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Review

Tommy Guerrero feat. Chuck Treece: Dub Session

Ein weiterer Paradiesvogel gefällig? Es gibt Menschen, die leben ihr Leben und machen einfach alles aus Spaß an der Freud’. Tommy Guerrero, ein waschechter Straßenkünstler aus der Bay Area, ist so einer. Der in San Francisco geborene, charismatische Skater tauchte Ende der 1980er in der Szene als jüngstes Mitglied des legendären Skateboardteams „Bones Brigade” in Frisco auf. Als Street-Skater ist Tommy Guerrero in der Skateboard-Welt hochgeschätzt, aber auch als Designer (Levi’s; Vans; Converse) ist er enorm erfolgreich. Einige Jahre später startete er dann mit der Veröffentlichung seines Debütalbums „Loose Grooves & Bastard Blues“ (1998) seine Karriere als Musiker. Das Album verkaufte sich enorm gut und etablierte nun auch seine außerordentliche Stellung in der Musikszene. Guerrero gilt mittlerweile als versierter Bassist und Gitarrist mit extrem unterschiedlichen musikalischen Einflüssen wie John Coltrane, Joy Division, Bad Brains, Gabor Szabo, Augustus Pablo, King Tubby und viele andere.
2019 hat es Tommy Guerrero zusammen mit Chuck Treece, seinem Kumpel aus alten Skatertagen, gewagt, etwas völlig anderes als „das Herkömmliche” auszuprobieren. In einem Interview äußerte er sich auf die Frage, warum er jetzt ein Album wie „Dub Session” gemacht habe: „Ich bin es leid, jedes Mal das Gleiche zu tun. Ich habe es satt, Gitarre zu spielen und all das, was ich sonst so tue. Manchmal bin ich einfach müde von mir selbst und kann meine eigene Stimme nicht mehr hören.” Darum hat er seinem alten Freund und Weggefährten Chuck Treece vorgeschlagen: „Let’s make a dub album.” Und schwups, zogen sie sich für zwei Tage ins Studio zurück und werkelten daran. Chuck Treece übernahm Schlagzeug sowie Percussions und Tommy Guerrero spielte die Basslines, Gitarren und sämtliche Keyboards. „Um geistig fit zu bleiben, müssen wir immer kreativ sein. Dazu müssen wir uns stetig verändern, um nicht müde von uns selbst zu werden… Natürlich ist es immer schwierig, seine Komfortzone zu verlassen. Viele Menschen, die an die üblichen Klänge gewöhnt sind, werden immer kritisieren. Aber das ist mir egal.” Bei mir läuft Tommy Guerrero mit dieser – schon beinahe – sturen Haltung offene Türen ein. Er überschreitet damit weiterhin alle Grenzen und bewahrt gleichzeitig das Hippie-Erbe in und aus der San Francisco Bay.

Übrigens: Chuck Treece kennen wir Dubheads bereits vom hier besprochenen Album “Ras Asana“.

Bewertung: 3.5 von 5.
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Five Star Review

Tubby Isiah: Rising High

Ich bin hier ja bekanntlich derjenige, der die Steppers-Fahne hoch hält – und ich habe ein neues Lieblingsalbum: Tubby Isiah, „Rising High“ (Moonshine Recordings). Tubby who? Cooler Name, der sofort klar macht, worum es geht – um Dub nämlich. Aber wer steckt dahinter? Im Web findet sich die Info, dass es sich um das neue Projekt von Javon Ives und seinem Dad, Jason Ives handele. Javon Who? Das kann ein so engstirniger Dubhead wie ich natürlich nicht wissen: Javon Ives ist ein Soul-R ‚n’ B-Produzent und -Sänger. Vielleicht steht Paps ja auf Reggae und Dub, was der Grund für „Rising High“ sein könnte. Doch wie dem auch sei, die beiden haben ein wirklich gutes Dub-Album geschaffen. Offenbar wissen sie, was sie tun. Mit „Steppers“ ist übrigens keineswegs alles zu den Tracks gesagt. Es gibt auch schöne, sanfte One Drop-Beats. Sogar ein leicht Dub-Techno-inspiriertes Stück ist zu hören. Insgesamt aber alles maximal harmonisch, weich, warm und bassig. Da das Werk zudem noch ein schickes Cover ziert, vergebe ich hier guten Gewissens fünf Sterne.

