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Kaptan: Dubs from the Vault

Dub wird ja inzwischen überall auf der Welt produziert, natürlich auch in Deutschland (aber ironischer Weise kaum noch in Jamaika). Nicht nur haben wir in Hamburg eines der profiliertesten Dub-Labels weltweit, sonder auch eine gut abgehangene Generation etablierter Dub-Producer. Mit Leuten, wie Jah Schulz und Kaptan stehen aber auch junge Talente in den Startlöchern. Beide, Schulz und Kaptan, verschreiben sich puren, kompromisslosen Sound System-Dubs, die ihre immersive Kraft aus reiner Bass-Präsenz und stoisch-repetitiven Beats beziehen. Hier steht nicht mehr der virtuose Mix im Zentrum, oder gar eine blasse Erinnerung an ein sowieso nicht vorhandene Vocal-Version, sondern der reine, abstrakt-konkrete, vom Bass getrieben Sound. Kaptan hat soeben sein Debut-Album vorgelegt: Dubs From the Vault (Basscomesaveme), das ich zur Zeit mit großer Faszination höre. Mit dem traditionellen Dub-Schema hat auch dieses Album nicht viel gemein. Dafür umso mehr mit Jah Schulz – und beim letzten Track auch sehr viel mit Rhythm & Sound. Es geht also ausdrücklich nicht um Heavy Steppers, sondern um langsamere Produktionen, in denen sich der Bass ausbreitet, wie ein quellender Hefeteig. Alle Poren und Hohlräume der Dubs werden vom Bass-Teig durchdrungen. Schlagzeug und Offbeat wabern darin herum, wie Rosinen. Einfach nur lecker! Obwohl der Titel anderes vermuten lässt, sind die „Dubs From the Vault“ aktuelle Produktionen und keineswegs einst im Archiv verschollen gegangenes Material. Das Album umfasst nur sieben Tracks – was dem Release-Format geschuldet ist, denn wer das Album physisch besitzen möchte, muss tatsächlich eine Audiokassette kaufen. Zum Glück gibt es aber auch eine digitale Ausgabe mit perfektem Sound.

Bewertung: 4.5 von 5.
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Kino Doscun & Youthie: Sahar

Ich liebe es, wenn sich Dub mit untypischen Musikkulturen mischt. Dub und klassische Musik hat mich schon immer fasziniert, die Kombination von Dub und Jazz liebe ich sehr und auch die Mischung von Dub mit nordischen Melodien sind mir von einigen Produktionen in guter Erinnerung. Da fällt mir ein: Eine der ersten Begegnungen dieser Art hatte ich auf einem Album der Twinkle Brothers, das sie zusammen mit einigen polnischen Violinisten aufgenommen hatten. Wie hieß es gleich? Egal. Was auch schon immer super funktioniert hat ist die Kombination von Dub mit orientalischen Harmonien. Ich denke da an den Spy from Cairo und andere. Wie schön, dass wir diesen spannenden Sound nun endlich mal wieder in Form eines gelungenen Albums vorliegen haben: „Sahar“ (Merkaba Music) von Kino Doscun & Youthie. Die Posaunistin, Flötistin und Akkordeonspielerin Youthie dürfte Dub-Fans gut bekannt sein. Man denke nur an ihre fantastischen Macca Dread-Produktionen. Youthie ist inzwischen ein Garant für gute Musik. Aber wer ist Kino Doscun? Meine Recherchen führen mich zu einem gewissen Dino Coskun, der Soundtechniker an der Opéra National de Paris ist. Seine Spezialität ist das Remixen und Dubben orientalischer Musik, indem er Oud, Saz, Gitarre und Percussions spielt, loopt und dann in dubbige Sound-Texturen überführt. Auf „Sahar“ zeichnet er für fast alle Instrumente verantwortlich. Youthie beschränkt sich auf Posaune, Flöte und Akkordeon. Heraus gekommen ist eine faszinierende Dub-Melange aus komplexen orientalischen Melodien, sensiblen Instrumental-Soli, natürlich viel Bass sowie verhaltenen Reggae-Beats. Alles in komplexen Arrangements miteinander verwoben und virtuos gemixt. Wären da nicht die Echos und der Hall, ließe sich „Sahar“ für ein kunstvoll arrangiertes Instrumentalalbum halten. Die Musik basiert unverkennbar auf Reggae-Basslines und regelmäßig erklingenden Offbeats, doch der starke orientalische Charakter der Instrumente und der Melodien führen uns an die Grenze des Genres – und beweisen uns zugleich, wie universell Reggae und Dub sein können.

