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Matic Horns: Spanish Town Rock

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Es braucht immer mal wieder Alben, die keine Experimente wagen, die keine Hörgewohnheiten irritieren wollen, die weder sozialkritisch noch provokativ sind, die sich nicht für den Nabel der Welt halten und auch keine Superstars versammeln, sondern einfach nur schlicht und ganz bescheiden, gute Musik bieten. Ein solches Album ist „Spanish Town Rock“ (H.A.T.) von Matic Horns. Im Widerspruch zum Plural des Namens, verbirgt sich hinter Matic Horns nur ein Mann: Henry Tenyue, Posaunist mit Wohnsitz in London. Sein Spiel ist auf unzähligen Reggae-Produktionen zu hören und nicht selten auch auf Live-Konzerten durch Europa tourender jamaikanischer Artists. Nun legt er mit „Spanish Town Rock“ eines seiner raren Soloalben vor. Produziert wurde es von Mafia & Fluxy und gemischt u. a. von Gussie P und Bitty McLean – Garanten für starke Rhythms und tighten Sound. Die meisten Stücke des Albums basieren auf existierenden Riddims und Songs, so dass sich Henry Tenyue und seine Crew einfach auf das Spielen ihrer Instrumente konzentrieren konnten. Und das ist superb. Die Backings (an denen außer Mafia & Fluxy u.a. auch Carlton „Bubblers“ Ogilvie mitgewirkt hat) sind supertight, crisp & rock solid. Ihr Sound ist fantastisch und der zurückhaltende Mix über jeden Zweifel erhaben. Darüber erklingt Tenyues Posaunenspiel – warm, majestätisch und zeitlos. Einfach schön.

Rating 5 Stars

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Mato: Hollywood Dub

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Mato, der große Eklektizist unter den Dubbern wechselt das Referenzmedium: Hatte er sich zuletzt mit der Dub-Version des Daft Punk-Klassikers „Homework“ zwischen die Stühle gesetzt, so wendet er sich mit seinem neuen Album „Hollywood Dub“ jetzt dem Film zu. Das Konzept: Den Soundtrack von Filmklassikern in Dub zu übersetzen. Wer schon immer mal den Titelsongs von „The Good, the Bad and the Ugly“, das Darth Vader-Thema aus „Star Wars“ oder das Liebes-Thema aus „The Godfather“  – oder gar den 20th Century Fox-Vorspann in Dub hören wollte, wird auf Matos neuem Album „Hollywood Dub“ (Stix) fündig. Dabei handelt es sich natürlich nicht um echte Remixe, sondern um gänzlich neu eingespielte, auf soliden Reggae-Beats basierende Stücke, die mit den Melodien aus den Filmen und einigen Anleihen an das Originalarrangement garniert sind. Obwohl Mato im Titel von Dub spricht und an Hall, Echo und Kanal-Spielereien nicht spart, wirken die Tracks eher wie gut gelaunte Instrumentals. Die magisch-raumzeitliche Dimension von Dub fehlt gänzlich. An ihre Stelle tritt das virtuose Spiel mit den musikalischen Zitaten. Statt düsterer Basslines, scheinen Matos Beats beschwingt zu hüpfen, während dazu die berühmten Filmmelodien mal mit Melodika, mal mit Orgel, Gitarre, Trompeten, Synthie oder gar Mundharmonika intoniert werden. In jedem Takt scheint ein schalkhaftes Lächeln von Mato zu stecken. Richtig ernst nimmt er die Angelegenheit wohl nicht – obwohl er absolute handwerkliche Präzision walten lässt. Wahrscheinlich wird wohl kaum ein wahrer Dub-Freund das Album in seine Favoritenliste aufnehmen, – aber am Sonntagnachmittag mal durchlaufen lassen ist absolut angemessen.