Bewertung: 5 von 5.
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Review

Shaolin Dub: Warrior Way

Der in London lebende Dominic Giam ist ein erfahrener Musiker, DJ und Produzent, der seit 1997 sowohl unter seinem Pseudonym „Shaolin Dub“ als auch seit vielen Jahren unter einer weiteren Inkarnation „Ketsa“ auftritt. Eigentlich ein echter Veteran der Londoner Independent- und Underground-Musikszene, der mir bisher völlig unbekannt war. Als „Ketsa“ ist er ein verdammt produktiver Künstler, der in den letzten 15 Jahren weit über 500 Tracks mit abwechslungsreichem Downtempo, Trip-Hop, Ambient und/oder elektronischer Musik veröffentlicht hat. Viele seiner Musikstücke sind melancholischer Natur und sein Sound passt offenbar perfekt als Untermalung bewegter Bilder. So wurde seine Musik für unzählige Werbeclips von Greenpeace, National Geographic, Vereinte Nationen bis deutscher und schwedischer Automobilhersteller verwendet, um nur ein paar zu nennen.
Das bereits 2019 erschienene Album „Warrior Way“ ist sein drittes und wie ich finde bestes. Es erschien unter seinem zweiten Alter Ego „Shaolin Dub“ mit dem er bereits vier Alben veröffentlichte. Auf 14 Tracks mit beinahe einer Stunde Spieldauer werden die unterschiedlichsten Sound-Ideen geboten. Die Musik des Albums bewegt sich im Reggae-Offbeat zwischen allen Fronten. Wir bekommen ein buntes, schwungvolles Potpourri zu Gehör, das von fernöstlichen bis südamerikanischen Klanglandschaften, jazzigen Einsprengseln, verspielter Keyboard- bzw. Klavierarbeit, knackigen Horn-Sätzen, asiatisch angehauchten Flöten- und melodischen Melodica-Parts sowie polyrhythmischen Drum-Patterns reicht. Mal klingt der Gesang etwas acid-jazzig nach De-Phazz, mal trip-hoppig nach Beth Gibbons von Portishead. „Warrior Way“ gefällt mir ausgesprochen gut und ist eine spannende, vor allem abwechslungsreiche Sammlung moderner Dub- und Reggae-Tracks, die King Tubby’s Dub-Ideen weiterentwickelt. Das Einzige, was mich bei einigen Tracks ein bisschen stört, sind die (zu) vielen, etwas schmalzigen „Aaaaahs“, „Ooooohs“ und „Uuuuuhs“ bei den Backing-Vocals und deshalb gibt es auch ein halbes Pünktchen Abzug.

Bewertung: 3.5 von 5.

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Interview

Interview mit Paul Zasky (Dubblestandart)

Dein Name: Paul Zasky
Du lebst in: Wien und Los Angeles
Titel deines letzten Albums: Dubblestandart meets The Firehouse Crew Reggae Classics

Erzähle mal ein wenig von dir.

Ich würde mich grundsätzlich als die treibende Kraft hinter all den Themen Dubblestandart und bald The New Blade Runners Of Dub bezeichnen. ABER, ohne der Crew bin ich nichts, pflege ich zu sagen. Ali, unser Mann am Drum und Herb, der ja bei House Of Riddim ist, und Robbie Ost sind mein Backbone ohne die drei läuft gar nichts. Sie halten mir trotz schwieriger existentieller Bedingungen für eine Band wie der unsrigen seit Jahrzehnten die Stange. Das muss man auch mal bringen und das respektiere und schätze ich sehr. Das ist etwas, das kannst du nicht mit Geld zusammenhalten, das ist ein Spirit, der ist da oder eben nicht.

Ich war Anfang der 90er Teil der Urcommunity von Musikern hier in Wien, die sich für Klang an sich, Post New Wave, Psychedelic, Early Electronic Music und dann bald Dub & Reggae interessiert haben. Wir hatten und haben den Proberaum (er war auch unser erstes Studio) gegenüber vom Flex, den für uns damals wichtigsten Club des Wiener Universums, wo Suga B, Gümix & Sweet Susi Dub und alle dessen Spielarten auflegten – von 1990 onwards.

