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Roots Organisation: Stricktly Recreational

Ich habe es ja schon so oft gesagt: „Instrumentaler Reggae ist ein gigantischer, supranationaler, omnipräsenter Über-Hype!“ Ehrlich! Hier haben wir wieder ein perfektes Beispiel dafür: „Stricktly Recreational“ von der Roots Organisation. Und wieder kommt dieses Bläser-getriebene, fulminante Werk aus den Alpen – wie zuletzt die „Winds of Matterhorn“. Doch anders als die Winde, verortet sich die Wurzel-Organisation mehr im Klangspektrum des Jazz – was immer auch einwenig nach Ska klingt, obwohl die EP frei ist von entsprechenden Rhythmen. Als Produzent zeichnet aDUBta verantwortlich. Er nahm die neunköpfige Band im Grazer Stressstudio live auf – was hilft, den Sound zu erklären. Da ich Blechbläser im Reggae und insbesondere auch im Dub sehr mag und auch viel mit deren Soli anfangen kann, gefällt mir die EP ausnehmend gut. Der Sound ist luftig, die Arrangements äußerst abwechslungsreich und das Tempo beschwingt. Der Mix vermittelt sogar gelegentlich dezent ein wenig Dub-Appeal. Nice.

Bewertung: 4 von 5.
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Ksanti & Owl Trackers: Time Lapse

Die meisten Dub-Alben gehorchen einer durchgehende Stilistik – vom ersten bis zum letzten Track. Ist das Logic-Pro-Setting ein mal gefunden, kann es von Track zu Track kopiert werden. Das Kollaborationsprojekt der beiden Produzenten Ksanti & Owl Trackers: „Time Lapse“ bricht mit diesem Muster und gleicht vielmehr einer Reise durch verschiedene Stile, musikalische Einflüsse, Stimmungen und Tempi. Das Spektrum reicht von sanftem Steppers, über indische Einflüsse bis zu Lo-Fi- und Electro-Dub. Und das in nur vier Tracks (und einem Zwischenspiel)!

Bei Ksanti & Owl Trackers handelt es sich um zwei französisch Produzenten. Ksanti ist ein Dubmaker aus Bordeaux, mit Vorliebe für progressiven Steppers und musikalischen Experimenten in Richtung Electro, Chill und manchmal Lo-Fi Sounds. Owl Trackers ist hingegen ein Dubmaker aus der Pariser Region, der Dub mit Electro-, Trip-Hop- oder Techno-Einflüssen verbindet und zu faszinierenden Sound-Landschaften verwebt.

„Time Lapse“ führt uns im Zeitlupentempo durch diese Landschaften. Die Dubs strahlen eine ungemein kontemplative Ruhe aus während zugleich ein Gefühl der Erhabenheit entsteht, mit dem wir auf die Schönheit der imaginären musikalischen Landschaft blicken. Klingt etwas schwülstig, macht aber – wenn man sich darauf einlässt – den großen Reiz dieser vier Tracks aus. Hört mal rein. Der Download ist kostenlos.

