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Five Star Review

Tubby Isiah: Rising High

Ich bin hier ja bekanntlich derjenige, der die Steppers-Fahne hoch hält – und ich habe ein neues Lieblingsalbum: Tubby Isiah, „Rising High“ (Moonshine Recordings). Tubby who? Cooler Name, der sofort klar macht, worum es geht – um Dub nämlich. Aber wer steckt dahinter? Im Web findet sich die Info, dass es sich um das neue Projekt von Javon Ives und seinem Dad, Jason Ives handele. Javon Who? Das kann ein so engstirniger Dubhead wie ich natürlich nicht wissen: Javon Ives ist ein Soul-R ‚n’ B-Produzent und -Sänger. Vielleicht steht Paps ja auf Reggae und Dub, was der Grund für „Rising High“ sein könnte. Doch wie dem auch sei, die beiden haben ein wirklich gutes Dub-Album geschaffen. Offenbar wissen sie, was sie tun. Mit „Steppers“ ist übrigens keineswegs alles zu den Tracks gesagt. Es gibt auch schöne, sanfte One Drop-Beats. Sogar ein leicht Dub-Techno-inspiriertes Stück ist zu hören. Insgesamt aber alles maximal harmonisch, weich, warm und bassig. Da das Werk zudem noch ein schickes Cover ziert, vergebe ich hier guten Gewissens fünf Sterne.

Bewertung: 5 von 5.
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Interview

Interview mit Paul Zasky (Dubblestandart)

Dein Name: Paul Zasky
Du lebst in: Wien und Los Angeles
Titel deines letzten Albums: Dubblestandart meets The Firehouse Crew Reggae Classics

Erzähle mal ein wenig von dir.

Ich würde mich grundsätzlich als die treibende Kraft hinter all den Themen Dubblestandart und bald The New Blade Runners Of Dub bezeichnen. ABER, ohne der Crew bin ich nichts, pflege ich zu sagen. Ali, unser Mann am Drum und Herb, der ja bei House Of Riddim ist, und Robbie Ost sind mein Backbone ohne die drei läuft gar nichts. Sie halten mir trotz schwieriger existentieller Bedingungen für eine Band wie der unsrigen seit Jahrzehnten die Stange. Das muss man auch mal bringen und das respektiere und schätze ich sehr. Das ist etwas, das kannst du nicht mit Geld zusammenhalten, das ist ein Spirit, der ist da oder eben nicht.

Ich war Anfang der 90er Teil der Urcommunity von Musikern hier in Wien, die sich für Klang an sich, Post New Wave, Psychedelic, Early Electronic Music und dann bald Dub & Reggae interessiert haben. Wir hatten und haben den Proberaum (er war auch unser erstes Studio) gegenüber vom Flex, den für uns damals wichtigsten Club des Wiener Universums, wo Suga B, Gümix & Sweet Susi Dub und alle dessen Spielarten auflegten – von 1990 onwards.

Viele Leute und Musiker ging bei uns ein und aus. Die meisten hatten gute Ideen, aber es musste auch jemanden geben, der sie in die Tat umsetzte und dafür sorgt, dass Musik entsteht, die sich auf Platte pressen ließ. Darum bin ich dann irgendwann los …

Robbie war dabei immer der Mann am Gerät und nachdem ich die ersten paar Alben in den 90ern ja noch alle selbst gemischt hatte (auf 4 und 8 Spuren), hat er dann übernommen und auf Hi Tech umgestellt.

Ich war außerdem immer für die Kontakte zu Label, Booking, Promo, etc. zuständig und bin in der Welt zwischen Wien, New York, LA und Kingston herum gereist. Dabei habe ich eine Menge Leute kennengelernt, woraus dann über die Jahre viele Freundschaften und Collaborations entstanden sind.

Speziell in Jamaica hat mir mein guter Freund Devon Denton viele Türen geöffnet, zu Sly & Robbie, Ken Boothe, Dillinger, der Firehouse Crew usw. Nicolai von Echo Beach hat uns mit Ariup, Adrian und der OnU-Sound Posse zusammen gebracht. David Lynch hab ich nach unserer Show im Elysee Montmartre in Paris bei seiner Ausstellungseröffnung einfach angesprochen. So gibt es noch viele Beispiele. Ich bin vielen Leuten sehr dankbar.