Viele Leute und Musiker ging bei uns ein und aus. Die meisten hatten gute Ideen, aber es musste auch jemanden geben, der sie in die Tat umsetzte und dafür sorgt, dass Musik entsteht, die sich auf Platte pressen ließ. Darum bin ich dann irgendwann los …

Robbie war dabei immer der Mann am Gerät und nachdem ich die ersten paar Alben in den 90ern ja noch alle selbst gemischt hatte (auf 4 und 8 Spuren), hat er dann übernommen und auf Hi Tech umgestellt.

Ich war außerdem immer für die Kontakte zu Label, Booking, Promo, etc. zuständig und bin in der Welt zwischen Wien, New York, LA und Kingston herum gereist. Dabei habe ich eine Menge Leute kennengelernt, woraus dann über die Jahre viele Freundschaften und Collaborations entstanden sind.

Speziell in Jamaica hat mir mein guter Freund Devon Denton viele Türen geöffnet, zu Sly & Robbie, Ken Boothe, Dillinger, der Firehouse Crew usw. Nicolai von Echo Beach hat uns mit Ariup, Adrian und der OnU-Sound Posse zusammen gebracht. David Lynch hab ich nach unserer Show im Elysee Montmartre in Paris bei seiner Ausstellungseröffnung einfach angesprochen. So gibt es noch viele Beispiele. Ich bin vielen Leuten sehr dankbar.

Wie lautet deine persönliche Definition von Dub?

Landschaftsmalerei mit Klängen.

Was macht einen guten Dub aus?

Eine Atmosphäre zu schaffen die inspiriert, wo akustische Phantasiewelten aufgehen und gleichzeitig auf den „distinct“ Rhythm, seinen Mix und die detaillierte klangliche Bearbeitung besonderes Augenmerk gelegt wurde.

Welche Aspekte von Dub-Music faszinieren dich am meisten?

Dass es ein offenes Stilspektrum ist und sehr viel ermöglicht.

Wie hast du deine Leidenschaft für Dub entdeckt und wie hast du dich und deine Musik seid dem entwickelt?

Als ich ca. 16 oder 17 Jahre alt war – Mitte der 80er Jahre – hab ich mir Taxi Gang: „The Sting“ und „A Dub Experience“ von Sly & Robbie im damaligen „Hand In Hand“-Reggae-Laden in Wien gekauft. Die Crew dort waren Rastas aus Kingston und Addis Abeba und ein Quäntchen cooler und relaxter als der Rest der Stadt. Zudem hatten sie viel Fachwissen hinsichtlich der damaligen Produktionen, dem Vertrieb und der internationalen Szene. Das hat mich fasziniert und angezogen. Kurz darauf „Megaton 1“ von Lee Perry. Mich haben die nach vorn geschobenen Bass- & Drum-Linien, sowie die psychedelischen Flanger- und Phaserloops auf den Sounds von Lees 8-Spur-Produktionen fasziniert. Kurz darauf habe ich dann die Singers & Players und Creation Rockers auf OnU-Sound entdeckt und das wars dann. Dub war für mich die logische Weiterentwicklung von allem was mich bis dahin musikalisch interessiert hatte.

Wie sieht der Entstehungsprozess eines typischen Dub-Tracks von euch aus?

Meist schwirrt irgend ein Groove oder Basslinie in meinem Kopf herum, lange bevor wir eine Session mit der Band machen. Irgendwann gehen wir dann ins Studio und bauen darauf Instrumental-Livesessions auf. Da kommen dann nochmal Ideen vom Rest der Crew. Dann selektieren wir die Jams aus und spielen die Best-Offs präzise mit Klick ein.

Die Zeit danach verbringe ich mit Robbie im Studio wo die tatsächlichen Tracks entstehen. Oft nimmt das eine ganz andere Richtung als bei der Session. Ab und an holen wir die Jungs retour für einzelne Overdubs oder machen Collaborations mit Artists. Alle Keyboardparts, Analogsynthsounds, Samples etc. machen ausschließlich Robbie und ich, da das unseren Sound definiert. Insofern ist Dubblestandart ein Zwei-Stufen Projekt: Es gibt die Produzententätigkeit von Robbie und mir und die Band, die diesen Sound dann live umsetzt, aber im Entstehungsprozess eben auch für die Ursuppe verantwortlich ist.

