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Five Star Reggae Review

Hollie Cook: Twice

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Ich muss es loswerden: Ich bin momentan völlig geflasht von Hollie Cooks neuem Album Twice. So eine abgefahrene, coole Kombination von superben, ultra-tight prodzierten Ska- und Reggae-Rhythms und Hollies heller, über den Dingen schwebender Stimme – das macht mich einfach glücklich. Und dann wären da noch die Streicher, die mich bei den Trojan-Produktionen der 70er total genervt haben – hier sind sie kongenial eingesetzt. Hinzu kommen einfach großartige Melodien und schöne, anrührende Texte. Das Beste aber ist, dass Twice als Showcase-Album konzipiert ist, Hollies Songs also nahtlos in eine Dub-Version übergehen. Klasse.
Dass Produzent Prince Fatty und Hollie Cook ein Winner-Team sind, haben sie ja schon auf Hollies Debut-Album bewiesen. Auf Twice übertreffen sie sich jetzt selbst.
Rating 5 Stars

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Professor Skank: Digital Revolution

Prof Skank

Laut Presseinfo ist Professor Skank der mit Abstand bekannteste Dub-Producer Griechenlands. Abgesehen davon, dass ich bisher noch nicht von ihm gehört hatte, bin ich gern bereit, dieser Aussage uneingeschränkt Glauben zu schenken, da ich auch keine anderen griechische Dub-Produzenten kenne. Aber die Botschaft ist trotzdem angekommen: Der Professor ist wichtig! Hören wir mal rein, was diese Spitzenkraft so drauf hat: Das Album Digital Revolution (Pale Records) beginnt mit einer Signature-Speech von Mad Professor. Witzig!, denke ich, da startet er direkt mit einem selbstironischen Kommentar zu seinem Namen. Sympathisch. Doch dann lese ich: Mad Professor ist der Mentor des Griechen. Professor Skank ist bei Mad Professor in die Lehre gegangen, hat im Ariwa-Studio gearbeitet und dort Produktionen für Max Romeo, Aswad, Love Grover, African Simba und Zion Train betreut. Interessant, hätte ich jetzt nicht erwartet. Weiter geht es mit absolut zeitgemäßen, abwechslungsreichen, teils traditionellen, teils neue Wege beschreitenden Dub-Tunes, die mir allesamt gut gefallen. Der Professor trägt seinen Titel zu Recht. Dabei klingt kein Track auch nur entfernt nach Mad Professor. Erstaunlich. Ich lese weiter: „Professor Skank hat mit sich selbst gewettet, zwei unterschiedliche Kulturen, die griechische und die jamaikanische, musikalisch zusammen zu bringen“. Angeblich spielten griechische Musiker, die niemals zuvor mit Reggae und Dub in Berührung gekommen waren, die Tracks ein. Respekt. Die Griechen haben offenbar ein angeborenes Talent für fette Reggae-Beats. Allerdings würde ich mir die Zusammenkunft zweier Kulturen anders vorstellen. Wäre es nicht spannend gewesen, solide Dubs mit griechischer Folklore zu verbinden? Egal! Auch ohne Folklore hat der Professor ein ordentliches Dub-Album abgeliefert. Ab jetzt habe ich ihn auf dem Schirm. Versprochen.
Rating 4 Stars

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Sly & Robbie: Underwater Dub

