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Benjah and EK: Dust Off the Dubs

Dub ist ja bekanntlich ein Subgenre von Reggae. Doch auch Dub zerfällt wieder in diverse Subsubgenres. Verrückter Weise besteht selbst ein Subsubgenre, wie Steppers, wieder aus unterschiedlichen Spielweisen. Da wäre z. B. der Steppers alter Schule, wie wir ihn von den klassischen UK-Soundsystems kennen. Iration Steppers, Disciples oder Jah Warrior sind typische Vertreter. Dann gibt es noch eine jüngere Schule, die etwas experimenteller zu Werke geht. Hier fallen mir Alpha Steppa, Kanka oder Jah Schulz ein. Und dann gibt es noch jene Schule, die reines Futter für Sound Systems produziert. Einen ganz speziellen Sound, der sich gar nicht so leicht beschreiben lässt. Statt es in Worte zu fassen, empfehle ich, dieses Album anzuhören: Benjah and EK: „Dust Off the Dubs“ (Lions Den). Benjah und EK sind zwei junge Produzenten aus Frankreich. Sie firmieren auch unter dem Namen „Bedrin Records“ und bieten genau den Sound, der auf Sound System-Events den Selector zum Rewind zwingt. Mit etwas Phantasie ließe sich das Ganze als „technowise Dub“ bezeichnen. Der Rhytmus ist hundertprozentig Reggae, aber die Produktionen haben sich vom Mimikry handgemachter Musik vollständig verabschiedet, der Rhythmus ist maximal repetitiv und sämtliche Referenzen zu Dub und Reggae in Form von Samples, MC-Vocals und „Jah“-Rufen oder Sirenen fehlen.

Das auf Sound System-Music spezialisierte Berliner Label Lions Den, steht schon lange auf den Sound der beiden Franzosen und beschloss deshalb, ihnen ein Album zu widmen, auf dem sie die besten Dubs der letzten Jahren zu einem dicken Paket von 20 Tracks zusammen schnürten. Mir geht es wie Lions Den, auch ich stehe auf diesen kompromisslos konkreten Sound, insbesondere die durch die Drums forcierte Polyrhythmik hat es mir angetan. Allerdings befinden sich auch einige ziemliche Nieten unter den 22 Tracks (11 Instrumentals plus Dub-Versions), in denen mir bräsige Synthie-Orgien den Spaß verderben, oder mich ob der einfallslosen Beats die Langeweile überwältigt. Vielleicht hätte nicht jeder Dub es verdient, abgestaubt zu werden.

Bewertung: 3.5 von 5.
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Dubmasters Meet Shashamane

Nicht nur Reggae, auch „Dub gone international“ – das zeigt gerade wieder ein aktueller, durchwegs gelungener Release: „Dubmasters meet Shashamane“ (ZIMA). Wiewohl es die Dub-Version des selbstbetitelten (und empfehlenswerten) Album der polnischen Band Shashamane ist, werden schon im Titel die „Dubmasters“ in den Mittelpunkt gestellt. Die Riege mit u.a. Umberto Echo und Dubmatix kann sich sehen und hören lassen; sie alle liefern erstklassige Dub-Mixes ab, die die Essenz der Vocal-Versionen einfangen – ein Vergleich bestätigt das eindrucksvoll. „No filler, all killer“ wie man anderorts so treffend zu sagen pflegte.

Es empfiehlt jedenfalls, auch in das Vocal-Album reinzuhören – feiner, old-school-instrumentierter Roots-Reggae, vorgetragen in klassischer BMW-Besetzung inklusive in den Fokus gerückter, I-Threes-inspirierter Vocals. Der Shashamane-Band gelingt es nicht nur die musikalischen Vibes der Vergangenheit heraufzubeschwören, sie optimieren sie zudem mit Arrangements, die den Vocals und Instrumenten genug Raum und bestmögliche Wirkung verschaffen. Die Dubmasters übernehmen dieses Konzept fast schon selbstlos: Die Dubs sind bar jeglicher Selbstdarstellung und können – zumindest vom Rezensenten – nicht den jeweiligen Mixmeistern zugeordnet werden. Eine runde Sache, sozusagen.

