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Mad Professor meets Prince Fatty: In the Clone Theory

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Es ist die Zeit der generationsübergreifenden Dub-Konferenzen. Hatten wir zuletzt einen Dub-Gipfel in Jamaika: King Jammy meets Alborosie, so folgt nun das UK-Counterpart: „Mad Professor meets Prince Fatty in the Clone Theory“ (Evergreen Records). Originator und moderner Epigone treffen sich hier zum Schlagabtausch: Fünf Tracks steuert der Prof. bei, fünf der Prince. Und dann wäre da noch eine dritte Person, die einst im Ariwa-Studio an den Drums saß, heute aber als Deejay mit Prince Fatty tourt und vor wenigen Monaten ein Album bei ihm veröffentlicht hat: Horseman. Seine Rolle bei diesem Projekt bleibt allerdings ungeklärt – spielt er vielleicht die Drums auf allen Tracks? Das Cover zeigt ihn als Opfer der beiden verrückten Wissenschaftler, bei dem Versuch, die Clone-Theorie in die Tat umzusetzen. Das musikalische Ergebnis dieses Versuchs ist jedenfalls geglückt. Die Archivware des Profs harmoniert erstaunlich gut mit den eklektizistischen Fatty-Produktionen. Zusammen ergeben sie ein richtig angenehmes, wunderbar beseeltes Old School-Dub-Album, das ganz auf fancy Gimmicks, auf Basslawinen und digitale Spielereien verzichtet und uns schlicht und ergreifend nur eines bietet: Dub – pur, simpel, handgespielt und handgemixt. Okay, ich muss zugeben, dass mich andere Fatty-Produktionen mehr geflasht haben, und ich den Professor früher generell besser fand. Aber andererseits sind hier zwei meiner großen Dub-Helden am Werk und ich werde den Teufel tun, das nicht ausgesprochen gut zu finden.

Rating 4 Stars

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Vibronics: Return of Vibronics

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Steve Vibronic zählt zu den Urgesteinen der UK-Dub-Scene. Seit ihrem Aufstieg in den 1990er Jahren, ist er einer ihrer produktivsten Akteure – und vor allem einer, der heute noch am Ball ist. Dabei ist er sich und dem Steppers-Style treu geblieben, hat sich aber zugleich weiterentwickelt und seinen Sound stets angepasst und modernisiert. Sieben Jahre nach dem letzten Vibronics-Solo-Album unter eigenem Namen, feiert der Soundman aus Leicester mit „The Return of Vibronics“ (Scoops Records/Jarring Effects) nun sein Comeback – obwohl er eigentlich gar nicht lange genug Weg vom Fenster war, um von einer Wiederkehr reden zu müssen. Erst 2010 erschien sein Album „French Connection“, das in Kooperation mit französischen Artists entstanden war, und 2014 gab’s dann mit „Empire Soldiers“ ein Kolaborationsalbum mit Brain Damage. Steve ist also keineswegs eingerostet – was er mit seinem „Return“ auch eindrücklich unter Beweis stellt. Allerdings zählt er auch nicht zu den Feinmotorikern des Genres – so dass etwas Flugrost kein Problem wäre. Im Gegenteil: Der Name „Vibronics“ steht für harten, kompromisslosen Steppers, so wie ihn Soundsystems lieben. Entsprechend brachial ist Steves Return: Stoisch stampfen seine Drum-Beats durch Bassgewitter, die Hosenbeine flattern und Schädel vibrieren lassen. Die Energie seiner Dubs ist atemberaubend. Vor allem in der ersten Hälfte seines Albums gelingt es ihm, die rohe Gewalt seiner Drum & Bass-Arrangements in reizvollen Kontrast zu gesungenen Melodien zu setzen. So steuern z. B. die großartige Soom T aber auch Macka B, Madu Messenger oder Michael Prophet ein paar Lyrics bei. Vor allem Letzterer liefert mit „Searching for Jah“ einen richtigen Hit-Tune ab. Die rein instrumentalen Dubs der zweiten Albumhälfte könnten allerdings – nachdem sich der Bass-Überwältigungseffekt etwas verbraucht hat – durchaus noch etwas Esprit vertragen. Brutale Bass-Gewalt gepaart mit Witz und Klugheit – das wär doch mal was!