Bevor es zu einem Mixdown kommt schrauben wir lange an Klang und Arrangement.Vor einer finalen Version wird an Sounds, Effekten, am eigentlichen Klang von Schlagzeug und Bass sowie echten und elektronischen Instrumenten getüftelt. Für mich ist ein Dub nicht der freegestylte Livemix einer Version. Für mich ist ein Dub ein kompletter eigenständiger Song mit Stimmen, Soundsamples und Realworld-Geräuschen, der einer eigenen Struktur und Dramaturgie folgt. Robbie zieht dann von diesen sehr konkreten Klangwelten oft noch Dubs für Vinylauskoppelungen, etc.

Wann bist du mit einem von dir produzierten Dub-Track zufrieden?

Ich produziere die Dubs nie alleine. Wenn wir beide sagen, das isses, dann isses das. In words not 2 be defined.

Was ist beim Produzieren von Dub am wichtigsten?

Authentizität. Es gibt beim Musikmachen keine Gesetze. Es gibt halt Schubladendenken. Musik ist aber frei und das gilt auch für die Ideen. Die Leute sollten sich wesentlich mehr trauen. Ich würde mir von den nachfolgenden Generationen mehr Experimentierfreudigkeit wünschen.

Was ist deine besondere Stärke?

Ich bleib dran, vor allem wenn’s ungemütlich wird.

Welches Album hältst du für euer bestes?

„Immigration Dub“, „Marijuana Dreams“ und „Dub Realistic“.

Gelingt es dir, mit Musik deinen Lebensunterhalt zu bestreiten?

Nein, hat es nie und wird es wohl auch nie. I keep my feed on the ground. Das was ich mit Musik verdiene, investiere ich ausschließlich wieder in Produktionen.

Welche Aspekte deines Jobs machen dir am meisten Spaß?

Musikmachen ist weder Hobby noch Job. Irgendwann fängst du damit an und es wird zur wichtigsten Sache in deinem Leben, um die herum du alles baust: Beziehungsleben, Familie, Moneybusiness.

Wovor graust es dir im Studio?

Zeitdruck und wenn zu viele Leute da sind. Das lenkt ab.

Wenn du gerade nicht an Dubs schraubst, was machst du dann am liebsten?

Ich bin in dem einen oder anderen Kulturprojekt involviert, fange im Herbst auch als Schauspieler in einer Theaterprodutkion an, bisschen Deejaying, setze mich zudem mit AI und psychotherapeutischen Themen auseinander. Habe außerdem in LA ein neues Bandprojekt begonnen.

Was hörst du außer Dub?

Alternative Music, Reggae, Electronic Music, Drum ’n‘ Bass, Industrial, Downtempo, HipHop, Avantgarde, Jazz, Singer Song Writer.

Wenn Geld und Zeit keine Rolle spielten: Welches Projekt würdest du gerne verwirklichen?

„Sade in Dub“ und „Nine Inch Nails in Dub“.

Gibt es Sound System-Events, die du besonders gerne besuchst? Warum?

Aktuell Corona-bedingt nada. Ansonsten ist alles, was Bassmusik angeht hier im Fluc in Wien meistens sehr cool!! Ansonsten: Subaudio.Basstrace, RAW, Donnerdub, Treasure Isle, der legendäre Dub Club im Flex back in the day. Truly missed!

Was bevorzugst du: Studioarbeit oder Sound System-Performance?

Studioarbeit, dann Live-Performance mit der Band, dann Selector at a Sound System. So ist die Reihenfolge.

Wer ist für dich der größte Dub-Artist aller Zeiten?

Adrian Sherwood

Und wer der aktuell interessanteste Dub-Artist?

Jah 9

Welches Sound System schätzt du am meisten?

Jah Shaka und OnU-Soundsystem.

Was sind deine persönlichen Top 5 Dub-Alben?

Dub Syndicate: „Stoned Immaculate“
Sly & Robbie: „A Dub Experience“
Burning Spear: „Living Dub Vol 1“
I- Roy: „Dread Baldhead“
Lincoln Sugar Minott: „Ghetto-ology Dubwise“

