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Augustus Pablo: Rockers Meets King Tubbys In A Fire House (Re-Release)

Der visionäre jamaikanische Musiker Augustus Pablo gehört zu den wichtigsten Personen der Reggae-Geschichte. Anfang der 70er Jahre besuchte Horace Swaby (bürgerlich) zusammen mit Freunden wie Clive Chin und Tyrone Downie das Kingston College (KC). Sein und Tyrones Interesse an Musik hatte sie bereits in eine örtliche Kirche geführt, wo sie fleißig an der Orgel übten.
So oder so ähnlich soll sich die weitere Geschichte zugetragen haben: Irgendwann im Jahr 1971 soll Horace auf dem Weg zu Herman Chin Loys Aquarius Record Shop in Half Way Tree gewesen sein, um dort Platten für das ‚Rockers‘-Soundsystem seines Bruders zu kaufen. Dort bekam er von einem Mädchen eine Melodica geschenkt oder geliehen. Noch im Laden begann Horace, auf dem Instrument zu spielen. Beeindruckt von dem einzigartigen Klang der Melodica nahm Herman Chin Loy Horace am nächsten Tag mit in sein Aquarius Studio. Weiter wird auch berichtet, dass Herman Chin Loy während dieser ersten Session Horace Swaby den Namen Augustus Pablo gab. Während der ersten Sessions entstanden Klassiker wie „Iggy Iggy“, „Invasion“ und „East Of The River Nile“.
Doch erst 1972, als Augustus Pablo sich mit seinem alten Schulfreund Clive Chin zusammentat, gelang ihm der Durchbruch. Pablo verzauberte alle mit dem großartigen „Java“. Die Geschichte zur Entstehung von „Java“ ist nicht weniger spannend: Clive hatte Dennis Wright (einen weiteren Freund von KC) ins Studio geholt, um einen Song aufzunehmen, an dem sie arbeiteten. Die Grundtracks waren bereits fertig, aber auch nach vielen vergeblichen Versuchen wollte der Gesangspart einfach nicht klappen. Als sie enttäuscht das Studio verlassen wollten, ging Pablo auf Clive zu und bat ihn, eine Version des Songs aufzunehmen. Beim Zuhören im Flur war ihm eine Melodielinie eingefallen, die er auf der Melodica spielen wollte. Clive willigte ein, warf das Tonbandgerät an und sie nahmen eine Instrumentalversion auf. „Jaaaavaaa!
Das war ein grober Abriss von den Anfängen des legendären Augustus Pablo, der einen wesentlichen Teil der Dub-Geschichte mitgeschrieben hat. Allein die Suche hier im Dubblog ergibt 58 Einträge.

Jetzt lenken wir den Blick auf das eigentliche Objekt der Besprechung: „Augustus Pablo: Rockers Meets King Tubbys In A Fire House“, das vom französischen Only Roots Label im Dezember 2023 wiederveröffentlicht wurde. Mit seinen frühen Aufnahmen zählt der talentierte Musiker und innovative Produzent zu den Pionieren des Dub. Seine Aufnahmen aus dieser Zeit gelten heute alle als Klassiker und waren Teil des bemerkenswerten kreativen Aufschwungs, den die jamaikanische Musikszene international erlebte. Das Dub-Studioalbum von Augustus Pablo und King Tubby „Rockers Meets King Tubbys In A Fire House“ erschien erstmals 1980 und wurde seither mehrfach wiederveröffentlicht. Firehouse ist eine ironische Anspielung auf den Stadtteil Waterhouse in Kingston, in dem sich King Tubby’s Studio befand, oder auf King Tubby’s Firehouse, Waterhouse, Taurus und Kingston 11 Labels. Die Rockers All Stars mit Mickey ‚Boo‘ Richards, Leroy ‚Horsemouth‘ Wallace und Albert Malawi am Schlagzeug, Robbie Shakespeare am Bass und Earl ‚Chinna‘ Smith an der Gitarre schufen mit „Jah Say Dub“ und „Zion Is A Home“ Dubs, die sich heute immer noch hören lassen können. Die Dub-Mixe sind Remixe der Original-Singles von Pablos Schützlingen Hugh Mundell aka Jah Levi, Delroy Williams und anderen. Neben King Tubby und Augustus Pablo hat auch Prince Jammy einige Mixe beigesteuert, sein Name taucht aber nirgends auf dem Cover auf. Pablos Sound dominiert auf „Rockers Meets King Tubbys In A Fire House“, auch wenn er sein Markenzeichen, die Melodica, hörbar zurückgenommen hat. Obwohl die Melodica nur fragmentarisch zum Einsatz kommt, schlängeln sich Pablos mystische Melodien durch den Mix und die sanften, aber satten Grooves, die eine Rockers-Produktion immer auszeichnen, sind in voller Stärke vorhanden. King Tubby steuert das besondere Element der Dub-Alchemie bei, indem er in passenden Abständen Echo und Delay einsetzt und so die Gesamtatmosphäre geheimnisvoll und verführerisch hält. Aufgrund des Charakters der Musik und ihrer durchgehend hohen Qualität ist es etwas schwierig, Höhepunkte herauszugreifen. Dazu gehören zweifellos das Melodica-Stück „Zion Is A Home“ und das ebenso gute, Posaunen-lastige „Dub in a Matthews Lane Area“, das als Lehrstück in Sachen Dub-Technik dienen könnte. Die Horns werden in den Credits alle Felix ‚Deadley‘ Headley Bennet zugeschrieben, was sicherlich falsch ist. Seinen unverkennbaren Sax-Stil kann ich nur im „Short Man Dub“ heraushören. Erwähnenswert finde ich auch den Einsatz des String-Synth-Keyboards in „Selassi I Dub“, das Pablo zum ersten Mal auf dem „East Of The River Nile“ Album ausgiebig einsetzte. Pablo schien den Klang dieses Instruments zu lieben. Im Gegensatz zur Melodica oder dem Clavinet, die er meist als Lead-Instrument einsetzte, benutzte er den String-Synthesizer eher als Harmonieinstrument.