Wie lautet deine persönliche Definition von Dub?

Landschaftsmalerei mit Klängen.

Was macht einen guten Dub aus?

Eine Atmosphäre zu schaffen die inspiriert, wo akustische Phantasiewelten aufgehen und gleichzeitig auf den „distinct“ Rhythm, seinen Mix und die detaillierte klangliche Bearbeitung besonderes Augenmerk gelegt wurde.

Welche Aspekte von Dub-Music faszinieren dich am meisten?

Dass es ein offenes Stilspektrum ist und sehr viel ermöglicht.

Wie hast du deine Leidenschaft für Dub entdeckt und wie hast du dich und deine Musik seid dem entwickelt?

Als ich ca. 16 oder 17 Jahre alt war – Mitte der 80er Jahre – hab ich mir Taxi Gang: „The Sting“ und „A Dub Experience“ von Sly & Robbie im damaligen „Hand In Hand“-Reggae-Laden in Wien gekauft. Die Crew dort waren Rastas aus Kingston und Addis Abeba und ein Quäntchen cooler und relaxter als der Rest der Stadt. Zudem hatten sie viel Fachwissen hinsichtlich der damaligen Produktionen, dem Vertrieb und der internationalen Szene. Das hat mich fasziniert und angezogen. Kurz darauf „Megaton 1“ von Lee Perry. Mich haben die nach vorn geschobenen Bass- & Drum-Linien, sowie die psychedelischen Flanger- und Phaserloops auf den Sounds von Lees 8-Spur-Produktionen fasziniert. Kurz darauf habe ich dann die Singers & Players und Creation Rockers auf OnU-Sound entdeckt und das wars dann. Dub war für mich die logische Weiterentwicklung von allem was mich bis dahin musikalisch interessiert hatte.

Wie sieht der Entstehungsprozess eines typischen Dub-Tracks von euch aus?

Meist schwirrt irgend ein Groove oder Basslinie in meinem Kopf herum, lange bevor wir eine Session mit der Band machen. Irgendwann gehen wir dann ins Studio und bauen darauf Instrumental-Livesessions auf. Da kommen dann nochmal Ideen vom Rest der Crew. Dann selektieren wir die Jams aus und spielen die Best-Offs präzise mit Klick ein.

Die Zeit danach verbringe ich mit Robbie im Studio wo die tatsächlichen Tracks entstehen. Oft nimmt das eine ganz andere Richtung als bei der Session. Ab und an holen wir die Jungs retour für einzelne Overdubs oder machen Collaborations mit Artists. Alle Keyboardparts, Analogsynthsounds, Samples etc. machen ausschließlich Robbie und ich, da das unseren Sound definiert. Insofern ist Dubblestandart ein Zwei-Stufen Projekt: Es gibt die Produzententätigkeit von Robbie und mir und die Band, die diesen Sound dann live umsetzt, aber im Entstehungsprozess eben auch für die Ursuppe verantwortlich ist.

Bevor es zu einem Mixdown kommt schrauben wir lange an Klang und Arrangement.Vor einer finalen Version wird an Sounds, Effekten, am eigentlichen Klang von Schlagzeug und Bass sowie echten und elektronischen Instrumenten getüftelt. Für mich ist ein Dub nicht der freegestylte Livemix einer Version. Für mich ist ein Dub ein kompletter eigenständiger Song mit Stimmen, Soundsamples und Realworld-Geräuschen, der einer eigenen Struktur und Dramaturgie folgt. Robbie zieht dann von diesen sehr konkreten Klangwelten oft noch Dubs für Vinylauskoppelungen, etc.

Wann bist du mit einem von dir produzierten Dub-Track zufrieden?

Ich produziere die Dubs nie alleine. Wenn wir beide sagen, das isses, dann isses das. In words not 2 be defined.

Was ist beim Produzieren von Dub am wichtigsten?

Authentizität. Es gibt beim Musikmachen keine Gesetze. Es gibt halt Schubladendenken. Musik ist aber frei und das gilt auch für die Ideen. Die Leute sollten sich wesentlich mehr trauen. Ich würde mir von den nachfolgenden Generationen mehr Experimentierfreudigkeit wünschen.

Was ist deine besondere Stärke?

Ich bleib dran, vor allem wenn’s ungemütlich wird.