Underwater Dub

Vor exakt zwei Jahren erschien „Blackwood Dub“ von Sly & Robbie und löste in mir zwiespältige Gefühle aus: Aufgenommen im legendären Harry J-Studio und produziert von Alberto „Burur“ Blackwood, vermied das Album weitgehend das klassische One-Drop-Schema des Reggae und präsentierte „progressive“, intellektuell anspruchsvolle aber letztlich irgendwie unbefriedigende Dub-Kreationen. Die Freude über innovative Sounds stritt mit der Frustration, auf meine geliebten One-Drops verzichten zu müssen. Underwater Dub (Groove Attack) macht genau am gleichen Punkt weiter – fast könnte man meinen, beide Alben seien in der gleichen Session entstanden. Wieder sind die alten Weggefährten der Rhythm Twins mit an Bord: Mikey Chung, Dalton Brownie, Daryl Thompson, Robbie Lyn, Sticky Thompson und Skully. Konzept, Sound und Setting sind identisch: Wieder wird uns eine verrückte Kombination hypermoderner Dub-Beats mit Sound-Samples aus Sly & Robbie-Aufnahmen der 1980er Jahre präsentiert. Wahrscheinlich hatte Sly seine guten alten Syndrums ausgepackt und seine Freude daran gehabt, die damaligen Sound-Presets von noch vorhandenen Floppy-Disks zu laden. Das Ergebnis ist frappierend: zu hören sind neue, etwas sperrige, abstrakte Beats, zwischen denen plötzlich diese vertrauten Sound-Stückchen aus der Vergangenheit aufblitzen. Ein geschicktes Manöver, die Hörer auf vertrautem Terrain zu empfangen und sie von dort aus in die Gefilde des Unbekannten zu entführen. Während ich vor zwei Jahren der handwerklichen Perfektion von „Blackwood Dub“ aufrichtigen Respekt zollte, mich das Gesamtergebnis jedoch weitgehend kalt ließ, erscheint mir „Underwater Dub“ etwas zugänglicher, etwas harmonischer und, ja, auch etwas näher am Reggae gebaut zu sein. Im Interview freut sich Sly Dunbar schon auf das nächste Album. Ich freue mich hingegen auf das übernächste, wenn das Konzept ausgereift und endlich ein richtiges Dub-Album vorliegen wird, das man nicht nur hören, sondern auch spüren wird.
Rating 3 Stars

 

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Dub Spencer & Trance Hill: William S. Burroughs in Dub

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William S. Burroughs und Dub? Warum nicht? Immerhin ist Burroughs DIE Ikone der Gegenkultur,  der sich auch der Reggae zugehörig fühlt. Zudem wurde Burroughs’ Leben von exzessivem Drogenkonsum bestimmt. Anfang der 1950er Jahre wurde er wegen Anbaus von Marihuana verhaftet – auch hier ist eine gewisse, wenn auch eher unvorteilhafte, Nähe zum Reggae nicht zu leugnen. Hinzu kommt, dass Burroughs speziell in den 1980er und 90er Jahren häufig als Spoken Word Performer gearbeitet hat und somit viele Tonaufzeichnungen seiner prägnanten, scharfen Stimme und seiner sehr lässig selbstbewussten Sprechweise vorliegen. Footage, das geradezu danach verlangt, mit passender Musik kombiniert zu werden. Und dann gibt es noch den wichtigsten Grund von allen, warum das Album William S. Burroughs in Dub (Echo Beach) mit kosmischer Notwendigkeit seinen Weg ins Dasein finden musste: Der Geburtstag von Mr. Burroughs jährte sich am 5. Februar zum hundertsten Mal. Das garantiert Aufmerksamkeit und die Aussicht, dass das Werk auch außerhalb der kleinen, verschworenen Gemeinde der Dubheads wahrgenommen wird. Gründe genug also, dass sich das Dub Spencer & Trance Hill-Quartett zusammen fand und virtuos feine, psychedelische Beats um die magischen Worte des Anti-Poeten und vielleicht wichtigsten US.-amerikanischen Schriftstellers des zwanzigsten Jahrhunderts sponn. Irgendwie passt der von Rock-Gitarre und analogem Schlagzeug geprägte Dub-Spencer-und-Trance-Hill-Sound zu der von Burroughs’ Werk stark beeinflussten Beat- und Rock-Ära der 1960er und 70er Jahre. Der zähe, verschleppte Groove der Schweizer, die psychedelische Wirkung der im Echo-Raum verhallenden Gitarren-Riffs und der tief und körperlich pulsierende Bass sind schlichtweg der kongeniale Soundtrack zu Burroughs’ wirren Monologen. Ein akustischer Drogentrip in das verkorkst-geniale Leben einer der schillerndsten Figuren der amerikanischen Geschichte. Wurde Zeit, dass der Reggae ihr huldigt.
Rating 4 Stars

