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Destroy Babylon: Dub of Ages Vol. 2: DB Meets Prince Polo

Wenn sich eine Band nach einem Bad Brains Track benennt, kann man im Grunde schon mit ziemlicher Sicherheit voraussagen, woher der Wind weht. Destroy Babylon sind fünf Freunde aus Boston, Massachusetts, die sowohl im Reggae/Dub-, Hip-Hop- und Post-Punk-Ethos ihre musikalischen Wurzeln haben. Das Album „Dub of Ages Vol. 2: DB Meets Prince Polo“ ist zwar bereits 2010 entstanden, was dem Ganzen aber keinen Abbruch tut.
Alleine das geniale Cover erinnert mich an die fantastische Cover-Gestaltung eines Tony McDermott, mit der er viele Scientist Alben aus dessen Anfangsphase unverkennbar machte. Billy Szeflinski alias Prince Polo, ist ein in Brooklyn, NY ansässiger Dub-Produzent, Musiker und Sound-Engineer. Er ist schon seit den späten 90ern unter anderem im Reggae aktiv und hat als Toningenieur in den Kennel Studios schon eine beachtliche Anzahl von Werken einiger Reggae-Künstler abgemischt. Die Liste reicht von: Eek A Mouse, Lee Perry, I Wayne, Rebelution und andere. Selbst Clive Chin von VP Records hat eine große Anzahl von Originalbändern, die über 30 Jahre im Studio in Jamaika verstaubten, zur Restaurierung in Prince Polos Obhut übergeben, was auch den Stellenwert Prince Polos unter amerikanischen Sound-Engineers zeigt. Da lag es doch für Destroy Babylon nahe, den Sound-Wizard aus Brooklyn auch einmal einige Tracks ihres Repertoires veredeln zu lassen. Prinz Polos große Stärke liegt in seinen Fertigkeiten am Mischpult. Als Engineer ist er in Bestform, wenn er die Freiräume voll ausnutzt, um elektrisierende Soundtopografien zu erschaffen. Im Gegensatz zu vielen anderen Dub-Produzenten nutzt Prince Polo seine besonderen Fähigkeiten, um die Mixing-Techniken auch auf andere Genres (z. B. Cumbia) als Dub/Reggae anzuwenden. Somit ist er auch hier mehr als prädestiniert, die etwas punkigen Rhythmen der Destroy Babylon zu einer punky-dubby-Party zu verknüpfen.
„Don’t Use Your Mind on Me“, „Old Version Way“ und „Angry People“ sind im Ursprung Originale von Keith Hudson, einem sträflich unterschätzten Produzenten aus den frühen Tagen des Reggaes, wie ich meine. Keith Hudson war übrigens der Erste, der ein Reggae-Konzeptalbum auf den Markt brachte. „In Your Easy Chair (Mr. President)“ haben Lee Perry und The Heptones komponiert und „Journey Of Dub“ stammt aus der Feder der Pianistin/Harfenistin Alice Coltrane. Somit ist auch klar, dass wir ein im Reggae relativ seltenes Instrument zu hören bekommen, die Harfe. Sie ist auch in „Blue Eyes Vulture“ zu hören. Trotz vieler Cover-Versions bekommen wir keinen schalen Aufguss alter, reichlich bekannter Tracks geboten, sondern ein richtig schönes, abwechslungsreiches Dub-Album. Mir taugt’s richtig!