Anmerkung zur Veröffentlichung des Albums: Das Interesse an Augustus Pablo war 1979 auf dem Höhepunkt. Sein „East Of The River Nile“ Set und das Album „Africa Must Be Free By 1983“ seines Protegés Hugh Mundell im Jahr zuvor lösten ein Interesse an allem aus, was mit Pablo zu tun hatte. Vor allem an seinen frühen Produktionen. Der vorliegende Deep Roots Dub-Klassiker erschien ursprünglich 1980 auf Yard (J.A.) & Shanachie (U.S.A.) und Augustus Pablo war, wie Lee ‚Scratch‘ Perry vor ihm, nicht mehr im Einklang mit dem aktuellen Musikgeschmack in Jamaika. Für manche mag das überraschend gewesen sein, aber mit der Veröffentlichung einer einzigen Platte kann sich das über Nacht ändern, und diese plötzliche Veränderung ist auf „Rockers Meets King Tubbys In A Fire House“ zu hören. Die Dancehall-Revolution wurde im Herbst 1979 von Henry ‚Junjo‘ Lawes eingeläutet. Mit den schweren, dichten Rhythmen der Roots Radics war der Rebel Rock Sound von Pablos Rockers All Stars nicht zu vergleichen – dazwischen lagen Welten. Trotzdem ist und bleibt „Rockers Meets King Tubbys In A Fire House“ für mich auch 44 Jahre nach seinem Erscheinen eines der besten Augustus Pablo Alben überhaupt.
Die Wiederveröffentlichung kommt in der bisher besten Qualität. Wer also einen schönen, zeitlosen Klassiker in seinem Plattenschrank haben möchte, sollte zugreifen.

Bewertung: 4 von 5.
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Five Star Review

Pinnacle Sound: In Dub, Vol. 1

Auf den letzten Metern des Jahres 2023 erschienen, gehört das Album „In Dub, Vol. 1“ (Bat Records) von Pinnacle Sound für mich zu den Jahres-Highlights. Okay, ich habe Retro-Sound oft genug kritisiert und in der Tat kann man sich die Frage stellen, wie viel Sinne es ergibt, den Sound historischer Reggae-Stile nachzuspielen. Aber andererseits ist das historische Material rein quantitativ schon begrenzt – von der Klangqualität ganz zu schweigen. Wenn also neue Musik in historischem Stil entsteht, so lässt sich das leicht als eklektizistisch oder historistisch abtun, aber zugleich kann es ganz wunderbare Musik sein. Vielleicht würde es helfen, das „historisch“ zu streichen, und den Stil einfach ganz ohne implizite Wertung als das zu nehmen, was er ist: eine charakteristische Klangform. Wie wäre es also, wenn wir „Early Reggae“ einfach als Musikstil ohne historische Dimension verstehen würden? So wie z. B. Steppers oder One Drop? Obwohl der Vergleich hinkt, wäre das eine willkommene Lösung für mein Dilemma, dass mir das neue Werk von Pinnacle Sound so ungemein gut gefällt – obwohl es historisch anmutender Early Reggae in Reinform ist. Ich liebe das Album: Der Sound ist so unwiderstehlich frisch, so energetisch und so eingängig, dass es eine pure Freude ist – und sich jegliche akademische Diskussion über die Rechtfertigung von Eklektizismus von selbst verbietet. Abgesehen davon, bietet „In Dub, Vol. 1“ eine Qualität von Dub, wie sie vor 50 Jahren noch nicht existierte.

Mein neues Lieblingsalbum ist auf Bat-Records erschienen, jenem kleinen in Clermont-Ferrand ansässigen Studio und Label, dem neben Pinnacle Sound auch die Dub Shepherds angehören. Beides Schöpfer eines wunderschönen Retro-Reggaes. Beim vorliegende Dub -Album haben Pinnacle Sound und die Dub Shepherds kongenial zusammen gearbeitet, handelt es sich doch um die Dub-Version des Pinnacle-Albums „Soul Medicine“ von 2022, das seinerzeit von den Dub Shepherds gemixt (und wahrscheinlich auch mit-eingespielt) wurde. Was lag näher, als auch den Dub-Mix in die Hände der Schäfer zu legen? Und die haben fantastische Arbeit geleistet. Wollte man in einem Musikseminar erklären, was Dub ist, dann bräuchte man nur den Track „Psam 2“ von „Dub Medicine“ spielen und danach die Dub-Version „Psalm 150“ auflegen. Das Seminar könnte wortlos bleiben, denn der Dub bringt genau auf dem Punkt, worum es bei unserer Lieblingsmusik im Kern geht: Darum, mit Hilfe des Mixes ein gänzlich eigenständiges Musikstück zu kreieren. Der Unterschied zwischen den beiden Psalmen könnte – trotz identischer Materialbasis – größer nicht sein.

Auch, wenn der Psalm etwas ganz besonderes ist, so überzeugt das Album auf ganzer Länge. Jeder Dub ist ein durchkomponiertes Musikstück mit wunderbaren Arrangements, großartigen Melodien und guten Mix-Ideen, die weit über den (sparsamen) Einsatz von Hall und Echo hinaus reichen. Ein Mix, der den Stücken eine regelrechte Dramaturgie verleiht – wie ein Meta-Arrangement. Ich bin froh, dass dieses Album noch 2023 erschienen ist, kann ich auf diese Weise doch der These von gtk, dass die Jahresausbeute 2023 schlecht sei, mit Inbrunst mit voller Überzeugung widersprechen.

Bewertung: 5 von 5.
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Marcus I meets aDUBta: Cut A Wire Showcase

Nach 20 Jahren Vorarbeit wurde im April 2023 endlich das erste Album von „aDUBta & The Black Oak Roots Allstars: Sounds From The Attic“ fertiggestellt. Auch hier haben wieder zahlreiche illustre Gäste wie Earl 16, Var, Ranking Joe, Cedric Myton, YT, Brother Culture, Vin Gordon & Stepper sowie Umberto Echo ihr Können beigesteuert.
Alleine ein Blick auf die Website des Multiinstrumentalisten und Produzenten Andreas „aDUBta“ Bauer macht schnell deutlich, warum das Debütalbum erst jetzt erscheint. Dort findet sich eine beeindruckend lange Liste an Kollaborationen, in der sich Namen wie Headcornerstone oder die Grazer Roots Organisation wiederfinden. Auf den Punkt gebracht: aDUDta aus dem Süden Deutschlands ist ein Hansdampf in allen Gassen und tanzt auf vielen Hochzeiten.