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Zion Train: Illuminate

Nach fünf Jahren wieder ein neues Album von Zion Train. Mir ist das Soundsystem von Neil Perch wirklich ans Herz gewachsen. Ich kann mich noch gut an ein 1995 von der damals blühenden Plattenfirma EFA organisiertes Zion Train-Konzert in Köln erinnern. Verantwortlich war übrigens der damalige Labelmanager Nicolai Beverungen, der heute Echo Beach betreibt. Ja, das waren Zeiten! Schöne Erinnerungen, die meine Beurteilung neuer Zion Train-Releases bis heute beeinflussen. Deshalb verwundert es nicht, dass mir das neue Werk „Illuminate“ (Universal Egg) wieder ausnehmend gut gefällt: Tolle Melodien, treibende Beats, clevere Arrangements. Wer die Musik von Zion Train kennt, weiß was zu erwarten ist. Übrigens ausdrücklich kein instrumentales Dub-Album, sondern ein Vocal-Set mit 11 Songs (und zwei Instrumentals), das soundtechnisch aber trotzdem im Dub-Kosmos angesiedelt ist. Normalerweise beurteile ich ein Album bevorzugt als Ganzes und vermeide es, einzelne Tracks zu sezieren. Hier aber muss ich doch Michela Grenas Song „Cultural Memories“ heraus greifen und die Frage stellen, warum dieses melodische Meisterwerk nicht längst auf Platz 1 der Reggae Charts steht? Ideenreich produziert und wunderschön gesungen: ein echter Ohrwurm. Tja, hier liegt Neil Perchs großes Talent: Talente zu entdecken und starke Melodien zu kreieren. Das ist in der Soundsystem- und Dub-Szene einzigartig. Und genau das ist es, was aus neuen Zion Train-Alben immer eine kleine Sensation macht. Einziger Wermutstropfen: Die schönen Songs und Dubs hätten ein besseres Mastering verdient.

Bewertung: 4 von 5.
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Alpha Steppa: Raise the Ark

Alpha Steppa, Sohn und Neffe des Dub-Duos Alpha & Omega, legt ein neues Album vor – ein „experimentelles“, laut eigener Aussage. Mal sehen, ob das stimmt. Der Sprosen-Sprössling hat jedenfalls ein fantastisches Gespür für spannungsvolle Beats, geniale Basslines, dunkle Atmosphäre und nice Melodien. Über allem schwebt ein Hauch von Mystik und Spiritualität. Vordergründig wird man seine Musik dem „Steppers“-Style zuordnen, was formal auch durchaus zutreffend ist. Wer aber Steppers für banal hält, sollte auf seinem neuen Album „Raise the Ark“ (Steppas) mal genauer hinhören. Wie schon bei Vater und Tante, liegen hier viele Sound-Layer übereinander und erzeugen ein komplexes Klangbild. Nicht ohne Grund spielt der Album-Name auf Lee Perrys „Raise the Ark“ an, denn ein undurchdringlicher Sound-Dschungel war auch schon dessen Markenzeichen. Wer aufmerksam in dieses Klanggewebe hinein lauscht, erkennt hier polyrhythmische Beats mit teils verrückten Percussions, auf jeden Fall aber gewaltigem Bass und fein ziselierten Arrangements. Tatsächlich hört man Rhythmusstrukturen, die sich nicht mehr eindeutig Reggae zuordnen lassen. So viel zum „Experimentellen“ des Albums. Ich empfinde den Begriff zwar als etwas zu großspurig, muss aber gestehen, dass „Raise the Ark“ für ein Mitglied der Dub Dynasty ziemlich abwechslungsreich klingt. Das liegt nicht zuletzt auch an den großartigen Vokalisten, die Ben Alpha hier versammelt hat. Allesamt steuern ordentliches Liedgut bei, das sich in die Gehörgänge gräbt und im Schädel einnistet. Erschwerend kommt sogar noch hinzu, dass viele der Lyrics inhaltlich deutlich mehr als Spiritualität zu bieten haben. Es gibt übrigens unglaubliche 22 Tracks zu hören, zuerst die Vokal-Versions, anschließend die Dubs.

Bewertung: 4.5 von 5.
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Review Zweite Meinung

Alpha & Omega: Shadrach, Meshach And Abednego

Auch Alpha & Omega lassen wieder von sich hören. Ganz anders als ihr Nachwuchs, meiden die Veteranen das Experiment und liefern das ab, was sie schon immer am besten konnten: Mystischen Steppers-Dub, der keine Gefangenen nimmt. So auch auf ihrem neuen Album „Shadrach, Meshach And Abednego“ (Steppas). Hier begnügen sie sich zwar mit nur fünf Vocal-Tunes und fünf begleitenden Dubs – letztere aber haben es in sich. Ich staune ja immer wieder, wenn ich die beiden, oder Christine alleine am Bass, auf einem Sound System-Event erlebe. Seit über 30 Jahren liefern sie nahezu die gleiche Musik ab, unverdrossen, stetig und mit Hingabe. Das ist wahre Bestimmung. Dub for life. Und vielleicht ist es die Liebe zu diesen mystischen Bass-Sounds, die jedes A&O-Album von neuem so beseelt und inspiriert sein lässt.