Und so wundert es nicht mehr, dass dermaßen (BMW-) inspirierte, fast schon historisch anmutende Musik mit einer spielerischen Selbstverständlichkeit gerade auch aus Polen kommt. Es zeigt lediglich einmal mehr, wo überall die Roots-Reggae-Fahne hochgehalten wird. Und letztlich: Wo das Ausgangsmaterial gut ist, kann auch beim Dub-Mix nichts mehr schief gehen. Beide Daumen hoch für die Dubmasters und die Shashamane-Band!

Bewertung: 4.5 von 5.

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Kaptan: Dubs from the Vault

Dub wird ja inzwischen überall auf der Welt produziert, natürlich auch in Deutschland (aber ironischer Weise kaum noch in Jamaika). Nicht nur haben wir in Hamburg eines der profiliertesten Dub-Labels weltweit, sonder auch eine gut abgehangene Generation etablierter Dub-Producer. Mit Leuten, wie Jah Schulz und Kaptan stehen aber auch junge Talente in den Startlöchern. Beide, Schulz und Kaptan, verschreiben sich puren, kompromisslosen Sound System-Dubs, die ihre immersive Kraft aus reiner Bass-Präsenz und stoisch-repetitiven Beats beziehen. Hier steht nicht mehr der virtuose Mix im Zentrum, oder gar eine blasse Erinnerung an ein sowieso nicht vorhandene Vocal-Version, sondern der reine, abstrakt-konkrete, vom Bass getrieben Sound. Kaptan hat soeben sein Debut-Album vorgelegt: Dubs From the Vault (Basscomesaveme), das ich zur Zeit mit großer Faszination höre. Mit dem traditionellen Dub-Schema hat auch dieses Album nicht viel gemein. Dafür umso mehr mit Jah Schulz – und beim letzten Track auch sehr viel mit Rhythm & Sound. Es geht also ausdrücklich nicht um Heavy Steppers, sondern um langsamere Produktionen, in denen sich der Bass ausbreitet, wie ein quellender Hefeteig. Alle Poren und Hohlräume der Dubs werden vom Bass-Teig durchdrungen. Schlagzeug und Offbeat wabern darin herum, wie Rosinen. Einfach nur lecker! Obwohl der Titel anderes vermuten lässt, sind die „Dubs From the Vault“ aktuelle Produktionen und keineswegs einst im Archiv verschollen gegangenes Material. Das Album umfasst nur sieben Tracks – was dem Release-Format geschuldet ist, denn wer das Album physisch besitzen möchte, muss tatsächlich eine Audiokassette kaufen. Zum Glück gibt es aber auch eine digitale Ausgabe mit perfektem Sound.

Bewertung: 4.5 von 5.
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Kino Doscun & Youthie: Sahar