Knapp ein halbes Jahr später, im Oktober 2023, wurde das Mini-Album „Marcus I meets aDUBta: Cut A Wire Showcase“ beim Straßburger Hornin‘ Sounds Label veröffentlicht. Die Riddims des Albums sind bereits im Vorfeld von aDUBta & The Black Oak Roots Allstars eingespielt worden. Im November 2022 kam der 1984 in Spanien geborene und seit 2020 in Südfrankreich lebende Marc „Marcus I“ Ibarz ins Attic Roots Studio nach Utting am Ammersee, um das Projekt mit aDUBta fertigzustellen. Mit dem Sing-Jay Marcus I und aDUBta haben sich zwei Musiker gefunden, die offensichtlich die Liebe zum Roots Reggae und dem analogen Sound der 70er Jahre verbindet. Marcus I ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr: Seit 2011 hat er an zahlreichen Produktionen mitgewirkt, von denen über 80 auf CD und/oder Vinyl erschienen sind. Auf dem vorliegenden Album finden sich (nur) vier schwergewichtige Roots Reggae Tracks im sogenannten Showcase-Format, auch Discomix genannt. Auf den Song folgt also direkt in einem Aufwasch der Dubmix. Eine schöne alte Tradition, die in den letzten Jahren wieder verstärkt an Bedeutung gewonnen hat.

Drei der vier Tracks sind länger als sieben Minuten und aDUBtas Erfahrung als Multiinstrumentalist und Produzent zahlt sich hörbar aus. Der satte Sound kann sich im Vergleich zu anderen namhaften und großen Studios durchaus hören lassen. Zudem klingt alles so wunderbar rund, dass keine Langeweile aufkommt. Der Einsatz von Live-Instrumenten ist organisch und unüberhörbar. Natürlich hat auch aDUBta mit diesen Showcase Tracks das Rad nicht neu erfunden, aber wozu auch, wenn ich einen schönen, soliden Dub zu hören bekomme? Die Hauptsache ist doch, dass diese perkussiven Riddims dynamisch, authentisch und glaubwürdig rüberkommen – und das tun sie voll und ganz. Was mich an „Cut A Wire Showcase“ am meisten begeistert, ist der Sound, der stellenweise an den typischen und legendären Black Ark-Sound eines Lee „Scratch“ Perry erinnert. Wenn man sich den Dub-Teil des Titeltracks „Cut A Wire“ ab 4:20 anhört, versteht man vielleicht am besten, was ich meine. Beim dritten Song „Perfect Collie“ erinnern mich die Backing-Vocals sehr an die Israel Vibrations.

Fazit: Um dem Ganzen den letzten Schliff zu geben, hat aDUBta die Mixe und Dubs komplett live & analog auf seinem TASCAM 388 Mischpult abgemischt. Das Album klingt klassisch und zeitgemäß zugleich – das gefällt mir.

Bewertung: 4 von 5.
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Andru Branch & Halfway Tree: Weather The Dub

Asche auf mein Haupt, manchmal gelingt es Musikern und Künstlern, jahrzehntelang unbemerkt unter meinem Reggae- und Dub-Radar zu segeln. Ein solches Phänomen ist der vielfach ausgezeichnete Andru Branch mit seiner insgesamt siebenköpfigen Band Halfway Tree.
Der kanadische Keyboarder, Sänger und Bandleader Andru Branch (*27. Juni 1968) ist das Mastermind der Reggae-Band Andru Branch & Halfway Tree, die bereits über 28 Jahre Bestand hat. Aufgewachsen ist er inmitten einer lebendigen Rastafari-Gemeinde in Toronto, wo er die feinen Nuancen des Reggae von einigen jamaikanischen Musikern lernte, die sich in der kanadischen Metropole niedergelassen hatten. Im Jahr 1995 gründete Andru Branch seine Band Halfway Tree, die er nach dem lebendigen Musikviertel in Kingston benannte, wo er zudem das große Glück hatte, mit einigen der berühmtesten jamaikanischen Musikern zu spielen und aufzunehmen. Obwohl die Band-Mitglieder im Laufe der Jahre wechselten, hat er immer versucht, seinen unverwechselbaren Band-Sound beizubehalten, der lt. Interview auf der Philosophie von Peter Tosh basiert: „Reggae ist spirituelle Musik mit spirituellen Zutaten für spirituelle Zwecke.“

Das erste Album, das schlussendlich auch meine Aufmerksamkeit erregte, war das mit Spannung erwartete dritte Dub-Album „Andru Branch & Halfway Tree: Weather The Dub“, das schon im Januar 2023 erschien und im Dubblog Release-Radar leider ohne Resonanz blieb. So blieb meine Rezension mangels Interesse zunächst in der Warteschleife.
Bereits 2021 veröffentlichten Andru Branch & Halfway Tree das dazugehörige Songalbum „Weather The Storm“, das während der COVID-19-Pandemie entstand und diese trostlose Zeit sowohl musikalisch als auch textlich reflektiert. Dabei gelingt es Andru Branch & Halfway Tree immer wieder, einen Hoffnungsschimmer durchscheinen zu lassen – die Botschaft der Liebe. Das von der Kritik hochgelobte Studioalbum wurde von dem amerikanischen Soundtüftler und Toningenieur Dartanyan ‚GreenLion‘ Winston aus Ohio einer kompletten Dub-Bearbeitung unterzogen. Produziert wurde diese Sammlung geradlinigen Roots-Reggaes mit üppigen Bläsersätzen und seidigen Gesangsfragmenten von Guillaume Bougard bei TABOU1.

Der erste Track des Albums, „We Are Dub“, baut sich langsam, eher schleppend auf, wobei die anfänglichen Klänge durch einen satten Bläsersatz erstklassig ergänzt werden. Der Track war bereits auf dem zweiten Dub-Album der Band „We Are Dub“ zu hören. „We Are Dub“ ist eine Sammlung von Dubs aus der damals 25-jährigen Karriere von Andru Branch & Halfway Tree. Mit von der Partie waren drei der besten jamaikanischen Reggae-Bassisten aller Zeiten: „Family Man“ Barrett, Chris Meredith und die Studio One-Legende Brian Atkinson, der ursprüngliche Bassist und Gründungsmitglied der weltberühmten Studio One Band „The Soul Vendors“. Diese Band aus Allstars entstand infolge der Auflösung der Skatalites im August 1965 und nannte sich nacheinander auch (Roland Alphonso &) The Soul Brothers (1965–67), The Soul Vendors (1967–68) oder Sound Dimension.
„Dancehall Dub“ ist eine schöne Version des vom Ska geküssten Songs „The Storm“, bei dem jedes Instrument nacheinander eine Führungsrolle übernimmt.
Der satte, vorwärtsdrängende Reggae-Beat von „Dub Times“ wird durch den Einsatz einer Djembe akzentuiert und gewinnt dadurch an Exotik.
Im darauf folgenden Stück „Dubtima“ vermitteln die Akkorde und Melodien einen Hauch von Orient.
Das düstere, fast schon dramatisch angelegte Stück, „The Dub Is Coming In“, ist eine Auseinandersetzung mit unseren innersten Dämonen, aber auch mit den Folgen des drohenden, vom Menschen verursachten Klimawandels.

