“ und eine nichts sagende Randnotiz, dass seine Musik vom Dub der 1970er inspiriert sei. Welch bahnbrechende Erkenntnis! Viel mehr kann ich euch also nicht über diesen Künstler berichten – außer, dass sein Album „Under My Voodoo“ wirklich schöner Dub ist. Ja, er atmet den Geist der 70er, ist aber soundtechnisch auf modernem Niveau produziert. Handgemixte Dubs, satte Bässe, Riddims, die vertraut klingen – aber keine Remakes sind. Aber hey – am Ende ist der dubblog doch nichts anderes als eine kompetent kuratierte Dub-Ausstellung. Ihr habt den Albumtitel, also ab zu Spotify, Bandcamp oder wo auch immer ihr eure Musik hört. Viel Spaß dabei!
Mr. Woodwicker: Under My Voodo

















