Sly Dunbar und Robbie Shakespeare oder Carlie und Aston Barrett sind die Rhythm Twins aus Jamaika. Aber aus Waltham, Massachusetts kommen die wahren Rhythm Twins, die Zwillingsbrüder Mark und John Beaudette von den Flying Vipers. Die Flying Vipers sind eine Dub-Reggae-Band, bestehend aus John und Marc Beaudette (Destroy Babylon, The Macrotones) und Zack Brines (Pressure Cooker, Kings of Nuthin‘), welche ursprünglich als Nebenprojekt von Destroy Babylon gegründet wurde, um ihr Faible für klassischen Dub und Reggae ausleben zu können. Als Mann an den analogen Kontrollknöpfen und Reglern sitzt von Anfang an Jay Champany (10 Ft. Ganja Plant), der auch die ersten beiden Veröffentlichungen der Gruppe produzierte. „Cuttings“ das erste Album der Flying Vipers in voller Länge ist gerade erschienen und knüpft genau da an, wo die beiden hervorragenden Vorgänger-EPs „The Green Tape“ & „Copper Tape“ endeten. Der Sound klingt wieder wie aus einer anderen Zeit, als jamaikanische Sound-Engineers dazu übergingen, ihre Mischpulte als Hauptinstrument zu nutzen und den Grundstein für das Dub-Genre legten. Wie beinahe zu erwarten, liefern die Vipers erneut süchtig machende Dub-Reggae-Instrumentals, die sowohl an die großartigen Produktionen der alten Engineers wie King Tubby, Sylvan Morris und Lee Scratch Perry, als auch an die jüngeren Dubhelden wie Dennis Bovell, Adrian Sherwood und Daniel Boyle erinnern. Die fantastisch gute Rhythm-Section von Marc und John Beaudette setzt das perfekte Fundament, über das der Keyboarder Zack Brines unter anderem seine schönen, frei fließenden Rhodes-Klavier-Passagen legt. Für die packende Horn-Section wurden zusätzlich noch ein paar Gastmusiker engagiert, die mit ihrer Virtuosität den Sound der Vipers enorm bereichern. Unbedingt positiv hervorzuheben ist auch der vierte Mann im Bunde, Jay Champany. Während heute viele Engineers die digitale Technologie nutzen, bevorzugt er immer noch die analoge Technik. Mit einem ziemlich alten Mischpult, Tapco-Hall, Mutron Phasor II etc. mischt Champany die Songs manuell, während die Band sie mit einem Tascam 488 MK II direkt auf Kassette aufzeichnet. Es entsteht ein sauberer, kohärenter, klassischer Sound und gleichzeitig eine eigene originelle Variante der bewährten Dub-Formel.
Aldubb ist unser aller Liebling. Seine „Planets of Dub“-Alben eroberten die Herzen der stolzesten Dub-Kritiker; – und was mich betrifft, besitzt der Berliner spätestens seit Erscheinen seines Epos „A Timescale of Creation – Symphony No. 1 in Dub minor“ den Adelstitel „Al von und zu Dubb“. Mit seinem neuen Album „Mesozoic Valley“ (One Drop Music) widmet er sich erneut der Ur- und Frühzeit unseres Planeten (die „Planet of Dub“-Alben gehören offenbar thematisch auch in die Reihe, wie mir gerade auffällt). Doch während die Symphonie ein im wahrsten Sinne „großes“ Werk war, kommt „Mesozoic Valley“ (One Drop) als rein digitale Produktion, also gewissermaßen als Laptop-Dub, geradezu bescheiden daher. Doch sobald der erste Track startet, ist es vorbei mit der Bescheidenheit. Der Bass bläst einem ins Gesicht und die Ohrläppchen flattern im Wind. Das ist Hardcore-Stuff fürs Sound System. Raus damit und Spaß haben – so kommt es mir vor. Mein Dubblog-Kollege gtkritz bemängelt fehlende Hooklines und mangelnde Prägnanz, womit er zwar durchaus Recht hat, was aus meiner Sicht hier aber gar nicht so entscheidend ist. Warum nicht einfach mal in Bass baden und sich wohl fühlen? Warum nicht mal nonchalant System 2 abschalten und System 1 seinen Spaß haben lassen? Ich würde sagen: „Mesozoic Valley“ anklicken (Streaming ist die passende Konsumform für das Album) und schön laut aufdrehen. Wer dann noch sagt: „nee, da fehlt mir Komplexität und die Reflexion der Bedingungen unserer Existenz“, den (oder die) verweise ich an die „Timescale of Creation“.
Your name: Alpha Steppa You live in: France Title of your last album: Raise The Ark
What is your personal definition of dub?
It stems from a style of mixing pio- neered in Jamaica and became a genre of music in its own right. At the core, it is drum and bass with life and soul woven in via the hands of the dub mix- er. It’s magic.
What makes a good dub?
Space, bass and texture.
Which aspects of dub music fascinate you the most?
I love the spontaneity, the freedom and the experimentation.
How did you discover your passion for dub and how did you develop your- self and your music since then?