Rating 4 Stars

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Serendubity-Festival

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Reggae-Festivals haben wir in Deutschland inzwischen reichlich. Früher, als das Summer Jam noch auf der winzigen Loreley-Freilichtbühne statt fand, hätte ich niemals vermutet, das ein Reggae-Event so unglaublich wachsen könnte. Irgendwie hatte ich damals Reggae noch für Special Interest gehalten. Inzwischen ist mir bewusst: Im Sommer, open air, ist Reggae Mainstream! Ein Schicksal, das Dub wohl niemals ereilen wird. Obwohl … Ein erstes, amtliches Dub-Festival gibt es hierzulande schon: das Serendubity-Festival. Dieses Jahr findet es vom 24. bis 26. Juli, nördlich von Berlin, auf einem alten Militärflughafen, inmitten alter Düsenjets und grasbewachsener Hangar statt. Musikalisch schlägt das Festival den Bogen von klassischem Reggae-Dub, über Roots und Ska hin zu Dubstep, Jungle, Trap etc. Ich finde, das klingt nach einem interessanten Konzept. Aus dem Line-Up sind mir allerdings nur vereinzelt Namen bekannt (vor allem natürlich die Senior Allstars), was wahrscheinlich daran liegt, dass der Schwerpunkt bei deutschen und französischen Acts liegt, während die Veteranen aus dem UK erst mal zu hause bleiben müssen. Ich würde das Festival liebend gerne besuchen, muss aber leider wegen Urlaubs verreisen ;-). Am besten ihr geht mal hin und berichtet mir!

Website des Serendubity-Festivals
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Five Star Review

The Senior Allstars: Dub from Jamdown – Darker than Blue

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Ein schlichtes, einfaches, unkompliziertes Album ist von den Senior-Allstars nicht zu erwarten. Ohne Konzept läuft bei ihnen nämlich gar nichts. Das fängt schon damit an, dass die Band Dub statt Reggae mit Gesang spielt – auch live. Ein Instrumentalalbum von Dub-Produzenten remixen zu lassen, die Dubs dann live als Album wieder einzuspielen, um sie schließlich mit Gesang zu versehen und erneut remixen zu lassen, klingt nach einem komplizierten Konzept, oder? Genau das steckt hinter den Alben „In Dub“, „What Next?“ und „Verbalized and Dubbed“. Im Vergleich dazu wirkt das Konzept hinter dem neuen Album „Dub from Jamdown – Darker than Blue“ (Echo Beach) auf den ersten Blick fast simpel: 2001 erschien auf Blood & Fire der von Steve Barrow und Mark Ainley zusammengestellte Sampler, „Darker than Blue: Soul from Jamdown 1973 – 1980“ mit Reggae-Reworkings von US-Soul Klassikern. Von diesem Sampler waren Markus Dassmann, Arne Piri, Gudze und Thomas Hoppe so angetan, dass sie beschlossen, die Stücke instrumental neu einzuspielen und ein neues Dub-Album der Senior Allstars daraus zu zaubern: „ Dub from Jamdown – Darker than Blue“ (Echo Beach). Oder einfacher ausgedrückt: Die Senior Allstars spielen die Stücke von Reggae-Artists nach, welche die Stücke von Soul-Artists nachgespielt haben. Alles klar? Es sind also Songs in der dritten Inkarnation. Na, wenn das mal nicht doch ein typisches Senior-Allstar-Konzept ist! Doch jedes Konzept ist nur so gut wie das, was hinten raus kommt – wie schon unser Bundeskanzler A. D. wusste. Tja, und das ist mal wieder der gute, alte, handgespielte, puristische, entspannte und leicht jazzige Sound der Allstars. Extrem präzise, reduced to the max, zugleich aber menschlich warm, organisch und stets leicht melancholisch – die Jungs haben ihren Stil gefunden. Und offenbar auch das richtige Material, um ihn einzusetzen: Songs wie „Baltimore“, „Aint no Sunshine“ oder „Why Can’t We Live Together“ klingen in ihrer Umsetzung einfach grandios.