Bewertung: 4 von 5.
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Paolo Baldini Dubfiles meets Dubblestandart: Dub Me Crazy

Letztlich kann ich Releases nur anhand der zeitlichen Entwicklung der Künstler halbwegs (!) objektiv einschätzen. So festigt sich meine Meinung zu einem Album tatsächlich erst dann, wenn ich auch dessen Vorgänger und dessen Nachfolger gehört habe. Ohne diesen Vorher-nachher-Vergleich erschließt sich mir lediglich ein spontaner Eindruck; nicht mehr als eine Momentaufnahme ohne Bezugspunkt – und ich stehe nicht an zu sagen, dass das mitunter die bescheidene Grundlage für meine Rezensionen im dubblog ist. Bei Debuts funktioniert diese vergleichende Kritik per se nicht; bei allen anderen stelle ich die Frage, was sich im Laufe von drei aufeinander folgenden Album-Releases geändert hat. Gab es einen Richtungswechsel, personelle Veränderungen, verschiedene Produzenten oder Mixing-Engineers? Bewegen sich die Alben in unterschiedlichen Klangwelten, gibt es divergierende Konzepte oder vielleicht gar Qualitätsschwankungen; in welchem Verhältnis steht das jeweilige Werk zur musikalischen Realität seiner Zeit? Kurzum: Ich lote aus, wie und in welchem Ausmaß eine durch verschiedene Umstände bedingte (Weiter-)Entwicklung stattgefunden hat. Schlussendlich beschäftigen wir uns mit einem kreativen Bereich, mit Kunst – und die ist per se nicht statisch.

Bei Paul Zasky und seinem Dubblestandart-Konglomerat konnte man unlängst durchaus eine künstlerische Entwicklung festzustellen, wenn auch leider eine rückläufige – gab es doch zuletzt mit dem Album „Dubblestandart & Firehouse Crew present Reggae Classics“ einen unerwarteten, veritablen Qualitätseinbruch. Wir erinnern uns: Weder Zasky noch die Firehouse Crew waren der Aufgabe gewachsen, Monumente der Reggae-Geschichte neu zu interpretieren. Auch Mixmeister Robbie Ost ist mit seinem nicht sonderlich beeindruckenden Mix mehr oder weniger gescheitert – vermutlich war aus den Aufnahmen, die im krassen Gegensatz zum feinen Vorgänger-Album „Dub Realistic“ stehen, nicht mehr rauszuholen. Ein Paolo Baldini hingegen, der wie Zasky Bassist ist und auf eine ähnlich lange Geschichte im Reggae-Business zurückblicken kann, entzieht sich meines Erachtens einem zeitlichen Vergleich: Seine Produktionen und Dub Mixes, von „Paolo Baldini Dubfiles at Song Embassy Papine Kingston 6“ über Mellow Moods „Large Dub“ bis hin zum „Dolomite Rockers“-Release zeichnen sich durch eine durchwegs gleichbleibend hohe Qualität aus – was sowohl die kreativen als auch soundtechnischen Aspekte betrifft.

Just die beiden hat das Echo Beach-Label jetzt für ein Albumlänge zusammengespannt: „Paolo Baldini Dubfiles meets Dubblestandart“ featured ältere und neuere Dubblestandart-Tracks, die Baldini mit Dub-Mixes überarbeitet hat. Nicht wirklich überraschend funktioniert diese Kombi ausnehmend gut und ich bin versucht, dem italienische Dub-Mixer den „Midas Touch“ anzudichten: Es scheint sich alles, was er in seinem Studio anfasst, zu musikalischem Edelmetall zu verwandeln. 

Wie macht der Kerl das? Ich kann nur vage Vermutungen anstellen; aber vor meinem geistigen Auge verteilt Baldini erst mal eine Handvoll Dreck auf die Tracks und nimmt damit der Musik die Dubblestandart-eigene Perfektion, die mitunter in Sterilität mündet. „Squeaky clean“ ist wohl der passende Anglizismus dafür. Als nächstes dürfte Baldini die Tracks auseinanderklamüsern um das Gute vom weniger Guten zu trennen – nur um dann den einen oder anderen neuen Sound wieder behutsam hinzuzufügen, ohne dass aus dem Musikstück ein nicht wiederzuerkennender Mutant wird. Das Resultat ist ein hörbar gut durchlüftetes Basismaterial, in das er seine Dub-Effekte bestens platzieren kann. 