My dad taught me how to mix dub from a young age. I developed through incorporating all my other influences in life and music into my dub.
What does the process of creating a typical dub track look like?
You need a spark; a vocal line, a bass line, a sample, a melody, percussion, a feeling… something to ignite the idea, then get out the way and let the track build it- self.
When are you satisfied with a dub track you produced?
When I feel it drop and the crowd rise in a dance.
What is your special strength?
I have no need to fit in. This frees me and my music.
Which one of your albums do you consider your best work up until now?
Raise The Ark
Are you able to make a living with music?
Yes, I live a simple and happy life so don’t need much.
What aspects of your job do you enjoy the most?
I love to create. And it pleases me to know it brings joy to others.
What do you dread in the studio?
When I forget to drink my tea and it goes cold.
When you’re not working on dubs, what is your favorite thing to do?
My hammock.
What do you listen to besides dub music?
Folk, hiphop, trap, trad, blues, classical
If money and time didn’t matter: Which project would you like to realize?
Money and time doesn’t matter. But I need a new septic tank. I’d also like to develop a community where people could come to develop new ways of sustainable living and practice self inquiry.
Are there any sound system events that you particularly like to attend? Why?
Jah Shaka, always and forever the greatest, deepest and most mystical soundsystem experience.
What do you prefer: Studio work or sound system performance?
I love both. But if I had to choose one, creation is paramount, so studio would win.
Whom do you consider the greatest dub artist of all time?
My dad and aunt (Alpha & Omega)! Ha ha
And who is currently the most interesting dub artist?
Currently the most interesting dub artist is JahYu
Which sound system do you value the most?
Jah Shaka
What are your personal top 5 dub albums?
A&O: Voice In The Wilderness Jonah Dan: Intergalactic Dub Rock King Tubbys: Meets Rockers Uptown Upsetters: Black Board Jungle Scientist: Rids The World Of The Evil Curse Of The Vampires
Raphael, Dub- und Disco-Selector aus Hamburg, ist nach eigener Aussage »noch ziemlich frisch in der Szene.« Im Interview spricht er über seine ersten Berührungspunkte mit Dub, thematisiert Sexismus und Homophobie in der Szene und den Vulkan in seinem Kopf.
Weißt du noch, wann du zum ersten Mal mit Dub in Berührung kamst?
Raphael: Ich bin in Ulm aufgewachsen, mein Bruder war in einer Crew, die Reggae und Dancehall gespielt haben. Da wurde ich zum ersten Mal auf die Musik aufmerksam, besuchte zum Beispiel auch das Chiemsee Reggae Summer Festival im gleichen Jahr. Durch meinen Bruder lernte ich generell sehr viel unterschiedliche Musik kennen: Wu-Tang, Nirvana, System of a Down… Dub war für mich damals noch nicht so präsent. Und so startete ich dann auch mit meiner Plattensammlung erst mal sehr wild gemischt, mit Rockklassikern und sowas.
Erinnerst du dich noch an deine erste Platte?
R: Das müsste ein Album der White Stripes so kurz vorm Abi 2010 gewesen sein. Zu der Zeit hat mein Bruder in Stuttgart in einer WG mit Drum ‚n‘ Bass- und Dubstep-DJs gewohnt und ich erinnere mich, dass dort eines Abends die „Dub Echoes“-Doku lief. Die fand ich so gut, ich musste mir direkt den zugehörigen Soundtrack besorgen und ihn auf der nächsten WG-Party auflegen. Ein Live-Konzert von Lee Perry löste schließlich in mir den Gedanken aus: Wow, Dub ist das Ding! Einige Dubveranstaltungen in Offenbach und Darmstadt besuchte ich anschließend zuerst als Fotograf und, nachdem ich die Jungs vom Rebel Lion Soundsystem kennenlernte, auch als Selector und war dann irgendwann Teil der Crew. Ab 2012 organisierten wir über mehrere Jahre regelmäßig Dubpartys in der Oettinger-Villa in Darmstadt, das war echt eine schöne Location. Dadurch haben wir die Leute im Rhein-Main-Gebiet schon mit der Musik angefixt.
Habt ihr dann auch andere Crews inspiriert, etwas auf die Beine zu stellen?
R: Ja, zumindest, dass einige Crews auch mehr Dub ins Set aufnahmen, die vorher eher Roots präferierten. Peifensound aus Wiesbaden zum Beispiel. Aber das Rhein-Main-Gebiet mit Frankfurt als Metropole hat es bis heute leider nicht geschafft, ein richtiges Soundsystem auf die Beine zu stellen, irgendwie stellte das nie so das Zentrum für diese Art von Musik dar.
War das vielleicht auch der Grund, warum du dann irgendwann nach Hamburg gezogen bist?
R: Nein, das war eher, weil unser Soundsystem Rebel Lion aus verschiedensten Gründen damals etwas auseinandergebrochen ist, wegen Umzügen und Kindern und sowas. Mir war Mainz, mein damaliger Wohnort, irgendwann auch einfach zu klein. Ich habe dann mein Studium geschmissen und bin nach Hamburg gezogen, um dort ein Praktikum beim Backspin Hip Hop-Magazine zu beginnen.