Bewertung: 4.5 von 5.
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Pama I’ntl Meets Wrongtom in Dub

2001 gründete sich die achtköpfige Band Pama International, die ihre Musik als „Dub Fuelled Ska Rocksteady & Reggae“ beschreibt. In dieser Beschreibung steckt bereits ein gewisser Widerspruch, denn Dub und Ska und Rocksteady passen eigentlich nicht gut zusammen (wenn man das Werk von Victor Rice mal außen vor lässt). 2006 unterschrieb die Band bei Trojan Records einen Plattenvertrag – als erste Band nach 30 Jahren. Doch bereits zwei Jahre später war der Spaß schon wieder vorbei. Die Pamas gründetem darauf hin ihr eigenes Label „Rockers Revolt“ und nahmen das Album „Love Filled Dub Band“, das als eines ihrer besten gilt. Obwohl das Album (gemäß seines Titels) bereits von starken Dub-Elementen geprägt war, wurde der Londoner Sound-Tüftler Wrongtom damit beauftragt, eine Dub-Version herzustellen. Doch seine Aufnahmen verschwanden im Nirvana und blieben (angeblich) bis ins Jahr 2022 verschollen. Nun sind sie auf wundersame Weise wieder aufgetaucht und nun auf dem Album „Pama I’ntl Meets Wrongtom in Dub“ (Happy People) zu hören. Eine große Geschichte um ein einigermaßen schlichtes Album. Ja, Wrongtom hat ordentlich gedubbt, aber das Ergebnis bleibt irgendwie farblos. Vielleicht liegt das aber auch an dem ausgesprochenen Retro-Stil der Aufnahmen. Magie, Tiefe, Intensität und Spiritualität guter aktueller Produktionen sucht man hier vergeblich. Der Sound bleibt vergleichsweise unverbindlich und belanglos. Ja, das Ganze wirkt durchaus etwas uninspiriert – ebenso wie das Cover. Wer allerdings jamaikanischen Dub der 1970er Jahre mag, könnten hier jedoch anderer Meinung sein.

Bewertung: 3 von 5.
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Le Faune Stepper: Paradoxe

Wer Lust auf krachenden Steppers hat, ist bei Le Faune Stepper richtig. Auf seinem neuen Album „Paradoxe“ (ODG) knallt die Bassdrum im Stakkato auf den Floor. Dazu gibt es teils ganz schlimme Synthie-Sounds. So schlimm, dass es schon wieder Spaß macht. Und natürlich viel, viel Bass. Da hinter Le Faune Stepper der versierter Trompeter Robin Pavie steckt, hören wir zudem viele schöne Bläsersoli, die gar manchmal an Balkan-Sounds erinnern. Überhaupt muss man Pavie einige Phantasie bei der Komposition seiner Dubs zugestehen. So schmücken viele feine Melodien die oft brachial anmutenden Steppers-Beats. Fast schade, dass der Faun durch seine verzerrten Bässe und brutalen Beats die kunstvollen Aspekte seiner Arbeit so verschleiert. Andererseits ist gerade der Kontrast zwischen fein ausgearbeiteten Elementen und brutaler Anarchie reizvoll. Wie alle ODG-Alben, steht auch „Paradoxe“ zum freien Download zur Verfügung. Es ist auch im Stream verfügbar – und wer eine gut Tat vollbringen möchte, kann es auch bei Bandcamp auch kaufen.