Dieser Prozess – wie auch immer er in der Realität tatsächlich aussehen mag – wirkt wie eine Verjüngungskur, zumal Paolo Baldini beim Dub-Mixing mit einer gefühlten Portion Respektlosigkeit an die Sache herangeht: Das ist nichts vorsichtig oder mit Bedacht platziert; Echo und Hall drängen sich oft frech in den Vordergrund und erinnern ein wenig – wag‘ ich es zu sagen? – an die Dub-Techniken eines King Tubby, dessen größtes Asset ebenfalls eine gewisse Respektlosigkeit gegenüber der Musik und der Studiotechnik war. Guter Dub muss auch heute noch vom Dub-Mixer mit Verve umgesetzt und mit Leben erfüllt werden; andernfalls es zu Studio-Totgeburten kommt, die an Langweile, Lustlosigkeit und kalter Sterilität nicht zu überbieten sind. Es würde mich daher nicht wundern, wenn Baldini diese Dubs live erarbeitet hat: ganz old-school, sprich spontan und kreativ am analogen Board. 

Dass Dubblestandart ihre Tracks gern für Remixe aus der Hand geben, ist bekannt und wirkt sich oft wohltuend erfrischend auf ihre Musik aus. Man erinnere sich an die Remix-Schlacht rund um den Marcia Griffiths-Feature „Holding You Close“, der mit sage und schreibe 22 Versionen zu Buche schlägt, darunter der großartige Alpendub-Remix. In den großen Kreis der Dubblestandart-Kollaborateure reiht sich jetzt also auch Paolo Baldini ein und lässt es sich nicht nehmen, „Holding You Close“ einen weiteren Dub-Anstrich zu verpassen. Bei der restlichen Titel-Auswahl für „Paolo Baldini Dubfiles meets Dubblestandart“ beschränkt er sich auf Tracks der letzten vier regulären Dubblestandart-Releases – inklusive zwei der unglückseligen Aufnahmen mit der Firehouse Crew, die auch hier trotz offensichtlicher Bemühungen nur wie Wiedergänger wirken. Der Rest aber lebt auf, atmet sich frei und vibriert durch „Acres of Space“. Ein kleines, rettendes Dub-Wunder, dass die Messlatte für seinen Nachfolger hoch gelegt hat. 

Bewertung: 4 von 5.
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Five Star Review Zweite Meinung

Manasseh Meets Praise

Die Versuche, Reggae – insbesondere Dub – und klassische „E-Musik“ zu kreuzen, sind zwar rar – dafür aber umso spannender. Der Erste, der die Herausforderung meiner Meinung nach gemeistert hat, war 2006 Matthias Arfmann, als er für die Deutsche Grammophon das Oeuvre von Herbert von Karajan remixte. Seither ist viel geschehen. Ich erinnere nur an die Op’ra-Alben des Opernsängers Uli E. Neuens oder an Matos „Classical Dub“ aus dem letzen Jahr. Ging es bei diesen Alben stets um die Neuinterpretation klassischer Werke, so gibt es auch noch eine andere Form des Crossovers, bei der die Integration „klassischer“ Instrumente wie Geige, Querflöte oder Violine in die Dub-Soundsphäre im Vordergrund steht. Violinbwoy legte vor zwei Jahren ein düsteres Werk vor, das eher vom Kontrast zwischen Violine und Bass lebte, als von deren harmonischer Vereinigung. Aber jetzt gibt es eine neue Klassik/Dub-Benchmark: „Manasseh Meets Praise“ (Roots Garden). Unfassbar sanfte und doch druckvolle Reggae-Beats äußerst harmonisch, ja geradezu kongenial, umspielt von feinsten Violinen- und Viola-Klängen. Manchmal gesellen sich sogar noch eine Flöte und Harmoniegesang dazu. Klingt kitschig und sentimental? Aber nur auf dem Papier. Im Ohr ist es einfach nur schön. Ja, es ist eine im ursprünglichen Wortsinn sinfonische Musik – was sich selbst bei Arfmann nur mit Einschränkung behaupten lässt. Über Manasseh muss ich nicht viele Worte verlieren. Der Mann ist legendärer Dub-Veteran und Producer par excellence. Ich liebe seine Musik, seit ich in den 1990ern sein Album „Dub the Millennium“ gehört habe. Bei Praise handelt es sich um einen klassisch ausgebildeten Violinisten mit einem ausgeprägten Faible für Reggae. Seit rund zehn Jahren verschwinden Nick Manasseh und Praise regelmäßig im Studio und nehmen diese wunderbaren Instrumentals auf. Nun war es endlich an der Zeit, das entstandene Material in die Welt zu entlassen und Menschen wie mich damit zu beglücken. Ich bin mir sicher, dass die Meinungen über dieses Werk weit auseinander gehen werden. Aber wie immer man dazu stehen mag, so ist es doch wunderbar zu sehen, welche stilistischen Extreme unser Lieblingsgenre in sich aufnehmen kann.