Also spielte Hip Hop auch irgendwie immer eine Rolle für dich?
R: Ja voll. Ich wusste aber auch, dass ich in der Dubszene hier in Hamburg aktiv sein wollte. Hatte erst das Hibration Soundsystem im Auge, mich dann aber doch für I-Revolution entschieden.
Dub ist einfach voll die Nerdmucke. Reggae für Nerds. Kiffende Nerds, die Bass mögen, das ist die Dubszene.
Von I-Revolution kennt man dich ja aktuell, wie kam da die Verbindung zustande?
R: Ich war zuerst auf einigen Partys von denen in der T-Stube an der Uni. Über eine Facebook-Gruppe suchten die irgendwann bei der Besetzung der Uni Leute zum Auflegen. Ich hatte da Bock drauf und bin einfach mit meinen Platten hingegangen. Das hat mit den Jungs musikalisch als auch zwischenmenschlich sofort gefunkt. Das war im April 2018 und seitdem geht’s irgendwie steil ab mit I-Revolution: wir haben Open Airs veranstaltet und einige Partys im Gängeviertel.
Wie seid ihr denn bei I-Revolution aktuell aufgestellt?
R: I-Revolution besteht grade aus sieben DJs und noch viel mehr Leuten im Hintergrund, ohne die es einfach nicht geht. Wir bauen auch sehr viel selbst, also zum Beispiel Sirenen und Verstärker. Dub ist einfach voll die Nerdmucke. Reggae für Nerds. Kiffende Nerds, die Bass mögen, das ist die Dubszene.
Das Problem Sexismus ist in der Dubszene auch nicht gelöst.
Bei all dem Spaß fällt bei euch auch die klare politische Ausrichtung auf. Schaut man zum Beispiel in die Veranstaltungstexte eurer Facebook-Events, findet man dort immer Ansagen gegen Sexismus und Homophobie – Themen, die ja oft bei jamaikanischer Musik kritisiert werden. Findest du, dass in der Szene ein größeres Bewusstsein für solche Themen entstanden ist?
R: Die Dubszene in Deutschland und Europa ist auf jeden Fall sehr links geprägt, alleine schon durch die Veranstaltungsräume, wie Autonome Zentren oder besetzte Häuser. Aber das Problem Sexismus ist in der Dubszene auch nicht gelöst. Nur weil in der Musik weniger Lyrics verwendet werden und deshalb auch keine Probleme mit kritischen Äußerungen auftreten, gibt es ja trotzdem Punkte, wie beispielsweise das Geschlechterverhältnis, an denen man auf jeden Fall arbeiten kann. Die meisten Crews bestehen aus Typen, was vielleicht auch mit dieser Nerdkultur zusammenhängt. Ich finde, Musik- und Subkulturen sind meistens auf Macker geprägt, Nerdkulturen ebenfalls, wenn dann beides zusammenkommt, wirds auch nicht besser. Wobei meine Erfahrung mit den Menschen, die neu in die Dubszene kommen ist, dass sich viele sehr wohl fühlen, viele Frauen sagen auch, es ist einfach entspannt bei den Veranstaltungen.
Hast du das Gefühl, dass die genannten linken Themen erst durch euren Einsatz in der Szene wahrgenommen wurden?
R: Ich glaube, das ist nicht durch uns ein Thema geworden, das war schon immer so. Also wenn ich mir Jürgen Becker alias Crucial B hier aus Hamburg anschaue beispielsweise, der vor 26, 27 Jahren in Hamburg startete, hat mit seiner Crew auch schon Veranstaltungen in der T-Stube auf die Beine gestellt oder Hausbesetzungen durchgeführt. Ich denke, in den 90ern war Dub sowieso eine Protestmucke, weil es da auch die Verbindung zum Punk, gerade in England gab. Es sind sicherlich auch einige über Punk zum Dub gekommen, darum auch der linke Szenecharakter. Aber es ist natürlich schwierig, du weißt ja nie, wenn du Tracks auflegst, auch wenn keine expliziten homophoben oder sexistischen Lyrics darin vorkommen, wie die Interpreten ticken. Das ist vielleicht auch so ein Ding, warum sich viele linke Menschen in der Electroszene aufhalten, weil sie denken, keine Lyrics bedeuten keine Homophobie und keinen Sexismus. In der Dubszene und auch in anderen Musikszenen gibts außerdem auch Oldschooler, die sagen, dass früher alles besser war. Ich denke, die Dubszene braucht auch ein bisschen Humor. Gründe, weshalb es auch so schwierig ist, in die Szene reinzukommen. Ein entspannter aber auch geschlossener Kreis.
Bezüglich geschlossener Kreis: findest du, dass es einen Zusammenhalt innerhalb der Szene, auch beispielsweise überregional, gibt?