Bewertung: 3.5 von 5.
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Eeyun & The Co-Operators: Vibrations from the Bionic Tabernacle

Bristol, die englische Stadt, am Fluss Avon gelegen, hat spätestens 1991 mit den Trip Hop Künstlern Massive Attack, Tricky und Portishead ein musikalisches Universum hervorgebracht. Doch die musikalische Geschichte der Stadt geht viel weiter zurück. The Equals mit Eddy Grant wurden Mitte der 1960er hier gegründet. Die Reggaebands Talisman, Black Roots und The Pop Group mit Mark Stewart folgten Mitte/Ende der 1970er. Der mit On .U Sound verbandelte Gary Clail trat auch aus Bristol kommend 1991 ins Rampenlicht. Das sind lediglich eine Handvoll Beispiele, die Liste Bristol’scher Musikkünstler könnte ich noch ellenlang fortführen, ginge es hier nicht im Wesentlichen um Dub Cuts from Eeyun & The Co-Operators: Vibrations from the Bionic Tabernacle (Woodland Records).
Eeyun & The Co-Operators wurden zwar in Manchester gegründet, sind aber einige Zeit später nach Bristol umgesiedelt. Im Mittelpunkt des ganzen Projekts steht der Produzent, Soundengineer, Songwriter und Instrumentalist Eeyun Purkins und seine Waggle Dance Studios. Im April 2019 erschien von den Co-Operators & Friends das Album, „Rhythms From The Kitchen Sink“, dem im November 2020 „Beating The Doldrums“ folgte. Erst ein Jahr später sollte die Quintessenz der seither unveröffentlichten Dubs aus den ersten beiden LPs das Licht der Welt erblicken. Eeyun Purkins mischte die Dubs bereits als „Rhythms from the Kitchen Sink“ und „Beating the Doldrums“ entstanden, doch die Mixe blieben bisher unveröffentlicht. Noch nicht einmal auf eine Single haben es die Tracks nach dem Mixdown geschafft. Jetzt sind sie als „Name your Price“-Download zu haben. Die Dub-Tracks wurden allesamt umbenannt: „Murder at Midnight“ ft. Joe Yorke (Kitchen Sink) wurde zu „On Humanby Corner“, „The Thief & the Liar“ (Doldrums) wurde zu „Higher & Higher“.
Der starke Einfluss klassischer Reggae-Dub-Alben aus den 1970ern auf Eeyuns Arbeit als Musiker und Produzent ist sämtlichen Dubs deutlich anzuhören. Eeyun Purkins fand es am besten, die Stimmung und den Klang so nah wie möglich an den ursprünglichen Vokalmischungen zu belassen und auch die Originalversionen zu verwenden. Das gelungene Endresultat gibt ihm vollkommen recht.
Eine Künstlerin muss ich noch ausdrücklich erwähnen: Es ist die Songwriterin Perkie (making punks cry since 2006) mit ihrer wunderbaren Stimme, die offensichtlich auch Eeyun Purkins fasziniert haben muss, denn der Not Forgotten Dub aka Crazy Woman ft. Perkie aus Kitchen Sink ist der einzige Track auf dem ganzen Album, durch den gelegentlich Songfragmente schweben. Für mich Gänsehaut pur.

Und nun weiter viel Spaß beim Entdecken und Entschlüsseln der Tracks. Kleiner Tipp: Vibrations from the Bionic Tabernacle beginnt mit einem Dub vom „Doldrums“-Album gefolgt von einem Dub vom „Kitchen Sink“-Album und immer abwechselnd so weiter.