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Five Star Review

Dubmatix: In Dub

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Dubmatix – der Name ist Programm: es geht um Dub. Nach einigen Dub-Releases zu Beginn seiner Karriere, schien dieses Programm jedoch in Vergessenheit geraten zu sein. Dubmatix-Alben wie System Shakedown, Renegade Rocker oder Rebel Massive sind – obwohl der Sound stets Dub ist– streng genommen keine Dub-Alben, wurden sie doch von zahlreichen Old-School-Artists gevoict. Allesamt wunderbare Alben, doch insgeheim hegte ich schon lange den Wunsch, dass Dubmatix wieder zu seinen Dub-Wurzeln zurück finden würde. Und endlich hat er meine Wünsche erhört: ein pures, reines, echtes Dub-Album des Mischpult-Meisters aus Toronto liegt frisch vor mir auf dem Tisch – und es trägt den programmatischsten aller möglichen Titel: In Dub (Echo Beach). Wer bei diesem Titel an eine Dub-Version des Dubmatix-Back-Katalogs denkt, irrt. Tatsächlich präsentiert uns Jesse King (aka Dubmatix) hier ausschließlich originales Material, speziell für In Dub aufgenommen, nach alter Manier von Hand gemischt und dezent von Orgeln, Blechbläsern oder Melodikas verziert. Es handelt sich also um ein vollwertiges Dubmatix-Album, das gleichberechtigt neben seinen anderen Releases steht und keinesfalls nur deren Derivat ist. Daher gibt es auf In Dub auch keine Kompromisse. Jeder Rhythm wurde geschaffen, um ein Dub zu werden – weshalb der Sound hier noch deeper, wuchtiger, militanter und bassgewaltiger ist, als von Dubmatix-Alben ohnehin schon gewohnt. Der King spielt virtuos mit dem Steppers-Schema, ohne jemals schematisch zu werden. Er fährt erdbebenauslösende Beats auf, ohne abgenutzte Four-to the-Floor-Klischees zu bedienen. Mit traumwandlerischer Sicherheit schlägt er einen Weg zwischen den Genres ein, bedient sich der Kraft und Wucht von Steppers und kombiniert diese mit ausgeklügelten Kompositionen und Arrangements sowie frischen Ideen. Das Ergebnis ist das Beste zweier Welten: Musik für Kopf und Bauch gleichermaßen. Daher entwickelt In Dub auch einen so phantastischen Flow. Während der Verstand sich in bewusstem Zuhören und der Analyse der Details verliert, werden Körper und Seele in überwältigende Bass-Frequenzen gebettet und sanft, aber entschieden, in die Sphären der Dub-Metaphysik entführt. Genau so hatte ich mir das gewünscht.
Rating 5 Stars

