
Label-Retrospektiven sind ja nichts ungewöhnliches. Wenn jedoch nun auch ein Retro-Label eine Retrospektive erhält, dann ist das schon durchaus einen genaueren Blick wert. Und dieser Blick ist bei der Compilation „Dubbing at King Tubby’s“ (VP) von den Aggrovators auch tatsächlich nötig, denn der Titel allein verrät nicht, worum es hier eigentlich geht. Der erste Blick gehört der Tracklist, die merkwürdig vertraut erscheint, der zweite Blick geht sodann in die ausführlichen Linernotes und offenbart das Geheimnis dieser Compilation: Sie ist die Wiederveröffentlichung dreier Tubby-Compilations, die Steve Barrow für sein legendäres Reissue-Label Blood & Fire Records zusammengestellt hatte – und zugleich eine Hommage an die Arbeit dieses bedeutenden Labels, das 1994 angetreten war, um Roots Reggae-, Dub- und Deejay-Alben in einer so wertschätzenden Art und Weise wiederzuveröffentlichen, wie es für Jazz-Editionen und klassischer Musik üblich war. Steve Barrow scheute dafür keine Mühen, reiste nach Jamaika, um in Bunny Lees Archiv (und in denen anderer Produzenten) nach verborgenen Schätzen zu graben, dokumentierte mit seinen fundierten und umfangreichen Linernotes Reggae-Geschichte, engagierte Kevin Metcalfe für das Mastering und mit Intro eines der besten britischen Designstudios fürs Coverdesign. Finanziert wurde der Aufwand von der Band Simply Red, die genug Geld übrig hatten, diesen selbstlosen Dienst am Reggae zu unterstützen. Das Ergebnis waren rund 130 hochwertige Veröffentlichungen – bis Blood & Fire 2007 seine Pforten leider schließen musste. Seitdem sind viele der Alben nicht mehr erhältlich. So auch „Dub Gone Crazy“, „Dub Gone 2 Crazy“ und „Dub Like Dirt“, jene drei Compilations, die nun unter dem Titel „ Dubbing at King Tubby’s“ zusammengefasst als Doppel-CD wieder vorliegen. Alle drei präsentieren Bunny Lee-Produktionen aus der Mitte der 1970er Jahre, die Steve Barrow von Singel B-Seiten zusammen gesammelt hatte. In den Linernotes, die die Geschichte des Labels nacherzählen, beschreibt Steve Barrow diesen Prozess sehr anschaulich und humorvoll. Ach so, eines sollte doch auch noch erwähnt werden: Neben Label-Geschichte und Reissue-Metageschichte, kann man hier einfach sehr schöne Musik hören – übrigens von Kevin Metcalfe erneut remastert.
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