Bewertung: 4.5 von 5.
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La Panchita Dub School: Soul Rock Reggae

Der 1978 in Barcelona geborene Gerard Casajús Guaita ist uns besser unter seinem Künstlernamen Chalart58 bekannt. Bei der 2003 gegründeten katalanischen Band La Kinky Beat, die eine wilde Mischung aus Rock, Reggae, Punk, Ska, Rocksteady, Raggamuffin, Dub, Drum & Bass, Jungle und Hip-Hop spielte, war er als Schlagzeuger beschäftigt. Danach trat Chalart58 als Gründer des Plattenlabels La Panchita Records ins Rampenlicht. Das war ca. 2014/2015 und seitdem fällt mir die Panchita Dub School immer wieder sehr positiv auf. Vergangenes Jahr veröffentlichten Manu Chao, der nicht das erste Mal mit Chalart58 zusammenarbeitete, zusammen mit ihm das Album: Inna Reggae Style (La Panchita Dub School), welches leider schon vergriffen ist. Insgesamt positiv festzuhalten ist, dass alle bisherigen Veröffentlichungen des Labels nicht unbedingt in Richtung Mainstream-Musikindustrie schielen und dennoch bestens dafür geeignet sind, unser kleines, feines Genre einem breiteren Publikum näherzubringen.

Nach vielen überzeugenden Alben des Labels folgt nun eine neue Ausgabe der La Panchita Dub School: Soul Rock Reggae (La Panchita Records). Auf Seite eins des Albums zeigt jede, der hier versammelten fünf jungen, teilweise jazzig klingenden, Soulsängerinnen: Désirée Diouf, Brigitte Emaga, Reina Blava, Emma Yuzz, Eipriil zu eingängigen Reggae-Rhythmen ihre gesanglichen Qualitäten. Auf Seite zwei folgen anschließend fünf sehr knackige Dub-Versionen, die von den „Studenten der Akademie“: Bone Lema, ZRP Beats, Pau Senserrich unter der Aufsicht und den aufmerksamen Ohren ihres „Lehrers“ Chalart58 produziert und gemixt wurden.
Klassische Showcase-Alben haben, dank Roberto Sánchez und Chalart58, wieder Konjunktur und deshalb höre ich auch „Soul Rock Reggae“ bevorzugt als Showcase. Welche Herangehensweise der eigenen Hörgewohnheit eher entspricht, sollte man aber je nach Gusto für sich selbst entscheiden.

Bewertung: 4 von 5.
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Arise Roots : Dubways

Viele mögen wegen seines rockigen Charakters keinen amerikanischen Reggae. Dennoch hat „Rock-Reggae“ angesichts der großen Zahl amerikanischer Bands (Tribal Seeds, Groundation, Slightly Stoopid, SOJA, Passafire, Stick Figure u. v. a.) und ihres Erfolges längst den Status eines Subgenres erlangt. Selbst Bob Marley & The Wailers hatten teilweise zwei Lead-Gitarristen (Al Anderson & Junior Marvin) in ihrer Standardbesetzung, die gelegentlich auch ordentlich los rockten. Also im Grunde genommen nichts wesentlich Neues. Zu den exponierten amerikanischen Bands gehören seit einiger Zeit auch die 2010 gegründeten „Arise Roots“. Die Band wurde mit der Absicht gegründet, eine neue und einzigartige Roots-Reggae-Band zu bilden, welche die kollektiven Leidenschaften der sechs Musiker widerspiegelt. „Arise Roots“, die Band aus den Straßen von Los Angeles, verfolgte von Anbeginn ein Ziel: Einen frischen Reggae-Sound mit modernem Feeling zu kreieren, der alle Lebensbereiche, Altersgruppen und Rassen anspricht, ohne das wahre Roots-Reggae-Feeling zu beeinträchtigen. Im Jahr 2020 veröffentlichten die sechs Musiker ihr viertes, von der Kritik gelobtes, Album „Pathways“ (Ineffable Records). Vor ein paar Tagen (27.01.) wurde nun das erste Dub-Album der Band: „Dubways“ (Ineffable Records) veröffentlicht. Wie der Name bereits ahnen lässt, eine komplette Dub-Version der „Pathways“. Das Album wurde von den Zion I Kings, der Dreifaltigkeit des modernen, amerikanischen Reggae, gemischt. Durch ihre Arbeiten im letzten Jahrzehnt haben die Zion I Kings eine Art musikalische Rückführung des Reggae zu seinen Wurzeln geschaffen und so klingt auch „Dubways“, aber eben wie die amerikanische, rockigere, Roots-Reggae-Variante. Wir hören hervorragend eingespielten, organischen und sehr entspannten Dub-Sound mit Yamaha Keyboards, fetter Bassgitarre, verspielten E-Gitarren-Soli, vibrierenden Drums und angenehm dahin schwebenden Songfragmenten aus dem Original-Album. Ganz besonders angetan hat es mir Lead-Gitarrist Robert Sotelo, der seine unverwechselbare Handschrift von Riffs und Licks dem Gesamtsound hinzufügt.
Insgesamt – auch dank Zion I Kings – ein sehr gelungenes, entspanntes Album von Amerikas Westküste.