Rating 5 Stars

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Five Star Review

Vibration Lab: Brass Plant EP

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Im Dub gibt es zwei große Sub-Genres: 1. Der historische, jamaikanische Dub, basierend auf klassischen, handgespielten Reggae-Backings. Bei ihm steht der Mix im Vordergrund. 2. Der UK-Steppers-Dub, basierend auf digitalen Rhythms mit starker Betonung der Bassline sowie der four to the flour-Bassdrum. Hier steht das Bass-Erlebnis im Vordergrund. Eigentlich sind beide Stile inzwischen historisch und es stellt sich immer wieder die Frage nach dem Sound eines zeitgemäßen Dubs, der nicht Klischees bedient, sondern konzeptuell und ästhetisch auf der Höhe der Zeit ist und im Reigen moderner populärer Musik mitspielen kann. Darauf gibt es viele mögliche Antworten. Doch eine Antwort erscheint mir derzeit am überzeugendsten: die „Brass Plant EP“ (Reggae Roast) des Vibration Lab. Hinter diesem Namen stecken zwei Sound-Tüftler aus Bristol und London, die von sich behaupten, „Future Reggae“ zu produzieren. Mit einem Bein stehen sie im Reggae-Dub, mit dem anderen in aktueller, digitaler Bass-Music. Mit ihrer neuen EP ist ihnen ein großer Wurf gelungen. Ich bin der Meinung, dass es ihnen endlich geglückt ist, ihre Idee vom „Future Reggae“ in die Tat umzusetzen – obwohl es sich hier, streng genommen, um „Future Dub“ handelt. Im Zentrum ihrer Musik pocht das Herz des Dub, dunkel, stetig, energisch. Es treibt einen Strom an Bass durch den Organismus. Einen Tsunami an Bass, der an Fenstern und Türen rüttelt. Stoisch und repetitiv drängt er gegen Trommelfell, Bauch und Brust. Doch dann sind da noch die Reggae-fremden Sound-Elemente, die eher aus den Sphären elektronischer Club-Music stammen, sich aber kongenial in das Reggae-Fundament einfügen. Sie formen sich zu kleinen Melodien, teils winzigen Phrasen, die endlos wiederholt werden und sich schließlich zu einem komplexen, polyrhythmischen Ganzen von unglaublicher meditativer Kraft fügen. Präzise, druckvoll, dynamisch und wahnsinnig schön. Müsste ich jemandem erklären, was moderner Dub ist – ich würde diese EP vorspielen – in der Hoffnung, meine Zuhörer spontan zu missionieren und in das Lager der Dub-Enthusiasten zu locken. Als nächstes haben die beiden Vibration Lab-Jungs ein Album mit Linval Thompson in der Planung. Darauf bin ich mehr als gespannt.

Rating 5 Stars

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Chris Dubflow: Delay Construct

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2011 veröffentlichte der Schweizer Chris Dubflow sein Debut-Album „Echostream“ und ich war hin und weg. Damals schwärmte ich vom „repetitiv treibenden, leicht technoiden, elektronischen Dub à la Rhythm & Sound und Rockers HiFi“. Nun legt Chris sein neues Album vor: „Delay Construct“ (Everest) und macht damit genau dort weiter, wo er vor fünf Jahren aufgehört hatte. Der hypnotische, von warmen Synthie-Flächen getragene Minimal-Groove, könnte locker aus fünf Jahre alten Sessions stammen. Und genau damit habe ich nun – trotz aller Sympathie für seine Musik – Probleme. Vielleicht habe ich in der Zwischenzeit auch nur zu viel von diesem Minimal-Dub-Techno gehört, aber irgendwie ist bei mir die Faszination für diesen Stil auf der Strecke geblieben. Ich habe mich offenbar satt gehört an dem Synthie-Allover-Gewaber und hätte mir von Chris Dubflow eigentlich den nächsten Evolutionsschritt dieser speziellen Dub-Spezies gewünscht. Mal sehen, wohin ihn der Flow des Dub beim nächsten Mal treiben wird.