Ich liebe es, wenn sich Dub mit untypischen Musikkulturen mischt. Dub und klassische Musik hat mich schon immer fasziniert, die Kombination von Dub und Jazz liebe ich sehr und auch die Mischung von Dub mit nordischen Melodien sind mir von einigen Produktionen in guter Erinnerung. Da fällt mir ein: Eine der ersten Begegnungen dieser Art hatte ich auf einem Album der Twinkle Brothers, das sie zusammen mit einigen polnischen Violinisten aufgenommen hatten. Wie hieß es gleich? Egal. Was auch schon immer super funktioniert hat ist die Kombination von Dub mit orientalischen Harmonien. Ich denke da an den Spy from Cairo und andere. Wie schön, dass wir diesen spannenden Sound nun endlich mal wieder in Form eines gelungenen Albums vorliegen haben: „Sahar“ (Merkaba Music) von Kino Doscun & Youthie. Die Posaunistin, Flötistin und Akkordeonspielerin Youthie dürfte Dub-Fans gut bekannt sein. Man denke nur an ihre fantastischen Macca Dread-Produktionen. Youthie ist inzwischen ein Garant für gute Musik. Aber wer ist Kino Doscun? Meine Recherchen führen mich zu einem gewissen Dino Coskun, der Soundtechniker an der Opéra National de Paris ist. Seine Spezialität ist das Remixen und Dubben orientalischer Musik, indem er Oud, Saz, Gitarre und Percussions spielt, loopt und dann in dubbige Sound-Texturen überführt. Auf „Sahar“ zeichnet er für fast alle Instrumente verantwortlich. Youthie beschränkt sich auf Posaune, Flöte und Akkordeon. Heraus gekommen ist eine faszinierende Dub-Melange aus komplexen orientalischen Melodien, sensiblen Instrumental-Soli, natürlich viel Bass sowie verhaltenen Reggae-Beats. Alles in komplexen Arrangements miteinander verwoben und virtuos gemixt. Wären da nicht die Echos und der Hall, ließe sich „Sahar“ für ein kunstvoll arrangiertes Instrumentalalbum halten. Die Musik basiert unverkennbar auf Reggae-Basslines und regelmäßig erklingenden Offbeats, doch der starke orientalische Charakter der Instrumente und der Melodien führen uns an die Grenze des Genres – und beweisen uns zugleich, wie universell Reggae und Dub sein können.

Bewertung: 4.5 von 5.
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Pama I’ntl Meets Wrongtom in Dub

2001 gründete sich die achtköpfige Band Pama International, die ihre Musik als „Dub Fuelled Ska Rocksteady & Reggae“ beschreibt. In dieser Beschreibung steckt bereits ein gewisser Widerspruch, denn Dub und Ska und Rocksteady passen eigentlich nicht gut zusammen (wenn man das Werk von Victor Rice mal außen vor lässt). 2006 unterschrieb die Band bei Trojan Records einen Plattenvertrag – als erste Band nach 30 Jahren. Doch bereits zwei Jahre später war der Spaß schon wieder vorbei. Die Pamas gründetem darauf hin ihr eigenes Label „Rockers Revolt“ und nahmen das Album „Love Filled Dub Band“, das als eines ihrer besten gilt. Obwohl das Album (gemäß seines Titels) bereits von starken Dub-Elementen geprägt war, wurde der Londoner Sound-Tüftler Wrongtom damit beauftragt, eine Dub-Version herzustellen. Doch seine Aufnahmen verschwanden im Nirvana und blieben (angeblich) bis ins Jahr 2022 verschollen. Nun sind sie auf wundersame Weise wieder aufgetaucht und nun auf dem Album „Pama I’ntl Meets Wrongtom in Dub“ (Happy People) zu hören. Eine große Geschichte um ein einigermaßen schlichtes Album. Ja, Wrongtom hat ordentlich gedubbt, aber das Ergebnis bleibt irgendwie farblos. Vielleicht liegt das aber auch an dem ausgesprochenen Retro-Stil der Aufnahmen. Magie, Tiefe, Intensität und Spiritualität guter aktueller Produktionen sucht man hier vergeblich. Der Sound bleibt vergleichsweise unverbindlich und belanglos. Ja, das Ganze wirkt durchaus etwas uninspiriert – ebenso wie das Cover. Wer allerdings jamaikanischen Dub der 1970er Jahre mag, könnten hier jedoch anderer Meinung sein.