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Five Star Reggae Review

Lee „Scratch“ Perry: Back on the Controls

Lee Perry

Es ist schon tragisch. Immer, wenn mir ein neues Lee Perry-Album auf den Tisch flattert, verspüre ich mehr Pflicht als Lust, es mir anzuhören. Lee Perry war einmal DER Innovator des Reggae. Der Urheber eines fantastisch komplexen, magischen und absolut einzigartigen Sounds, geboren aus der glücklichen Begegnung von analogem Studioequipment, begnadeten Musikern, viel Marihuana und noch mehr Rum mit einem ganz speziellen Genius, der im Kopf Lee Perrys (noch diesseits der Grenze zum Wahnsinn) beheimatet war. Gegen Ende der 1970er Jahre überschritt das Genie diese Grenze und Perry wurde zu dem verschrobenen, brabbelnden Kauz, dessen monotone Monologe seither auf ungezählten Alben oft drittklassiger Reggae-Bands zu hören sind. Bands, die versuchen, aus dem legendären Namen Perrys bis heute Kapital zu schlagen. Welch Absturz, welch tragisches Schicksal. Nun ein neuer Versuch: Seit rund einem Jahr arbeitete Daniel Boyle – ein wenig bekannter britischer Reggae-Produzent – mit dem Madman an einem neuen Album. Zuvor hatte er die Ausstattung von Perrys Black Ark-Studio akribisch nachgekauft und so lange mit ihr herumexperimentiert, bis ihm schließlich gelang, was zuvor noch niemand geschafft hatte: den legendären Sound aus Perrys bester Zeit zu reproduzieren. Nun liegt das neue Werk vor, zu dem Perry nicht nur den (nennen wir es mal) Gesang beisteuerte, sondern das er angeblich auch mitproduziert hat: Lee „Scratch“ Perry: Back on the Controls. Es ist ein Doppel-Showcase-Album mit 11 Vocal-Tunes und 11 Dub-Versions und erscheint dank einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne auch als CD und schön bebilderte Doppel-Vinyl-Ausgabe. Top oder Flop? Kein Zweifel: Es katapultiert sich auf den Rang des wohl besten Perry-Albums der Neuzeit – einen Rang allerdings, den es sich mit Adrian Sherwoods „Dub Setter“-Album von 2010 teilen muss. Daniel Boyle (der mir bisher noch nicht untergekommen war) und Perry haben hier ein amtliches Meisterwerk geschaffen, indem sie den Black Ark-Sound zwar kopieren, glücklicherweise aber darauf verzichten (mit einer Ausnahme) die alten Stücke neu aufzubrühen. Statt dessen gehen die beiden eigene Wege, präsentieren starke, eigenständige, mit warmen Bläsersätzen durchzogene Rhythms, dosieren Lee Perrys Gebrabbel sehr angemessen, entlocken ihm sogar einige gute Melodien und bieten als Bonus zudem noch fantastische Dub-Versions. Auch Perry scheint erkannt zu haben, dass er da etwas ganz Besonderes in den Händen hält, weshalb er sich dazu entschlossen hat, sein ehrenvolles Upsetter-Label wiederzubeleben, um dem Album eine würdige Heimat zu bieten. Willkommen zurück, Mr. Perry.
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Review

Addis Pablo: In My Father’s House

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Addis Pablo – der Name deutet schon geschickt an, was in ihm steckt: Addis Pablo ist tatsächlich der Sohn des legendären Augustus Pablo. Und man glaubt es kaum: Auch er spielt Melodika. Aufmerksamkeit ist dem jungen Musiker also gewiss – ebenso jedoch auch ein enormer Erwartungsdruck, der auf ihm und seinem Debut-Album lastet. Eben jenes legt er nun unter dem marketingtechnisch geschickt gewählten Titel In My Fathers House (Jahsolidrock) vor. Eingespielt von der österreichischen Band House of Riddim, produziert vom Holländer Marc Baronner und publiziert auf dem Amsterdamer Label Jahsolidrock, ist das Album eine rein europäische Angelegenheit. Es enthält 17 Tracks, wovon 5 reine Vocal-Tunes sind – ohne Beteiligung von Addis Pablo. Bleiben also 12 Tracks, zu denen des berühmten Vaters Sohn brav sein Melodikaspiel beigesteuert hat. Okay, dagegen ist nichts zu sagen, aber eine beeindruckende künstlerische Leistung, die den Artist-Namen auf dem Album rechtfertigt, ist das nicht gerade. Zumal House of Riddim so tight aufspielt, dass Pablos doch recht dünnes Melodikaspiel kaum dagegen ankommt – geschweige denn, dass es selbstbewusst den Lead-Platz in der Mitte der Stücke einzunehmen vermag. Die Melodica wirkt oft eher wie ein Begleitinstrument und die Melodien wirken eher improvisiert statt komponiert. Wir müssen also leider konstatieren: Addis Pablos Debut wird der hohen Erwartungshaltung nicht ganz gerecht. Ist es deshalb ein schlechtes Album? Nicht wirklich, denn House of Riddim holt die Kohlen aus dem Feuer. Die Rhythms sind ohne jeden Zweifel solide. Aber trotzdem: als Dub-Freund werde ich mit dem doch einigermaßen mainstreamigen und etwas ecken- und kantenlos wirkenden Sound der Österreicher nicht so recht warm. Was als Backing hinter guten Songs (wie z. B. Chezideks Thanks and Praise) perfekt funktioniert, muss nicht auch als Instrumental oder gar als Dub eine gute Figur machen. Da letzteres aber auch gar nicht erst versucht wurde, darf man dem Album fehlendes Dub-Mixing allerdings nicht vorwerfen. Aber Eingedenk an Augustus, hätte ich es mir eigentlich gewünscht.
Rating 3 Stars