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Five Star Review

Late Night Tales Presents Version Excursion Selected by Don Letts

Wir Dubheads leben in unserer kleinen, hermetischen Dub-Blase und feiern unser very, very special interest Sub-Genre als den Nabel der Welt. Einen Nabel, dessen Existenz 99,999999 Prozent der Menschheit allerdings noch nicht einmal erahnen. Im Vergleich zu Rock, Pop und Hip Hop lebt die Musik, um die wir Zeitlebens kreisen, absolut in Verborgenen. Geradezu zynisch ist diese Unbekanntheit angesichts der Tatsache, dass die Abkömmlinge von Dub, wie z. B. Discomixes, Remixes oder Bass Music, längst Teil des Mainstreams geworden sind. Aber was soll’s? Solange es noch Musiker und Produzenten gibt, die unsere Blase mit Nachschub versorgen, kann es uns ja egal sein, ob die Welt da draußen Notiz von uns nimmt. Und doch … Irgendwie regt sich der Missionar in mir: „Hey Leute, hört euch das hier mal an. Es wird euer Leben verändern!“. Na, ja, man wird träumen dürfen. Aber in der Tat eröffnet sich gerade eine fantastische Chance, zwar nicht dem Mainstream, aber doch musikinteressierten Menschen außerhalb unserer Blase einen Blick auf die Schönheit von Dub zu gewähren: „Late Night Tales Presents Version Excursion Selected by Don Letts“. Late Night Tales ist eine Compilation-Reihe, die seit 2001 Artists und DJs einlädt, tief in ihre persönliche Sammlung einzutauchen und den „ultimate late night mix“ zu kuratieren. Vor 20 Jahren war das ein komplette neues und äußerst beliebtes Konzept. Wir erinnern uns z. B. an die äußerst populäre KJ Kicks-Reihe, oder an die legendären Fabric-Compilations. Was diese CD-Serien damals so interessant machte: Mit aufwändigem Marketing richteten sie sich an ein aufgeschlossenes Musikpublikum und ermöglichten den versammelten Genre-Produktionen eine unvergleichliche Reichweite. Im Spotify-Zeitalter ist das vielleicht nicht mehr ganz so bedeutsam – funktioniert aber immer noch. Deshalb ist es schon etwas ganz Besonderes, wenn eine Serie wie „Late Night Tales“ (laut GQ der „Rolls Royce unter den Serien“) den DJ, Radio-DJ und Filmemacher Don Letts einlädt, ein Dub-Album zu kuratieren.

Wer, wenn nicht Don Letts, wäre der perfekte Mann, um dieses missionarische Crossover anzuführen, steht er doch seit je her für die Mischung diverser Musikkulturen und Dub. “A disciple of sound system, raised on reggae n’ bass culture my go to sound was dub. Besides being spacious and sonically adventurous at the same time, its most appealing aspect was the space it left to put yourself ‘in the mix’ underpinned by Jamaica’s gift to the world – bass. But that’s only half the story as the duality of my existence meant I was also checking what the Caucasian crew were up to not to mention the explosion of black music coming in from the States.“ Erläutert Don Letts seinen musikalischen Hintergrund und fährt fort: „That’s why „Late Night Tales Presents Version Excursion“ crosses time, space and genre, from The Beach Boys to The Beatles, Nina Simone to Marvin Gaye, The Bee Gees to Kool & The Gang, The Clash to Joy Division and beyond. You’d think it impossible to draw a line between ‚em? But not in my world. Fortunately, the ‘cover version’ has played an integral part in the evolution of Jamaican music and dub covers were just a natural extension.”

Was für eine coole Idee! Da Dub – zumindest in Letts Auffassung – Remix bedeutet, offeriert er hier ausschließlich Versions von Songs, die außerhalb des Reggae entstanden sind. Ein starkes Konzept, das nicht nur ästhetisch eine Runde Sache, sondern ideal geeignet ist, ein Mainstream-Publikum außerhalb des Reggae anzusprechen.

Ja, Don Letts ist der Missionar, der ich gerne wäre. Sich seiner Chance bewusst, begnügte er sich zudem keineswegs damit, eine schnöde Titelliste bei Late Night Tales einzureichen, sondern macht aus seiner kleinen Dub-Ausstellung ein richtiges Meisterwerk, indem er das Remix-Prinzip von Dub nicht nur zum Prinzip seiner Auswahl an Cover Versions, sondern auch zum Prinzip seiner Präsentation machte. Deshalb sind 13, seiner 21 Tracks „Exclusives“, also Remixe, bzw. Re-Dubs historischer Produktionen, die von Leuten wie Mad Professor, Scientist oder Dennis Bovell erstellt wurden.

Tja, der Mann ist konzeptverliebt – bin ich aber auch und kann daher seine Late Night Tales Version Excursions nur in den höchsten Tönen loben. Da die ganze Sache mit ordentlichem Budget und viel Marketing und aufgezogen wird, gibt es auch ein unterhaltsames Video, in dem Letts die Kriterien seiner Auswahl erläutert und ein paar Anekdoten zu den einzelnen Titeln zum Besten gibt. Cooler Typ und reichlich eloquent. Ein geborener Ambassador of Dub.

