Als hätten alle nur auf den Frühling gewartet, purzeln in den letzten Wochen massenweise spannende Dub-Produktionen herein. Vielleicht ist es aber auch nur die Ausbeute von inzwischen mehreren Monaten Home-OfficeStudio.
Dieses Album bereitet mir zur Zeit jedenfalls die meiste Freude: „Obudubz“ (Culture Dub) von HabooDubz. Ja, da verwechselt man schnell mal Artist- und Albumname. Hinter dem niedlichen HabooDubz – der Name würde gut als Titel für ein Kinderbuch taugen – steckt der Globetrotter Gabor Polaak. Er wurde in Budapest musikalisch sozialisiert, ist nach Manchester ausgewandert, dann nach London gezogen, anschließend nach Kambodscha emigriert, ausgiebig durch Mexiko gereist und schließlich in die ungarische Heimat zurückgekehrt. Bei seiner Weltumrundung hat er mannigfaltige musikalische Einflüsse aufgesaugt, die nun, beim Dub-Produzieren wieder raus müssen und seiner Musik diesen wunderbaren kosmopolitischen Flair verpassen. Eigentlich handelt es sich um Worldmusic inna Dub-Style. Im wahrsten Sinne: Heavy Bass und Steppers bilden meist die solide Basis, auf der dann exotische Instrumental-Sperenzchen aufbauen. Klingt nach klassischem Muster, doch Polaaks Kunst zeichnet sich gerade durch die organische Verbindung der beiden Ebenen aus. Ihm gelingt es genau das zu vermeidet, was wir beim Dub nicht selten zu hören bekommen: Ein 0815-Beat und darüber, völlig losgelöst, eine Melodica (oder ein anderes stereotypes Solo-Instrument). Das Gegenteil ist bei HabooDubz der Fall: In virtuosen Arrangements fusionieren exotische Harmonien und Rhythmusbasis zu hochspannenden Musik-Trips, denen sich wunderbar analytisch zuhören lässt, die aber auch ordentlich in den Körper fahren und Bewegungsdrang auslösen. Um die faszinierenden World-Sounds nicht auf exotische Melodien oder Samples zu beschränken, fügt Polaak oft typische Percussions hinzu oder setzt ungewöhnliche Melodieinstrumente rhythmisch ein. Nicht zuletzt sorgt auch der Mix dafür, dass die Tracks einer regelrechten Dramaturgie folgen, die stets für überraschende Wendungen und Stimmungswechsel sorgt. Das Beste zum Schluss: Da der ungarische Kosmopolit der Welt Gutes tun will, bietet er seine brillante Musik über die Culture Dub-Seite bei Bandcamp kostenlos zum Download an. Verrückt, aber äußerst sympathisch.