Rating 4 Stars

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King Tubby: The Best of King Tubby

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Schon wieder King Tubby! Gefühlt erscheint jede zweite Woche ein Album des Großmeisters – mit immer dem gleichen, nur jeweils anders nach Themen kombinierten Material. Ich bin überzeugt: jeder seiner Mixe wurde inzwischen bestimmt zwanzig mal veröffentlicht. Discogs.com listet allein 145 Alben unter seinem Namen – nicht mitgezählt sind hier die Rereleases, EPs, Singles sowie Bonus-Dubs auf Veröffentlichungen anderer Artists. Okay, der Mann ist eine Legende, sein Werk famos und überhaupt ist Dub – den er ja bekanntlich erfand – die Basis aller moderner Instrumentalmusikspielarten. Aber rechtfertigt das diese Inflation? Naja, solange sich Geld damit verdienen lässt wahrscheinlich schon. Und vielleicht ist ja die Doppel-CD „The Best of King Tubby“ (Trojan) nun der Versuch, die ultimative Tubby-Compilation heraus zu bringen und endlich einen Schlussstrich zu ziehen. Hat das Release das Zeug dazu? Die CD zum Ramschpreis versammelt die angeblich 40 besten Tubby-Dubs aus dem riesigen Trojan-Konvolut und spannt einen Bogen von „Dub Organiser“ über „Stalag 17“, „Roots of Dub“, „A Ruffer Version“ bis zu „Dancing Roots“. Die zugrunde liegenden Produktionen sind aus der Zeit zwischen 1973 und 1976 und stammen von den damaligen Top-Produzenten wie Bunny Lee, Niney Holness, Lee Perry, Augustus Pablo, Rupie Edwards, Clancy Eccles, Derrick Harriot u. a. Lediglich die Linval Thompson Produktion „King Tubby at the Controls“ ist von 1978 und beschließt das Album – wahrscheinlich wurde sie wegen ihres passenden Titels gewählt, denn es handelt sich nicht um einen Dub. Remastert wurde hier nichts, doch der Sound ist absolut okay. Was also spricht gegen diese Kompilation? Vielleicht, dass man der endlos oft gehörten Tubby-Dubs einfach überdrüssig ist? Gewiss, ein Tubby-Album würde ich kaum mehr freiwillig aus dem Regal ziehen. Doch wenn ich dann doch mal unversehens in einen Dub des Meisters hinein gerate (z. B. wenn ich mal wieder ein Best-of-Album rezensiere), dann zieht mich seine Musik unvermittelt in ihren Bann. Dann fasziniert mich Tubbys eleganter, leichtfüßiger und doch irgendwie auch radikaler Stil genau so wie der reiche, analoge Sound des noch jungen Reggae. Ist ein bisschen wie im Museum: Ich gehe hin, um eine spektakuläre Ausstellung zeitgenössischer Kunst zu sehen und letztlich verbringe ich dann doch die meiste Zeit im Raum der alten Meister. Ob mich ein „Best of Rembrandt“ begeistern würde? „The Best of King Tubby“ gelingt es wider Erwarten – auch, wenn die Compilation ohne Tubbys Signature-Tunes wie „King Tubby Meets Rockers Uptown“, „Waterhouse Rock“, „King Tubby’s Rock“ oder „In Fine Style“, ihrem großspurigen Titel letztlich nicht ganz gerecht werden kann. Das Gute daran: Es bleibt noch Potential für viele, viele weitere Tubby-Compilations.

Rating 4 Stars

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Tackhead vs. Robo Bass HiFi vs. Fats Comet: The Message