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Reggae Review

Mishmash Vol. 1

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Alpha & Omega haben ein neues Album veröffentlicht: The Half That’s Never Been Told (Steppas Records). Ich kennen keinen Dub-Act, der seit so vielen Jahren produktiv ist, wie Alpha & Omega. Doch nicht nur das: sie sind seit rund 25 Jahren ihrem Stil so treu, dass es schwer fällt, neue Alben  und Wiederveröffentlichungen voneinander zu unterscheiden. The Half That’s Neve Been Told macht da keine Ausnahmen: bassschwer, düster grollend, monoton – genau so, wie wir es lieben.

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Die Resonators haben ihrem Album The Constant eine Dub-Version geschenkt und diese zusammen mit dem Originalalbum auf eine Deluxe Edition (Wah Wah 45s) gepackt. Ich habe schon die Vocal-Versionen geliebt. Die Dubs machen mich jetzt seelig.

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Noch nie hatte ich von Dub for Light gehört, aber das neue Album Mindset (Dan Dada) ist mir dann doch aufgefallen. Selten so minimalistischen Dub gehört. Wird gewiss nicht mein Lieblingsalbum, aber eine spannende Hörerfahrung ist es auf jeden Fall.

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Nicht nur der Sohn von Augustus Pablo macht Dubs, auch der Sohn von Jah Shaka, Young Warrior, ist im Dub-Business. Für sein Sound System hat er einige Tracks produziert, von denen nun 6 Instrumentals plus Dub-Versions auf dem Album Presents Dub Box (Jah Shaka) veröffentlicht zu hören sind. Natürlich Hardcore-Steppers, wie vom Vater gewohnt. Allerdings handelt es sich um recht simple, digitale Produktionen, die so klingen, als seien sie in einer Blechdose aufgenommen worden. Im Sound System geht das klar, auf dem Home-HiFi eher nicht.

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Wenn schon digitaler Dub, dann lieber so wie auf dem Album Mangrove Meets Ganjaman_72 in 5-Track Digital Dub Vol. 1 (Fast Forward Sound). Hier wird bewusst mit dem 8-Bit-Sound à la Jahtari gespielt – und zwar virtuos. 5 Tracks von Mangrove bietet das Album, die Ganjaman_72 in bester Shwocase-Manier um Dub-Versions ergänzt hat. Nice.

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Wie im Blog des öfteren zu lesen ist: Ich bin ein großer, großer Fan von Prince Fatty. In seiner Reihe Prince Fatty vs. tritt er nun gegen Mungo’s Hi Fi an (= Prince Fatty vs. Mongo’s Hi Fi (Mr. Bongo)). Was für ein Spaß! Hat zwar nicht viel mit Dub zu tun, ist aber trotzdem ein grandioses Old-School-Album im Stile der Digital-Dancehall der frühen 1990er Jahre. Absolut geeignet, um mal die Dub-Bass-Ablagerungen aus den Ohren zu blasen.

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Wo wir gerade bei Nicht-Dub-Alben sind: Chronixx Debut Dread & Terrible (Chronixx Music) gefällt mir richtig gut. Hat einen unwiderstehlichen Old School-Charme und bietet zudem noch drei schöne Dubs.