Lest auch die Rezension von gtkriz.

Bewertung: 5 von 5.

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Pickout All Star Band: Revelation Dub

Im November letzten Jahres erschien Milton Blakes Album „Temporary Obstacle“ (Pickout), produziert von Lloyd Dennis. Dennis gründete 1987 „Pickout Recordings“ in Kingston und später „Pickout Records“ in London. Inzwischen scheint er komplett im UK tätig zu sein, jedenfalls wurde Blakes Album dort aufgenommen. Um genau zu sein: Im Conscious Sounds-Studio mit Dougie Wardrop im Control Tower und Mafia & Fluxy, und vor allem Russ Disciples, an Logic Pro. Während Blake klassische Reggae-Songs zum Besten gibt, lieferte vor allem Russ D. ordentlichen Steppers Style mit Schmackes und Wumms, der in den sechs Dubs des Showcase-Albums bestens zur Geltung kommt. Aber da war offenbar noch mehr möglich, weshalb nun auf der Basis von „Temporary Obstacle“ ein reines Dub-Album das Licht der Welt erblickte, das äußerlich alle Verbindungen zu Blakes Album negiert: Pickout All Star Band – „Revelation Dub“ (Pickout Recordings). Anderer Titel, völlig anderes Cover-Design (schrecklich übrigens) und alle Tracks tragen neue Titel, – obwohl ihre Reihenfolge beibehalten wurde. Immerhin handelt es sich nicht einfach um die gesammelten Dubs von „Temporary Obstacle“. Alle Dubs wurden neu gemischt – ich nehme an von Dougie Conscious – und liegen jeweils in zwei Cuts vor. Wirkt auf den ersten Blick alles recht lieblos, aber die Dubs haben es in sich. Fetter, fetter Sound, dynamisch, crisp und wuchtig, routiniertes aber effektvolles Dub-Mixing und superbes Mastering. Das Album erschien als rein digitaler Release, below the line und ohne PR-Begleitung. Die einzige Werbung besteht aus folgendem Satz auf Bandcamp: „This is a very good roots reggae dud album“ (sic). Aber deshalb gibt es ja den dubblog, damit ihr solche Dub-Perlen nicht einfach überseht.

Bewertung: 4 von 5.

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Tommy Guerrero feat. Chuck Treece: Dub Session