Welches Album hältst du für euer bestes?

„Immigration Dub“, „Marijuana Dreams“ und „Dub Realistic“.

Gelingt es dir, mit Musik deinen Lebensunterhalt zu bestreiten?

Nein, hat es nie und wird es wohl auch nie. I keep my feed on the ground. Das was ich mit Musik verdiene, investiere ich ausschließlich wieder in Produktionen.

Welche Aspekte deines Jobs machen dir am meisten Spaß?

Musikmachen ist weder Hobby noch Job. Irgendwann fängst du damit an und es wird zur wichtigsten Sache in deinem Leben, um die herum du alles baust: Beziehungsleben, Familie, Moneybusiness.

Wovor graust es dir im Studio?

Zeitdruck und wenn zu viele Leute da sind. Das lenkt ab.

Wenn du gerade nicht an Dubs schraubst, was machst du dann am liebsten?

Ich bin in dem einen oder anderen Kulturprojekt involviert, fange im Herbst auch als Schauspieler in einer Theaterprodutkion an, bisschen Deejaying, setze mich zudem mit AI und psychotherapeutischen Themen auseinander. Habe außerdem in LA ein neues Bandprojekt begonnen.

Was hörst du außer Dub?

Alternative Music, Reggae, Electronic Music, Drum ’n‘ Bass, Industrial, Downtempo, HipHop, Avantgarde, Jazz, Singer Song Writer.

Wenn Geld und Zeit keine Rolle spielten: Welches Projekt würdest du gerne verwirklichen?

„Sade in Dub“ und „Nine Inch Nails in Dub“.

Gibt es Sound System-Events, die du besonders gerne besuchst? Warum?

Aktuell Corona-bedingt nada. Ansonsten ist alles, was Bassmusik angeht hier im Fluc in Wien meistens sehr cool!! Ansonsten: Subaudio.Basstrace, RAW, Donnerdub, Treasure Isle, der legendäre Dub Club im Flex back in the day. Truly missed!

Was bevorzugst du: Studioarbeit oder Sound System-Performance?

Studioarbeit, dann Live-Performance mit der Band, dann Selector at a Sound System. So ist die Reihenfolge.

Wer ist für dich der größte Dub-Artist aller Zeiten?

Adrian Sherwood

Und wer der aktuell interessanteste Dub-Artist?

Jah 9

Welches Sound System schätzt du am meisten?

Jah Shaka und OnU-Soundsystem.

Was sind deine persönlichen Top 5 Dub-Alben?

Dub Syndicate: „Stoned Immaculate“
Sly & Robbie: „A Dub Experience“
Burning Spear: „Living Dub Vol 1“
I- Roy: „Dread Baldhead“
Lincoln Sugar Minott: „Ghetto-ology Dubwise“

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Review

Zion Train: Illuminate

Nach fünf Jahren wieder ein neues Album von Zion Train. Mir ist das Soundsystem von Neil Perch wirklich ans Herz gewachsen. Ich kann mich noch gut an ein 1995 von der damals blühenden Plattenfirma EFA organisiertes Zion Train-Konzert in Köln erinnern. Verantwortlich war übrigens der damalige Labelmanager Nicolai Beverungen, der heute Echo Beach betreibt. Ja, das waren Zeiten! Schöne Erinnerungen, die meine Beurteilung neuer Zion Train-Releases bis heute beeinflussen. Deshalb verwundert es nicht, dass mir das neue Werk „Illuminate“ (Universal Egg) wieder ausnehmend gut gefällt: Tolle Melodien, treibende Beats, clevere Arrangements. Wer die Musik von Zion Train kennt, weiß was zu erwarten ist. Übrigens ausdrücklich kein instrumentales Dub-Album, sondern ein Vocal-Set mit 11 Songs (und zwei Instrumentals), das soundtechnisch aber trotzdem im Dub-Kosmos angesiedelt ist. Normalerweise beurteile ich ein Album bevorzugt als Ganzes und vermeide es, einzelne Tracks zu sezieren. Hier aber muss ich doch Michela Grenas Song „Cultural Memories“ heraus greifen und die Frage stellen, warum dieses melodische Meisterwerk nicht längst auf Platz 1 der Reggae Charts steht? Ideenreich produziert und wunderschön gesungen: ein echter Ohrwurm. Tja, hier liegt Neil Perchs großes Talent: Talente zu entdecken und starke Melodien zu kreieren. Das ist in der Soundsystem- und Dub-Szene einzigartig. Und genau das ist es, was aus neuen Zion Train-Alben immer eine kleine Sensation macht. Einziger Wermutstropfen: Die schönen Songs und Dubs hätten ein besseres Mastering verdient.

