Rapha Pico, Sänger aus den Niederlanden, fiel erstmals mit seiner EP „Continue The Glory“ auf. In erster Linie ob seiner Stimme, die irgendwo zwischen Ras Batch und Army einzuordnen wäre – sprich einer Stimme ohne Eigenschaften, quasi der Lebensgrundlage von Background-Sänger*innen schlechthin. In zweiter Linie ob der Texte, die mit ihrer Schlichtheit und dem Bemühen einfachster Bilder über die üblichen und hinlänglich bekannten Rasta-Befindlichkeiten nicht hinausgehen. So weit, so schlecht – wäre da nicht eine sattelfeste Backing Band, die sich „The Noble Chanters“ nennt; wäre da nicht eine äußerst gelungene Produktion, wie sie klassischer nicht sein könnte:
Gut, der bemühte Rezensent findet immer etwas zum mosern – und sei es nur der Drummer, der zwar sehr schön Carlton Barrett imitiert, aber mit der Zeit nervt’s dann doch: Es gibt nun mal nur einen Carlton Barrett mit seinem außergewöhnlichen Drum-Stil; Klone kommen an ihn nicht heran und sind überflüssig – natürlich mit Ausnahme der Drummer in den diversen Wailers-Inkarnationen post-Marley.
Wenden wir uns also dem frisch erschienen Dub-Counterpart der EP zu, trefflicherweise „The Glory of Dub“ (Noble Chanters Productions) betitelt. Klanglich rauer und nicht so poliert wie das Vokal Album, stehen Drums und Bass mit erstaunlicher Dynamik im Vordergrund. Die in den Stücken immer wieder mal auftauchenden Stimm-Sprengsel sind sehr gut gewählt und geben meist die Essenz der jeweiligen Lyrics wieder. Die Dub-Effekte könnten klassischer nicht sein: Unaufgeregtes Echo und Hall ziehen sich durch‘s ganze Album; die eine oder andere Tonspur wird sanft ein- und ausgeblendet. Und das war’s auch schon, mehr braucht’s auch nicht. Das trägt Hörerin & Hörer durch sechs Tracks, die zusammen erstaunliche 42 Minuten lang dauern – während es der Vokal-Counterpart mit ebenfalls sechs Tracks lediglich auf 28 Minuten bringt. Da hat wohl jemand große Freude an extra-langen Dub Versions gehabt, und die Freude ist ganz meinerseits:
Im Großen und Ganzen ist „The Glory of Dub“ also ein gelungenes, wenn auch kein experimentierfreudiges Dub-Album, das sich mit seiner ihm eigenen Unaufdringlichkeit vortrefflich als Backgroundmusik zum Arbeiten, Lesen oder Dösen eignet. Dem Rezensenten wäre das eine glatte 4-Sterne-Bewertung wert, wenn… ja wenn es da nicht am Anfang und Ende jedes einzelnen Tracks unerklärliche und sinnlose sekundenlange Stille geben würde. Die dauert mal 5 Sekunden, mal sage und schreibe 20 Sekunden. Das ist äußerst ärgerlich, trübt das Hörvergnügen massiv und kann m.E. nicht als Stilmittel zu rechtfertigen sein. Warum hier nicht editiert wurde, bleibt wohl ein Rätsel, das vielleicht die Leser*innen dieser Rezension klären können. Bis dahin ziehe ich mit Bedauern zwei Sterne in der Bewertung ab.