R: Ja voll, du kannst kreuz und quer durchs Land reisen, du triffst immer jemanden, den du kennst. Ich wollte dieses Jahr auch mal nach Frankreich, um dort ein bisschen die Szene mitzunehmen. Ob das eine große Veranstaltung in Berlin ist oder ein kleines Festival auf einer Schafsweide in Nordhessen, auf dem ich vor zwei Jahren war. Mit Ponyreiten für die Kinder und selbstgemachtem Eis, voll das Familientreffen. Das ist voll schön in der Szene, man hilft sich gegenseitig. Auch die Gäste, die Leute helfen mit, haben wir auch selbst erlebt bei den Outdoor-Sessions von I-Revolution letztes Jahr. Da packen echt viele mit an und gehen nicht einfach nach Hause. Viele haben auch Bock auf beispielsweise Türschichten, das ist schon alles eine gute Unterstützung und Vernetzung.
Klingt ja alles total schön, wenn da jemand so außenstehend ist und da ein Teil von sein möchte, wie könnte das gehen?
R: Als komplett Außenstehender ist das glaube ich schwierig, also man muss schon die Musik feiern. Momentan kommen aber auch viele im Publikum aus der Electroszene, man merkt es daran, wie die Leute tanzen. Ich glaube, einige sind gelangweilt von den immer gleichen Veranstaltungen dort in der Szene und vor allem Steppers Dub hat ja Ähnlichkeiten mit Techno, ist halt Tanzmusik.
Eure Veranstaltungen sind echt immer brechend voll.
R: Ja und vor allem sind auch viele Kids da. Man merkt, die sind eher auf Techno sozialisiert und shufflen dann zu Steppers (lacht).
Also findest du, das hat alles Zukunft?
R: Im Moment gehts der Szene ganz gut, denke ich. Es entstehen immer mehr Sounds und es wird auch in Deutschland daran gearbeitet, größere Festivals auf die Beine zu stellen, zum Beispiel in Münster, die ja sowieso stark bestückt sind mit Soundsystems und auch Berlin. Sogar in Süddeutschland.
Da wir eben von euren immer brechend vollen Veranstaltungen sprachen, wie kam überhaupt die Verbindung mit dem Gängeviertel zustande?
R: Jimmy, auch bei uns im Soundsystem aktiv, kennt da jemanden. Ich glaube, was uns auch im Herbst gut Auftrieb gegeben hat war, dass wir unsere monatliche Veranstaltung relativ schnell nach dem Gängeviertelgeburtstag gesetzt hatten. Dann hat das Gängeviertel auch noch unsere Veranstaltung bei facebook geteilt. Am ersten Abend schon 500 Zusagen oder Interessierte und insgesamt 3000. Das ging auch bei der zweiten Veranstaltung so weiter. Mittlerweile hat sich das wieder normalisiert auf aber immer noch ungefähr 700. Bei der letzten Party mussten wir nach drei Stunden Einlassstopp machen. Das ist echt heftig, mal schauen, wie das Ganze jetzt in der Roten Flora weitergeht.
Ich mag vor allem Musik, die visuell ist, Soundscapes schafft und Dub ist da eben optimal dafür.
Ich wollte auch noch über deine Selections reden, welche immer sehr divers sind: du spielst Dub, Funk, Soul, Afrobeat, Hip Hop, woher kommt das?
R: Das weiß ich gar nicht so genau, ich kann halt beim Auflegen immer schwer bei einem Stil bleiben, was mich manchmal selbst aufregt, wenn ich so verworren hin und her wechsle. Ich mag vor allem Musik, die visuell ist, Soundscapes schafft und Dub ist dazu eben optimal, um so was zu schaffen. Manchmal ist es aber auch so: wie langsam und wie weird kann der Scheiß sein, den ich auflege und ich versuche da auch gerne mal aus dem Rahmen zu fallen und nicht nur Hits zu spielen.
M: Jetzt seid ihr ja mit I-Revolution für die nächste Veranstaltung erstmal in die Flora umgezogen, gibt’s weitere Pläne für 2019? R: Ich hätte Bock auf Gäste und Outdoor-Sessions, auch vielleicht mal hier auf der Veddel, Brückenparty oder sowas. Also der Campus ist auch eine coole Location dafür aber vielleicht kommen hier die Cops nicht so schnell (lacht).
M: Abschließend, beschreibe Dub in einem Satz?
R: Wenn ich King Tubby zitieren darf: „Dub ist ein Vulkan in meinem Kopf“. Das trifft’s.