Bewertung: 4 von 5.
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Review

Alpha Steppa: Raise the Ark

Alpha Steppa, Sohn und Neffe des Dub-Duos Alpha & Omega, legt ein neues Album vor – ein „experimentelles“, laut eigener Aussage. Mal sehen, ob das stimmt. Der Sprosen-Sprössling hat jedenfalls ein fantastisches Gespür für spannungsvolle Beats, geniale Basslines, dunkle Atmosphäre und nice Melodien. Über allem schwebt ein Hauch von Mystik und Spiritualität. Vordergründig wird man seine Musik dem „Steppers“-Style zuordnen, was formal auch durchaus zutreffend ist. Wer aber Steppers für banal hält, sollte auf seinem neuen Album „Raise the Ark“ (Steppas) mal genauer hinhören. Wie schon bei Vater und Tante, liegen hier viele Sound-Layer übereinander und erzeugen ein komplexes Klangbild. Nicht ohne Grund spielt der Album-Name auf Lee Perrys „Raise the Ark“ an, denn ein undurchdringlicher Sound-Dschungel war auch schon dessen Markenzeichen. Wer aufmerksam in dieses Klanggewebe hinein lauscht, erkennt hier polyrhythmische Beats mit teils verrückten Percussions, auf jeden Fall aber gewaltigem Bass und fein ziselierten Arrangements. Tatsächlich hört man Rhythmusstrukturen, die sich nicht mehr eindeutig Reggae zuordnen lassen. So viel zum „Experimentellen“ des Albums. Ich empfinde den Begriff zwar als etwas zu großspurig, muss aber gestehen, dass „Raise the Ark“ für ein Mitglied der Dub Dynasty ziemlich abwechslungsreich klingt. Das liegt nicht zuletzt auch an den großartigen Vokalisten, die Ben Alpha hier versammelt hat. Allesamt steuern ordentliches Liedgut bei, das sich in die Gehörgänge gräbt und im Schädel einnistet. Erschwerend kommt sogar noch hinzu, dass viele der Lyrics inhaltlich deutlich mehr als Spiritualität zu bieten haben. Es gibt übrigens unglaubliche 22 Tracks zu hören, zuerst die Vokal-Versions, anschließend die Dubs.

Bewertung: 4.5 von 5.
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Review Zweite Meinung

Alpha & Omega: Shadrach, Meshach And Abednego

Auch Alpha & Omega lassen wieder von sich hören. Ganz anders als ihr Nachwuchs, meiden die Veteranen das Experiment und liefern das ab, was sie schon immer am besten konnten: Mystischen Steppers-Dub, der keine Gefangenen nimmt. So auch auf ihrem neuen Album „Shadrach, Meshach And Abednego“ (Steppas). Hier begnügen sie sich zwar mit nur fünf Vocal-Tunes und fünf begleitenden Dubs – letztere aber haben es in sich. Ich staune ja immer wieder, wenn ich die beiden, oder Christine alleine am Bass, auf einem Sound System-Event erlebe. Seit über 30 Jahren liefern sie nahezu die gleiche Musik ab, unverdrossen, stetig und mit Hingabe. Das ist wahre Bestimmung. Dub for life. Und vielleicht ist es die Liebe zu diesen mystischen Bass-Sounds, die jedes A&O-Album von neuem so beseelt und inspiriert sein lässt.

Lest auch die Review von Marius

Bewertung: 3.5 von 5.