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So, einen hätte ich noch: Various Artists: Dub Tentacles, Vol. 5 (Fresh Poulp). Nach dem letzten, eher Dubstep-orientiertem Dub-Tentacles Vol. 4, ist das Netlabel nun wieder zu 100% Dub zurück gekehrt. Richtig so! Mit Ausnahme von Du3normal sind mir alle hier versammelten Dub-Acts unbekannt, ihr Sound gefällt mir aber trotzdem. Der Sampler bietet zwar nix aufregend Neues, ist aber trotzdem hörenswert – zumal er kostenlos zum Download bereit steht: http://www.fresh-poulp.net/releases/fpr070/

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Dubblestandart: In Dub

In Dub

Nach Woman in Dub – was ja kein Dub-Album war – legt Dubblestandart mit In Dub (Echo Beach) nun ein waschechtes, sortenreines Dub-Werk vor. Es besteht im Wesentlichen aus dem „Woman in Dub“-Rhythm-Material, sowie vereinzelten Tracks älterer Werke, wie z. B. Marijuana Dreams und Return from Planet Dub. Zwei Drittel der Dubs stammen aus der Feder von Paul Zasky und Robbie Ost, die beide den harten Kern von Dubblestandart bilden. Vier weitere Tracks wurden von Adrian Sherwood gemixt und einer von Rob Smith remixed. Insgesamt ein solides Paket aus guten Rhythms, in klassischer Manier zu Dubs geformt. Die Vocals der Damen sind auf vereinzelte Fragmente reduziert, auf störende Soundgimmiks wurde weitgehend verzichte und der sauber austarierte Old-School-Mix lässt die Rhythms frei fließen und sich entfalten. Auch Altmeister Adrian Sherwood liefert solides Handwerk ab. Lediglich Rob Smith schlägt mit seinem Remix von Holding You Close neue Wege in Richtung Club-Music ein. Ich hätte mir in der Tat mehr davon gewünscht – ein paar frische Ideen hätten nicht schaden können – will aber andererseits ein klassisch-schönes Album auf keinen Fall schlecht reden. Die permanente Hatz nach Innovationen verursacht sowieso nur Stress. Also freuen wir uns über den typischen, stets leicht an On-U-Sound erinnernden Dubblestandart-Sound (ohne störende Vocals ;-) und über unaufgeregte, der alten Schule verpflichtete Dub-Mixes.
Rating 4 Stars

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Evolution of Dub, Volume 8: The Search for New Life

Evolution of Dub 8

Hoppla, damit hatte ich nicht gerechnet: Im fünften Jahr ihres Bestehens, überschreitet die Evolution of Dub-Serie endlich die Zeitenwende zum digitalen Reggae. Nachdem die zuvor erschienenen sieben CD-Boxen weitestgehend in den 1970er Jahren feststeckten, steigt Evolution of Dub, Vol. 8 (Greensleeves/VP) in die Mitte der 1980er Jahre ein und spannt den Bogen bis fast in die Gegenwart. „The Search for New Life“ lautet der Untertitel der aktuellen Box und kommentiert damit den Niedergang des jamaikanischen Dubs seit Ende der 1970er Jahre fast schon zynisch. Ohne große Mühe gelang es den Dub-Kuratoren im Hause Greensleeves/VP die bisher in der Evolution-Serie erschienenen 28 Album-Rereleases allein mit Material der 1970er Jahre zu füllen. Die folgenden 30 Jahre passen nun spielend in eine 4-CD-Box – zumindest wenn die Evolutionsgeschichte auf in Jamaika produzierten Dub beschränkt bleibt. Über die Gründe, warum Dub in Jamaika so dramatisch an Beliebtheit einbüßte, während er zuerst in England und später in der ganzen Welt immer populärer wurde, darf spekuliert werden. Nicht selten ist als Erklärung zu hören, dass der Reggae-Sound des digitalen Zeitalters keine gute Grundlage für Dubs sei: zu reduziert, zu perkussiv, zu schnell. Mal sehen, ob da etwas Wahres dran ist.