Rating 3 Stars

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Alien Dread Meets Rhythm Foundation: Everchanging Dub

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Hier haben wir mal ein Dub-Album mit Geschichte. Und zwar wurden die Rhythm Tracks schon 1988/89 aufgenommen und von Gussie P. in seinem Londoner A-Class-Studio zu Dubs verarbeitet. 2000 erschien dann das Album „Everchanging Dub“, das sich auch heute noch erwerben lässt. Aber die Story geht weiter: Die alten Aufnahmen wurden jüngst wieder ausgegraben und Alien Dread überlassen, der sie in seinem nietnagelneuem AD-Studio „fully re-mixed“ und auf dem Album Alien Dread Meets Rhythm Foundation: „Everchanging Dub“ (ACL 2000) wiederveröffentlicht hat. Dummerweise finde ich keine Quelle, um mir das Original anzuhören, aber mich dünkt, dass der Remix ziemlich nah am Original sein muss, denn was mir hier zu Ohren kommt, klingt ziemlich nach dem zeittypischen Sound der späten 1980er. Soll heißen: computerised, perkussiv, metallisch (Mad Prof. lässt grüßen), uptempo und eher leicht statt heavy. Für meinem Geschmack nicht unbedingt ideales Dub-Material und rückblickend kann ich gut verstehen, dass Dub in den späten 1980ern einen schweren Stand hatte. Nett ist, dass hier so manche Studio One-Bassline ans Ohr dringt und Erinnerungen weckt. Mit „Organic“ auf der Bassline von „Dub Organiser“ gibt’s hier einen ganz frühen Steppers-Track zu hören, der einen Blick in die Zukunft wagte, denn just im Entstehungsjahr dieser Aufnahme, machten sich UK-Dub-Pioniere wie Alpha & Omega, Zion Train oder The Diciples mit einem neuen Sound auf den Weg, der den Dub für immer verändern sollte. Everchanging Dub eben.

Rating 3 Stars

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Five Star Review

Natural Numbers: In Dub

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Mit den „Signs & Wonders“ des in L. A. ansässigen Dub Clubs, entstanden unter der Regie von Club-Veranstalter, Old-School-Reggae-Fanatiker und Hobby-Produzent Tom Chasteen, bin ich vor zwei Jahren gar nicht warm geworden. Sie boten sehr schön reproduzierten Rub-A-Dub-Sound, blieben dabei aber so nah am Original, dass sich unweigerlich die Frage stellte: Warum eine Kopie, wenn man das Original schon hat? Nun präsentiert Chasteen sein neues Album „In Dub“ (Stones Throw) unter ebenfalls neuem Artist-Namen: Natural Numbers. Das macht schon deutlich, dass er hier einen anderen Weg einschlägt. Natürlich bleibt er der alten Schule treu, aber was die natürlichen Nummern hier zu Gehör bringen, ist weit davon entfernt, lediglich eine Kopie des jamaikanischen Originals sein zu wollen. Nein, hier ging Chasteen ambitionierter ans Werk und hat zehn Tracks produziert, die eigenständig und einzigartig sind. In einem wunderbar entspannten, warmen Sound perlen hier vor musikalischen Einfällen, Atmosphäre und beschwingten Melodien nur so strotzende Dubs aus den Lautsprechern. Da hat Mr. Dub Club ein richtig schönes Album abgeliefert, das dem klassischen, jamaikanischen Dub huldigt, ohne ihn zu klonen. Aufgenommen wurde das Album 2013 mit einer echten Los Angeles-„All Stars“-Studioband um den Bassisten Fully Fullwood. Von ihnen stammt dieser schöne, klassische, handgespielte, warme Reggae-Sound, den Chasteen dann mittels Live-Mix in – tja, wie soll ich es ausdrücken – schlicht grandiose Dubs verwandelt hat. Garniert mit Vocal-Einsprengseln, die den Eindruck vermitteln, als existierten Song-Originale (was vielleicht sogar der Fall ist – wer weiß?), begleitet von so manchem Gitarren-Solo, das direkt einem Western entsprungen sein könnte und kontrastiert von charmanten Orgel-Parts, wie sie Mr. Mittoo nicht schöner hätte abliefern können. In meinen Ohren die perfekte Fusion aus Old-Style und modernem Dub-Verständnis. In einem Interview sagt Tom Chasteen: „I’ve realized that I’m not Jamaican and I never will be.“ Vielleicht war das die entscheidende Erkenntnis, die zu diesem schönen, neuen Album geführt hat.