In letzter Zeit ist öfters von Paolo Baldini zu hören. Der italienische Reggae- und Dub-Produzent scheint einen Lauf zu haben. In schöner Regelmäßigkeit brachte er zuletzt jedes Jahr einen Longplayer heraus und war in zahlreichen Remix-Projekten unterwegs. Erst im März veröffentlichte Echo Beach eine Retrospektive seiner ersten Band, den B. R. Stylers. Nun kommt der zweite Streich aus gleichem Hause: Paolo Baldini DubFiles Meets Dubblestandart, „Dub Me Crazy“ (Echo Beach). Wien trifft auf Pordenone: Dubblestandart – ihres Zeichens selbst Dub-Produzenten – legt das Oeuvre der Band in die Hände Baldinis, um aus den Dubs weitere Dubs machen zu lassen. Ich finde, das klappt ganz gut. Der Italiener versteht sein Handwerk und liefert wunderbar kreativ gemixte Dubs ab. Allerdings muss man den trockenen, etwas spröden Sound von Dubblestandart mögen, um die Remixe angemessen würdigen zu können. On.U-Sound und das Dub Syndicate lassen grüßen. Baldini geht jedenfalls ganz Old School ans Werk: reines Mixing, keine Overdubbs oder neue Beats. Da Dubblestandart ja als Remix-Enthusiasten bekannt sind und die meisten ihrer Produktionen bereits x-fach durch verschiedenste Dub-Wölfe gedreht und durch Echo-Kammern gejagt wurden (ich erinnere nur an Tracks wie „Chrome Optimism“ oder „Holding you Close“ zu denen komplette Remix-Alben existieren), dürfte es für Paolo Baldini nicht ganz einfach gewesen sein, den Tracks neue Aspekte abzugewinnen. Erstaunlich, dass es ihm trotzdem so gut gelungen ist. Ich bin gespannt, wer als nächstes remixen darf.
Acts wie Rebelution, Stick Figure, Tribal Seeds und wie sie alle auch heißen mögen, scheinen auf dem Reißbrett entworfen zu sein: Die Musik ein Hybrid irgendwo zwischen Reggae, Rock und Ballade, die Texte ohne Referenzen zu jeglichen Dogmen, die Zielgruppen mit College Kids, Beach Bums, Surfer Dudes und Dopeheads eindeutig definiert – Marke weiße Mittelklasse mit Vorliebe für Bier und Canabis; mit nötigem Kleingeld, aber immer noch aufgeschlossen für soziale Themen. Der All American Boy mit seinem All American Girl sozusagen, Wohnsitz vorzugsweise in den Sunny States. Damit kann man Geld machen – weniger mit Releases, umso mehr mit Tourneen, Merchandise, Bier und Weed. Rebelution machen’s vor und haben Ihre Marke ins Brauerei- und Cannabis-Geschäft eingebracht und für deren 2021er-Tour gibt’s natürlich schon die Premium-Tickets samt Merchandise-Bundle zu erstehen – mit Rebelution-Stainless Steel Water Bottle, Rebelution-Gitarren Plektrum und vielen Rebelution-Dingens mehr – um wohlfeile +/- 115 Dollar. Bei Gigs in Kalifornien, Oregon, Colorado usw. wird das Merch-Angebot vorort einschlägig erweitert, keine Frage.
Rebelution & Konsorten haben anscheinend zielgenau geschafft, woran jamaikanische Acts kläglich gescheitert sind: Reggae wieder ins Bewusstsein einer kaufkräftigen Klientel zu bringen. Gut, vom puristischen Standpunkt hat das seinen Preis – dann gibt’s eben keinen One Drop, keinen Jah und kein Rasta-Patois; und wenn man sich mal gedankenloserweise „Soldiers of Jah Army“ benannt hat, tauft man sich kurzerhand ins unverfänglichere „SOJA“ um. Für die jamaikanischen Großväter bleiben immer noch die Tingel-Bühnen – oder man nimmt sie halt als Support-Act mit auf große Tour. Every nickle makes a muckle, Yardie!
Sarkasmus beiseite – ganz so ist es freilich nicht. Die genannten Bands sind keineswegs am Reißbrett entstanden, sondern haben sich einfach aus ihrem natürlichen Umfeld entwickelt: College-Dude raucht Weed, College-Dude hört Marley, College-Dude klimpert auf Gitarre & der Rest ist Band-Geschichte. Seiner ersten Fangemeinde ist er treu geblieben, auch wenn mittlerweile schon die nächste Generation Spring-Breaker in den Startlöchern scharrt. Aus der Nische ist ein mehr als passabler Markt geworden, denn Colleges gibt es in den Staaten landauf, landab. Good vibes, man!
Rebelution ist jedenfalls das Aushängeschild der einschlägigen kalifornischen Reggae-Bands und ein sehr erfolgreicher Tour-Act – nicht so sehr in Europa mangels… nuja, Colleges; aber als Support für Groundation reicht‘s dann doch auf heimischen Bühnen, wo sie tatsächlich ihr Geld wert sind. So ungefähr Roots Reggae, angetrieben von einem dreckigen Rock-Schlagzeug – das macht was her und kommt mit einiger Power aus den Lautsprechern. Erstaunlicherweise gelingt es Rebelution, diesen Drive und den typischen Live-Sound im Studio zu reproduzieren und auf allen ihren Alben beizubehalten. Das wirkt frisch und gleichzeitig schwergewichtig – ein wichtiger Gegenpol zu den oft übersimplifizierten Texten („Lazy Afternoon“) und einfachen Gesangslinien.