Bewertung: 4 von 5.
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Rockers All Stars: Chanting Dub With The Help Of The Father

Vor ziemlich genau einem Jahr wurde dieses Album in Frankreich durch Onlyroots Records neu aufgelegt. Man habe kein Interesse an Promo, hieß es damals, ihre Platten würden sich auch so verkaufen. Klar, im inneren Zirkel der Nerds, der Rest der Welt kriegt aber nix mit. Ein Gespür dafür, dass eine derartige Haltung eine der Ursachen ist warum Reggae und Dub inzwischen auf einem eigenen, unbeachteten Kometen siedeln, fehlt hier völlig. Doch für eine derartige Weltunoffenheit sind Platten wie diese einfach zu gut! Chanting Dub With The Help Of The Father steckte bisher in einem blassblauen Cover. Jetzt ist das ursprüngliche Artwork mit Selassie-Foto rot-gelb-grün unterlegt. Die original LP erschien 1978 mit grünem Schriftzug auf dem Rockers Label von Augustus Pablo und kostet inzwischen einen mittleren dreistelligen Betrag. Nachpressungen hatten rote Schrift auf gelbem Label, sind aber auch kaum noch zu finden. Parallel zu den Dubs kam ein ultra-rares, titel- und coverloses Deejay-Album von Prince Mohammad (i.e. George Nooks) auf Hungry Town. Bei einigen Exemplaren wurde damals aus Prince „Price“, als hätte man geahnt, dass für die Deejay-LP mal ein vierstelliger Betrag aufgerufen wird. Die Dubs basieren auf Tunes wie „New Broom“, „Youths Of Today“ und „Don’t Let Problems Get You Down“ von Horace Andy, Roman Stewarts „If I Had A Hammer“ und Lacksley Castells „Love In Your Heart“. Das neue Vinyl rumort deftig in den Leerrillen, was aber bei den lautstarken, von Prince Jammy bei King Tubby gemischten Dubs untergeht. Ein All Killer No Filler Reissue, das bei Only Roots immer noch erhältlich ist. Vielleicht erbarmt man sich ja irgendwann und legt auch die Prince Mohammad LP neu auf. Und überdenkt mal die eigene Einstellung zur Öffentlichkeitsarbeit.

Bewertung: 4.5 von 5.
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Sonstiges

Helmut Philipps: Dub Konferenz

Um eines gleich am Anfang klarzustellen: Es handelt sich bei dem vorliegenden Buch „Dub Konferenz – 50 Jahre Dub aus Jamaika“ weder um eine Doktorarbeit im akademischen Sinne, noch ist Helmut Philipps hierfür der Doktortitel verliehen worden. Obwohl dies Akribie, Umfang und Herangehensweise durchaus vermuten lassen.