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Und noch mehr Robo Bass HiFi: Tackhead vs. Robo Bass HiFi vs. Fats Comet: „The Message“ (Echo Beach). „Für meine Remix-Alben habe ich zwar „Originale“, gehe aber beim Dub-Mix ganz anders vor, als die jamaikanischen Originators. Statt das Original neu abzumischen und mit Effekten zu versehen, nehme ich es komplett auseinander und baue ein ganz neues Stück daraus. Ich mache aus dem Material komplett neue Stücke. Die Konstante sind lediglich Schlagzeug und Bass – die Groove-Basis. Bei allem, was ich drüber mache, nehme ich mir ganz viel Freiheit. Warum sollte ich mich da limitieren?“, fasst Markus Kammann seine Arbeitsweise zusammen. Wie das dann klingt, lässt sich anhand seiner Tackhead-Remixe herausfinden: wild und verrückt – aber tatsächlich weniger abgefahren, als auf seinem eigenen, zeitgleich erscheinenden Werk „King Size Dub Special“. Daher gefällt mir „The Message“ sogar etwas besser, obwohl wir es hier kaum mit Reggae zu tun haben. Elektro-Funk, HipHop und Industrial trifft es eher – was angesichts der musikalischen Herkunft der drei Tackheads (Doug Wimbish, Keith Leblanc und Skip McDonald) aus dem HipHop der 1980er und 1990er Jahre nicht verwundert. Ende er 1980er Jahre trafen sie auf Adrian Sherwood und produzierten mit ihm drei Alben. Ein viertes folgte dann 2014, 24 Jahre nach der letzen Zusammenarbeit. Eine Auswahl von Tracks dieses Albums, zusammen mit Dance-orientierten Aufnahmen, die Tackhead in den 1980er Jahren unter dem Namen Fats Comet aufnahmen, bilden nun das Material, dessen sich der Robo bediente. Allerdings wage ich die Prognose, dass Freunde rollender Basslines an dem Elektro-Funk nicht allzu viel Spaß haben werden. Wer sich allerdings mal gründlich dir Ohren durchpusten lassen möchte, ist hier goldrichtig.

Rating 4 Stars

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Robo Bass HiFi: King Size Dub Special

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„Eine Priese EDM, ein wenig Bratzigkeit, ein bisschen Dream Synthies, auch Dubstep und Trap – auf jeden Fall Alarm, Blaulicht, Schwaden und: Dub“, so beschreibt Label-Manager Nicolai das neue Album von Robo Bass HiFi: „King Size Dub Special“ (Select Cuts). Und ich muss sagen: da liegt er verdammt richtig. Robo Bass HiFi ist der Major Lazer des Dub. Widmete er sich auf seinem letzten Album „Nu School of Planet Dub“ dem Remix (was aber letztlich auch nichts anderes als eine Neuerfindung des Originals war), so kreiert er auf dem King Size Dub Special wieder „from Scratch“, hat alle Freiheit und weiß sie auch zu nutzen. An Ideen, Beats und Sounds mangelt es ihm wahrlich nicht. Wer’s böse meint, würde hier sogar glatt von Überproduktion sprechen. Ich habe nix gegen gute Ideen, liebe es andererseits aber auch, wenn Bass und Space zueinander finden. Und von letzterem könnte das fast schon als hektisch zu bezeichnenden Werk am meisten gebrauchen. Heftig pulsierende Beats, Breaks in Überfülle und unzählige Schichten an Sounds übereinander gestapelt – nicht gerade das Rezept von Dub, oder? Ich bin mir nicht sicher, ob Marcus Kammann (der Mensch hinter dem Robo) hier nicht Opfer seines eigenen programmatischen Anspruchs geworden ist, mit den Konventionen des Genres möglichst brutal zu brechen. Die etwas weniger wilden, strukturierteren Tracks in der zweiten Hälfte des Albums zeigen, dass weniger hier vielleicht mehr gewesen wäre. Aber vielleicht werde ich auch nur alt.

Rating 3 Stars

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Studio One Dub Fire Special

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Wie schon 2004 und 2007 haben die Coxsone Dodd-Nachlassverwalter von Soul Jazz das Studio One-Archiv nach Dub-Versions durchsucht, die im Laufe der 1970er Jahre meist unter dem Artist-Namen „Dub Specialist“ auf diversen Alben veröffentlicht wurden. Und sie sind natürlich fündig geworden. Erstaunlich: Obwohl die beiden früheren Alben schon insgesamt 35 Tunes aus dem Fundus gefischt haben, blieben noch satte 18 weitere, großartige Dubs für das Album „Studio One Dub Fire Special“ (Soul Jazz) übrig – was mal wieder eindrücklich beweist, welch unglaublich kreativen Output dieses kleine Studio in der Brentfort Road in den 1960er und 1970er Jahren hatte. Eingespielt wurden die Stücke von der eigentlich immer gleichen Inhouse-Band, die aber stets andere Namen trug wie z. B. The Sound Dimension, New Establishment, Soul Defenders und natürlich Brentford All-Stars. Den Dub-Mix absolvierte im Wesentlichen Sylvan Morris, aber auch Clement Dodd soll selbst gemischt haben sowie auch ein junger Scientist. Allerdings darf man hier nicht allzu große Dub-Kunst erwarten. Die technischen Mittel des Studios waren bescheiden und die verwendet Aufnahmen oftmals ziemlich alt, weshalb so mancher „Dub“ eigentlich eine bessere „Version“ ist. Aber nichts desto trotz: der Flow der hier versammelten Musik ist einfach wunderschön. Nahezu jeder Rhythm ist ein Klassiker und es macht Spaß (oder raubt den letzten Nerv), den jeweiligen Riddim zu identifizieren.