Bewertung: 3 von 5.
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Le Faune Stepper: Paradoxe

Wer Lust auf krachenden Steppers hat, ist bei Le Faune Stepper richtig. Auf seinem neuen Album „Paradoxe“ (ODG) knallt die Bassdrum im Stakkato auf den Floor. Dazu gibt es teils ganz schlimme Synthie-Sounds. So schlimm, dass es schon wieder Spaß macht. Und natürlich viel, viel Bass. Da hinter Le Faune Stepper der versierter Trompeter Robin Pavie steckt, hören wir zudem viele schöne Bläsersoli, die gar manchmal an Balkan-Sounds erinnern. Überhaupt muss man Pavie einige Phantasie bei der Komposition seiner Dubs zugestehen. So schmücken viele feine Melodien die oft brachial anmutenden Steppers-Beats. Fast schade, dass der Faun durch seine verzerrten Bässe und brutalen Beats die kunstvollen Aspekte seiner Arbeit so verschleiert. Andererseits ist gerade der Kontrast zwischen fein ausgearbeiteten Elementen und brutaler Anarchie reizvoll. Wie alle ODG-Alben, steht auch „Paradoxe“ zum freien Download zur Verfügung. Es ist auch im Stream verfügbar – und wer eine gut Tat vollbringen möchte, kann es auch bei Bandcamp auch kaufen.

Bewertung: 3.5 von 5.
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Eeyun & The Co-Operators: Vibrations from the Bionic Tabernacle

Bristol, die englische Stadt, am Fluss Avon gelegen, hat spätestens 1991 mit den Trip Hop Künstlern Massive Attack, Tricky und Portishead ein musikalisches Universum hervorgebracht. Doch die musikalische Geschichte der Stadt geht viel weiter zurück. The Equals mit Eddy Grant wurden Mitte der 1960er hier gegründet. Die Reggaebands Talisman, Black Roots und The Pop Group mit Mark Stewart folgten Mitte/Ende der 1970er. Der mit On .U Sound verbandelte Gary Clail trat auch aus Bristol kommend 1991 ins Rampenlicht. Das sind lediglich eine Handvoll Beispiele, die Liste Bristol’scher Musikkünstler könnte ich noch ellenlang fortführen, ginge es hier nicht im Wesentlichen um Dub Cuts from Eeyun & The Co-Operators: Vibrations from the Bionic Tabernacle (Woodland Records).
Eeyun & The Co-Operators wurden zwar in Manchester gegründet, sind aber einige Zeit später nach Bristol umgesiedelt. Im Mittelpunkt des ganzen Projekts steht der Produzent, Soundengineer, Songwriter und Instrumentalist Eeyun Purkins und seine Waggle Dance Studios. Im April 2019 erschien von den Co-Operators & Friends das Album, „Rhythms From The Kitchen Sink“, dem im November 2020 „Beating The Doldrums“ folgte. Erst ein Jahr später sollte die Quintessenz der seither unveröffentlichten Dubs aus den ersten beiden LPs das Licht der Welt erblicken. Eeyun Purkins mischte die Dubs bereits als „Rhythms from the Kitchen Sink“ und „Beating the Doldrums“ entstanden, doch die Mixe blieben bisher unveröffentlicht. Noch nicht einmal auf eine Single haben es die Tracks nach dem Mixdown geschafft. Jetzt sind sie als „Name your Price“-Download zu haben. Die Dub-Tracks wurden allesamt umbenannt: „Murder at Midnight“ ft. Joe Yorke (Kitchen Sink) wurde zu „On Humanby Corner“, „The Thief & the Liar“ (Doldrums) wurde zu „Higher & Higher“.
Der starke Einfluss klassischer Reggae-Dub-Alben aus den 1970ern auf Eeyuns Arbeit als Musiker und Produzent ist sämtlichen Dubs deutlich anzuhören. Eeyun Purkins fand es am besten, die Stimmung und den Klang so nah wie möglich an den ursprünglichen Vokalmischungen zu belassen und auch die Originalversionen zu verwenden. Das gelungene Endresultat gibt ihm vollkommen recht.
Eine Künstlerin muss ich noch ausdrücklich erwähnen: Es ist die Songwriterin Perkie (making punks cry since 2006) mit ihrer wunderbaren Stimme, die offensichtlich auch Eeyun Purkins fasziniert haben muss, denn der Not Forgotten Dub aka Crazy Woman ft. Perkie aus Kitchen Sink ist der einzige Track auf dem ganzen Album, durch den gelegentlich Songfragmente schweben. Für mich Gänsehaut pur.