Text & Gesang sollten beim aktuellen Release „Dub Collection“ kein Problem sein. Das Album featured eine Auswahl an Tracks aller bisher erschienen Rebelution-Alben – und die haben mitunter schon 13 Jahre auf dem Buckel. Trotzdem passt alles soundtechnisch zusammen und wirkt wie aus einem Guss. Für den digitalen Dub-Mix zeigt sich ein gewisser Kyle Ahern verantwortlich – seines Zeichens Tour-Gitarrist von Rebelution. „Warum er?“ fragt sich der Rezensent nach dem ersten Hördurchgang; warum nicht Dubmatix, Prince Fatty, Roberto Sanchez, Paolo Baldini, warum nicht irgendwer der sein Handwerk versteht und Dub als spannende, aufregende und mit überraschenden Effekten gespickte Reise in unendliche Sound-Weiten versteht? Das Album lässt mich sprachlos zurück – so dröge, leb-, spaß- und spannungslose Dubs habe ich schon lange nicht mehr gehört. Wenn ein Dub-Mixer nicht kann, nicht will oder nicht wagt, dann entstehen solche Dubs. An den ausgewählten Tracks selbst kann‘s nicht liegen – die hätten allemal Potential zu etwas Großartigem gehabt, aber es sollte wohl nicht sein. Dann lieber noch mal das „Falling into Place“-Album in die Streaming-Pipeline hieven… Rebelution at their best, hands down.
Auf dem Track „Pass The Kushumpeng“ (=Tu-Shung-Peng) sang Frankie Paul 1980: „I don’t smoke cigarettes ‚cause it will stop I breath; I man don’t sniff coke ‚cause it will make I choke; All I smoke is the real tu-sheng-peng.“ Ergo, es geht um das heilige „Rastakraut“. Das Original-Instrumental „Darker Shade of Black“ stammt übrigens von Jackie Mittoo und wurde bereits in den Spät-Sechzigern komponiert. Mitte des Monats veröffentlichte nun das französische Dub-Label ODGProd.com das Album einer nach dem heiligen „Rastakraut“ benannten Band, Tu Shung Peng: „Dub Of Light„. Schon fast traditionsgemäß, ist auch diesmal das über 40-minütige Opus wieder als kostenloser Download zu haben. Über Tu Shung Peng ist bisher leider noch nicht viel Information zu finden. Das wird sich bei der Qualität der Band aber hoffentlich bald ändern. Nur soviel, es handelt sich um sieben Musiker, die bereits als Backing Band viele jamaikanische Künstler wie: Ken Boothe, Michael Rose, U Roy, Derrick Harriott, Clinton Fearon, Justin Hinds und viele andere auf ihrer Tour durch Frankreich begleiteten. Obwohl viele ODGProd-Künstler sich eher dem französischen Steppers verschrieben haben, verwöhnt uns Tu Shung Peng mit Old School-Riddims, dem wahren Sound des klassischen Roots-Reggaes. Alles gutes Handwerk mit einer bestens aufgelegten Blechbläsersektion und Arrangements die teilweise soulig-jazzige-Einflüsse offenbaren. „Listen To Your Dub“ ist ein schönes Beispiel für gelungene Gitarrenlicks, sattem Gebläse und magischen Nyahbinghi-Drummings. Die Qualität des Albums ist umwerfend gut und es schießen einem beim Hören unwillkürlich Erinnerungen an die frühen Arbeiten von Prince Jammy und Scientist in den Kopf. Da kann man doch wirklich nicht meckern.
Der britische Saxophonist/Flötist Nat Birchall feierte bereits 2019 sein zwanzigjähriges Bestehen als Bandleader. Sein Spezialgebiet ist eigentlich zeitgenössischer, spiritueller Jazz im Stile von John Coltrane. Bevor Nat Birchall zum Jazz wechselte, war Reggae seine große Leidenschaft und ist es gewissermaßen auch heute noch. Er wuchs in den 1970ern auf, Reggaes Belle Epoque, als der Stil den Ton angab, der als „Roots-Reggae“ in die Musikgeschichte eingehen sollte. Birchall unternahm fast wöchentlich Einkaufstouren von seiner ländlichen Heimat Lancashire im Norden Englands in das nahe gelegene Liverpool, um die neuesten Jamaika Importe in den Fachgeschäften der Stadt zu kaufen. In einem Interview berichtete Nat Birchall: „Ich habe mein ganzes Geld für diese Platten ausgegeben und die meisten Leute in meinem Dorf kommentierten meinen Musikgeschmack mit: „Was zum Teufel ist das denn? Du bist aber schräg drauf!