Eines der besten Dub-Alben des letzten Jahres kommt aus Frankreich: „Talk the Talk“ (Jarring Effects) von Brain Damage, aka Martin Nathan. Es ist die Dub-Version seines letztjährigen Roots-Albums „Walk the Walk“, auf dem er eine ganze Schar illustrer Foundation-Artists wie Horace Andy, Willi Williams, Winston McAnuff, Kiddus I, Ras Michael u. a. versammelte und sie im jamaikanischen Harry J-Studio aufnahm. (Eine schöne Dokumentation der Aufnahmen ist hier zu finden). Beste Voraussetzungen also für ein brillantes Dub-Werk mit schönen Vocal-Passagen, feinen Melodien und natürlich soliden Beats. Und genau das ist „Talk the Talk“ auch geworden – zumindest das Wenige, was davon zu hören ist, denn das Album hat einen ganz entscheidenden Makel: Die Tracks laufen erheblich zu kurz, maximal vier Minuten (es gibt aber auch Tracks, die über 2,5 Minuten nicht hinaus kommen). Viel zu wenig, um alles das unterzubringen, was Martin zu bieten hat: Seine hervorragenden Rhythms, sein Mix, die gesungenen Melodien und dann noch eingesampelte Interview-Fragmente, in denen die Artists – dem Konzept von „Walk the Walk“ folgend – aus ihrer Kindheit und Jugend erzählen. Der Detailreichtum von Martins Sound, die sensible, ausgewogene Komposition, die Wärme und Seele seiner Stücke, sein feiner, überlegter Mix – alles das hätte erheblich mehr Raum benötigt. Vielleicht fehlte ihm der Mut, die Stimmen der von ihm verehrten Sänger radikal zu kürzen und seine Rhythms selbstbewusst ins Zentrum des Geschehens zu stellen und ganz auf seine musikalische Qualität zu vertrauen. Hätte er neben seinen musikalischen Fähigkeiten auch diesen Mut besessen, dann hätten wir hier wahrscheinlich das beste Dub-Album des Jahres vorliegen. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich will den extended Directors Cut!
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