Bewertung: 5 von 5.
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Dubvisionist: Treasures from the Harddrives

Bei neuen Arbeiten vom Dubvisionist werde ich reflexartig neugierig, denn Dubs von Felix Wolter würde mir der Netflix-Algorithmus mit mindestens „98 % Übereinstimmung“ vorschlagen. Die Trefferquote liegt also bei der von Biontech. Zum Glück hat der Hannoveraner Dub-Produzent einen steten Output-Pegel an qualitätsvollen Dubs – und das bereits seit den 1980er Jahren. Er und ThaiGrr gründeten damals The Vision, eine wegweisende deutsche Reggae-Band, deren Aufnahmen die Grundlage einiger fantastischer Dub-Alben waren, die Felix im Laufe der Jahre schuf. In jüngerer Zeit lieferte er viele überzeugende Dub-Mixes im Auftrag von Echo-Beach.

Nun hat der Dub-Wizzard in seinen Archiven gestöbert und mit „Treasures from the Harddrives“ zehn spannende und trotzdem bisher unveröffentlichte Dubs zu Tage gefördert. Warum sie bis jetzt eine rein virtuelle Existenz zu fristen hatten, erscheint beim Hören völlig unverständlich, denn sie sind in jeder Hinsicht vorzeigenswert. Ich bin begeistert vom Sound (der Meister versteht sein Mastering), von den Arrangements und natürlich den Mixes. Vor allem aber vom Abwechslungsreichtum der Track-Auswahl. Vielleicht ist das ja ein Bonus, der sich automatisch Einstellt, wenn Aufnahmen aus unterschiedlichen Kontexten kompiliert werden. Die Leistung besteht dann aber zweifellos darin, dafür zu sogen, dass alles trotzdem wie aus einem Guss klingt. Der Dubvisionist hat diese Herausforderung mit Bravour absolviert.

Lange Rezi, kurzer Sinn: Mir gefällt das Album ausnehmend gut. Während manche Alben vor allem durch Atmosphäre und Sound überzeugen und für eine Existenz im Hintergrund prädestiniert sind, bieten sich die „Treasures“ von Felix dem bewussten Zuhören geradezu an. Highly entertaining – 98 % garantiert.

Bewertung: 4.5 von 5.

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Indica Dubs Meets Vibronics: Highest Principles of Dub

„The Highest Principles of Dub“ – ich muss gestehen, dass mich dieser Titel absolut catcht. Ein Album, dass diesen Titel trägt, muss gehört werden! Hier geht es ums Prinzip – ums Dub-Prinzip. Also nicht nur um ein paar nette Dubs, sondern um etwas Grundlegendes. Um etwas, das Dub im Kern ausmacht. Und mal ehrlich: Wollen wir das nicht alle wissen? Natürlich kennen wir die Ingredienzien von Dub bestens und wir können in der Regel auch genau sagen, welcher Dub uns gefällt und welcher nicht. Wir können es sogar begründen – meist mit Geschmacksurteilen wie „Ich mag keine schlappen Basslines“. Aber wissen wir, warum Dub uns so fasziniert? Warum wir uns so viel davon anhören? Warum wir Plattenregale und virtuelle Mediatheken damit vollstellen? Ja, warum wir in unserer Lebensspanne viel, viel Geld darin investiert haben? Nein, das wissen wir nicht. Der Ursprung unserer Leidenschaft bleibt uns unbekannt, bleibt ein Mysterium. Kann uns „Highest Principles of Dub“ von Indica Dubs Meets Vibronics erleuchten? Kann uns dieses Werk zum Grundsatz von Dub führen, der uns endlich erkennen lässt, was Dub ausmacht und worin unsere Leidenschaft ihren Ursprung hat? Nun, wer auf soliden Soundsystem-Dub steht, der könnte hier zu einer Erkenntnis gelangen, denn die hier dargebotenen14 Dub-Prinzipien zeigen, wo im Sound System der Hammer hängt. Sukh – ehemaliger Protegé von Dougie Conscious – hat sich mit eben diesem zusammen getan und die Prinzipien formuliert. Logisch, dass es dabei nicht um Variationen und aktuelle Moden geht, sondern ums Grundsätzliche. Deshalb haben wir es mit ultra orthodoxem UK-Dub zu tun – um nicht zu sagen: mit Steppers! Ich weiß, dass Steppers hier im dubblog zuweilen ein Reizwort ist. Sorry! Aber STEPPERS muss so sein wie hier bei Sukh und Dougie: Hart, straight, kompromisslos, tief und schnell. Aber mit Augenmaß! Die beiden übertreiben es nämlich nicht. Die Struktur bleibt klar erkennbar, es gibt Melodien und Arrangements  – und ja, sogar dem Mix wohnt eine gewisse Dramaturgie inne. Zwar weiß ich immer noch nicht, warum ich Dub liebe – aber ich weiß das ich diese Dubs liebe.