Alle Tracks wurden von Dartanyan ‚GreenLion‘ Winston gekonnt dekonstruiert und mit einer Tonne Energie, Studio- und Mischpultmagie wieder zusammengesetzt. GreenLion zieht wieder alle Register und liefert ein wunderbar sprudelndes Klangbad aus Vocals, Echo, Hall und Delay. Alles in allem eine richtige Entdeckung eines sehr feinen, entspannten Albums mit satten Bläsersätzen und treibenden Gitarrenriffs, bei dem alles am richtigen Platz ist.

Bewertung: 4 von 5.
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Dubblog Jahres-Charts 2023

Es ist wieder so weit: Wir servieren euch unsere Dub-Top 5 des zu Ende gehenden Jahres. Wie ihr seht, zählt bei uns Diversity. Wie sollte es bei einem so facettenreichem Genre auch anders sein? Wir sind auf eure Kommentare gespannt.

Top 5 von René

Zion Train: Dissident Sound

Vielleicht das beste Zion Train-Album ever. Hier stimmt alles: Komposition, Produktion, Mix. Sogar die Message passt.

Pinnacle Sound: In Dub Vol. 1

Auf den letzten Metern des Jahres erschienen und direkt zu meinem Highlight 2023 avanciert. Läuft über die Weihnachtsfeiertage in Dauerschleife.

Guiding Star Orchestra: Communion

Feinster instrumentaler Roots-Reggae mit fantastischen Bläser-Sätzen, gefühlvoll gemischt und sanft präsentiert.

Prince Fatty meets The Gorgon in Dub

Kaum zu glauben, was der dicke Prinz hier aus den tausendfach gehörten Bunny Lee-Produktionen heraus holt.

Jah Myhrakle: Who Keeps The Seals Dub

Ein mystisches, wie mysteriöses Album aus Belize, von einem Musiker, über den kaum etwas bekannt ist. Muss auch nicht, denn die Musik spricht für sich.

Top 5 von Ras Vorbei

The Thugs: Holy Cobra Dub

Tracks, die genau diese raumgreifende, tiefgründige Attitüde, dieses Gefühl des ständigen Erfindens haben.

Jah Myhrakle: Who Keeps The Seals Dub

Jah Myhrakle ist ein elektrisierender Reggae-Interpret, der im positiven Sinne eine mentale und spirituelle Herausforderung darstellt.

Dublerone: Dub For Kailash

Handgemachte Dub-Schokolade vom Feinsten mit einer jazzigen Note aus der Schweizer Hauptstadt.

Creation Rebel: Hostile Environment

Nach über 40 Jahren Bühnenabstinenz meldet sich die Reggae/Dub-Legende mit einem fulminanten neuen Album zurück.

The Grapes of Dub: Combat Dub

Kopfmusik: Diese seltsamen Klänge sind bemerkenswert bizarr und dennoch spannend anzuhören.

Top 5 von gtk

2023: Leider nein!

Mal ganz unter uns: 2023 war kein gutes Jahr für das Dub-Genre, insbesondere im Bereich Roots. Freilich hätte hier ein „lediglich gutes“ Album platziert werden können, aber verdient wäre das nicht gewesen. Deshalb diesmal keine No. 1 – leider!

Dub Syndicate: Acres of Space (Re-Release 2023)

Selbst bei der No. 2 muss auf Altbewährtes zurückgegriffen werden: Auch 2023 ist das ursprünglich 2001 erschienene „Acres of Space“-Album des Dub Syndicates ein wunderbares, Adrian Sherwood-veredeltes Werk. Ein lang herbeigesehnter Re-Release!

Mellow Mood & Paolo Baldini DubFiles: Mañana Dub

Um die Qualität des Dub-Counterparts von Mellow Mood’s „Mañana“-Album zu vermitteln, benötigt es lediglich zwei Worte: Paolo Baldini.

Guiding Star Orchestra: Communion

„Feinster instrumentaler Roots-Reggae mit elaborierten Bläser-Sätzen und gar nicht mal so dezenten Dub-Effekten“ – so steht’s in der Album-Rezension und besser kann man’s nun wirklich nicht ausdrücken.

Dub Plantage: Beware of the Megamagicmushrooms!

Das Debut von Dub Plantage klingt wie ein verschollenes, von Akustik-Zauberer Paul Smykle abgemischtes Album, das wohl auch zu dessen Glanzzeit – so um ’84 herum – hätte erscheinen können. Wunderbar!

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I-Man Cruz: In A Mission (Showcase)

Ferrán Cocera Cruz alias I-Man Cruz, hat schon als Kind sehr gerne gesungen. Ende der 1990er Jahre sang er in einer Reggae-Band namens The Red Ones. Die Band coverte vor allem Studio One Klassiker. Als I-Man Cruz nach Santander umzog, begann er mit Roberto Sánchez zusammenzuarbeiten. Im Jahr 2009 nahm er im Studio A-Lone Ark Muzik seinen ersten Song „To The Light“ auf, der jedoch unveröffentlicht blieb. Fünf Jahre später gründete er eine neue Band mit dem Namen Rice & Peas. Mit den Rice & Peas entstand der Song „Everything’s Possible“, der jetzt in leicht abgewandelter Form auf dem Showcase-Album „I-Man Cruz: Man In A Mission“ (A-Lone Ark) zu hören ist. Zuvor wurden unter dem Namen Papa Cruz bereits zwei Songs veröffentlicht: „Crisis“ aus 2013 wurde mit Linval Thompson und „Nuff A Dem“ aus 2017 mit den Viceroys eingesungen. Mit Roberto Sánchez nahm er den gemeinsamen Song „We’re Going To Zion“ auf und veröffentlichte anschließend die Solo-Single „Tek A Look“, die ebenfalls auf diesem schönen Album zu hören ist.