Comuterised Dub

Bereits im Jahr Eins nach Sleng Teng hat Prince Jammy himself gezeigt, dass digitale Rhythms und Dub kein grundsätzlicher Widerspruch sein müssen: Computerised Dub, das erste digitale Dub-Album der Reggae-Geschichte, sorgte 1986 für Furore und wurde deshalb aus gutem Grund für die vorliegende CD-Box ausgewählt. Es enthält Dubs von zehn digital produzierten Rhythms der damaligen Pioniere des neuen Sounds: Steelie & Cleevie. Star dieses Albums ist allerdings weniger der Dub-Mix als vielmehr dieser unsägliche und doch geniale 8-Bit-Sound, den die beiden Musiker ihren Billig-Keybords entlockten und zu synthetisch-schönen Reggae-Beats formten. Jahtari hält das Erbe dieses Sounds bis heute wach. Auf „Computerised Dub“ ist das Original zu hören.

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Wenige Jahre später hatte Gussie Clarke in seinem Music Works-Studio den digitalen Sound des Reggae zu einem clean-polierten, ziemlich kühlen, aber auch vergleichsweise komplexen, Sound weiterentwickelt. Mitglied des Music Works-Teams war Mikey Bennet, der Anfang der 1990er Jahre zusammen mit Patrick Lindsay das Two Friends-Label gründete und im Music Works-Studio Aufnahmen für Cocoa Tea, Brian & Tony Gold, Gregory Isaacs und Shabba Ranks produzierte. Aus dieser Zeit stammt das zweite Album der Box: Voyage Into Dub, das den typischen Music Works-Sound in Reinkultur bietet – und damit unfreiwillig die Frage beantwortet, warum Dub im digitalen Zeitalter auf Jamaika keine Rolle mehr spielte: Die digitalen Rhythms, wie wir sie hier hören, widerstreben auf natürlich Weise dem Dub-Treatment. Statt des offenen, langsamen, klar strukturierten Rhythmus des Roots Reggae, zeichnen sich die digitalen Produktionen eher durch Überfrachtung, Betonung perkussiver Strukturen sowie schneller Polyrhytmik aus und wirken dadurch oft kompliziert. Auch spielte die für Dub so entscheidende Bassline eine zunehmend geringere Rolle (bis sie schließlich im Dancehall-Sound vollständig verschwand). Daher ist „Voyage Into Dub“ zwar ein interessantes Zeitdokument, aber kein gutes Dub-Album.

Juke Box Dub

Mit dem nächsten Album macht die Box einen großen Sprung in das 21. Jahrhundert: Juke Boxx Dub vom Produzenten Shane Brown. Es präsentiert u. a. Dub-Versions von Chuck Fendas „Freedom of Speech“, Romain Virgos „Can’t Sleep“ und Morgan Heritages „Brooklyn & Jamaica“. Die Aufnahmen sind dem klassischen Reggae verpflichtet, wahrscheinlich handgespielt, und bauen auf dem guten, alten Fundament von Drum & Bass auf. Die perfekte Basis also für ein Dub-Reworking. Und in der Tat: hier haben wir das erste gute Dub-Album der Box. Es folgt dem Vorbild des jamaikanischen 70ies-Dub, nutzt die gleichen Techniken und kreiert einen vergleichbaren, super-klassischen Sound. Erstaunlicherweise greifen jamaikanische Produzenten jedoch bis heute keinerlei Einflüsse internationaler Dub-Produktionen auf, die den Blick über das Seventies-Vorbild hinaus führen könnten. Steppers, Dubstep oder Crossover-Experimente scheinen tabu, obwohl sie eigentlich eine fantastische Inspirationsquelle wären.

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Das letzte Album der Box hat mich wirklich überrascht, obwohl es eigentlich ganz folgerichtig ist, die „Evolution of Dub“-Serie damit zu beschließen: Dub Clash von Alborosie. Komplett analog mit historischem Studio-Equipment produziert, schließt es dort an, wo Dub in den 1970ern angefangen hat. Nicht ohne Grund hat Alborosie das Album King Tubby gewidmet und rekuriert auf klassische Riddims wie „Full Up“, „Bobby Babylon“ oder „“When I Fall in Love“. Ein absolut superbes Album – und, obwohl ich höchsten Respekt vor den alten Meistern habe, muss ich sagen: das beste Album der ganzen „Evolution of Dub“.
Rating 3 Stars