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Review Zweite Meinung

Dubment: Showcase & Dub Fugues

Wer Dub Spencer & Trance Hill mag, wird auch Dubment lieben. Wie die Erstgenannten, stammen sie aus der Schweiz, machen in Minimalbesetzung minimalistischen Dub, handgespielt und mit ausufernden Rock-Gitarren-Exkursionen. Klingt gelegentich nach einem psychedelischen Jazz-Trio – was wohl daran liegen dürfte, dass Dominik Zäch (Gitarre), Balz Muheim (Schlagzeug) und Linus Meier (Bass) in Luzern gemeinsam Jazz studieren. Reggae und Dub sind eigentlich dem Prinzip der strikten Repetition verpflichtet, doch darum scheren sich die drei auf ihrem Album „Dubment – Showcase & Dub Fugues“ (Echo Beach) nicht besonders. Hier wird ziemlich frei gespielt und beherzt herumexperimentiert. Merkwürdigerweise klingt es dann trotzdem nach Dub. Das Album war übrigens schon seit Dezember 2019 auf dem Markt, kommt jetzt aber aus dem Hause Echo Beach als Deluxe-Version neu raus. Deluxe daran ist, dass der Dubvisionist zu jedem Dub eine kurze „Fuge“ schuf, die dem Original folgt. Wir hören also stets zuerst den Original-Dub, dann folgt eine zwei- bis dreiminütige Fuge. „Einen Dub vom Dub zu machen, erschien mir nicht sonderlich sinnvoll“, gibt der Dubvisionist Auskunft, „Die Originale sollten ganz klar die Helden sein. Die Fugen sind nur kleine Zwischengänge“. Mir gefallen die Zwischengänge ausgesprochen gut, bringen sie doch Dub-Feeling mit, das die Originale im Überschwang der Jazz-Improvisation manchmal etwas vermissen lassen. Hier übrigens von „Fugen“ zu sprechen und damit unweigerlich Assoziationen an Bachs „Kunst der Fuge“ oder auch ans „Wohltemperierte Klavier“ zu wecken, ist wirklich eine coole Idee – auch wenn die Dub-Fugen mit dem musikalischen Konzept einer Fuge nicht viel zu tun haben. Marketing rules.

Lest auch die Rezension von Ras Vorbei

Bewertung: 3.5 von 5.

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Interview

21 Questions to Paolo Baldini DubFiles

Your name: Paolo Baldini DubFiles
You live in: Pordenone, Italy
Title of your last album: „Dolomites Rockers“

What is your personal definition of dub?

Dub is a technique. A technique which, in its original form, allowed to transform a song into a dub version, a new psychoacoustic experience. A technique with a permanent link with reggae music, but now also declined and applied to all genres of black music.

What makes a good dub?

Two things, basically: a song on a good riddim and an inspired dubmaster.

Which aspects of dub music fascinate you the most?

I was amused by the transformational process that a song undergoes when it becomes a dub version. And before understanding the mechanisms behind these processes I was impressed by the role of bass and the feeling of space-time modification. Moreover, this technique transformed exclusively technical equipment into creative and artistic instruments turning the sound engineer into the Dub Master. That is to say, the person who has the power to regulate the emotional tension of a version.

How did you discover your passion for dub and how did you develop yourself and your music since then?

I was a lucky teenager because the Rototom festival started in a place very close to my city and I started attending it from the first edition!
I discovered that world first as a spectator and only then as a musician. Basically I am an underground reggae musician who, exploring the possibilities that home recording offered in the nineties, became a producer. Step by step.

What is the most important factor when producing dub music?

The separation of the tracks of a song, an analogue mixer, and a few aux. And the endless combinations thereof, which is eventually what constitutes the studio of a dubmaster.

What does the process of creating a typical dub track look like?

If it’s a version, I firstly rebuild the original settings of the multitrack session of the vocal cut, and when it sounds good, I start selecting a few outboards and effects that I think fit the tune. I then press “record” and do a number of dubs. Only the best survive.

Dub is a technique, which, in it’s original form, allowed to transform a song into a new psychoacoustic experience.

When are you satisfied with a dub track you produced?

I’m satisfied with a version I make when, listening to it again, I get lost in it and I can’t trace my actions back.

What is your special strength?

I don’t know … Maybe being incline to auto-suggestion.

Which one of your albums do you consider your best work up until now?

Always the last one! But I like being influenced by those who hear and choose them.

Are you able to make a living with music?

Respectable survival.

What aspects of your job do you enjoy the most?

All of them. For real!

What do you dread in the studio?

Current drops? Or maybe my son?! Jokes aside, I have a lot of analogue equipment and I fear the wear of tubes and condensers. Especially in the mixer.