Rating 5 Stars

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Vin Gordon & The Real Rock Band; Heavenless

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Wer kann bei diesem Namen und Titel widerstehen: „Heavenless“ (Roots Garden) von Vin Gordon & The Real Rock Band? Wer den ersten Track startet, fragt sich sofort, ob er es hier mit dem Original von 1968 zu tun hat. Der Sound schrammelt Studio One-mäßig, die Heavenless-Bassline pumpt und darüber Vin Gordons majestätische Jazz-Posaune. Aber nein, die Aufnahmen sind brandneu! Niemand geringeres als Master-Producer und Dub-Veteran Nick Manasseh bat Mr. Gordon zu sich ins Studio, um neben der Neuinterpretation von „Heavenless“ und „Revenge“ (ein Track, den er im Original 1974 für Yabby You aufnahm) fünf weitere, neue Kompositionen aufzunehmen. Und wie bei allen Pflanzen im Roots Garden, ist auch diese wunderschön. Historischer Sound in der technischen Perfektion des Jahres 2016. Ganz nebenbei: Prince Fatty und Nick Manasseh scheinen sich momentan überbieten zu wollen in der Kunst, den perfekten Reggae-Retro-Sound zu kreieren. Mit „Heavenless“ hat Mr. Manasseh jedenfalls wieder die Nase vorn. Der Ordnung halber sei erwähnt: Statt mit regulären Dubs, haben wir es auf diesem kurzen, aber starken Album erwartungsgemäß natürlich mit Instrumentals zu tun.

Rating 5 Stars

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Miniman: Inside

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Miniman! Wie schön, dass es den noch gibt. Mein erstes Album des Franzosen datiert aus dem Jahr 2002, das zweite dann aus 2006, dann das letzte aus 2012. Und zu allen Alben hatte ich gänzlich konträre Meinungen. Während das erste Album in meinen Augen gut war, schrieb ich zum zweiten einen bösen Verriss, nur um das dritte dann über den Klee zu loben. Liegt das am Wandel meines Geschmacks oder an wechselnder Qualität im Werk von Roland Rougé, aka. Miniman? Eine kurze Spotify- und iTunes-Recherche bestätigen mir: Minimans Dubs changieren zwischen superb und quälend langweilig. Hören wir also mal ganz unvoreingenommen in sein neues Werk: „Inside“ (Miniman). Steppers schallt uns entgegen, ganz und gar orthodox. Gewissermaßen das Idealbild von Dub aktueller französischer Prägung. Das verdient allerdings noch längst kein Lob. Wie bei jedem Werk der Kunst, kommt es auf die (leider individuell unterschiedliche) Mischung aus Bekanntem und Neuem an: Nur so viel Bekanntes, dass man sich als Rezipient gut orientieren kann und festen Boden unter den Füßen spürt. Zuviel davon und die Sache wird langweilig. Und dann: nur so viel Neues, dass Interesse und Neugier geweckt werden. Ein Zuviel davon führt zur Überforderung, ein Verstehen ist ausgeschlossen und der Rezipient schaltet ab. Doch wie ist das richtige Mischungsverhältnis? Ein Novize und ein Kenner haben da ziemlich unterschiedliche Ansprüche. Miniman jedenfalls ist kein großer Freund der Verfeinerung. Er bleibt lieber beim Bewährten und riskiert – ja – Langeweile. Und doch: ziemlich geschickt entkommt er der Langeweile auf manchen Tracks mit Hilfe einer kleinen, feinen Melodie oder einem ungewöhnlichen Arrangement beim Mix. Daher schrappt das Album knapp am Verriss vorbei und bekommt von mir das Urteil: durchaus akzeptabel.