Bewertung: 4 von 5.
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Interview

Interview with the International Observer

Your artist name: International Observer
Your real name: Tom Bailey
You live in: Aotearoa New Zealand
Title of your last album: Bat

What is your personal definition of dub?
Dub has become a broad field of activity, which is only right for an experimental form, but I do value a connection to the early
old school attitudes and ideas.

What makes a good dub?
Deconstruction and subversion. The radical element must be present with the narcotic/soporific.

Which aspects of dub music fascinate you the most?
The rebellious spirit which refuses to accept the mainstream version of song/reality. There’s also something shamanistic about the mind altering aspects.

How did you discover your passion for dub and how did you develop yourself and your music since then?
My first experience of dub was „Garvey’s Ghost“. By chance I got to know it before encountering the original „Marcus Garvey“ album, so my mind was blown twice in reverse order!

What or who had the biggest influence on you?
In the late seventies I followed a London sound system called The Mighty Observer who demonstrated the radical use of bottom end in a live situation. That began a love affair with large surface area of bass bins and the righteous music coming out of them.

How would you describe your style of dub?
That’s for others to say, but I don’t feel confined to any one approach.

What does your process of creating a dub track look like?
Generally I pick an arbitrary starting point and improvise until something interesting arises, then I pursue it to see if something can be grown out of that idea. That can take minutes, hours or days. There’s no fixed pattern.

When are you satisfied with a dub track you produced?
Sometimes never, but you have to move on before overworking a good idea.

Dub doesn’t need a vocal original.

What is most essential when producing dub music?
Love of dub.

Does a Dub need a vocal original to be a good dub?
No

Which one of your albums do you consider your best work up until now?
Not for me to say.

What aspects of your job do you enjoy the most?
Everything.

What annoys you in the studio?
Timewasting

When you’re not working on dubs, what is your favorite thing to do?
Meditation.

What do you listen to besides dub music?
Everything I hear. From inane pop to classical masterworks to birdsongs.

My greatest musical role model? J. S. Bach!

If money and time didn’t matter: Which music project would you like to realize?
Money and time don’t matter.

What do you prefer: Studio work or sound system performance?
I love the occasional sound system gig, but it’s really the days
spent in the studio which are most interesting and rewarding. Something compels me to go in and do it.

What is your greatest musical role model and why?
J. S. Bach, for the contrapuntal basslines

Is there a sound system that you particularly appreciate?
Memories of the Mighty Observer are strong.

What are your personal top 5 dub albums?
I’m writing to you on the day that Lee Perry has died so I’d like to say something about him. I was lucky to cross paths with him on a couple of occasions. Once, playing keyboards on his History, Mystery and Prophesy album. That was an intense session at Compass Point studio in Nassau. The legend is that he had fallen
out with Chris Blackwell, but the fact that he was happily working in Blackwell’s studio doesn’t support that. Perry was a a flamboyantly eccentric artist, so it was all to easy to misunderstand him, but his track record and influence are remarkable. I think one of his main motivations was simply to bring reggae music to the world.

Much later, I toured with him and Mad Professor in Australasia. His eccentricity had reached spectacular heights by then and some of my strongest memories are of mundane things like going through airport security with him. He seemed to love setting off alarms – and that’s a great metaphor for his work in general. So, although I love so many of the early dub artists, today I would choose any five albums by Lee Scratch Perry, the upsetter.