Und nun weiter viel Spaß beim Entdecken und Entschlüsseln der Tracks. Kleiner Tipp: Vibrations from the Bionic Tabernacle beginnt mit einem Dub vom „Doldrums“-Album gefolgt von einem Dub vom „Kitchen Sink“-Album und immer abwechselnd so weiter.

Bewertung: 4.5 von 5.
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La Panchita Dub School: Soul Rock Reggae

Der 1978 in Barcelona geborene Gerard Casajús Guaita ist uns besser unter seinem Künstlernamen Chalart58 bekannt. Bei der 2003 gegründeten katalanischen Band La Kinky Beat, die eine wilde Mischung aus Rock, Reggae, Punk, Ska, Rocksteady, Raggamuffin, Dub, Drum & Bass, Jungle und Hip-Hop spielte, war er als Schlagzeuger beschäftigt. Danach trat Chalart58 als Gründer des Plattenlabels La Panchita Records ins Rampenlicht. Das war ca. 2014/2015 und seitdem fällt mir die Panchita Dub School immer wieder sehr positiv auf. Vergangenes Jahr veröffentlichten Manu Chao, der nicht das erste Mal mit Chalart58 zusammenarbeitete, zusammen mit ihm das Album: Inna Reggae Style (La Panchita Dub School), welches leider schon vergriffen ist. Insgesamt positiv festzuhalten ist, dass alle bisherigen Veröffentlichungen des Labels nicht unbedingt in Richtung Mainstream-Musikindustrie schielen und dennoch bestens dafür geeignet sind, unser kleines, feines Genre einem breiteren Publikum näherzubringen.

Nach vielen überzeugenden Alben des Labels folgt nun eine neue Ausgabe der La Panchita Dub School: Soul Rock Reggae (La Panchita Records). Auf Seite eins des Albums zeigt jede, der hier versammelten fünf jungen, teilweise jazzig klingenden, Soulsängerinnen: Désirée Diouf, Brigitte Emaga, Reina Blava, Emma Yuzz, Eipriil zu eingängigen Reggae-Rhythmen ihre gesanglichen Qualitäten. Auf Seite zwei folgen anschließend fünf sehr knackige Dub-Versionen, die von den „Studenten der Akademie“: Bone Lema, ZRP Beats, Pau Senserrich unter der Aufsicht und den aufmerksamen Ohren ihres „Lehrers“ Chalart58 produziert und gemixt wurden.
Klassische Showcase-Alben haben, dank Roberto Sánchez und Chalart58, wieder Konjunktur und deshalb höre ich auch „Soul Rock Reggae“ bevorzugt als Showcase. Welche Herangehensweise der eigenen Hörgewohnheit eher entspricht, sollte man aber je nach Gusto für sich selbst entscheiden.

Bewertung: 4 von 5.
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Arise Roots : Dubways