Rating 3 Stars

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Mad Professor Meets Channel One Sound System

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Wie der Sohn (s. „A Double Dose of Dub“), so misst auch der Vater seine Dub-Kräfte mit einem Sound System: „Mad Professor Meets Channel One Sound System“ (Ariwa). Auch wenn der verrückte Professor längst nicht mehr so brillant ist wie zu Beginn seiner Karriere, so gehört er doch zu meinen Lieblingen. Und das Channel One Sound System ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Seine selbstbewusste Old School-Attitüde und natürlich seine zeitlos guten Dub-Selections haben mich das Veteranen-Sound System in mein Herz schließen lassen. Daher war ich auch höchst gespannt auf dieses Album, das dem Clash meiner Lieblings-Titanen gewidmet ist. Tja, und wie das immer so ist mit zu hohen Erwartungen: Das so sehnlich Erwartete kann ihnen selten gerecht werden. So auch hier: Mad Professor liefert fünf souveräne Dubs ab. Mal wieder großartig arrangiert und gemixt – von der Rhythm-Basis her aber leider zu schwach. Hier fehlt einfach die Intensität, die geniale Bassline, die starke Melodie. Mit einem Wort: Es fehlt die Magie. Mikey Dread von Channel One geht dann schon etwas kraftvoller zur Sache, dreht den Bass weiter auf und konzentriert seine Dubs stärker. Aber auch das geht mir nicht weit genug. Wer Channel One schon live erlebt hat, der wird es kaum glauben: Die Dubs auf diesem Album wirken zu leicht, zu spielerisch, ja, zu Old School, denn eigentlich passt der Sound besser ins Jamaika der 1970er Jahre als ins UK des Jahres 2016. Und so passiert es mir beim Hören des Albums allzu oft, dass meine Gedanken abschweifen und die Musik in den Hintergrund tritt. Sie vermag es nicht, meine Aufmerksamkeit zu binden, meine Neugier zu entfachen und mich in ihren Bann zu ziehen. Den Clash der Titanen hätte ich mir definitiv spektakulärer gewünscht. Allerdings: Das Cover ist spitze!

Rating 3 Stars

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Joe Ariwa & Ashanti Selah: A Double Dose of Dub

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Da reden alle davon, dass sich junge Leute nicht mehr für den Reggae ihrer Eltern interessieren, und dann das: Der Sohn von Mad Professor, Joe Ariwa und der von Sound System-Betreiber Aba Shanti I, Ashanti Selah, bringen zusammen ein Dub-Album nach Großväter Sitte im wechselseitigen Schlagabtausch heraus: „A Double Dose of Dub“ (Ariwa). Schauen wir mal, ob die Väter ihre Sprösslinge in der Kunst des Dub wohl unterwiesen haben. Eines fällt jedenfalls sofort auf: Stilistisch unterscheiden sie sich die Dubs der beiden ganz außerordentlich. Während Joe den geradezu von barocker Überfülle geprägten Stil seines Vaters pflegt, bedient Ashanti Selah den eher reduzierten Stil des UK-Dubs. Wo Joe Virtuosität beweist, antwortet Ashanti Selah mit Intensität. Das im Vergleich zu hören, ist durchaus spannend – reicht aber letztendlich nicht aus, um wirklich zu überzeugen. Wie bei vielen Werken aus dem Hause Ariwa, ist die Dub-Mixtechnik hervorragend, allerdings mangelt es an einer entsprechend starken Rhythm-Grundlage. Vor allem im Vergleich zu den frühen Rhythms aus der legendären „Dub Me Crazy“-Reihe, klingen die jüngeren Produktionen oft irgendwie uninspiriert und austauschbar. In dieser Hinsicht ist das Steppers-Material von Ashanti Selah etwas besser. Jedoch kann es vor der Komplexität der Ariwa-Rhythms und der Mix-Virtuosität von Mad Prof & Son nicht bestehen. Schön laut gespielt, entwickeln die Ashanti-Dubs durchaus Druck und Intensität, aber interessanter werden sie dadurch leider auch nicht. Daher muss mein Verdikt lauten: Schöner Versuch, weiter so. Da geht noch was.

Rating 3 Stars