I was a lucky teenager because the Rototom festival started in a place very close to my city and I started attending it from the first edition!

When you’re not working on dubs, what is your favorite thing to do?

When I’m not busy with my family I have several safe places where I regenerate. One of these is astrophysics! When I have time, I go to the mountains.

What do you listen to besides dub music?

Any form of Jamaican music. From calypso to dancehall. I recently re-discovered space music and ambient electronic music.

If money and time didn’t matter: Which project would you like to realize?

I had so many ideas that I stopped thinking about it. Let’s say I’d try to invest on my label La Tempesta Dub to release more material.

Are there any sound system events that you particularly like to attend? Why?

The Dub Academy at Rototom Sunsplash and the International Dub Gathering. I grew up at Rototom.

What do you prefer: Studio work or sound system performance?

Both. One necessarily feeds the other.

Whom do you consider the greatest dub artist of all time?

Could anyone you know not answer King Tubby? They would need a good reason not to.

And who is currently the most interesting dub artist?

There are countless artists who interest and inspire me. I think I could give different answers to this question depending on the time of the day. Iration Steppas are a must in terms of sound system rituals. Dougie Conscious is a big inspiration when it comes to studio mixing… Mad Professor and Adrian Sherwood are a beacon when it comes to using effects. Prince Fatty and Victor Rice are a true inspiration as far as acoustic recording and tape are concerned… And I think O.B.F. are the most interesting crew at the moment.

Which sound system do you value the most?

I have a rock-solid bond with Imperial Sound Army.

What are your personal top 5 dub albums?

5. Scientist: SCENTIFIC DUB
4. Zion Train: ORIGINAL SOUND OF THE ZION
3. Iration Steppas: DUBZ FROM DE HIGHER REGIONZ
2. Lee Perry: REVOLUTION DUB
1. King Tubby & Barrett Bros: PICK A DUB

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Sonstiges

Die dubblog-Playlists

Wer nicht lesen will muss hören: Ab sofort bieten wir euch nicht nur Lesefutter sondern auch Ohrenschmaus. So finden ihr am Ende der Startseite ab sofort zwei exklusive dubblog-Playlists, die wir euch zusammen gestellt haben.

Unsere Playlist „editor’s choice“ bietet einen wöchentlichen Rück- und Überblick auf das aktuelle Geschehen in der Dub-Landschaft. Mit der Track-Auswahl wollen wir das Genre in all seinen Tiefen ausloten, gleichzeitig aber auch die subjektive beste und aktuellste Musikauswahl bieten. Das wichtigste aber: Das Ding soll euch Freude machen und die eine oder andere musikalische Entdeckung bereithalten. Euer Feedback wird uns zeigen, ob wir damit richtig liegen.

Das zweite Audio-Angebot ist die Playlist „deep in dub by dubblog“. Sie umfasst 100 Tracks und lotet das Angebot unserer Lieblingsmusik deutlich umfangreicher und nachhaltiger aus. Sie ist ein Ableger des bewährten Playlist-Koloss „deep in dub (Extended Version)“, der mit über 4.700 Dub-Tracks der neueren Zeit, sprich ab dem Jahr 2000, aufwartet und laufend mit neuem Material erweitert wird. Kuratiert von yours truly – Gerhard Thomas Kriz aka gtkriz – könnt Ihr davon ausgehen, Dub der klassischen Machart serviert zu bekommen. Und dass, so Ihr wollt und durchhaltet, 14 Tage lang 24/7 ohne eine einzige Track-Wiederholung. Die volle Breitseite, sozusagen.

Für alle, die sich eher in den glorreichen Dub-Jahren der späten 70er und frühen 80er am besten aufgehoben fühlen, hier noch ein Tipp: Spotify hostet auch die Playlist „deeper in dub“: Roots Radics, Aggrovators/Revolutionaries/Sly & Robbie, Scientist, Prince Jammy, King Tubby, Joe Gibbs – alle alten Meister versammelt in einer einzigen, tonnenschweren Dub-Schlacht. Enjoy!