“ Für Birchalls musikalische Entwicklung ebenso prägend war Count Ossie (Oswald Williams), der Mann, der den typischen Nyahbinghi-Percussionsstil entwickelte, den Rastas bei ihren tagelangen Grounations spielen. Ein wesentliches und exemplarisches Beispiel dieser fabelhaften Grounations, in Rockfort nahe Wareika Hill im Osten Kingstons, ist die in nur drei aufeinanderfolgenden nächtlichen Sessions eingespielte „(Count Ossie &) The Mystic Revelation Of Rastafari – Grounation“ (Ashanti, 1973). Diese Triple-LP genießt einen sehr hohen Stellenwert in Birchalls Plattensammlung als auch seiner Musikwelt. Bei den meisten dieser legendären Aufnahmen war Cedric „IM“ Brooks sowohl Arrangeur als auch am Tenorsaxophon zu hören. Auf dem Meilenstein „Grounation“, der in keiner seriösen Sammlung fehlen sollte, ist der Jazz-Einfluss offenkundig und sprudelt aus jeder Rille – außer bei den Narrations. Die führenden Saxophonisten dieser Ära: Cedric „IM“ Brooks, Tommy McCook, Roland Alphonso weckten Nat Birchalls Interesse für dieses Instrument und beeinflussten ihn stark in seinem Entschluss, Saxophon zu spielen. Im Jahr 2018 gründete dann Nat Birchall zusammen mit dem in Manchester ansässigen Dub-Produzenten Al Breadwinner „Tradition Disc“. Das Label veröffentlichte bisher die beiden, nicht nur in Fachkreisen hochgelobten, Alben Nat Birchall meets Al Breadwinner feat. Vin Gordon: „Sounds Almighty“ und Vin Gordon: „African Shores”. Nun folgt der dritte Streich: Nat Birchall meets Al Breadwinner: „Tradition Disc in Dub” (Tradition Disc). Was wir diesmal serviert bekommen, ist ein richtig relaxtes Dub-Album mit schönen Nyahbinghi-Percussions à la Mystic Revelation Of Rastafari und klassischen Dub à la King Tubby. Wie nicht anders zu erwarten, ist „Tradition Disc in Dub” wieder ein sehr schönes, qualitativ hochwertiges Album geworden, das sicherlich auch all denen gefallen wird, die bereits „Soul Almighty” und „African Shores” zu schätzen wissen/wussten. „Tradition Disc in Dub” wurde wieder mit Tape und analogem Equipment eingespielt. So wie wir das schon seit einigen Jahre von Al Breadwinner gewohnt sind. An der Besetzung wurde nichts Wesentliches verändert: Nat Birchall und Al Breadwinner spielen sämtliche Instrumente, außer Posaune (Vin Gordon) oder Trompete (David Fullwood von den Crispy Horns). Das neue Werk wird meines Erachtens eine ähnliche Begeisterung hervorrufen wie seine Vorgänger, die ich allen nur ans Herz legen kann. Herrlich rootsige Riddims, schöne Horn-Sections, schwere Bass-Lines, Nyahbinghi-Percussions und wie in einer Schlangengrube zischelnde Drums im klassischen flying Cymbals-Style ziehen in ihren Bann. Wie auf dem Album-Cover bereits zu erwarten, hören wir eine Hommage an die guten alten King Tubby/Bunny Lee/Augustus Pablo/Aggrovators Zeiten. Es herrscht eine milde, schon beinahe sanftmütige, magische Stimmung. Auf jeden Fall machen diese Dubs im klassischen Stil immer noch richtig Laune und sind so hinreißend, dass sie selbst einer Steinkopfstatue auf den Osterinseln ein Lächeln auf das Gesicht zaubern könnten.
Man sieht sich immer zweimal. Habe ich eben noch Robbie Ost von den Go East-Studios einen „nicht sonderlich beeindruckenden Mix“ unterstellt, biegt ein neues Album um die Ecke, dass mir die Ohren schlackern lässt – im allerpositivsten Sinn, wohlgemerkt. Ich habe selten einen so schön ausbalancierten Mixdown gehört – und das obwohl hier offensichtlich Soundschicht über Soundschicht gelegt und ein wunderbarer analoger Dub-Effekt dem anderen folgt. Das Ganze ergibt ein dicht verwobenes Netz an Klängen, dass auch nach dem x-ten Mal hören immer noch neues, Ungehörtes offenbart. Und ja, an diesem wirklich beeindruckenden Mix hat Robbie Ost mitgewirkt und er findet sich auf dem Album „C Jones meets Ale X: Kalimba is my Telephone in Dub“ (Echo Beach).
Ich habe vollstes Verständnis für alle, denen weder Artist noch Albumtitel etwas sagen; mir ging’s nicht anders. Deshalb hier ein Schnelldurchlauf: Ale X ist Ali Tersch, Drummer von Dubblestandart und Supermax, der auch mit Steel Pan-Musiker Courtney Jones und Flötistin Lore Grutschnig als Trio „Steel Pan meets Kalimba“ unterwegs war. Während die trinidadische Steel Pan allgemein bekannt sein dürfte, handelt es sich bei der Kalimba um das afrikanische “Daumenklavier“, das heute noch in Simbabwe zeremoniell benutzt wird um mit den Ahnen in Verbindung zu treten. Ali Tersch und Lore Grutschnig haben das Instrument weiterentwickelt und als elektrifizierte Versionen bei Auftritten eingesetzt:
Fünf Jahre nach dem Tod von Courtney Jones hat Ali Tersch aka Ale X jetzt Studioaufnahmen des Trios finalisiert. Ursprünglich als regulärer Release geplant, entstand beim langwierigen Mischen der Tracks die Idee eines Dub-Albums. Dessen Titel „Kalimba is my Telephone in Dub“, so Ale X, steht metaphorisch für den Kontrast zwischen neuester digitaler und jahrtausendealter musikalischer Kommunikation – letztlich ist er aber auch Ausdruck der Verbundenheit mit dem verstorbenen Courtney Jones.