Auch für I-Man Cruz liefert Roberto Sánchez knackige Roots-Reggae-Riddims mit exquisiten Old-Skool-Vibes, wie sie für viele seiner Produktionen typisch sind. Der Gesangsstil von I-Man Cruz, ist unüberhörbar von jamaikanischen Größen wie Dennis Brown und Delroy Wilson inspiriert. Mit insgesamt sechs Showcase-Tracks stellt das Album die stimmlichen und lyrischen Fähigkeiten des spanischen Roots-Reggae-Sängers meisterhaft unter Beweis. Jeder Dub fügt sich nahtlos an den Gesangspart und schafft so mühelos eine ansprechende akustische Reise, die sowohl Reggae- als auch Dub-Liebhaber gleichermaßen in ihren Bann ziehen wird. Das Album beginnt mit dem Titeltrack „In A Mission“, mit dem I-Man Cruz einen unglaublich eingängigen und einprägsamen Opener mit markanten Bläsersätzen und abwechslungsreicher Instrumentierung präsentiert. Das folgende „Inity“ ist die perfekte Fortsetzung und man freut sich regelrecht auf die Dub-Version. Sowohl musikalisch als auch textlich hält der Song mit Leichtigkeit den Spannungsbogen. Bei „Tek A Look“ harmonieren Cruz‘ Vocals perfekt mit den treibenden Riddims. Gefolgt von „Follow Unfollow“, das sich nach mehrmaligem Hören immer mehr in die Gehörgänge schraubt. Mehr oder weniger dasselbe lässt sich über „Joyful Song“ sagen, ein Stück, das das Potenzial hat, einem depressiven Menschen neuen Lebensmut zu geben.

Kurz: Ein weiteres Debütalbum aus dem A-Lone Ark Studio, das mit seinen sechs über sieben Minuten langen Showcase-Tracks einen guten Einstieg in die musikalische Schaffenswelt von I-Man Cruz bietet. Grundsolide klassische Riddims und Dubs – was will man mehr?

Bewertung: 3.5 von 5.
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Masamune: Mirage

Musikstile entwickeln sich, mäandern durch die musikalische Landschaft, nehmen musikalische und generell kulturelle Einflüsse auf, verändern die Richtung bei technischen Innovationen, schwellen zum Mainstream heran, werden zu schmalen Bächlein oder versiegen nicht selten sogar ganz. Dub hat sich seit seiner Erfindung in den späten 1960er Jahren stets verändert. Eine wichtige Neuausrichtung bewirkte der Sprung nach Europa und die Entwicklung des UK-Dub. Seither ist Dub zu einem internationalen Stil geworden und hat in seiner Vielfalt enorm zugelegt. Doch versuchte man einen generellen Trend auszumachen, so scheiterte das stets. Zu pluralistisch ist das Genre. Doch nun wage ich mal die These, dass der Fluss des Dub sich immer mehr dem Strom der elektronischen Musik nähert. Ja, ja, ich weiß, Moritz von Oswald and Mark Ernestus haben schon in den 1990er Jahren Dub und Techno verschmolzen, aber was damals eine Ausnahmeerscheinung war, scheint jetzt an Volumen und Frequenz zuzunehmen. Ich meine damit ausdrücklich nicht Dub Techno, was ja reiner Techno mit Dub-Effekten ist, sondern das Pendant auf der Reggae-Seite: Dub mit Techno-Appeal. Puristen werden das natürlich rundheraus ablehnen, ich glaube aber, dass hier ein interessantes Potential liegt. Der Franzose Masamune (der sich offensichtlich nach einem berühmten japanischen Schwertschmied des 13. Jahrhunderts benannt hat) lotet dieses mit seinem Album „Mirage“ (ODGPROD) vorsichtig aus. Dabei geht er geschickt vor, indem er mit Track 1 in bekannten Gefilden des elektronischen Dub startet und sich dann langsam in Richtung Techno bewegt, wo er schließlich bei Track 4 ankommt – nur um dann bei Track 5 die Kurve zu Drum & Bass zu nehmen. Das ist ziemlich schlüssig und macht zudem Spaß. Wer keine Angst hat, sollte diese kurze Einführung in Techno Dub und darüber hinaus durchaus mal anhören.

Bewertung: 4 von 5.
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Interview

Interview With Paul Fox

Your name: Paul Fox
You live in: Southampton, UK
Title of your last album: Standing Dub

What is your personal definition of Dub?
For me, a dub is nearly always a dub version of a vocal tune. This means that the dub is another version of the original song that breaks down the tune into component parts and focuses on certain parts at certain times. The dub will also inevitably incorporate echoes and other effects to make it more ‘out there’ than the original song. At other times, dub is a mixture of rhythm and effects to produce an interesting and hypnotising version of a song.

What makes a good dub?
To me there is no definition of what makes a good dub. If there was a formula to make good dubs then once you know the formula, all of your dubs would be great! So I feel it is always about the end result. Does the end result feel good to your ears and body and soul? If it does then you have made a good dub. Sometimes it may be a hardcore steppers dub or it may be a very mellow chilled dub. As long as it ‘feels’ good then it is good! This may be different to every listener.

What aspects of dub music fascinate you the most?
Having listened to dub music for about 40 years and having been making dub music for more than 30 of those years, the aspect of dub music (and any kind of music) that fascinates me is something about it that sounds really interesting. This could vary from one dub track to another. It could be something like a very strange sound that is being used which works really well or it could be some amazing musicianship like incredible drum playing or a fantastic flute solo. It could be the original use of an effect on something that catches your ear. Basically, the thing that fascinates me the most now after all of these years is something that draws me to the dub because it is interesting and original.

How did you discover your passion for Dub and how have you and your music developed since then?
Simple answer – Jah Shaka. When I first started listening to reggae music, I enjoyed the dub versions but did not really pay much attention to them. However, when I first went to see Jah Shaka Sound System I was completely blown away and fully appreciated the beauty of dub music and the places it could take you to in your mind. I started making reggae music and dub after going to some Shaka sessions and my music has developed a lot since then. For many years I think that I was so heavily influenced by sound system culture that I believed dub music should be created with sound systems in mind. The way my music has developed is that I no longer think in those terms and I am totally free to make whatever kind of reggae and dub that suits me. I listen to a lot of genres of music and now I like to incorporate other flavours into my music which keeps it interesting for me and hopefully for other people too.