Auf rund 250 Seiten in 22 Kapiteln (lässt man Index, Quellennachweise, Glossar etc. außen vor) geht der Autor der Frage nach: Was ist Dub? Dies geschieht (daher auch der Titel „Dub Konferenz“) in weiten Teilen mittels Gesprächen mit vielen Protagonisten des Genres. Helmut Philipps hat bei jeder sich bietenden Möglichkeit Interviews geführt, auf Konzerten und Festivals in ganz Europa, aber auch während mehrerer Forschungsreisen nach Jamaika. Unter anderem hat er mit Style Scott, Sylvan Morris, Errol Brown, David Rodigan über dessen guten Freund King Tubby, mit Fatman, Pat Kelly, Bunny Lee, Barnabas, Linval Thompson, Clive Chin, Clive Hunt, Scientist und King Jammy gesprochen.

„Dub Konferenz“ ist das erste Buch über Dub in deutscher Sprache, und innerhalb kurzer Zeit war die erste Auflage von 1.000 Exemplaren ausverkauft. Dabei ist es eher dem Zufall geschuldet, dass das Erscheinen des Buches (dessen Entstehungsgeschichte vor zehn Jahren ihren Lauf nimmt) sich mit dem 50ten Jubiläumsjahr diese Genres deckt. Die ersten fünf Dubalben entstanden im Jahr 1973, es waren: Lee Perry – Upsetters 14 Dub Black Board Jungle, Prince Buster – The Message Dubwise, Herman Chin Loy – Aquarius Dub, Joe Gibbs – Serial Dub, Clive Chin – Java Java Java Java.

Aber auch nach 50 Jahren und der weltweiten Rezeption und Adaption von Dub, ist die Frage über die Ursprünge und Entstehungsbedingungen von Dub eine weitgehend ungeschriebene und vielfach mythenbehaftete Geschichte. „Dub Konferenz“ widmet sich dem jamaikanischen Dub von den Anfängen in den 70er Jahren bis zu dessen Ende durch die digitale Revolution im Jahr 1985. Die Adaption dieses Genres in England und weltweit wird nur am Rande gestreift und hier dann vor allem durch die Brille von nicht Jamaikanern wie Dennis Bovell oder Mad Professor.

Zugute kam Helmut Philipps neben seiner journalistischen Tätigkeit für z.B. die Magazine RIDDIM, MINT und natürlich auch für den Dubblog, vor allem der Umstand, dass er als professioneller Tontechniker einen anderen Ansatz und ein anderes technisches Verständnis für die Arbeit der Dub Engineers mitbringt. Denn die Entstehung und Entwicklung des Dubs hatte immer auch eine technische Seite. Helmut Philipps räumt mit dem Irrglauben auf, dass auf Jamaika unter „Dritte-Welt-Bedingungen“ aufgenommen und produziert wurde. Die Studios auf der Insel konnten immer mit internationalen Standards mithalten.

Seine Ursprünge hat Dub Anfang der 70er in der Soundsystemkultur Jamaikas, als maßgefertigtes Special oder Version eines bekannten Vocal-Originals, das dem Deejay die Möglichkeit gab, seinen Sprechgesang darüber zu „toasten“. Die Nachfrage nach diesen „Specials“ befeuerte die Evolution des Dub. Eine der Kernthesen des Buches lautet demnach auch „ohne originale Vokalversion kein Dub“. Dub ist das Werk des Dub-Engineers im Studio mit dem Mischpult als Instrument für den Soundsystemeinsatz. Das Format der Dub-LP war eher für den Export bestimmt und spielte auf Jamaika kaum eine Rolle. Irgendwann erkannten die Produzenten aber, dass die Youths in Babylon bereit waren ihr Taschengeld in das schwarze Gold zu investieren. Der Siegeszug des Dub war nicht mehr zu stoppen.