Viele mögen wegen seines rockigen Charakters keinen amerikanischen Reggae. Dennoch hat „Rock-Reggae“ angesichts der großen Zahl amerikanischer Bands (Tribal Seeds, Groundation, Slightly Stoopid, SOJA, Passafire, Stick Figure u. v. a.) und ihres Erfolges längst den Status eines Subgenres erlangt. Selbst Bob Marley & The Wailers hatten teilweise zwei Lead-Gitarristen (Al Anderson & Junior Marvin) in ihrer Standardbesetzung, die gelegentlich auch ordentlich los rockten. Also im Grunde genommen nichts wesentlich Neues. Zu den exponierten amerikanischen Bands gehören seit einiger Zeit auch die 2010 gegründeten „Arise Roots“. Die Band wurde mit der Absicht gegründet, eine neue und einzigartige Roots-Reggae-Band zu bilden, welche die kollektiven Leidenschaften der sechs Musiker widerspiegelt. „Arise Roots“, die Band aus den Straßen von Los Angeles, verfolgte von Anbeginn ein Ziel: Einen frischen Reggae-Sound mit modernem Feeling zu kreieren, der alle Lebensbereiche, Altersgruppen und Rassen anspricht, ohne das wahre Roots-Reggae-Feeling zu beeinträchtigen. Im Jahr 2020 veröffentlichten die sechs Musiker ihr viertes, von der Kritik gelobtes, Album „Pathways“ (Ineffable Records). Vor ein paar Tagen (27.01.) wurde nun das erste Dub-Album der Band: „Dubways“ (Ineffable Records) veröffentlicht. Wie der Name bereits ahnen lässt, eine komplette Dub-Version der „Pathways“. Das Album wurde von den Zion I Kings, der Dreifaltigkeit des modernen, amerikanischen Reggae, gemischt. Durch ihre Arbeiten im letzten Jahrzehnt haben die Zion I Kings eine Art musikalische Rückführung des Reggae zu seinen Wurzeln geschaffen und so klingt auch „Dubways“, aber eben wie die amerikanische, rockigere, Roots-Reggae-Variante. Wir hören hervorragend eingespielten, organischen und sehr entspannten Dub-Sound mit Yamaha Keyboards, fetter Bassgitarre, verspielten E-Gitarren-Soli, vibrierenden Drums und angenehm dahin schwebenden Songfragmenten aus dem Original-Album. Ganz besonders angetan hat es mir Lead-Gitarrist Robert Sotelo, der seine unverwechselbare Handschrift von Riffs und Licks dem Gesamtsound hinzufügt.
Insgesamt – auch dank Zion I Kings – ein sehr gelungenes, entspanntes Album von Amerikas Westküste.

Bewertung: 4 von 5.
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Rockers All Stars: Chanting Dub With The Help Of The Father

Vor ziemlich genau einem Jahr wurde dieses Album in Frankreich durch Onlyroots Records neu aufgelegt. Man habe kein Interesse an Promo, hieß es damals, ihre Platten würden sich auch so verkaufen. Klar, im inneren Zirkel der Nerds, der Rest der Welt kriegt aber nix mit. Ein Gespür dafür, dass eine derartige Haltung eine der Ursachen ist warum Reggae und Dub inzwischen auf einem eigenen, unbeachteten Kometen siedeln, fehlt hier völlig. Doch für eine derartige Weltunoffenheit sind Platten wie diese einfach zu gut! Chanting Dub With The Help Of The Father steckte bisher in einem blassblauen Cover. Jetzt ist das ursprüngliche Artwork mit Selassie-Foto rot-gelb-grün unterlegt. Die original LP erschien 1978 mit grünem Schriftzug auf dem Rockers Label von Augustus Pablo und kostet inzwischen einen mittleren dreistelligen Betrag. Nachpressungen hatten rote Schrift auf gelbem Label, sind aber auch kaum noch zu finden. Parallel zu den Dubs kam ein ultra-rares, titel- und coverloses Deejay-Album von Prince Mohammad (i.e. George Nooks) auf Hungry Town. Bei einigen Exemplaren wurde damals aus Prince „Price“, als hätte man geahnt, dass für die Deejay-LP mal ein vierstelliger Betrag aufgerufen wird. Die Dubs basieren auf Tunes wie „New Broom“, „Youths Of Today“ und „Don’t Let Problems Get You Down“ von Horace Andy, Roman Stewarts „If I Had A Hammer“ und Lacksley Castells „Love In Your Heart“. Das neue Vinyl rumort deftig in den Leerrillen, was aber bei den lautstarken, von Prince Jammy bei King Tubby gemischten Dubs untergeht. Ein All Killer No Filler Reissue, das bei Only Roots immer noch erhältlich ist. Vielleicht erbarmt man sich ja irgendwann und legt auch die Prince Mohammad LP neu auf. Und überdenkt mal die eigene Einstellung zur Öffentlichkeitsarbeit.

Bewertung: 4.5 von 5.