Ein weiterer Paradiesvogel gefällig? Es gibt Menschen, die leben ihr Leben und machen einfach alles aus Spaß an der Freud’. Tommy Guerrero, ein waschechter Straßenkünstler aus der Bay Area, ist so einer. Der in San Francisco geborene, charismatische Skater tauchte Ende der 1980er in der Szene als jüngstes Mitglied des legendären Skateboardteams „Bones Brigade” in Frisco auf. Als Street-Skater ist Tommy Guerrero in der Skateboard-Welt hochgeschätzt, aber auch als Designer (Levi’s; Vans; Converse) ist er enorm erfolgreich. Einige Jahre später startete er dann mit der Veröffentlichung seines Debütalbums „Loose Grooves & Bastard Blues“ (1998) seine Karriere als Musiker. Das Album verkaufte sich enorm gut und etablierte nun auch seine außerordentliche Stellung in der Musikszene. Guerrero gilt mittlerweile als versierter Bassist und Gitarrist mit extrem unterschiedlichen musikalischen Einflüssen wie John Coltrane, Joy Division, Bad Brains, Gabor Szabo, Augustus Pablo, King Tubby und viele andere.
2019 hat es Tommy Guerrero zusammen mit Chuck Treece, seinem Kumpel aus alten Skatertagen, gewagt, etwas völlig anderes als „das Herkömmliche” auszuprobieren. In einem Interview äußerte er sich auf die Frage, warum er jetzt ein Album wie „Dub Session” gemacht habe: „Ich bin es leid, jedes Mal das Gleiche zu tun. Ich habe es satt, Gitarre zu spielen und all das, was ich sonst so tue. Manchmal bin ich einfach müde von mir selbst und kann meine eigene Stimme nicht mehr hören.” Darum hat er seinem alten Freund und Weggefährten Chuck Treece vorgeschlagen: „Let’s make a dub album.” Und schwups, zogen sie sich für zwei Tage ins Studio zurück und werkelten daran. Chuck Treece übernahm Schlagzeug sowie Percussions und Tommy Guerrero spielte die Basslines, Gitarren und sämtliche Keyboards. „Um geistig fit zu bleiben, müssen wir immer kreativ sein. Dazu müssen wir uns stetig verändern, um nicht müde von uns selbst zu werden… Natürlich ist es immer schwierig, seine Komfortzone zu verlassen. Viele Menschen, die an die üblichen Klänge gewöhnt sind, werden immer kritisieren. Aber das ist mir egal.” Bei mir läuft Tommy Guerrero mit dieser – schon beinahe – sturen Haltung offene Türen ein. Er überschreitet damit weiterhin alle Grenzen und bewahrt gleichzeitig das Hippie-Erbe in und aus der San Francisco Bay.

Übrigens: Chuck Treece kennen wir Dubheads bereits vom hier besprochenen Album “Ras Asana“.

Bewertung: 3.5 von 5.
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Five Star Review

Tubby Isiah: Rising High

Ich bin hier ja bekanntlich derjenige, der die Steppers-Fahne hoch hält – und ich habe ein neues Lieblingsalbum: Tubby Isiah, „Rising High“ (Moonshine Recordings). Tubby who? Cooler Name, der sofort klar macht, worum es geht – um Dub nämlich. Aber wer steckt dahinter? Im Web findet sich die Info, dass es sich um das neue Projekt von Javon Ives und seinem Dad, Jason Ives handele. Javon Who? Das kann ein so engstirniger Dubhead wie ich natürlich nicht wissen: Javon Ives ist ein Soul-R ‚n’ B-Produzent und -Sänger. Vielleicht steht Paps ja auf Reggae und Dub, was der Grund für „Rising High“ sein könnte. Doch wie dem auch sei, die beiden haben ein wirklich gutes Dub-Album geschaffen. Offenbar wissen sie, was sie tun. Mit „Steppers“ ist übrigens keineswegs alles zu den Tracks gesagt. Es gibt auch schöne, sanfte One Drop-Beats. Sogar ein leicht Dub-Techno-inspiriertes Stück ist zu hören. Insgesamt aber alles maximal harmonisch, weich, warm und bassig. Da das Werk zudem noch ein schickes Cover ziert, vergebe ich hier guten Gewissens fünf Sterne.