Rating 5 Stars

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Five Star Review

Detroit Boys: Sexy Jamaicans

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Hier habe ich ein ambivalentes Dub-Album aufgetan: „Sexy Jamaicans“ (Candy Beats) von den Detroit Boys. Welch bescheuerter Titel und auch der Artist-Name ist für einen Dub-Act reichlich abwegig. In scharfem Kontrast dazu: Die Musik. Von den Dub-Alben, die aktuell in meiner Playlist rotieren, klicke ich am häufigsten auf „Sexy Jamaicans“ – und das bestimmt nicht wegen des Covers (welches das Niveau von Name und Titel locker hält). Nein, ich muss gestehen: trotz meiner Voreingenommenheit, gefällt mir der hier präsentierte Dub ganz außerordentlich. Schon bei den ersten Takten kann man hören, dass die Detroit Boys nicht aus der Reggae-Szene kommen. Unüberhörbar liegt hier eine Techno-, Pop- und House-Sozialisierung zu Grunde – und das Label Candy Beats scheint tatsächlich diesem Kontext zu entstammen (die Infos im Web sind spärlich). Jedenfalls bringt der unorthodoxe Umgang der Detroit Boys mit Dub einen verdammt frischen und knackigen Dub-Sound hervor. Sauber, präzise, druckvoll – aber auch warm und organisch, durchsetzt von schönen Bläser-Parts und geerdet in soliden Basslines. Entweder sind die Detroit Boys echte Naturtalente, oder sie haben heimlich geübt. Äußerst angenehm steuern sie uns durch unterschiedliche Stimmungen, vom eher melancholischen „England is too Cold for Me“ zum freudig-beschwingten „Key & Locks“ und intonieren dabei hübsche, kleine Melodien von echter Ohrwurmqualität. Also: gebt den Jungs eine Chance – und don’t judge a dub-album by it’s cover.

Rating 5 Stars

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Beam Up: Innerstand

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Von Beam Up, aka Brian May, hörte ich zuletzt 2010, als er sein Album „Terra Sonica“ veröffentlichte, das mich aber nicht wirklich überzeugen konnte. Nun folgt sein nächstes Werk: „Innerstand“ (BBE Records) und ich muss sagen: „Wow“! Das ist ein richtig gutes Album, angesiedelt zwischen Minimal-Elektronik und Dub, wobei letzterer zum Glück den Beat vorgibt. Insgesamt ein entspannter, reduzierter Sound, der trotz seiner stilistischen Nähe zum Minimal ziemlich handgespielt klingt und damit sogar manchmal ganz, ganz leicht an Jazz denken lässt. Es ist zweifellos Dub, der aber wegen seines dezenten Live-Sounds gar nicht typisch nach Dub klingt. Form und Inhalt passen nicht so richtig übereinander – und genau das macht „Innerstand“ verdammt spannend. Wenn sich dann noch genrefremde Sounds wie House, Funk oder indische Musik ins Geschehen mischen, ist das Ohrenkino perfekt. Acht der dreizehn Tracks sind zudem mit Gesang gewürzt. Mit von der Partie sind hier Terrence Alfonso Bowry, ein in Großbritannien geborener Kanadier, der sich vor allem in der Jazz- und Blues-Szene Shanghais einen Namen gemacht hat, (so behauptet es die Presseinfo), Jornick Joelick, Rastaman aus Französisch Guyana, sowie Katya Tasheva, polyglotte Sängerin, die auch schon mit Brian Mays Freunden Rotfront aufgetreten ist und sich quer durch die Pop-, Drum ’n’ Bass- und Weltmusikszene gesungen hat. Ganz großartig ist außerdem Daisuke Ichihara, der das Stück „Icchieban“ mit einem wunderbar dubigen Trompetensolo begleitet – fantastisch! Ganz klar ein Album, um das Soundsystems einen großen Bogen machen werden, entspannte Heim-Hörer allerdings werden es lieben. Allein schon die kunstvoll ausgetüftelten Arrangements machen es zur perfekten Kopfhörer-Unterhaltung.

Rating 4 Stars