Helmut Philipps ist ein spannendes Buch gelungen, das unterhaltend und informativ zugleich ist, das mit so manchen Dub Mythen aufräumt bzw. ein zum Teil neues Verständnis für diese Spielart der jamaikanischen Musik aufzeigt. Was zum Beispiel macht Lee Scratch Perry so besonders, und was machte er anders in der Black Ark als die anderen Dub Engineers? Und ist das überhaupt Dub, oder ist Perry eher ein Soundschaffender? Wie ist der Fall Scientist vs. Greensleeves zu bewerten? Darf sich der Dub Engineer selbst als Künstler im rechtlichen Sinne begreifen oder ist er eher angestellter Dienstleister des Produzenten? Welche Rolle spielte Dub gerade im LP-Format als Exportschlager und welche auf Jamaika? Wie viele der Dubs zu den unzähligen Alben, die unter King Tubby(‘s) kursieren, hat der King selbst gemischt? Ist Dub eine spirituelle Musik oder Handwerkskunst? Was ist der Unterschied zwischen Dub und Instrumental, kann man Dub als drum-and-bass-Musik simplifizieren, und kann es Dub ohne Reggae geben?

Um eine Antwort auf diese Fragen zu bekommen, lest selbst!

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Roots Inspiration meets Breadwinner: By the Rivers of Water

Roots Inspiration – ein UK Soundsystem/Studio bzw. eine lose Ansammlung von Musikern rund um Hughie Izzachar – legen ein neues Dub-Album vor: „By the Rivers of Water“ (Eigenverlag) heißt das Teil, abgemischt von Al Breadwinner aus, wie sollte es anders sein, Manchester, einem der UK-Hotspots für „all things Reggae“.

Ich habe noch Roots Inspiration’s 2020er „Organic Roots Vol. 1„-Album in guter Erinnerung: Es hält, was der Titel verspricht: Wunderbarer Roots-Dub in mitunter schönen, rauhen Soundgewändern, für die Dougie Wardrop verantwortlich zeichnet. Die Dub-Effekte sind auch nicht von schlechten Eltern: Herr Wardrop läßt’s mitunter krachen, das die Wand wackelt. Dieses Album als Referenz genommen, kommt „By the Rivers of Water“ nicht ganz so gut weg, was in erster Linie an Al Breadwinner’s Sound (und nicht den Dub-Effekten!) zu liegen scheint.

Der obige Video-Track kommt entsprechend besser rüber als die finale Version auf dem Album. Davon abgesehen: Geht es nur mir so oder sind des öfteren die live-Video-Aufnahmen aus den Studios die besseren Versionen? Der Vergleich scheint das auch bei diesem Track zu bestätigen: Die Effekte sind ungleich schöner und prominenter platziert.

Womit wir beim letzten Thema wären: Dem Album-Sound schlechthin. Breawinner’s Mix erinnert des öfteren an Mafia & Fluxy-Alben, die durchwegs (Ausnahmen bestätigen die Regel) in den niedereren Hz-Bereichen dröge dahinwummern: Eine superweiche Kick-Drum verschmilzt dermaßen mit einem nicht minder weichen Synth-Bass, sodass eine blubbernd-weiche Sound-Masse entsteht. Hier eine Bassline auszumachen, fällt schwer… und das klingt dann so:

Es lebe also der Rimshot, der das Ganze doch noch rausreißt. Ähnlich ergeht es, wenn auch in geringerem Ausmaß, den Tracks auf „By the Rivers of Water“. Möglicherweise wird der eine oder andere Dubhead diesen Sound schätzen – ich hingegen bevorzuge eine Kick-Drum mit Punch und eine klar definierte Basslinie.

Dem Leser bleibt wohl nichts anderes über, als sich selbst eine Meinung zu bilden; dafür gibt’s die beiden oben genannten Roots Inspiration-Alben als Stream auf den diversen Plattformen, Bandcamp hingegen bietet ungleich mehr Material von Roots Inspiration und Al Breadwinner an. Möge es ein Hörvergnügen werden!

Bewertung: 3.5 von 5.