Bewertung: 5 von 5.
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Shaolin Dub: Warrior Way

Der in London lebende Dominic Giam ist ein erfahrener Musiker, DJ und Produzent, der seit 1997 sowohl unter seinem Pseudonym „Shaolin Dub“ als auch seit vielen Jahren unter einer weiteren Inkarnation „Ketsa“ auftritt. Eigentlich ein echter Veteran der Londoner Independent- und Underground-Musikszene, der mir bisher völlig unbekannt war. Als „Ketsa“ ist er ein verdammt produktiver Künstler, der in den letzten 15 Jahren weit über 500 Tracks mit abwechslungsreichem Downtempo, Trip-Hop, Ambient und/oder elektronischer Musik veröffentlicht hat. Viele seiner Musikstücke sind melancholischer Natur und sein Sound passt offenbar perfekt als Untermalung bewegter Bilder. So wurde seine Musik für unzählige Werbeclips von Greenpeace, National Geographic, Vereinte Nationen bis deutscher und schwedischer Automobilhersteller verwendet, um nur ein paar zu nennen.
Das bereits 2019 erschienene Album „Warrior Way“ ist sein drittes und wie ich finde bestes. Es erschien unter seinem zweiten Alter Ego „Shaolin Dub“ mit dem er bereits vier Alben veröffentlichte. Auf 14 Tracks mit beinahe einer Stunde Spieldauer werden die unterschiedlichsten Sound-Ideen geboten. Die Musik des Albums bewegt sich im Reggae-Offbeat zwischen allen Fronten. Wir bekommen ein buntes, schwungvolles Potpourri zu Gehör, das von fernöstlichen bis südamerikanischen Klanglandschaften, jazzigen Einsprengseln, verspielter Keyboard- bzw. Klavierarbeit, knackigen Horn-Sätzen, asiatisch angehauchten Flöten- und melodischen Melodica-Parts sowie polyrhythmischen Drum-Patterns reicht. Mal klingt der Gesang etwas acid-jazzig nach De-Phazz, mal trip-hoppig nach Beth Gibbons von Portishead. „Warrior Way“ gefällt mir ausgesprochen gut und ist eine spannende, vor allem abwechslungsreiche Sammlung moderner Dub- und Reggae-Tracks, die King Tubby’s Dub-Ideen weiterentwickelt. Das Einzige, was mich bei einigen Tracks ein bisschen stört, sind die (zu) vielen, etwas schmalzigen „Aaaaahs“, „Ooooohs“ und „Uuuuuhs“ bei den Backing-Vocals und deshalb gibt es auch ein halbes Pünktchen Abzug.

Bewertung: 3.5 von 5.

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Zion Train: Illuminate

Nach fünf Jahren wieder ein neues Album von Zion Train. Mir ist das Soundsystem von Neil Perch wirklich ans Herz gewachsen. Ich kann mich noch gut an ein 1995 von der damals blühenden Plattenfirma EFA organisiertes Zion Train-Konzert in Köln erinnern. Verantwortlich war übrigens der damalige Labelmanager Nicolai Beverungen, der heute Echo Beach betreibt. Ja, das waren Zeiten! Schöne Erinnerungen, die meine Beurteilung neuer Zion Train-Releases bis heute beeinflussen. Deshalb verwundert es nicht, dass mir das neue Werk „Illuminate“ (Universal Egg) wieder ausnehmend gut gefällt: Tolle Melodien, treibende Beats, clevere Arrangements. Wer die Musik von Zion Train kennt, weiß was zu erwarten ist. Übrigens ausdrücklich kein instrumentales Dub-Album, sondern ein Vocal-Set mit 11 Songs (und zwei Instrumentals), das soundtechnisch aber trotzdem im Dub-Kosmos angesiedelt ist. Normalerweise beurteile ich ein Album bevorzugt als Ganzes und vermeide es, einzelne Tracks zu sezieren. Hier aber muss ich doch Michela Grenas Song „Cultural Memories“ heraus greifen und die Frage stellen, warum dieses melodische Meisterwerk nicht längst auf Platz 1 der Reggae Charts steht? Ideenreich produziert und wunderschön gesungen: ein echter Ohrwurm. Tja, hier liegt Neil Perchs großes Talent: Talente zu entdecken und starke Melodien zu kreieren. Das ist in der Soundsystem- und Dub-Szene einzigartig. Und genau das ist es, was aus neuen Zion Train-Alben immer eine kleine Sensation macht. Einziger Wermutstropfen: Die schönen Songs und Dubs hätten ein besseres Mastering verdient.