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The Archives: Carry Me Home Dub

Vor einem Jahr erschien das viel beachtete Original „Carry Me Home: A Reggae Tribute to Gil Scott-Heron and Brian Jackson“ von The Archives. Eine Big Budget Produktion von Eric Hilton (eine Hälfte der Thievery Corporation) und Darryl “Trane” Burke. Superb eingespielter, aufgenommener und vermarkteter Reggae-Retro-Sound. Die Dub-Version war da nur eine Frage der Zeit. Nun liegt sie vor: „Carry Me Home Dub“ von The Archives (Montserrat House). Das Big Budget ist bei jeder Note zu hören. Da stimmt soundtechnisch einfach alles. Und ja, es ist natürlich auch echter Dub, obwohl nicht selten auch Vocals zu hören sind. Aber mit Sound System-Nächten hat die Musik nichts zu tun. Sie will sonntags morgens beim Frühstück gespielt werden, oder beim gepflegten – aber coolen – Dinner. Es handelt sich um „niveauvollen“ Dub, geschmackssicher und stilvoll. Aber allzu oft, wohnt „niveauvollen“ Werken auch ein Quäntchen Langeweile inne. Alles ist kalkuliert, angemessen und ausgewogen, reflektiert und intellektuell. Es fehlt schlicht an dem, was Spaß macht: An harten Kontrasten, an überraschenden, manchmal disruptiven Ideen, an Mut und Waghalsigkeit. Deswegen weiß ich nicht so recht, wie ich das Album bewerten soll. Es ist zweifellos absolut hochwertig, aber viel Spaß habe ich beim Hören nicht. Puh! Vielleicht fehlt mir einfach das Niveau.

Bewertung: 3 von 5.
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The Return of Pachyman

Retro-Reggae steht ja (fast) immer hoch im Kurs. Viele Produzenten mühen sich, den Sound der Black Ark, der frühen Revolutionaries oder des Channel One zu reproduzieren. Pachyman reiht sich dort nahtlos ein. Der in Los Angeles lebende Puerto-Ricaner orientiert sich am Sound der späten 1970er Jahre und bietet einen frischen, von kleinen Melodien und beschwingten Rhythmen geprägten Dub-Stil. Alle Instrumente spielt er in seinem Kellerstudio selbst ein – wovon es bei Youtube schöne Videos zu sehen gibt.

Mein Kollege gtkriz kritisierte einst Pachys Sound hart: „Er präsentiert ein Klangbild, dass den Eindruck erweckt, als würde man sich mit dem Künstler in einen ziemlichen muffigen, dumpfen, zur Schallisolierung ausgepolsterten Proberaum befinden. Da ist nichts geschönt; das laute Hi-Hat und die Becken klingen blechern, die Bass-Drum als auch der Bass trocken und flach.“ Tja, wo er Recht hat, hat er Recht. Die Frage aber ist: Ist das tatsächlich so negativ zu bewerten? Oder sollte Retro-Dub nicht genau so klingen? Falls man die letzte Frage bejaht, dann schließt sich natürlich sofort die Folgefrage an: Warum die Kopie, wenn es doch das Original gibt? Womit wir dann beim philosophischen Proseminar gelandet wären. Deshalb will ich das hier mal nicht weiter vertiefen, sondern einfach kundtun: Mir gefällt sein neues Album „The Return oh Pachyman“ ausnehmend gut. Die Dubs sind wunderbar verspielt, die Melodien nisten sich in meinen Ohren ein und der Mix sorgt für gute Unterhaltung. Und ja: Ich habe auch Spaß daran, die vielen Zitate zu dechiffrieren. Ich bekomme das Gefühl, Pachyman und ich sind „one of an kind“. Deshalb mag ich ihn, schaue ihm gerne in seinem Kellerstudio zu und höre „Return …“ wenn ich gute Laune habe. Willkommen zurück, Pachy!