Lest auch die Review von Marius

Bewertung: 3.5 von 5.

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Review

Alpha & Omega – Shadrach, Meshach and Abednega

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von Steppas Records melden sich Alpha & Omega mit „Shadrach, Meshach and Abednego“ zurück. Das Album versammelt wie der 2017er Vorgänger „One by One“ fünf Vocal-Tracks mit zugehörigen Dubs im Showcase-Style. Große Überraschungen offenbaren sich nicht: Die britischen Soundsystem-Pioniere bedienen in mystischem, monotonem und bassgewaltigem Gewand etablierte A&O-Hörgewohnheiten. Musikalisch an aktuelle Produktionsmöglichkeiten angepasst, klingen die Tracks frisch, verlieren dabei aber trotzdem nicht den typischen A&O-Sound. Christines live eingespielter Bass unterstreicht die auditive Hochwertigkeit. Mit Joseph Lalibela, Ras Tinny, Wellette Seyon, Danny Red und Nai-Jah versammelt sich ein Querschnitt zeitgenössischer Roots-Sängerinnen. Letzterer verbucht mit seiner sanften und klagenden Stimme auf „Maisha“ das Highlight der Platte für sich. Joseph Lalibela verarbeitet, gewohnt apokalyptisch, die Geschichte der drei judäischen Männer des Albumnamens in „Steppin in the Fyah“. Diese verweigerten nach biblischer Erzählung dem babylonischen König Nebukadnezar den Kniefall und überlebten die Todesstrafe im glühend heißen Ofen. Explizit religiöse Thematiken greift der Großteil der Titel auf, so auch „Jah is Here“ und „Hail Him“. Wellette Seyon formuliert ihre Botschaften in „Real Eyes Realize“ abstrakter. „Shadrach, Meshach and Abednego“ liefert solides Soundsystem-Futter für Tanzwütige und Bassverrückte und ist erhältlich als Vinyl, Download und im Streaming.

Bewertung: 3.5 von 5.
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Review Zweite Meinung

Dubment: Showcase & Dub Fugues

Wer Dub Spencer & Trance Hill mag, wird auch Dubment lieben. Wie die Erstgenannten, stammen sie aus der Schweiz, machen in Minimalbesetzung minimalistischen Dub, handgespielt und mit ausufernden Rock-Gitarren-Exkursionen. Klingt gelegentich nach einem psychedelischen Jazz-Trio – was wohl daran liegen dürfte, dass Dominik Zäch (Gitarre), Balz Muheim (Schlagzeug) und Linus Meier (Bass) in Luzern gemeinsam Jazz studieren. Reggae und Dub sind eigentlich dem Prinzip der strikten Repetition verpflichtet, doch darum scheren sich die drei auf ihrem Album „Dubment – Showcase & Dub Fugues“ (Echo Beach) nicht besonders. Hier wird ziemlich frei gespielt und beherzt herumexperimentiert. Merkwürdigerweise klingt es dann trotzdem nach Dub. Das Album war übrigens schon seit Dezember 2019 auf dem Markt, kommt jetzt aber aus dem Hause Echo Beach als Deluxe-Version neu raus. Deluxe daran ist, dass der Dubvisionist zu jedem Dub eine kurze „Fuge“ schuf, die dem Original folgt. Wir hören also stets zuerst den Original-Dub, dann folgt eine zwei- bis dreiminütige Fuge. „Einen Dub vom Dub zu machen, erschien mir nicht sonderlich sinnvoll“, gibt der Dubvisionist Auskunft, „Die Originale sollten ganz klar die Helden sein. Die Fugen sind nur kleine Zwischengänge“. Mir gefallen die Zwischengänge ausgesprochen gut, bringen sie doch Dub-Feeling mit, das die Originale im Überschwang der Jazz-Improvisation manchmal etwas vermissen lassen. Hier übrigens von „Fugen“ zu sprechen und damit unweigerlich Assoziationen an Bachs „Kunst der Fuge“ oder auch ans „Wohltemperierte Klavier“ zu wecken, ist wirklich eine coole Idee – auch wenn die Dub-Fugen mit dem musikalischen Konzept einer Fuge nicht viel zu tun haben. Marketing rules.