Es sein noch kurz angemerkt: Die Web-Einbindung der beiden Playlists „editors choice“ und „deep in dub“ am Ende der dubblog-Startseite erlaubt – aus Gründen des Urheberrechts – nur das Abspielen von 30-sekündigen Previews. Doch nur einen Klick weiter gelangt ihr zum kostenlosen Spotify Web-Player, der euch das komplette Hörvergnügen bietet. Mit SongShift gibt es zudem eine kostenlose App, die es euch erlaubt, Spotify-Playlists in den Streaming-Dienst eurer Wahl zu importieren.

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Review

Paolo Baldini DubFiles Meets Dan I & Imperial Sound Army: Dolomite Rockers

Schon wieder etwas Neues von Paolo Baldini. Im März die Echo Beach-Retrospektive, dann, vor wenigen Wochen, das Dubblestandart-Remix-Album „Dub Me Crazy“ und jetzt mit großem Crescendo: Paolo Baldini DubFiles Meets Dan I & Imperial Sound Army: „Dolomite Rockers“ (La Tempesta Dub). So lang Name und Titel, so fett das Album: 22 Tracks im Showcase-Style, produziert und eingespielt von den beiden Italienern Paolo Baldini und Dan I im Alambic Conspiracy Studio am Fuß der Alpen. Dan I, den ich vor allem aus seiner Zusammenarbeit mit Alpha & Omega in Erinnerung habe, steuert vor allem den Gesang bei, Baldini den Rest. Der Sound ist heavyweight Steppers, kompromisslos und energiegeladen. Clevere Arrangements, smartes Mixing und überhaupt eine sehr beseelte Atmo sorgen dafür, dass negative Steppers-Klischees weiträumig umschifft werden. So kann zeitgemäßer Dub klingen! Okay, Dan Is Vocals sind nicht allzu inspiriert, haben hier aber niemals die Verantwortung, ein ganzes Stück tragen zu müssen. Meist gliedern sie sich harmonisch in den Gesamtsound ein. Aber ich vermute, es war sein Einfluss, der Baldini auf die dunkle Seite des Steppers gezogen hat. Verglichen mit Baldinis früheren Produktionen ist „Dolomite Rockers“ härter, dunkler und wuchtiger geraten. Mir gefällt das supergut. Mit Akae Beka, Fikir Amlak, und Benji Revelation treten zudem drei Gastvokalisten auf, die perfekt zum neuen Baldini-Sound passen. Sehr cool ist auch, dass dieser urbane Dub-Sound in einer der schönsten Naturlandschaften Europas entstanden ist – der Heimat der beiden Musiker. Noch cooler finde ich es, ihr den Albumtitel zu widmen.

Bewertung: 4.5 von 5.

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Jim: Jimmy Reggae Dub

Es ist immer wieder faszinierend, welch unterschiedliche Stimmungen Dub transportieren kann. Der Abstand zwischen der neuen EP von Jim: „Jimmy Reggae Dub“ (JIM) und einem energiegeladenen Steppers könnte größerer jedenfalls nicht sein. Der „Peter Pan des französischen Hip Hop“, als den er sich selbst bezeichnet, hat hier ein zutiefst melancholisches Werk vorgelegt. Geradezu quälend langsame Beats, rau und pur, kontrastieren zu Akkordeon- und Harfenklängen und federleichten, elegischen (synthetischen) Sopranstimmen. Alles in Moll minus. Was Melancholie betrifft, kennt Jim sich bestens aus. Mit seinen Hip Hop-Produktionen hat er ihre Abgründe bereits intensiv erkundet. Seit Jahren leidet er unter einem hochgradigen Tinnitus – schrecklich für jemanden, dessen Leben der Musik gewidmet ist. Aber vielleicht war das ja der Grund, sich den ruhig fließenden Basslines von Dub zuzuwenden. „Jimmy Reggae Dub“ (der Titel ist jedenfalls nicht auf dem Niveau der Musik!) ist innerhalb von drei arbeitsintensiven Wochen in Studioklausur entstanden. „I felt suffocated after 10 years of hip hop“, erklärt Jim, „I always liked reggae but never thought of doing it one day. But with confinement and my desire to explore something else, this EP was born. I tried to get the sound as acoustic and raw as possible.“ Das ist Jim perfekt gelungen. Oft sind es ja gerade die Genre-Außenseiter, die – vielleicht auch unbewusst oder aus Unvermögen – mit den Konventionen brechen, Neues entdecken und so die Musik bereichern.

Bewertung: 3.5 von 5.