Electro Dub? World Dub? Ale X wehrt sich gegen die Schubladisierung – und in der Tat fällt eine Zuordnung der Musik schwer. Erinnerungen an die mittlerweile bereits 20 Jahre alte Howie B/Sly & Robbie Produktion „Drum & Bass Strip to the Bone“ werden geweckt – könnte man das neue Album als eine zeitgemäße Weiterentwicklung dieses Konzepts unter Einsatz der heutigen technischen Möglichkeiten begreifen? Ale X sieht den Vergleich als Kompliment; waren und sind Sly & Robbie für ihn nach wie vor federführend. Tatsächlich hat er nicht nur mit den ursprünglichen Studioaufnahmen gearbeitet, sondern auch mit Audio-Snippets und Field Recordings, die u.a. bei Reisen – etwa in Indien – entstanden sind. Die Hauptrollen kommen aber den Elektro-Kalimbas und der Steel Pan zu – beide waren für den Rezensenten mitunter erst nach oftmaligem Hören als solche erkennbar. Das macht auch den Reiz des Albums aus: Steel Pan, Flöte, Kalimbas, Percussions – alles mit an Bord; aber niemals „in your face!“, sondern diffizil im Mix integriert und verwoben, sodass sich immer wieder neue Nuancen offenbaren.
Deshalb dem Album eine naive-liebliche, vielleicht sogar belehrende Ethno-World Music-Mentalität zu unterstellen, wäre ein fataler Fehler: Ale X sorgt mit Loops und Beats für anständigen Groove und nutzt Dub-Techniken nicht nur für einzelne Effekte, sondern als Stilmittel – oder als eigenständiges Instrument, wenn man so will. Das Ganze ergibt zusammen ein wunderbares Klangpaket, das sich anfänglich vielleicht etwas spröde zeigt – nur um sich dann nach und nach zu öffnen und seine vielen Klanggeheimnisse preiszugeben. Letztlich kein Dub-Album im konservativsten Sinn – aber ein gehaltvolles, durch & durch gelungenes Debut eines versierten Musikers.
(…und für die extrem schöne Cover Art leg’ ich doch glatt noch einen halben Stern d’rauf)
Nein, das ist beim besten Willen kein Dubalbum, aber gleich vorweg eines der besten Instrumentalalben, die ich in letzter Zeit zu hören bekam. Das Album von The Higher Notes: „Double Salute“ (Roots Unity Music) wächst mit jedem Hören und ist wortwörtlich ein „Double Salute“, eine ganz tiefe Verbeugung und Ehrenbezeugung an die Anfänge und die Helden unserer Lieblingsmusik. Was The Higher Notes im Amsterdamer Earth Works Studio geschaffen haben, wird sowohl unsere alten, bereits verstorbenen Helden Tommy McCook, Roland Alphonso, Jackie Mittoo als auch die Produzenten dieser Ära Coxsone Dodd, Duke Reid, Leslei Kong und Prince Buster im Jenseits in Verzückung versetzen – falls dies möglich ist. Der Gedanke gefällt mir jedenfalls. Die insgesamt elf Ska- und Rocksteady-Tunes, von denen nur zwei Coverversionen (Smoke Rings; Solitude) sind, strotzen nur so vor Musikalität und Hooklines, denen sich eigentlich nur ein Gehörloser entziehen kann. Was die Earth Works Posse um Jan „King“ Cooper, Ras P (Peter Klaasen), Uta J. Maruanaya unter Beihilfe von Richard „High Notes“ De Ruige und Milan Van Wingerden hier abliefern, ist aller Ehren wert. Darüber hinaus ist „Double Salute“ eine wunderbare Hommage an den herrlich warmen, sorgfältig arrangierten und orchestrierten Bigband-Sound der 1950er Jahre, der von Vertretern wie Duke Ellington, Benny Goodman, Count Basie, Glen Miller und Eric Dean gespielt wurde, um nur ein paar Größen zu nennen. Jan „King“ Cooper, Ras P (Peter Klaasen), Uta J. Maruanaya haben so viel Zeit, Perfektion und Herzblut in das Projekt „Double Salute“ gesteckt, dass es eine wahre Freude ist, dem Werk zu lauschen. Nichts wurde dem Zufall überlassen, Band und Produzent haben mit größter Sorgfalt die passenden Instrumente, analogen Verstärker und Mikrofone ausgewählt. Selbst auf die Mikrofonplatzierung wurde großes Augenmerk gelegt, um einen möglichst authentischen Klang zu erzeugen. Meines Erachtens ist das perfekt gelungen. Für mich passt auf diesem Meisterwerk jeder kleinste Ton.