Bewertung: 4 von 5.
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Five Star Review

Jallanzo: Dubbin’ It & Luvin’ It

Da heißt es immer, in Jamaika stünde Dub kurz vor dem ableben. Aber dann zuckt der Intensivpatient doch noch immer mal wieder und versetzt alle anwesenden in helle Aufregung. Zuletzt geschehen bei Teflon Zincfences Album „Dub Policy“. Nun geht wieder eine Schockwelle durch die Intensivstation: Jallanzo veröffentlicht mit „Dubbin’ It & Luvin’ It“ ein großartiges Dub-Album made in Jamaica. Jallanzo?? Ich kannte seinen Namen bisher noch nicht, wohl aber seine Musik, denn der Multiinstrumentalist, Songwriter, Sänger und Dub-Produzent spielte noch vor wenigen Jahren bei der Dubtonic Kru, deren Musik ich sehr zu schätzen wusste. Nun also ein Solo-Projekt – und das in Form eines Dub-Albums! Keine Ahnung, wer hier die Tracks eingespielt hat, ob sie Zweitverwertung sind oder von vornherein als Dubs geplant waren. Ich weiß nur: Sie klingen atemberaubend. So crisp, druckvoll und dynamisch, dass sie schon ein Genuss wären, selbst wenn wenn es nicht dieses perfekte Timing, die schönen Melodien, die ausgeklügelten Arrangements und den inspirierten Mix gäbe. Hier stimmt einfach alles – außer das häßliche Cover. Ein Grund, auf das Vinyl zu verzichten. Der Titel des Albums stammt übrigens von einem Zitat Jallanzos: „Music is my life, my life is my music and I am dubbing it and loving it”. Seit er 13 Jahre alt war, verschreibt sich Jallanzo der Musik. Er arbeitet vor allem als Studiomusiker und ist auf den Produktionen vieler namhafter Artists zu hören. Hoffen wir mal, dass wir seine Musik in Zukunft auch ohne Vocals im Vordergrund werden genießen dürfen.

Bewertung: 5 von 5.
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Five Star Review

International Observer: Bat

Langsam gehen mir die lobenden Worte aus. Über die Werke von International Observer – hinter dem sich der Lead-Singer der historischen Thompson Twins, Tom Bailey, verbirgt – habe ich mir schon die Finger wund geschrieben. Ich liebe seine relaxten Dubs über alle Maßen. Am meisten fasziniert mich, dass sie einerseits unfassbar entspannt, andererseits aber hochspannend sind. Ein verrücktes Paradox. Wer Reggae und Dub aus Neuseeland kennt, ahnt aber, was ich damit meine: Perfekt getimte Rhythms voller Groove und innerer Spannung, dargeboten in Zeitlupe. Faszinierend. Außerdem kennt Tom Bailey sein Handwerk. Seine Tracks sind superb produziert: knackig, dynamisch, volltönend. Und dann wären da noch das ausgeklügelte Arrangement, die fantastischen Basslines und die wunderbaren, bunt schillernden Melodien. Alles vom Mix zu einem großen, umfassenden, vielschichtigen Wohlklang verwoben.

Für die Dubs von Tom Bailey gibt es eigentlich keine Schublade. Es handelt sich zweifellos um hundert Prozent Reggae-Dub handwerklicher Perfektion, der sich aber zugleich völlig vom Reggae emanzipiert hat. Verrückt, oder? Tom hat eine ganz und gar eigenständigen Dub-Stil erschaffen, der sich zwar formal der Ästhetik des Reggae bedient, die Genre-Konventionen aber ansonsten hinter sich lässt. Keine „Jah“-Ausrufe, keine Sirenen, kein Steppers, keine historischen Basslines oder Bläsersätze – Observer Dubs sind ganz und gar sie selbst, ohne Zitate und oberflächliche Referenzen. Deshalb kann ich mir seine Musik auch beim besten Willen nicht auf einem Sound System-Event vorstellen. Undenkbar! Aber zu einem neuseeländischen Pop-Open Air-Festival würde sie perfekt passen.

Die Akribie der Produktionen erklären auch, warum der Observer nur sporadisch neue EPs (geschweige denn komplette Alben) veröffentlicht. Hier geht Qualität vor Quantität. „Bat“ (Dubmission) ist sein neustes Werk. Es ist nach „Mink“ und „Pangolin“ die dritte EP in der „Tier-Reihe“ – und diese ist selbstredend so hervorragend wie auch alle anderen Arbeiten dieses außergewöhnlichen Dub-Protagonisten.

Bewertung: 5 von 5.