Bewertung: 4 von 5.
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Alpha Steppa: Raise the Ark

Alpha Steppa, Sohn und Neffe des Dub-Duos Alpha & Omega, legt ein neues Album vor – ein „experimentelles“, laut eigener Aussage. Mal sehen, ob das stimmt. Der Sprosen-Sprössling hat jedenfalls ein fantastisches Gespür für spannungsvolle Beats, geniale Basslines, dunkle Atmosphäre und nice Melodien. Über allem schwebt ein Hauch von Mystik und Spiritualität. Vordergründig wird man seine Musik dem „Steppers“-Style zuordnen, was formal auch durchaus zutreffend ist. Wer aber Steppers für banal hält, sollte auf seinem neuen Album „Raise the Ark“ (Steppas) mal genauer hinhören. Wie schon bei Vater und Tante, liegen hier viele Sound-Layer übereinander und erzeugen ein komplexes Klangbild. Nicht ohne Grund spielt der Album-Name auf Lee Perrys „Raise the Ark“ an, denn ein undurchdringlicher Sound-Dschungel war auch schon dessen Markenzeichen. Wer aufmerksam in dieses Klanggewebe hinein lauscht, erkennt hier polyrhythmische Beats mit teils verrückten Percussions, auf jeden Fall aber gewaltigem Bass und fein ziselierten Arrangements. Tatsächlich hört man Rhythmusstrukturen, die sich nicht mehr eindeutig Reggae zuordnen lassen. So viel zum „Experimentellen“ des Albums. Ich empfinde den Begriff zwar als etwas zu großspurig, muss aber gestehen, dass „Raise the Ark“ für ein Mitglied der Dub Dynasty ziemlich abwechslungsreich klingt. Das liegt nicht zuletzt auch an den großartigen Vokalisten, die Ben Alpha hier versammelt hat. Allesamt steuern ordentliches Liedgut bei, das sich in die Gehörgänge gräbt und im Schädel einnistet. Erschwerend kommt sogar noch hinzu, dass viele der Lyrics inhaltlich deutlich mehr als Spiritualität zu bieten haben. Es gibt übrigens unglaubliche 22 Tracks zu hören, zuerst die Vokal-Versions, anschließend die Dubs.

Bewertung: 4.5 von 5.
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Review Zweite Meinung

Alpha & Omega: Shadrach, Meshach And Abednego

Auch Alpha & Omega lassen wieder von sich hören. Ganz anders als ihr Nachwuchs, meiden die Veteranen das Experiment und liefern das ab, was sie schon immer am besten konnten: Mystischen Steppers-Dub, der keine Gefangenen nimmt. So auch auf ihrem neuen Album „Shadrach, Meshach And Abednego“ (Steppas). Hier begnügen sie sich zwar mit nur fünf Vocal-Tunes und fünf begleitenden Dubs – letztere aber haben es in sich. Ich staune ja immer wieder, wenn ich die beiden, oder Christine alleine am Bass, auf einem Sound System-Event erlebe. Seit über 30 Jahren liefern sie nahezu die gleiche Musik ab, unverdrossen, stetig und mit Hingabe. Das ist wahre Bestimmung. Dub for life. Und vielleicht ist es die Liebe zu diesen mystischen Bass-Sounds, die jedes A&O-Album von neuem so beseelt und inspiriert sein lässt.

Lest auch die Review von Marius

Bewertung: 3.5 von 5.