Lest auch die Rezension von Ras Vorbei

Bewertung: 3.5 von 5.

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Dubment: Dubment & Showcase Dub Fugues

Es gibt sehr wenige Bands, die es sich leisten können, ein Album zu veröffentlichen, auf dessen Cover weder Band noch Albumtitel stehen. Spontan fallen mir nur Pink Floyd ein: auf den Original-LPs „Atom Heart Mother“, „Meddle“, „Dark Side Of The Moon“, „The Wall“ finden sich null Hinweise, um welche Band es sich handelt.

Die Schweizer Band Dubment leistet sich diesen Luxus bereits auf ihrem gleichnamigen Debütalbum „Dubment“ (Echo Beach). Auf dem Cover springt uns lediglich ein Popcorn – meine ich zu sehen – entgegen. Dubment sind ein sehr kreatives, experimentelles Trio aus Zug (Innerschweiz). Vor circa zwei Jahren war das Trio auch für ein paar Gigs mit DUB SPENCER & TRANCE HILL auf Tour in Deutschland (Danke für den Tipp, Masi!). Es ist wirklich sehr spannend, was uns da von den drei Jungs: Dominik Zäch (git), Balz Muheim (dr), Linus Meier (bg) geboten wird. Auch wenn kleinere Querverweise an das Dub Trio, die Revolutionary Dub Warriors oder natürlich auch DUB SPENCER & TRANCE HILL auszumachen sind, haben es Dubment geschafft, sich ihren ganz eigenen Dub-Kosmos zu erschaffen. Bei Dub geht es doch generell darum, Raum zu schaffen, während es beim Rock zu einem gewissen Grad darum geht, ihn zu füllen. Diesen Balanceakt meistern Dubment virtuos mit eleganter Leichtigkeit. Der Sound der (nur) fünf Songs wechselt hier zwischen etwas härteren Rockpassagen, jazzigen Gitarrenläufen und super relaxten Dub-Passagen. Die experimentierfreudige Dub-Band hat sich an der Jazz-Hochschule Luzern gefunden. Den jungen, talentierten Musikern war beim Jammen ziemlich schnell klar geworden, dass ihre gemeinsame Passion für jamaikanische/karibische Musik in Kombination mit der Grenzenlosigkeit des Jazz der ideale Nährboden für ihren in alle Richtungen ausufernden Dub ist. Auch wenn auf dem Album nur Bass, Drums und Gitarre zu hören sind, hat man trotzdem keine Sekunde das Gefühl, dass dem komplexen Sound irgendetwas fehlt. An den Contols saß Etienne Schorro, der den schönen Mix des bandeigenen Tontechnikers und Produzenten Joschka Weiss masterte. Sämtliche Titel wurden live im Studio eingespielt. Dubment werfen im Grunde alle klassischen Reggaeprinzipien über Bord. Trotzdem schafft es das Trio, mit spannenden Arrangements, spacigen Dub-Effekten, schönen Grooves und geschickt gesetzten Spannungsbögen, neue Dub-Sphären zu erschließen. (Soweit meine Rezension vom 26.04.2020).
Am 05.06. veröffentlichte nun Echo Beach eine Extended Version des Originals. Nikolai Beverungen, der „Chief“ bei Echo Beach, hat die Aufnahmen in die Hände von Dubvisionist gegeben, der die Originale nochmals überarbeitete. Herausgekommen sind ein paar zusätzliche, kurze „Dub-Fugen“, die es meines Erachtens nicht zwingend gebraucht hätte, um das Opus noch attraktiver zu machen. Soll heißen: Die zusätzlichen Dubs sind solide, aber kein Dub-Feuerwerk. Bei diesem hervorragenden Ausgangsmaterial hätte ich doch etwas mehr erwartet.
Übrigens, live sollen Dubment, wie Hazer Baba auch, ein beeindruckendes Konzerterlebnis sein. Dass die Tracks des Albums live genauso klingen werden wie hier, ist fraglich, denn das Motto des Trios ist und bleibt: Transformation und Improvisation.

Bewertung: 4.5 von 5.