What does the process of creating a typical Dub track of yours look like?
As I said, the dub nearly always starts life as a vocal track first so the process usually starts by loading up a song that contains vocals. If the individual tracks (drums, bass, chops etc) are already quite produced (EQ, compression, effects and so on) then I will think about what needs to be different in the dub to distinguish it from the vocal version. This could mean changing the EQ on the kick drum to make it sound heavier than the original version if that is what the track needs. Or it could mean changing the levels slightly because I want the focus on something different. Then I will choose the right effects and decide if I need any new sounds that were not in the original song. Before doing an actual mix I will just play the dub through many times mixing as I go and making a mental note of the things that work well and the things that don’t. I will also be aware that if the dub is part of an album, then I must make sure that the mix fits in with the album. So in other words, to keep the album interesting I do not want every dub to start with the same kind of intro like just chops and a melody before the drums and bass come in. There should be a variety of approaches and some dubs may start with all of the sounds or just drum and bass or just vocals and chops.

When are you satisfied with a dub track you produced?Almost never! But at some point you have to admit that it is probably not going to end up sounding noticeably better the longer you spend on it and also you have to keep interested in it yourself. If I worked on one dub for a year solidly then it might sound really great but it is more likely that I would have lost interest in it and that would be heard by the listener. If I feel quite excited about a track then I want to stop working on it when it has ‘peaked’ in terms of how good it sounds to me.

What is most important when producing dub?
The same thing as working on any kind of music – make sure that I like it and would want to listen to it and make sure that it is interesting to the ear.

You also sing yourself. When do you decide to turn your production into a song and when do you just stick to dub?
I nearly always start a track assuming that I will sing on it or someone will sing on it. I have released a couple of dub only tracks over the years but this is very rare. This usually comes about because I have a concept that I like. For instance, I released a dub called Roots Rock because I wanted to make a sprawling long song (nearly six minutes) that had horn solos, guitar solos and other sections a bit like Journey to Addis by Third World. In fact the b-side of my first release was called African Mask and was about 8 minutes long I think and was a similar concept of a long sprawling track that took you on a journey but that one changed into even more of a dub version halfway through.

Basically asked: Do you like songs or dubs better? Why?
Instinctively I would say songs but there are definitely times I prefer the dub version of a song. I think that some dubs are so classic that they outshine the vocal version such as ‘King Tubbys meets Rockers Uptown’ even though the vocal version is amazing. Similarly I prefer ‘Your Teeth in my Neck’ by Scientist to the vocal version even though I love the vocal version. I think overall I like hearing a good vocal followed by a good dub version which sort of makes the experience feel whole. The reason I probably prefer vocals is because that is where the journey normally begins for me and the feeling I get from the song is what initially pulls me in.

What is your special strength?
I wish I had one! I am not sure what my strength is. Maybe it is to keep producing new music regularly for 30 odd years without getting bored.

Which album do you consider to be your best?
This will depend on what mood I am in. But it would probably be one of my recent albums such as Imaginary Lines, Same Blood or Standing Tall and their dub versions. The dub album of mine that I usually listen to the most is Dub Blood, the dub version to Same Blood. But with Standing Dub being released recently I am also leaning towards that one. The reason I like these albums and their dub versions is because I created these works without feeling like I should be making sound system music – I just wanted to make good, interesting and original music. So these are my most varied albums.

Are you able to make a living from music?
No. I wish I did but I have never made that much money from music and I have to work a ‘normal’ job to support myself and my family.

What aspects of producing music do you enjoy the most?
I think in very general terms I enjoy the journey the most. That is to say that I like having a concept in my mind and then seeing where that takes me in terms of sound choices and other aspects. It is a great feeling to sit back and listen to the last few hours of work knowing that before that, this idea had never existed. It is very satisfying when all things come together and the end result is sounding good to my ears. Nowadays I tend to get guest singers and musicians on nearly all of my tracks. I do this because I like having other influences other than just my own on a track to keep it interesting. So when a drummer sends me his files or a guitarist sends me his files, it is a great feeling to bring all of their work and my work together to produce something new.

What do you dislike in the studio?
The one part of the process that I like the least is writing lyrics. I have written literally hundreds of songs. When I release an album, it will usually be around 12 tracks picked from up to 30-40 tracks that I have written in that period. So coming up with new lyrics and melodies after writing for over 30 years is a challenge especially because I want songs to sound new and original.

When you’re not working on Dubs, what do you like to do most?
I like to listen to lots of different kinds of music. I also love a good movie!

What music do you listen to besides Dub?
It is probably easier to say what kinds of music I do not listen to! I like pop, alternative pop, dancehall, rock, progressive rock, hip-hop, rap, Afrobeats, singer-songwriter, soundtracks, punk music and more. I don’t listen to country music or thrash metal and probably a couple of other genres but I am very open-minded about music. All it has to do is sound good to me regardless of the genre.

If money and time were no object, what project would you like to realize?
I would love to work with some of the new reggae artists in Jamaica like Jaz Elise and Lila Iké. I would also like to make a project that involved travelling to different countries and working with artists and musicians in those places. It would end up being a sort of fusion between world music and reggae/dub.

Are there any Sound System events that you particularly enjoy attending? Why?
I have not been to a sound system for a while because I don’t enjoy that environment as much as I used to. This is less to do with the sound system culture and more to do with being around so many people! I am more introverted than I used to be and just enjoy being with fewer people when I want to relax. However, when I have been to reggae or dub events, I still love the vibes. I have always enjoyed the vibes of Aba-Shanti. As long as the vibes are positive and the music is interesting and varied then it would be an event that I would enjoy.

What do you prefer: studio work or sound system performance?
Definitely studio work. Sound system performance can be amazing and incredibly rewarding to feel the vibes of everyone focussed on the same thing but there is also a pressure and an aspect of nerves that does not exist with studio work. Being on my own or with another person in the studio is complete freedom and relaxation.

Who do you think is the greatest dub artist of all time?
I would probably have to look to the classic dub artists like King Tubby, Augustus Pablo, Lee Perry and Scientist for that title because they were the pioneers and deserve a lot of respect. I do enjoy more modern dub producers as well as long as the music is a bit different and is not just trying to emulate the golden age of dub music which people think of as the kinds of dub being produced in the 1970’s. We have to look forward and be pioneers ourselves.

And who is currently the most interesting Dub artist?
Me of course!!! No, not really. I think someone who does things a bit differently grabs my attention but I don’t have a favourite dub artist. It depends on the individual dub itself.

