
Dreadzone ist eine erstaunliche Band. Ihr erstes Album 1993 stellte für mich eine Zeitenwende des Dub dar. Der Sound war absolut einzigartig und wegweisend. Es folgten More Rockers/Rockers HiFi, Groove Armada, Zion Train (mit dem Album „Siren“) und viele andere, die eine Fusion von Dub und elektronischen Club-Sounds vorantrieben. Aus meiner Sicht damals die absolute Speerspitze der Entwicklung. Umso befremdlicher ist es heute, rund 25 Jahre später, mit „Dread Times“ (DMF) ein neues Album von Dreadzone auf den Tisch zu bekommen, das sich stilistisch kaum weiterentwickelt hat. Es ist immer noch der „revolutionäre“ Sound von vor zwei Dekaden. Merkwürdig. Positiv ließe sich sagen: Dreadzone hat den eigenen Stil gefunden und perfektioniert – und der Stil besteht nicht darin, Avantgarde zu sein, was ich offenbar irrtümlich unterstellt hatte. So betrachte, ist „Dread Times“ durchaus ein gelungenes Album. Verglichen mit anderen Dub- und Reggae-Alben sogar immer noch ausgesprochen eigenständig. Melodiöse Uptempo-Breakbeats, Earl 16 am Mikrophon, üppige Produktion und natürlich, nach wie vor, dem Crossover von Dub und Club verpflichtet. Da fast jeder Track mit einer Vokal-Spur daher kommt, ließe sich trefflich darüber streiten, ob wir es hier überhaupt mit unserem Lieblingsgenre zu tun haben. Dub-Puristen würden wahrscheinlich so heftig den Kopf schütteln, dass die Gefahr einer Gehirnerschütterung bestünde. Ich bin hingegen der Meinung, dass experimentelle, progressive Sounds mit (auch nur entferntem Reggae-Beat) immer Anwärter auf die ehrenvolle Auszeichnung „Dub“ sind. Dumm nur, dass wir es hier mit Retro-Progressivität zu tun haben.
![]()