Which sound system do you value most?
Jah Shaka was my introduction to sound systems and so will always be greatly valued but I really like Aba-Shanti. Often small local sound systems have an appeal because they have an original vibe unless they are just trying to emulate Shaka or others. So there is a local sound system near me called Countryman Sound System that plays a varied and pleasing selection that does not descend into endless steppers.

What are your personal top five dub albums?
Classics only on this list ….
Augustus Pablo: King Tubby Meets the Rockers Uptown
Lee Perry: Super Ape
Jah Shaka & Aswad: Jah Shaka Meets Aswad in Addis Ababa Studio
The Twinkle Brothers: Dub Massacre Part 1
Sound Iration: In Dub

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Dub Syndicate: Fear of a Green Planet (2023)

1998 gründete Style Scott in Zusammenarbeit mit dem Berliner Vertrieb EFA sein eigenes Label Lion And Roots. Die ersten beiden Releases waren gleich zwei Dub Syndicate-Alben: „Mellow and Colly” und „Fear of a Green Planet“. Konzipiert als „Soundclash“ zwischen London und New York basierten sie auf den selben acht Riddims, die Scott wie üblich mit den Bassisten Flabba Holt und Bagga Walker in Kingston eingespielt hatte. „Mellow and Colly“ wurde in New York von Scientist gemixt. „Green Planet“, mit zwei zusätzlichen Riddims und zwei Versions etwas länger, war zu 360° eine On-U-Sound-Produktion, entthielt aber auch ein Souvenir aus New York: Bill Laswell fügte dort per Overdub eine Bassline ein. Ich bin bis heute nicht sicher, welche. In den USA erschien das Album mit alternativem Cover, das recht plump auf Public Enemy’s „Fear of a Black Planet“ verwies. Und damit etwas in die Irre führt, denn auf den ersten Höreindruck setzten DS auf „Green Planet“ den Kuschelkurs fort, den sie 1996 mit Ital Breakfast etabliert hatten, ihrem vorerst letzten Album auf On-U Sound. Dort trieben mittlerweile die japanischen Punk-Kids von Audio Active ihr Unwesen, und Style Scott hatte just zuvor mit Bill Laswell ein anbetungswürdiges atomar-apokalyptisches Album auf Word Sound eingespielt, das fast ohne Harmonik und Melodik auskam. Dagegen ging es auf „Green Planet“ ein bisschen zu wie im Hippie-Camp. Tablas, Violinen, schmachtende Melodien und Sprüche aus dem Rasta-Poesiealbum, die Riddims bis auf einen („Wake Up“) allesamt näher am Lovers Rock als an der Dancehall-Gegenwart, das erschienen mir in dieser Lebensphase alles etwas unterwältigend. Trotzdem bin ich immer wieder zu diesem Soundclash-Doppel-Album zurückgekehrt, habe die Versions einzeln oder als Album back to back gespielt und mich an den unterschiedlichen Mixansätzen erfreut. Während „Mellow & Colly“ sparsam und schlank ausgestattet war, lernte ich auch immer mehr die Gemütsruhe und Souveränität zu schätzen, die die Produktion von „Green Planet“ bestimmen. Das neu gemasterte Re-Release von „Fear of a Green Planet“ (Echo Beach) zum 25jährigen Jubiläum lässt diese Stärken, wenn überhaupt, noch deutlicher hervortreten. Die Produktion ist, wie die Engländer sagen würden, „lush“, das heißt im landschaftlichen Sinne im vollen Saft. Alles fließt, tropft, blüht auf und bestäubt einander in dieser pastoralen Idylle, in der es keinen Überlebenskampf zu geben scheint, nur Harmonie. Garten Eden statt Dschungel. Die Känge clashen nicht, sie umschwingen einander respektvoll in einem ozeanischen Offbeat-Strom, ohne je die Grenzen zum Kitsch wegzuspülen. Auch wenn da jeder seine eigenen Grenzen ziehen mag. Spiritueller Höhepunkt ist das tatsächlich wortlose „Not a Word“ mit seiner Gänsehaut-Violine, danach wird das Tempo mit einem Steppers- („Dubbing Is a Must“) und einem Dancehall-Riddim („Wake Up“) geringfügig angezogen. Ab hier wird es nur noch deeper und minimalistischer: „Hey Geoff“ erinnert mit seinen Stimm-Samples an die Kollegen von Tackhead und Little Axe, und in seiner extremen Luftigkeit an „Stoned Immaculate“. Die Versions von „Higher and Higher“ und vor allem „Emmanuel“ beeindrucken durch mixtechnische Reduktion. Diese fantastische Schlusstrecke wird auf dem Re-Issue noch ergänzt durch drei Extended Loop Mixes, die das Vergnügen noch ein bisschen in die Breite ziehen. Hier wurden offenbar Passagen vom Master geloopt und noch mal mehr oder weniger kreativ gedubbt, es passiert also nicht viel neues, nur noch ein bisschen mehr. Viertes und aussagekräftigstes Supplement ist ein Remix von „Dubvionist“ Felix Wolter. Basierend auf „Greater David“ fällt es mit viel Tapesättigung ein bisschen aus dem Soundbild, bildet aber einen würdigen Abschluss. Diese vier neuen Versions ändern aber nichts am Impuls, gleich danach „Mellow and Colly“ aufzulegen. Denn durch die schlanken Scientist-Mixe, die mit weniger Overdubs auskommen und im Discomix-Verfahren auch den Vocals (u.a. Junior Reid und Big Youth) mehr Platz einräumten, wird die komplette Soundclash-Experience so richtig dreidimensional. Das wissen sie auch bei Echo Beach. Das Re-Issue soll im neuen Jahr kommen.

Bewertung: 4 von 5.
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Protoje & Zion I Kings: In Search of Zion

Review René

Es ist ja schon etwas befremdlich, dass ein jamaikanischer Artist sich an Musiker außerhalb Jamaikas wenden muss, wenn er Roots Reggae-Rhythms haben möchte. Aber okay, Jamaica is moving forward – während wir hier im „Westen“ konservativ am Erbe der 1970er Jahre festhalten. Da wir hier aber immer noch einige Kaufkraft besitzen (mal sehen, wie lange das noch gilt), ist Protoje auf die Idee verfallen, sein Album „In Seach of Lost Time“ von 2020 für unseren Hörgeschmack „remixen“ zu lassen und als „In Search of Zion“ (RCA Records) heraus zu bringen. Remix bedeutet hier, dass die drei Zion I Kings-Produzenten eigentlich ein gänzlich neues Roots-Instrumentalalbum komponiert und aufgenommen haben – das allerdings lediglich als Backing für die Voclas von Protojes vorhandenem Album „In Seach of Lost Time“ dient. Das ist wirklich ein verrücktes Konzept: Einfach mal die Musik austauschen, um das Album besser an europäische und nordamerikanische Zielgruppen verkaufen zu können. Tja, ist halt Business. Allerdings waren die Zion I Kings stolz genug, um auf ein Doppelalbum mit Dub-Versions ihrer Produktionen zu bestehen. Und die hören wir uns jetzt mal an. Was direkt auffällt: Das Spektrum reicht stilistisch vom Lovers-Rock-Backings bis zu (verhaltenem) Roots-Steppers. Die Lovers-Rhythms streiche ich jetzt mal wohlwollend, denn mit Schlager kann ich absolut nichts anfangen, egal in welchem musikalischem Gewand er daher kommt. Die Backings von Schlager sind nicht weit von Fahrstuhlmusik entfernt – eine Ausgeburt an Langeweile. Was bleibt sind die Roots-Dubs auf dem Album. Doch die sind, gemessen am State of the Art-Dub der Gegenwart, unfassbar blass und unscheinbar geraten. Wo bleibt die Power von Roots? Wo die Dynamik, wo das rebellische Statement? Wie kann ein Roots-Album eines großen Artists so seicht, unoriginell und mutlos daher kommen? Gleiches gilt für den Dubmix: Absolut generisch. „In Search of Zion“ ist leider eine riesige vertane Chance, modernen Dub einer breiten Zielgruppe von Protoje-Fans schmackhaft zu machen.

Bewertung: 3 von 5.

Review gtk

Zugegeben, Protoje ist mir – vor allem in den letzten Jahren – eher durch beiläufiges Weghören bekannt: Ich steh‘ nicht auf HipHop, ich steh‘ nicht auf Sprechgesang. Vielleicht mag man das in diesem Fall als Conscious HipHop, Progressive Rap, Sing-Sang oder wie-auch-immer benennen; jedenfalls lassen Musik und Text meine Hörnerven ziemlich unbeeindruckt zurück – und das obwohl ich mich, wenn auch nicht mit der üblichen Intensivität, mit Protojes Alben durchaus beschäftigt habe: Schlussendlich hat jeder Kunstschaffende eine Chance verdient.

Der Fairness halber sei bemerkt, dass man im Oeuvre Protojes – oder sollte man besser sagen: im Oeuvre seiner Produzenten – durchaus gelungene Hooklines entdecken kann. Die konnte man schon in den ersten (international erschienenen) Alben finden – Produzent Don Corleon sei Dank, der Protoje quasi das damals noch Reggae/Conscious Dancehall/R&B-lastige Material bis hin zu den Lyrics auf den Leib geschrieben hat. Mit den darauf folgenden Alben & Singles konnte sich Protoje mit eigenem Label & Management und vor allem der Unterstützung von Produzent/Keyboarder Phillip James als feste Größe in seinem ReggaeHipHopR&B-Hybridgenre etablieren. Live ein wenig mehr Roots, im Studio etwas mehr R&B – jedem das seine. Da war’s nur mehr eine Frage der Zeit, bis sich ein Major-Label mit Protoje schwarze Zahlen ausgerechnet und ihn vertraglich vereinnahmt hat. Sony Music bzw. dessen Sub-Label RCA Records lenkt seit 2020 mehr oder weniger die Geschicke Protojes, obwohl der sich von dem Deal „a certain level of creative control“ (=> Wikipedia) erwartet. Man möchte ihm das wünschen, wiewohl man weiß, das Majors nicht gerade zimperlich im Umgang sind, wenn ihr finanzieller Input nicht die erwarteten Früchte trägt.

Zwei durchaus erfolgreiche Alben auf RCA Records später, sehen wir uns dieser Tage mit einer Überraschung konfrontiert: Da hat doch glatt jemand die (Vocal-)Bänder des 2021er-Releases „In Search of Lost Time“ den Zion I Kings-Team überreicht – um nichts weniger als drum herum das Roots-orientierte Reggae-Album „In Search of Zion“ (RCA Records) zu basteln (RCA nennt’s gar ein „Remix-Album“). Wessen Idee das war, sei dahingestellt; es mag Protoje selbst sein um in der Reggae-Community wieder etwas Credibility zu erlangen; es mag Sony/RCA Records sein, dass in seinem Roster auch das Sunshine-Reggae-Segment abgedeckt wissen will. Dass es gerade Zion die I Kings getroffen hat, mag deren guten Ruf oder aber auch einer ersten Zusammenarbeit auf Protojes letztem regulären Release „Third Time’s the Charm“ zu verdanken sein.

Nun wissen wir bereits, was wir von den Zion I Kings erwarten können: Einwandfreies Handwerk, gediegene Arrangements und feinster Sound, umgesetzt in klassisch anmutenden Roots-Tunes. Da kann man wirklich nicht meckern, das ist ein solides Backing das jedem Sänger Raum gibt, sein Ding umzusetzen. Das funktioniert sogar, wie in vorliegendem Fall, wenn der Sänger gar nicht neu einsingt. Wunderbar und maximal erhellend: Das Original und die Reggae-Version back-to-back hören, zwei Welten vergleichend. So ein Rap geht doch nicht auf Roots… doch, das geht. Und es hört sich gut an!

Als unerwartete Draufgabe liefern uns Protoje/RCA Records/Zion I Kings auch noch die Dub-Tracks dieser vor zwei Jahren eingespielten Reggae-Versionen. Auch das können die Zion I Kings, wie sie mit den Dub-Alben unter eigenem Namen bewiesen haben – insbesondere mit dem Vol. 1 ihrer Dub-Series, mit dem sie Style Scott einen exzellenten Tribut zollen. Nun wissen wir – und haben es hier auch schon besprochen -, dass man von den Mannen rund um Laurent Alfred keine Wahnsinns-Innovationen erwarten darf – entsprechend gediegen wummern die Dubs bass-lastig aus den Boxen; entsprechend punktgenau und niemals übersteuernd werden die Effekte eingesetzt. Nichts Neues unter der Virgin Islands-Sonne – „nur“ die übliche Verlässlichkeit mit Qualität.

Bewertung: 4 von 5.